Inhalt
1. Einleitung
2. Italien
2.1 Lebensbedingungen
2.2. Staatliche Regulierung
2.3. Organisationen
3. USA
3.1. Moderne Sklaverei
3.2. Rassistische Diskriminierung
4. Kanada
5. Zusammenfassung
6. Literatur
Einleitung
Auf den ersten Blick erscheinen die drei Länder Italien, USA und Kanada doch recht verschieden. Italien war in den ersten zwei Dritteln des 20. Jahrhunderts ein klassisches Einwanderungsland. Es dauerte bis in die 70er Jahre, bis es in Italien zu Einwanderung gekommen ist und noch ca. weitere zehn Jahre länger, bis es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Die Migration, die im letzten Drittel des 20 Jahrhunderts einsetzte kam überwiegend aus Ländern wie den Philippinen, Eritrea, Marokko und Kap Verde.
Die USA und Kanada dagegen sind klassische Einwanderungsländer. Sie erlebten in ihrer Geschichte Migrationsschübe aus unterschiedlichsten Teilen der Welt. Die aktuellen MigrantInnen, die in die USA kommen, stammen vor allem aus den Philippinen, Mexiko und der Karibik. In Kanada stammt ebenfalls ein Großer Anteil der Migrantinnen von den Philippinen, aber auch aus der Karibik und anderen Dritte Welt Staaten. 1 Die USA und Italien zeichnen sich durch eine relativ schlech te Sozialpolitik aus, wogegen Kanada als der vorbildliche Wohlfahrtsstaat in der westlichen Welt gilt.
Das Gemeinsame, was alle drei Länder verbindet ist, dass Migrantinnen dort für informelle Hausarbeit angestellt werden und dabei rassistischen und sexistischen Diskriminierungen ausgeliefert sind. In dieser Hinsicht sind diese drei Länder sich doch sehr ähnlich. Trotz unterschiedlichster historischer Hintergründe in dem Migrationsgeschehen der drei und unterschiedlichster Sozialsysteme sind die Lebensbedingungen für Migrantinnen, die Bezahlte Hausarbeit leisten sehr ähnlich.
1 Stasiulis, Daiva; Bakan, Abigail, B. :Negotiating Citisenship: The Case of foereign
domestic workers ion Canada. In: Ferminist Review, NO 57, Autum 1997, S. 112- 139,
S. 124.
Ein Schwerpunkt wird bei diesem Referat, aufgrund der Literaturlage, auf Italien liegen. Viele grundsätzliche Dinge werden aber in den USA und in Kanada ähnlich sein, wie in Italien. Trotz unterschiedlichen Sozialstaatsmodellen und verschiedenen Migrationsströmen.
1. Italien
Ähnlich wie auch in Spanien und Griechenland wird bezahlte Hausarbeit in Italien überwiegend in Form von Life- in Arbeitsverhältnissen geleistet. 2 Im Gegensatz zu Kanda und den USA ist Italien noch ganz am Anfang seiner Migrationsgeschichte. Die Einwanderung wurde bis zum Ende der 80er Jahre kaum wahrgenommen. Als das Phänomen Migration Ende der 80er Jahre gesellschaftlich bemerkt wurde, schrieb man ihm ein besonderes Interesse in der Politik zu. 3
40% der Immigranten in Italien sind Frauen. Das besondere daran ist, daß sie alleine kommen, und nicht, wie es z. B. für die Migration im Nachkriegseuropa typisch war, in Nachfolge ihrer Familien. 4
Italien hat durch den relativ großen Bedarf an informellen Arbeitsplätzen, die geographische Lage und die schlechte Kontrolle über Migration den Ruf der unbewachten Hintertür Europas erhalten. 5 In der italienischen Gesellschaft gibt es eine tradtionelle Akzeptanz vo n informeller Hausarbeit und auch einen hohen Bedarf. Das liegt vor allem an der schlechten sozialpolitischen Versorgung der Bevölkerung. So gibt es z. B. in Mailand für die 177.819 über 70-jährigen nur 5.043 Plätze in Pflegeheimen. Der zusätzliche Bedarf an Pflegekräften wird durch informelle Arbeitskräfte gedeckt.
2 Anderson, Bridget: Doing the dirty Work? The Global Politics of Domestic Labour,
London/ New York 2000, S. 68.
3 Andall, Jacqueline, Gender, Migration and Domestic Service, Aldeshot/ Burlington/
Singapore- Sydney,2000, S. 53
4 Hillman, Felicitas, Jenseits der Kontinente, Migrationsstrategien nach Europa,
Pfaffenweiler 1996, S. 1
Im Bereich der Kindergartenplätze ist die Situation ähnlich. Viele Kinder warten auf einen Kindergartenplatz, aber frei werdende Stellen werden nicht neu besetzt. Die Kosten für einen privaten Kindergartenplatz in Mailand kosten ca. 430.000 Lira (215 Euro). Wenn eine Familie zwei Kinder hat, lohnt es sich ökonomisch schon eine informelle Arbeitskraft einzustellen. 6
1.2. Lebensbedingungen
Das Dasein einer Haushaltshilfe in Italien ist gepräg t von Rassistischen und Sexistischen Stereotypen. „Phillipina“ und Haushaltshilfe wird im alltäglichen Sprachgebrauch häufig synonym gebraucht. 7 Es entspricht dem Wunsch vieler Migrantinnen zunächst ein Live - in Arbeitsverhältnis einzugehen. 8 Gründe dafür sind, daß sie die Lebenshaltungskosten wie Wohnung und Kost einsparen und so ihren Familien viel Geld schicken können. In einer frühen Phase des Migrationsvorhabens sind die Vorteile als Live - in Arbeitskraft enorm. Neben den Einsparungen an den Lebenshal tungskosten, mit denen es manchen gelingt mehr als 80 % ihres Einkommens in ihr Heimatland zu schicken gibt das Live- in Arbeitsverhältnis Sicherheit, ein „erster Platz in der italienischen Gesellschaft“ wird geboten. 9 Aber es ist schwer, diesen sicheren Platz wieder hinter sich zu lassen. Langfristig ist es das Bestreben aller, dieses Live- In Verhältnis hinter sich zu lassen. 10
Das Familienleben der Hausarbeiterinnen leidet erheblich unter der Arbeit. Die Ideale Haushaltshilfe sollte nach Meinung der meisten Arbeitgeber unverheiratet, am besten „asexuell“ sein. Die Arbeit füllt einen Großteil ihrer Persönlichkeit aus, ein Arbeitsverhältnis als Live - in Arbeitsverhältnis und die Gründung einer Familie schließen sich aus.
5 Chell- Robinson, Victoria, Female Migrants in Italy: Coping in a country of New Immigration, S. 103- 123, S. 108 6 Hillman, S. 245f.
7 Chell- Robinson, Victoria, Female Migrants in Italy: Coping in a country of New Immigration, S. 103- 123, S. 109 8 Hillman, S. 239 9 Hillman, S. 246 10 Hillman, S. 239
Quote paper:
Martin Gloger, 2003, Informelle Hausarbeit in Italien den USA und Kanada - ein Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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