Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Mobbing - Heinz Leymanns Definition 2
3. Mobbing - Oswald Neubergers Definition 6
4. Folgen und Schluss 10
Anlagen :
Heinz Leymanns Liste der 45 Mobbing-Handlungen
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
„Nachdem die ‚lieben Kolleginnen und Kollegen’ eine Sekretärin wochenlang mit Deoproben und Diätplänen - heimlich in der Schreibtischschublade oder Handtasche placiert - malträtiert hatten, unternahm die junge Frau einen Selbstmordversuch. Sie wurde gerettet. Als sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte, wurde sie mit den Worten begrüßt: ‚Ach, nicht mal das haben Sie geschafft? Versuchen Sie’s doch noch einmal.’“ 1
Ein eindrucksvolles Zitat zum Einstieg in meine vorliegende Hausarbeit. Ich möchte mich im Folgenden mit dem Problem des Mobbing, seinen Ursachen und Bekämpfungsmöglichkeiten beschäftigen. Von Seiten der Definition werde ich meinen Schwerpunkt besonders auf Heinz Leymann und einen seiner ärgsten Kritiker, Oswald Neuberger, legen. Doch auch außerhalb der Wissenschaft kann jeder etwas zu dem Begriff des Mobbing sagen. Es ist eine Bezeichnung, die vor Jahren in der Presse für große Furore gesorgt hat, und heute allzu oft und dadurch inflationär gebraucht wird.
Es handelt sich bei Mobbing um Psychoterror und gezieltes Fertigmachen aus oft nur schwer zu durchschauenden Gründen, unter dem die betroffenen Opfer schwer leiden und nicht selten nur den Ausweg des Selbstmordes sehen:
„Für die Opfer bleibt - im günstigsten Fall - die Kapitulation. Doch je nach psychischer Stabilität schaffen einige nicht nur das Problem durch Kündigung, sondern sich selbst per Suizid gleich mit aus der Welt.“ 2
Es ist also ein Problem, dessen Auswirkungen und Verletzungs-Intensität nicht verharmlost oder unter den Tisch gekehrt werden sollten. Für bestimmte Ausprägungsformen haben sich sogar schon spezielle Begriffe herausgebildet. So spricht man in Großbritannien von „bullying“, wenn Vorgesetzte die Mitarbeiter schikanieren, tyrannisieren und ihre Macht ausspielen. In Deutschland hat sich der Ausdruck des „bossing“ eingebürgert um das Mobbing „von oben nach unten“ zu beschreiben. Weiter gefasst ist „employee abuse“, welches in den USA im Fall von Mitarbeiter-Misshandlung gebraucht wird, worunter hier jedoch nicht weiter unter Psychoterror, Mobbing oder Belästigung differenziert wird.
1 Diergarten, Eckhard 1994, S. 13
2 Diergarten, Eckhard 1994, S. 13
1
2. Mobbing - Heinz Leymanns Definition
„Mobbing“ leitet sich von dem englischen Verb „to mob“ ab, welches die Vorgänge des Bedrängens, Anpöbelns oder Angreifens beschreibt. In der Wissenschaft wurde der Begriff des Mobbing zum ersten Mal von Konrad Lorenz im Jahre 1958 verwendet. Er beschrieb damit im Rahmen der Verhaltensforschung im Tierreich den Vorgang, bei dem mehrere Tiere zu ihrem Schutz eine Gruppe bilden um dann im Folgenden ein einzelnes, überlegenes Tier anzugreifen mit der Absicht es zu vertreiben. Ende der 60er Jahre wurde der Begriff dann von dem Mediziner Peter Paul auch auf Menschen übertragen. Er verstand unter dem Begriff des Mobbing ein Verhalten, das Kinder in der Gruppe zeigen, bei dem ein einzelnes Kind so hart und grausam von dem Rest der Gruppe behandelt wird, dass es mitunter nur den Suizid als Ausweg sieht. Der Sozialwissenschaftler Olweus hob nun den Ausdruck aus den Grenzen der Kinderverhaltensweise und beschrieb von nun an Einzel-und Gruppengewalt, die auf das Fertigmachen einer bestimmten Person zielt, als Mobbing.
Den Sinn, den wir heute dem Mobben zuschreiben, bekam das Wort dann aber erst Anfang der 80er Jahre von dem Schweden Heinz Leymann zugewiesen. Er übertrug den Begriff in den Zusammenhang der Arbeitswelt als Phänomen,...
„...bei dem Einzelpersonen oder eine Gruppe von Personen einen (unterlegenen) Kollegen (Mitarbeiter, Vorgesetzten) gezielt, häufig und über einen längeren Zeitraum hinweg angreifen, ‚...mit dem Ziel und/oder dem Effekt
des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis’“ 3
Der Diplompsychologe gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet des Mobbing. Unter seiner Leitung wurde die bisher größte Erhebung auf diesem Gebiet durchgeführt. Es war eine Explorationsstudie, die Anfang der 80er Jahre in der schwedischen Bevölkerung durchgeführt wurde. Insgesamt wurden rund 300 Interviews durchgeführt, welche in der Regel eine bis drei Stunden dauerten. 4 Befragt wurden besonders Mobbing-Betroffene, aber auch solche, die in
3 Heeren, Andreas / Schild, Ihno 2001, S. 3f
4 Vgl. Heeren, Andreas / Schild, Ihno 2001, S. 7
2
näherem Kontakt mit Gemobbten stehen. Bei der Auswertung der Befragungen kristallisierten sich nach und nach erste Operationalisierungen, an Hand derer Mobbing definiert und charakterisiert werden kann. Leymann brach seine Auswertung ab, als er (scheinbar) keine neuen Erkenntnisse mehr gewinnen konnte. Resultat seiner Studie waren die mittlerweile berühmt-berüchtigten 45-Mobbinghandlungen, welche (vermeintlich) alle Ausprägungen des Schikanierens beinhalten und so den Begriff charakterisieren können. Die Liste der Mobbinghandlungen liegt dieser Hausarbeit als Anlage bei. Leymann teilt sie grob in drei meistens jedoch eher in 5 Teilbereiche ein: Angriffe auf die Möglichkeiten sich mitzuteilen, Angriffe auf die sozialen Beziehungen, Angriffe auf das soziale Ansehen, Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation und Angriffe auf die Gesundheit. 5 Diese 45 Handlungen, die, wenn sie über einen längeren Zeitraum auftreten, ein Zeichen für Mobbing bilden, sind Kernbestandteil des sogenannten LIPT („Leymann Inventory of Psychological Terrorization“), ein Fragebogen, durch den man nun quantitativ angelegte Studien durchführen konnte, um die Verbreitung des Mobbing zu messen. Das Ergebnis der zweiten Studie war alarmierend. Bei der Auswertung kam man zu dem Schluss, dass jeder vierte Schwede mindestens einmal während seines Berufslebens gemobbt wird. 6 Durch die Veröffentlichung seiner Studienergebnisse gelangte Leymann und somit auch das Thema Mobbing in den Fokus der Presse. Da man den Begriff jedoch eingrenzen und ihm einen Sinn geben musste, publizierte Leymann folgende Definition:
„Mobbing besteht aus systematischen Angriffen, die sehr oft (mindestens einmal die Woche) und über längere Zeit (mindestens ½ Jahr) ausgeübt werden.“ 7
Dadurch, dass das Mobbing nun publik geworden war, beschäftigten sich auch viele andere Wissenschaftler mit dem Thema und erforschten es genauer. Es zeigte sich jedoch im Folgenden, dass die von Leymann vorgeschlagene Definition nicht ausreichte und nicht allen Dimensionen
5 Vgl. Neuberger, Oswald 1999, S. 22ff
6 Vgl. Diergarten, Eckhard 1994, S. 56
7 Walter, Henry 1993, S. 25
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Arbeit zitieren:
Jessica Götz, 2004, Mobbing - Ein Phänomen und seine Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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