Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung und rechtsverbindliche Erklärung Seite 1
Erster Teil: Albert Camus’ Roman „Der Fremde“
2. Die Romanform Seite 2
2.1 Eine kurze Inhaltsübersicht Seite 2
2.2 Die sprachliche Gestaltung Seite 3
2.3 Der Erzähler Seite 3
3. Eine Themenauswahl Seite 4
3.1 Entfremdung Seite 5
3.2 Gleichgültigkeit Seite 6
3.3 Lüge und Wahr heit Seite 7
3.4 Die Gründe dieser Geisteshaltung Seite 8
Zweiter Teil: Der Essay „Der Mythos des Sisyphos“
4. Die Einordnung des Essays Seite 9
4.1 Inhaltlicher Überblick Seite 10
4.2 Das Absurde von außen Seite 11
4.3 Das Absurde von innen Seite 13
4.4 Der Mensch in der Revolte Seite 14
5. Abschließender Kommentar zum Essay Seite 17
Dritter Teil: Die Verknüpfung der beiden Werke
6. Versucht der näheren Beschreibung Meursaults Seite 18
6.1 Der Mord Seite 18
6.2 Die göttliche Unverantwortlichkeit des zum Tode Verurteilten Seite 19
7. Schlussbemerkung Seite 20
8. Literaturverzeichnis Seite 21
II
1. Vorbemerkung und rechtsverbindliche Erklärung
Grundlage dieser Arbeit ist ein Referat über dieses Thema in dem Proseminar „Nihilismus des XIX. Jahrhunderts“, in welchem unter Rückgriff auf die im Seminar besprochenen Themen ein Ausblick auf das 20. Jahrhundert mit den moderneren Nihilismusformen wie etwa dem Existenzialismus oder diesem Themenkomplex, dem Absurden, ermöglicht werden sollte. Dabei bot sich als Verbindung der Zeitabschnitte zunächst eher der Roman „Der Fremde“ anstatt des theoretischen Essays „Der Mythos des Sisyphos“ an, da sich im Roman jene Themen literarisch verarbeitet wiederfinden, welche bereits im 19. Jahrhundert deutlich sichtbar waren. Wie der Roman, so stellt auch der Essay keine grundlegend neue Wendung in den Gedankengängen, sondern nur eine Neuformulierung ebendieser dar. Es wird also versucht, die traditionelle literarische Gestaltung des Nihilismus in diesem Roman näher zu erläutern. Dabei versucht diese Arbeit folgende Argumentationsweise: Zunächst soll der Roman „Der Fremde“ von Albert Camus in aller gebotenen Kürze dargestellt und dabei die Fragestellungen erarbeitet werden, die im zweiten und dritten Schritt mit den Thesen aus dem philosophischen Essay „Der Mythos von Sisyphos“ des selben Autors zu beantworten versucht werden. Dabei ist die Darstellung des Essays (zweiter Teil) klar von der Erläuterung des Romans (dritter Teil) getrennt worden.
Jeder Roman ist in einer im eigenen Stilart gehalten, welche durchaus viel mit dem spezifischen Inhalt desselben zu tun hat. Um den Roman „Der Fremde“ von Albert Camus vollständig untersuchen zu können, muss die strukturelle Form zumindest kurz erwähnt werden, damit klar wird, inwieweit die Struktur schon auf die inhaltliche Ebene Einfluss nimmt. Doch zunächst soll ein kurzer Überblick über diese inhaltliche Ebene erfolgen.
2.1 Eine kurze Inhaltsübersicht
Es handelt sich bei dem Roman um die Geschichte eines Mannes namens „Meursault“, welcher wegen Mordes an einem Araber zum Tode verurteilt wird. Die Erzählung beginnt zunächst mit der Mitteilung des Altersheims an die Hauptperson, dass seine Mutter, welche Insassin des Heimes war, gestorben sei und die Beerdigung anstehe. Meursault begibt sich also in dieses Altenheim, hält Nachtwache am Sarg seiner Mutter und nimmt an der Beerdigung am nächsten Tag teil. Am darauffolgenden Tag schon trifft er eine alte Arbeitskollegin, Maria, beim Schwimmen im Meer wieder und beginnt mit ihr eine Affäre. Nach und nach nimmt er außerdem Kontakt zu seinen Nachbarn auf. Dabei spricht er sowohl mit dem „alten Salamano“ über dessen Verlust seines Hundes, als auch mit dem Zuhälter „Raymond“ über die „Bestrafung“ eines seiner Mädchen, und beteiligt sich sogar passiv an letzterer. Diese Aktion hat jedoch einen Konflikt zwischen Raymond und einer Gruppe Araber zur Folge, unter denen sich der Bruder dieses Mädchens befindet. Im furiosen Abschluss des ersten Teils wohnt der Leser der Ermordung dieses Arabers durch Meursault bei. Dieser wird daraufhin selbstverständlich verhaftet und eingesperrt. Der weitere Verlauf des Romans besteht aus der genauen Schilderung der Haft und der Gerichtsverhandlung, welche mit dem Todesurteil endet.
Der Roman ist insgesamt in 11 Kapitel unterteilt, wobei eine größere Trennung in zwei Teile die Gerichtsverhandlung von der Vorgeschichte separiert. Als nächster Schritt empfiehlt sich, bevor weiter auf den Inhalt eingegangen wird, die strukturellere Herangehensweise, welche ebenfalls viele Informationen trägt, die zur Charakterisierung der Hauptperson beitragen.
2
2.2 Die sprachliche Gestaltung
Der Roman ist in einem sehr eigentümlichen Stil geschrieben. Es handelt sich hierbei weder um sprachlich reichhaltige, noch um äußerst symbolbeladene, bilderreiche oder mit Zierrat versehene Sätze. Das Gegenteil ist der Fall: prägnante, kurze Formulierungen, k aum Nebensätze, und äußerste Knappheit in der Wortwahl sind die Stilmittel, welche das Leseerlebnis so distanziert gestalten, wie die Thematik es fordert. Die Dialoge der Personen ist meist indirekt wiedergegeben, falls sie in manchen Fällen zitiert werden, dann nur knapp, einleitend oder unvollständig. Selbst Schlüsselszenen, wie die Gerichtsverhandlung oder das Gespräch mit dem Geistlichen, sind nur in indirekter Sprache verfasst. Niemals findet sich ein Einblick in das Bewusstsein der Personen, nicht einmal hat man das Gefühl, in irgendeiner Form beteiligt zu sein. Man liest in der Tat nichts außer sachliche Feststellungen zu einer fiktiven Welt, pure Bilderfolgen, die allerdings derart in sich geschlossen nebeneinander stehen, dass sie nicht einmal mehr chronologisch verbunden zu sein scheinen. „Der Fremde ist kein Buch, das erklärt: der absurde Mensch erklärt nicht, er beschreibt.“ 1 Diese Nüchternheit in der sprachlichen Gestaltung wirkt auf den ersten Blick unglaublich einfach und klar. Man wird allerdings sehen, dass dieser Roman einer derjenigen ist, welcher zu der Kategorie der niemals ausdeutbaren Werke gehört, da er bei näherer Betrachtung allerlei Rätsel aufgibt. Dies liegt unter anderem daran, dass der Erzähler, dessen Sprechweise hier für den Leser das einzige Zugangsmittel zu dieser fiktiven Welt bildet, selbst genauso denkt und handelt, wie es die Sprachverwendung es vermuten lässt. Mit einem Wort: Der Erzähler ist die Hauptperson, Meursault, welcher in Haft sitzend im Rückblick seine Geschichte erzählt. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Aufgabe, diesen Erzähler näher in Augenschein zu nehmen, da die Art und Weise der Schilderung der Ereignisse Rückschlüsse auf die charakterliche Gestaltung dieser Hauptperson und damit eines der großen Themen dieses Romans - wenn nicht gar das Einzige - zulässt.
2.3 Der Erzähler
Die Entwicklungen, die schließlich zum Mord und zum Todesurteil des Erzählers führen, werden emotionslos und wertungsfrei wiedergegeben. Der Roman stellt sich zwar als Rückschau auf durchaus emotionale Momente dar, aber dies wird kaum dazu benutzt, die Handlung im Nachhinein zu kommentieren oder zu erläutern. Eines der Probleme, welche der
1 Sartre, Jean-Paul: «Der Fremde» von Camus. S. 47.
3
Leser mit diesem Text also hat, ist die Kommentarlosigkeit, welche nähere Erklärungen zu dem Geschehen mit einschließt. Es wirkt also ungerechtfertigt, unverständlich und somit schließlich fragwürdig, weshalb die Ereignisse diesen Verlauf nehmen und weshalb der Protagonist sich entschieden hat, diese festzuhalten. Man wird später sehen, weshalb der Erzählende nicht einmal im Nachhinein etwas zu rechtfertigen versucht und was die Gründe für diese erläuterungslose und emotionslose Gestaltung sind. Festzuhalten an dieser Stelle ist allein, dass die Sichtweise des Erzählers mit der Sichtweise der Hauptperson identisch ist. Er präsentiert sich somit dem Leser als einfach beschreibend, nicht als erklärend. Die Zusammenhangslosigkeit der Sätze, welche er formuliert, deutet bereits das an, was sich nach der Analyse des philosophischen Essays „Der Mythos von Sisyphos“ 2 klarer zeigen lassen wird: Die pure Abfolge der Ereignisse, welche hier so unverbunden nebeneinander stehen, ist das Einzige, was der Erzähler dem Leser anbieten kann und will. Alles andere, z. B. Spekulationen über die motivierenden Gedanken oder Gefühle der Nebenpersonen oder auch seine eigenen, lassen sich aus der Geisteshaltung, welche der Erzähler lebt, weder erfassen, noch von seiner Seite erwähnenswert erscheinen. Meursault handelt und berichtet einfach so, ohne Gründe abzuwägen oder nach Alternativen zu suchen. Alles, was ihn interessiert, alles, was er beschreiben kann, ist das Konkrete, das Existieren des Vorkommnis, das Stattfinden des Ereignisses. „Meursault denkt und handelt ganz anders: er will die großen, anhaltenden Gefühle, die alle einander ähnlich sind, gar nicht kennen; für ihn gibt es keine Liebe, nicht einmal Liebelei. Einzig das Gegenwärtige zählt, das Konkrete.“ 3 Allem weiteren gegenüber gibt er sich teilnahmslos. Eben diese Gleichgültigkeit begegnet dem verstörten Leser des Romans im Prinzip ständig. Dies ist ein wesentlicher Zug des Fremden, welcher eine Geisteshaltung lebt, welche aus dem Romangefüge allein noch nicht verständlich ist. Es handelt sich dabei um eben diese Gleichgültigkeit, die weiter unten noch genauer zu erklären sein wird. Somit wird hier nun eine Themenauswahl versucht, welche das Denken des Erzählers näher zu beleuchten sucht.
3. Eine Themenauswahl
Diese Auswahl ist selbstverständlich nicht erschöpfend. Es ist nur eine vorläufige Gliederung im Hinblick auf die im Essay beschriebenen Charakteristika des „absurden Menschen“, die dann im dritten Teil wieder aufgegriffen und näher besprochen werden soll. Dabei wird
2 S. Dritter Teil.
3 Ebd. S. 50.
4
Arbeit zitieren:
Jan Köpping, 2005, Wer ist der Fremde? Untersuchung des Romans "Der Fremde" von Albert Camus unter zu Hilfenahme seines Essays "Der Mythos von Sisyphos", München, GRIN Verlag GmbH
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