Inhalt
1. Einleitung 3
2. Sprachlicher Vergleich 4
2.1. Neuhochdeutsche Diphthongierung 4
2.2. Neuhochdeutsche Monophthongierung 5
2.3. Dehnung und Kürzung 6
2.4. Doppelkonsonanten als Kürzeanzeiger 7
2.5. Entstehung von Zischlauten 7
2.6. Auslautverhärtung und Auslautabschwächung 7
2.7. Weiterer Wandel 8
2.8. Groß- und Kleinschreibung 8
2.9. Weitere äußere Merkmale 9
2.10. Zeichenwandlung 9
2.11. Zeichensetzung 10
2.12. Varianten 11
2.13. Lexik 12
3. Sprachliche Analyse und Deutung 15
4. Inhaltlicher Vergleich 17
4.1. Strophe 1C - 1 k 17
4.2. Strophe 2C - 2 k 17
4.3. Strophe 3 k 18
4.4. Strophe 3 C - 4 k 19
4.5. Strophe 4 C - 7 k 19
4.6. Strophe 5C - 5 k 19
4.7. Strophe 6 C - 6 k 20
4.8. Strophe 7 C 20
4.9. Strophe 8 k 21
4.10. Strophe 8 C - 9 k 21
4.11. Strophe 9 C - 10 k 22
4. 12. Strophe 10 C - 11 k 22
4.13. Strophe 11 C - 12 k 23
5. Inhaltliche Analyse und Deutung 24
6. Problematisierung der Edition 26
7. Historische Einordnung und Fazit 28
8. Quellennachweis 29
2
1. Einleitung
In der folgenden Untersuchung der beiden Handschriften C und k soll die Entwicklung und Veränderung der deutschen Schriftsprache in der Zeit um 1500 exemplarisch gekennzeichnet werden.
Dazu werden sowohl inhaltliche, strukturelle als auch sprachliche Merkmale beider Texte gegenübergestellt und auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin überprüft. Auf die allgemeine literaturwissenschaftliche Einordnung des Nibelungenliedes und dessen Wichtigkeit und Wirkung in der deutschen Literatur soll bewusst verzichtet werden, um genügend Augenmerk auf die gegebene Untersuchung legen zu können. Auch von einem Bericht über die Entstehung der frühneuhochdeutschen Schriftsprache mit ihren sozialen, historischen und linguistischen Kontexten soll Abstand genommen werden.
3
2. Sprachlicher Vergleich
Die Untersuchung der sprachlichen Veränderungen zwischen den beiden Fassungen des Nibelungenliedes soll nicht strophenweise vorgenommen werden, sondern anhand der Phänomene erhoben werden, die sich allgemein während der Veränderung von der mittelhochdeutschen Sprache zur frühneuhochdeutschen Sprachstufe herauskristallisiert haben.
2.1. Neuhochdeutsche Diphthongierung
Die Veränderungen von langen Vokalen zu Diphthongen lassen sich bereits in der ersten Strophe finden: Das Wort „strîten“ (1/ 4 C) tritt dem Wort „streit“ (1/ 1 k) gegenüber und zeigt die Veränderung vom langen <î> zum
„lobeleich“ (4/ 2 k) diphthongiert; eine Veränderung, die sich bis heute wieder revidiert hat: Das Wort „löblich“ (inhaltlich nicht mehr ganz kongruent) nutzt wieder einen einzelnen (wenn auch kurzen) Vokal. Auch in der Veränderung des Toponyms „Rîn“ (6/ 1 C) zum inhaltlich gleichbleibenden Fluss „Rein“ (5/ 3 k) kann die frühneuhochdeutsche Diphthongierung erkannt werden; gleichsam in „zît“ (6/ 3 C) zu „zeit“ (6/ 3 k) und „nît“ (6/ 4 C) zu „neit“ (6/ 4 k). Gleichzeitig, zu den normalgebräuchlichen Wörtern des allgemeinen Wortschatzes wie „sîn“ (8/ 1 C) zu „sein“ (9/ 1 k), werden auch Onyme diphthongiert: „Ortwîn“ (8/ 2 C) wird zu „Ortwein“ (9/ 2 k). Auch in der Veränderung von zu
4
darin finden lassen. Zusätzlich zu den im Text vorhandenen Worten gibt es aber die Möglichkeit, weitere Veränderungen anhand der neuen Strophen der Fassung k zu untersuchen. Hierfür sind allerdings keine Referenzobjekte aus der C -Fassung vorhanden - man muss auf den allgemeinen Wortschatz des Mittelhochdeutschen zurückgreifen: So muss sich das Wort „fein“ (11/ 1 k) ursprünglich auf das mittelhochdeutsche Wort „fîn“ beziehen und die Präposition „bei“ (1/ 2 k) auf „bî“ (6/ 1 C).
Damit ist eine klare Umwälzung der mittelhochdeutschen langen Monophthonge zu den frühneuhochdeutschen Diphthongen erkennbar und regelhaft durchgeführt. Bei den Beispielen „lobeleich“ (4/ 2 k) und „Ortwein“ (9/ 2 k) ist eine zu starr durchgeführte Veränderung zu vermuten, da sich »löblich« bekanntermaßen wieder revidiert hat und die Veränderung von Onymen nur in der Anfangsphase der Diphthongierung auftrat, als man sie zu gewissenhaft betrieb.
2.2. Neuhochdeutsche Monophthongierung
Auch die Resultate der frühneuhochdeutschen Monophthongierung lassen sich in der jüngeren Fassung des Nibelungenliedes (im Vergleich mit der älteren) wiederfinden. So verändert sich „hiez“ (4/ 2 C) zu „hies“ (7/ 1 k) oder „his“ (7/ 2 k) und „dienten“ (6/ 2 C) zu „dient“ (6/ 2 k). Während sich die lautliche Veränderung dieses Phänomens nur schwerlich nachprüfen lässt, da sich die Aussprache nur selten leicht nachvollziehen lässt, zeigt das erstgenannte Beispiel ein sicheres Indiz für diese Veränderung: Da „hiez“ (4/ 2 C) einerseits zu „hies“ (7/ 1 k) wurde (was noch immer gleich ausgesprochen werden könnte), zeigt die Variante „his“ (7/ 2 k) des gleichen Wortes unmissverständlich den Wegfall des Diphthongs und die Ersetzung durch einen Monophthong.
Auch der Wechsel von
Letztlich kann auch die Veränderung von <üe> zu <ü> exemplarisch beobachtet werden; das einzige Wort in der Fassung C „ küene“ (7/ 4 C) kommt in den
5
untersuchten Strophen der Fassung k zwar nicht allein vor, sondern wird durch »heldenhaft« ersetzt, in dem zusammengesetzten Wort „wunderküner“ (8/ 4 k) aber
Dadurch kann die Umsetzung der neuhochdeutschen Monophthongierung als erfolgreich angesehen werden, da sich im jüngeren Text keine Formen von mittelhochdeutschen Diphthongen mehr finden lassen.
2.3. Dehnung und Kürzung
Da die Aussprache der verschiedenen Worte, wie erwähnt, schwerlich nachweisbar ist, muss man auch bei der Frage der neuhochdeutschen Dehnung oder Kürzung auf orthographische Neuerungen hoffen.
Mittelhochdeutsche kurze Vokale wurden in betonter offener Silbe im Neuhochdeutschen gedehnt, was häufig durch ein Dehnungs-e oder -h angezeigt wird. In den untersuchten Strophen des Nibelungenliedes finden sich keine Anzeiger einer neuhochdeutschen Dehnung außer einem einzigen Exemplar: Das Wort „sie“(2/ 4 k). Das Referenzobjekt zum Vergleich (3. Person Singular) findet sich allerdings nicht im Bereich der Analyse, sondern erst in der Strophe 13 der Fassung C. Hier steht ein „si“ (13/ 1 C), das eine Veränderung in der Fassung k beweist, selbst wenn diese nur schwer zu finden ist. Damit ist klar, dass die frühneuhochdeutsche Dehnung beim Schreiben der Fassung k nicht vollständig berücksichtigt wurde: Selbst das exemplarisch gefundene „sie“ (2/ 4 k) tritt in derselben Strophe noch als „si“ (2/ 2 k) auf. Weiter lassen auch die Worte „ir“ (3/ 2 k), „In“ (5/ 2 k) oder „vil“ (6/ 3 k) ein Dehnungs-e vermissen, das höchstens bei dem Wort „nie“ (3/ 4 k) - allerdings ohne Referenz im anderen Text - auftritt. Ein Dehnungs-h kann nicht nachgewiesen werden.
Das Phänomen der entfallenden Vokaldehnung bei der Verdopplung des anlautenden Konsonanten und der damit verbundenen Silbengrenzenverschiebung kann nicht beobachtet werden; ein Wort wie „jamer“ (1/ 4 k) sollte demnach als „jammer“ in Erscheinung treten, kann im untersuchten Bereich jedoch nicht nachgewiesen werden.
Die Kürzung der langen mittelhochdeutschen Vokale in der geschlossenen Silbe sind im eigentlichen Text nicht zu finden. Nur in der Überschrift der 1. Aventiure der Fassung k findet sich das Wort „hoch[zeit]“, das in Vergleich mit dem Wort
6
„hôchgezîten“ (1/ 3 C) treten kann, wenn auch inhaltlich nicht das gleiche Denotat getroffen wird. Hier allein kann die Kürzung beobachtet werden.
2.4. Doppelkonsonanten als Kürzeanzeiger
Mit der Entwicklung der Neuhochdeutschen Sprache veränderte sich auch die Aussprache von Worten oder Lauten. So kann die kurze Aussprache eines Vokals durch Verdoppelung der nachfolgenden Konsonanten angezeigt werde. Dies tritt in der Version k in einigen Fällen auf: Bei „willen“ (1/ 4 k), „gewann“ (3/ 4 k) oder „mann“ (8/ 4 k) scheint eine Kürzung des Vokals vorzuliegen. Dagegen spricht, dass sich „gewann“ (3/ 4 k) und „mann“ (8/ 4 k) jeweils auf das Wort „undertan“ (3/ 3 k und 8/ 3 k) reimen, das keine doppelten Konsonanten enthält (aber dadurch auch nicht zwangsweise lang gesprochen wird). Der Beleg des „mannes“ (7/ 4 k) spricht hingegen wieder für eine kurze Aussprache, kann jedoch ebenso auf einer Variante beruhen.
Somit muss festgestellt werden, dass sich eine sichere Unterscheidung zwischen langen und kurzen Vokalen anhand der folgenden Konsonanten noch nicht finden lässt.
2.5. Entstehung von Zischlauten
Auch mit der Entstehung der Zischlaute
So findet sich die „schwester“ (4/ 4 k) nun mit dem charakteristischen Laut, während die ursprüngliche Form „swester“ (3/ 4 C) noch ohne ihn auskommen muss.
2.6. Auslautverhärtung und Auslautabschwächung
Ein weiteres Merkmal in der Veränderung der mittelhochdeutschen zur frühneuhochdeutschen Sprache ist die Auslautverhärtung, die an einigen Beispielen
7
auch in den Vergleichstexten zu finden ist: So wird „wîp“ (2/ 3 C) zu „weib“ (2/ 3 k) und „lîp“ (2/ 4 C) zu „leib“ (2/ 4 k). Gleichzeitig aber ist dieses Phänomen nicht durchgängig zur Anwendung gelangt, da einige Strophen später der „nît“ (6/ 4 C) noch immer zu „neit“ (6/ 4 k) umgewandelt wird und auch das „lant“ 5/ 4 C) nicht regelmäßig mit einem
2.7. Weiterer Wandel
Zu den bereits genannten Erscheinungen im Wandel der mittelhochdeutschen Sprache zur neuhochdeutschen Sprachstufe können weitere Merkmale hinzugezählt werden, die auch vereinzelt in der neuen Fassung des Nibelungenliedes auftreten. So kann am Numeral „zwelf“ (3/ 2 k) oder an „bed“ (9/ 4 k) eine fehlende Rundung beobachtet werden, die beispielsweise in einigen Dialekten Mitteldeutschlands bis heute erhalten geblieben ist. Auch das Auftreten des zurückgenommenen Anlauts kann beim Substantiv „pruder“ (9/ 1 k) erkannt werden, obwohl im selben Text die Pluralform des Wortes als „bruder“ (4/ 1 k) zu finden ist. Das gleiche Problem tritt bei „geporen“ (4/ 4 k) und beim Toponym „Purgunderlant“ (2/ 1 k) auf. Kaum Veränderungen können im Bereich der Syntax festgestellt werden, da sich der Text durch die Reimpaare der natürlichen Sprechweise der Menschen entzieht. So kann die normale syntaktische Einheit nur schwerlich herausgefiltert und auf ihre Veränderung überprüft werden.
Auch die morphologisch typischen Veränderungen haben im jüngeren Text im Vergleich zum älteren kaum Gewichtung. Der zu erwartende Ausbau der Pluralbezeichnungen der Substantive beispielsweise kann nicht beobachtet werden und auch die Kasuserscheinungen treten noch nicht in dem Maße zurück, in dem dies im Allgemeinen im Frühneuhochdeutschen der Fall ist.
2.8. Groß- und Kleinschreibung
Während im direkten sprachlichen Vergleich Wandelerscheinungen aufzuzeigen sind, kann die Groß- und Kleinschreibung beim Vergleich der beiden Nibelungenliedvarianten nicht als Indikator dienen. Die althochdeutsche Tradition,
8
Arbeit zitieren:
Christian Klager, 2004, Das Nibelungenlied im Übergang vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen. Eine Untersuchung an den Handschriften C und k., München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Portfolios als alternative Form der Leistungsbewertung: Vor – und Nach...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 15 Seiten
Motivation im Fremdsprachenunterricht
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 13 Seiten
"Ey Alter, was geht ab?" Eine Annäherung an das Thema "...
Hausarbeit, 13 Seiten
Welche Vokabellernstrategien kann man Schülern am besten vermitteln?
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 17 Seiten
Lernen durch Lehren - Lernstile und Lerntypen
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 16 Seiten
Bewegung des NS-Regimes zum italienischen Vorbild bis 1934
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 13 Seiten
Sprachförderung in Deutsch als Zweitsprache in der Sekundarstufe I
Am Beispiel des Berliner Koope...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 69 Seiten
Methodik und Didaktik des Zweitsprachenunterrichts Deutsch
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Charakteristik psychischer Belastung im Wettkampf - Darstellung möglic...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Portfolioarbeit in der Grundschule - Selbst- und Fremdbeurteilung mit ...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Examensarbeit, 127 Seiten
Unterrichtsentwurf für die 10. Klasse zur Ganzschrift Homo Faber
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 10 Seiten
Intraorganisationeller Wissenstransfer - Wie der Prozess des Wissenst...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 23 Seiten
Das Fahrrad. Von seiner Geburtsstunde bis hin zum Massenfortbewegungsm...
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Christian Klager hat den Text Das Nibelungenlied im Übergang vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen. Eine Untersuchung an den Handschriften C und k. veröffentlicht
Christian Klager hat einen neuen Text hochgeladen
Der Weg zur Hochsprache: Mittelhochdeutsch /Frühneuhochdeutsch
Eine Einführung
Otfrid Ehrismann
0 Kommentare