Inhalt
1. Einleitung Seite 2
2. Hinführung
2.1. Begrifflichkeiten Seite 3
2.2. Exkurs: Die Anthropologie Seite 5
3. Der Marquis de Sade
3.1. Das Leben Seite 6
3.2. Das Werk und Denken Seite 7
3.3. Exkurs: Das Beispiel Mord Seite 13
3.4. Der Marquis de Sade und der Humanismus Seite 15
3.5. Exkurs: Ernst Haeckel und Adolf Hitler Seite 18
4. Fazit Seite 20
5. Quellennachweis Seite 22
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1. Einleitung
„Es gibt zwei Klassen von Menschen - die Löwen und die Lämmer. Wenn du zu den Lämmern gehörst, wirst auch du einst, wie Gray oder Jane Galbraith, [tot] auf diesem Tisch liegen. Bist du aber Löwe, so wirst du leben und dein Pferd lenken, wie ich, wie K., wie alle in der Welt, die Witz und Mut besitzen.“ (Stevenson 1999, 103) Mit diesen Worten begründet die literarische Figur Macfarlane in der Geschichte „Der Leichenräuber“ von R. L. Stevenson ihre skrupellosen Verbrechen und fordert gleichzeitig den angesprochenen literarischen Kumpanen auf, ihm zu folgen und es ihm gleichzutun: Die von der Natur gegebenen Eigenschaften zu nutzen und andere Menschen zu dominieren, zu missbrauchen und zu unterjochen. So unfassbar diese Begründung auch erscheinen mag und so unglaublich sie auf zivilisierte Menschen wirken soll, so einfach und vielleicht wahr könnte sie jedoch sein.
Es gibt Menschen wie Löwen und Lämmer. Es gibt Menschen, die von Natur aus Eigenschaften besitzen, die es ihnen möglich machen, einem Löwen gleich, über Menschen (Lämmern gleich) zu herrschen. Die Tatsache, dass es in der Natur Wesen gibt, die einige Wesen mehr dominieren als andere, ist eine Tatsache - nur hier geschickter literarisch formuliert.
Im Folgenden soll nun untersucht werden, ob der komplexe Begriff des Humanismus, der heute e ine eher undurchsichtige moralische Größe angenommen hat, tatsächlich eine Eigenschaft des Menschen ist, die er von der Natur geerbt hat, oder ein Charakterzug ist, den allein die Zivilisation erbracht hat und der folglich nur in ihr weiterbestehen kann. Weiter soll in dieser Frage erörtert werden, ob der Mensch vielleicht im Zuge der Entwicklung der Zivilisation und des Humanismus seine Natur zu verleugnen begonnen hat und deshalb heute als Wesen dasteht, das zwar ohne Zweifel aus der Natur kommt, seine Verbindungen und Beziehungen zu dieser jedoch weniger denn je begreifen will und kann. Dazu soll ein Philosoph des 18./ 19. Jahrhunderts geprüft werden, der sowohl anthropologische Annahmen sowie moralische Konsequenzen erläutert: der Marquis de Sade.
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2. Hinführung
2.1. Begrifflichkeiten
Zu Beginn einer Untersuchung über die natürliche Bedeutung des Humanismus, stellt sich die Frage, was dieser Begriff überhaupt aussagt. Ist die kulturelle Strömung ab dem 14. Jahrhundert gemeint, die von Italien halb Europa erfasste und eine Renaissance der Antike einläutete, oder zumindest anstrebte deren Werte und Ideale neu zu beleben, nachdem das „dunkle“ Mittelalter sich in der Auflösung befand? Oder ist der Humanismusbegriff des Lexikons gemeint? Hier dazu zwei verschiedene Möglichkeiten: „Humanismus (von lateinisch humanitas: Menschlichkeit), eine Haltung in der Philosophie, die die Würde und den Wert des Individuums betont.“ (Microsoft® Encarta® Professional 2002) oder „Humanismus: (zu neulateinisch humanus „menschlich, menschenfreundlich“ und lateinisch humanitas „Menschlichkeit, Gesittung“): [...] eine Denkrichtung, die den Menschen zum Gegenstand einer bewußten Wertsetzung nimmt, indem sie alles auszuschließen sucht, was ihn sich selbst entfremdet (durch Unterwerfung unter übermenschliche Mächte oder Nutzbarmachung für menschenunwürdige Zwecke)“ (Duden Philosophie 1985, 187 f). Die Menschlichkeit steht hier also im Vordergrund; die moralische Verpflichtung den Menschen sich selbst nicht zu entfremden und die Würde und den Wert des Individuums zu schützen. Dabei fällt natürlich sofort ins Auge, dass „Würde“ und „Wert“ nicht zu definieren und höchst kompakte Begrifflichkeiten sind, die sich zwar ständig ändern, aber stets eine gewisse unerklärliche (fast mythische) Tiefe und Ewigkeitsbedeutung haben. Menschlichkeit hingegen ist im Dezember 1948 versucht worden zu definieren. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen wird Menschlichkeit in 30 Artikeln zusammengefasst: „Die Erklärung verkündet die persönlichen, zivilen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Menschen, die nur durch die Anerkennung der Rechte und Freiheiten anderer und durch die Erfordernisse der Moral, der öffentlichen Ordnung und der allgemeinen Wohlfahrt eingeschränkt sind. Zu den in der Erklärung aufgezählten Rechten gehören das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person; das Recht auf Schutz vor willkürlicher Verhaftung; auf einen fairen Prozess; auf Unschuldsvermutung vor dem Schuldspruch; auf Unverletzlichkeit der Wohnung; auf Briefgeheimnis; auf Freiheit der Wahl von Aufenthalt und Wohnort; Recht auf Asyl, Staatsbürgerschaft und Besitz; auf Gedanken-, Gewissens-, Religions-, Meinungs- und Ausdrucksfreiheit; auf Zusammenschluss, friedliche Versammlung, aktives und passives Wahlrecht; das Recht auf soziale Sicherheit, Arbeit, Ruhe und einen der Gesundheit und dem
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Wohlbefinden angemessenen Lebensstandard; auf Bildung sowie die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben der Gemeinschaft“ (Mic rosoft® Encarta® Professional 2002). Der Humanismus scheint also, was zumindest seine definitorisch fassbaren Bestandteile angeht, beschreibbar zu sein und umfasst in der genannten Erklärung eine Vielzahl der weltlichen und geistlichen Bedürfnisse des Ind ividuums.
Doch wenn man den Definitionsrummel noch ein letztes Mal weiterdenkt, muss sich die Frage nach dem Individuum stellen: „Individuum (lateinisch „das Unteilbare, das Einzelding“): ursprünglich synonym zu Atom gebildete Bezeichnung, später, seit der Scholastik, auf „einzelner Mensch“ (das Ich) im Unterschied zur Gesellschaft beschränkt [...]“ (Duden Philosophie 1985, 201). Das Individuum ist also der Einzelne, das jeweilige Ich. In der Zusammenfassung des Begriffes Humanismus treffen nun alle Definitionen zusammen: Der Einzelne ist, zum Schutze seiner Würde und seines Wertes, vor Mächten zu bewahren, die ihn sich selbst entfremden. Aufgrund seiner Beschaffenheit als Mensch, steht dem Einzelnen ein Katalog (s.o.) mit Bedürfnissen zur Verfügung, die jederzeit erfüllt sein müssen, damit der Einzelne in Menschlichkeit leben kann.
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2.2. Exkurs: Die Anthropologie Worüber definiert sich der Mensch?
Um den Menschen, der seine Menschlichkeit aus seinem Wesen zu schöpfen scheintweswegen eine Entfremdung ja auch den schlimmsten aller Frevel darstellt - besser kennen zu lernen, ist ein Exkurs in die Anthropologie unumgehbar.
Mit der im 17. Jahrhundert beginnenden Aufklärung gewinnt die Frage nach dem Wesen des natürlichen Menschen an Bedeut ung. Nach Jahrhunderten der Erklärung durch eine göttliche Schöpfung folgt nun, wenn auch manchmal recht zögerlich und oft auch mit fatalen Folgen, eine Erklärung der menschlichen Natur über die Natur selbst oder aber aus sich allein heraus. Dabei kommen u nterschiedlichste Kontroversen zusammen und bilden lange eine Wissenschaft der Mutmaßung, indem man Biologie und Philosophie zu vereinen sucht. Hobbes und Rousseau untersuchen, zeitlich und geographisch unabhängig voneinander, den Menschen „von Natur aus“ und kommen zu immensen Unterschieden. Während Jean-Jacques Rousseau den Menschen als natürlich mitleidig beschreibt, die Gesellschaft zum Pfuhl des Übels macht und die Vernunft, wie Luther, als Hure beschimpft, entdeckt Thomas Hobbes, dass die menschliche Natur böse ist und „dort, wo es keine Ordnungsgewalt gibt, zur wechselseitigen Vernichtung führt“ (Hobbes 1965, 98). Historisch folgen ähnliche oder angelehnte Konzepte.
Erst mit der Kulturkritik Friedrich Nietzsches gelingt die „Verschmelzung“ der menschlichen Natur und Kultur; Arnold Gehlen schließlich formuliert die „Unspezialisiertheit“ des Menschen als seine Natur und erkennt die Kultur als rettende Kompensation des Mängelwesens Mensch.
Somit ist der Mensch bis heute, durch verschiedenste noch folgende Theorien be- oder entkräftigt, ein Wesen der Natur und doch eines der Kultur. In seiner Unspezialisiertheit, unfähig den Gefahren und Problemen der ihn umgebenden und eigenen Natur zu trotzen, flüchtet er sich in die Kultur, seine einzige Rettung. Folglich ist auch der Naturzustand (in der Anthropologie Gehlens) nicht erstrebenswert: „Es muss heißen: Zurück zur Kultur! Denn vorwärts geht es offenbar mit schnellen Schritten [wieder] der Natur entgegen [...]“ (Gehlen in: Zugänge zur Philosophie 1995, 131).
Zur Zeit des Marquis de Sade herrscht jedoch noch die reine und oftmals radikale Aufklärung. Den Menschen zu erkennen und zu definieren, untersuchen er und viele andere die offensichtliche und scheinbare Natur des Wesens, das - an der Schwelle zum Mittelaltergestern noch ein Geschöpf Gottes war.
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Arbeit zitieren:
Christian Klager, 2003, Humanismus: Die Verleugnung der menschlichen Natur? Eine Untersuchung mit Hilfe des Marquis de Sade., München, GRIN Verlag GmbH
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