Inhalt
Seite
1. Hinführung: Tiere und Menschen 2
2. Eigennamen im Deutschen 3
3. Tiernamen im Deutschen 6
4. Untersuchung und Auswertung: Tierpark Ueckermünde 8
5. Exkurs in die Philosophie 15
6. Fazit 17
7. Quellennachweis 20
8. Anhang 21
1
1. Hinführung: Tiere und Menschen
„Tiere“ und „Menschen“ sind eine eher willkürliche Unterscheidung in der Welt der Biologie. Im Grunde kann der Mensch als Tier bezeichnet werden; er ist ein Allesfresser, jagt und lebt in Gruppen und wird im Allgemeinen (heute) 70- 80 Jahre alt.
Doch auch die Biologie muss feststellen, dass der Mensch nicht allein über seine Natur zu definieren ist. Er ist vielmehr ein Kombinationswesen. Arnold Gehlen formuliert die „Unspezialisie rtheit“ des Menschen als seine Natur und erkennt die Kultur als rettende Kompensation des Mängelwesens Mensch. Somit ist der Mensch bis heute, durch verschiedenste Theorien bekräftigt oder entkräftet, ein Wesen der Natur und doch eines der Kultur. In seiner „Unspezialisiertheit“, unfähig den Gefahren und Problemen der ihn umgebenden und eigenen Natur zu trotzen, flüchtet er sich in die Kultur, seine einzige Rettung.
In der Entwicklung dazu hat der Mensch vor etwa 70000 Jahren begonnen die Sprache zu nutzen und sie zum unumstritten wichtigsten Werkzeug seiner Kultur und Kommunikation gemacht. Mit der Ansiedlung vieler Menschen in einem Ballungsraum wurden nun auch Namen zur Identifikation einzelner Personen notwendig, die vorher (in der Gruppe) noch mit eine m „du“ oder „er“ bezeichnet werden konnten. Im Laufe des Zusammenlebens von Menschen und domestizierten Tieren bekamen nun aber auch die Haustiere Namen (und Kultur) zuerkannt; heute erhalten auch nichtdomestizierte Tiere (z.B. im Zoo oder Wildgehege) Name n. Erneut stellt sich somit die Frage nach dem Unterschied von Mensch und Tier.
Wird der Mensch wieder eher zum Tier oder das Tier eher zum Menschen? Was bewirkt eine Namenvergabe und wie funktioniert sie beispielsweise im Zoo?
Im Folgenden soll nun geprüft werden, welche Konzepte der Onomastik auch bei Tiernamen greifen; dazu soll eine Systematisierung vorgenommen werden. Im Anschluss daran soll eine Untersuchung ausgewertet und interpretiert werden, die im Tierpark Ueckermünde durchgeführt wurde. Letztlich soll auch noch einmal die Frage des Unterschiedes von Mensch und Tier - hinsichtlich der Namenproblematik - erleuchtet werden.
2
2. Eigennamen im Deutschen
Um die spezielle Bedeutung der Tiernamen zu erkennen und ihre Stellung im System der verschiedenen Namenklassen zu kennzeichnen, soll zuerst eine Einordnung der Eigennamen in das allgemeine System der deutschen Sprache erfolgen. Dabei orientiert sich diese Hausarbeit an der Systematisierung von G. Koß, da seine Ausführungen zum Identifikations-/ Charakterisierungsdilemma (siehe Seite 3 und 4) plausibler erscheinen als andere. Die seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgende Theoretisierung und Einordnung der Onomastik in den Bereich der Linguistik hat die Namenforschung zwar nicht als ordentlichen Fachbereich etablieren können, was sich heute daran zeigt, dass sich wesentlich mehr Laien als Wissenschaftler mit der Problematik der Namen auseinandersetzen, eine übersichtliche Klassifizierung aus der Sicht der modernen Linguistik haben die Onyme aber erhalten. Ohne Zweifel wird der Name daher zu den Substantiven gezählt, da allen Namen im weitesten Sinne eine gegenständliche Bedeutung zuerkannt werden kann. Die Substantive zerfallen dann in Eigennamen (Propria, Onyme) und Gattungsnamen (Appellativa); letztere gliedern sich bekanntlich weiter in Abstrakta und Konkreta, wiederum letztere weiter in zählbare Individuativa, Kollektiva, Stoffbezeichnungen und Unikate. Eine Einordnung der Onyme in den Bereich der Konkreta scheint ebenfalls denkbar (und wird zum Beispiel von W. Admoni und der eher traditionellen Grammatik um R. Wimmer vertreten), da es so aussieht, als ob Namen nicht nur Einzelwesen und Einzeldinge identifizieren, sondern auch bestimmte Eigenschaften beschreiben und somit charakterisieren.
Da ein überindividuelles Wissen über Namen und scheinbar charakterisierte Namensträger jedoch so gering ist, dass es getrost vernachlässigt werden kann, es aber das typische Merkmal des Appellativums ist, überindividuelles Wissen austauschbar zu machen, kann das Onym nicht konsequent zu den Konkreta gezählt werden und wird von der neueren (zum Beispiel an der Universität Rostock vertretenen) Grammatik und auch in dieser Hausarbeit nur in die Substantive eingeordnet und somit den Appellativa gegenübergestellt. Dies erscheint auch sinnvoll, wenn die charakteristischen Eigenschaften von Onymen und Appellativa verglichen werden: Während der Gattungsname einen überindividuellen Gegenstand so vage bezeichnet und charakterisiert, dass alle ähnlich gebildeten und sozialisierten Sprachteilnehmer sich ihr Bild der bezeichneten Wirklichkeit machen können, kann der Name selbst nur einzelne Gegenstände, Personen, Orte, etc. identifizieren und konkret angeben. Dabei ist eine Charakterisierung nur individuell nachweisbar, lediglich bei
3
literarischen Namen, bestimmten Städten, bei aktuellem Zeitgeschehen o.ä. haben Namen auch bei einer großen Zahl der Sprachteilnehmer eine Bedeutung. Grammatisch ist der Name voll funktionstüchtig: Wortbildungsprodukte wie „kafkaesk“, „Mozartkugeln“ oder „Adenauerhaus“ lassen auf komplexe Wortbildungsprozesse schließen und bestimmte syntaktische Regeln gelten für Onyme und Appellativa gleichermaßen. Auch die wechselseitige Entstehungsmöglichkeit lässt linguistische Nähe vermuten: Namen können aus Appellativa gebildet werden (Proprialisierung: z.B. die Familiennamen Müller, Lehmann, Heldt aus den Appellativa Müller, Lehensmann, Held), Appellativa aber desgleichen auch aus Namen (Deproprialisierung: z.B. Boykott - nach einem 1832 geborenem irischem Gutsverwalter, dem seine Untergebenen aus Trotz den Gehorsam verweigerten). Letztlich gibt es sogar in vielen Fällen Mischformen aus Eigen- und Gattungsnamen wie zum Beispiel in
Porsdorf, Adenauerhaus oder Anstecknaddel.
Die Übernahme von Appellativa und Onymen als Fremdworte und Fremdnamen ist gängige Praxis; die Erfindung ganz neuer Worte und spätere ständige Verwendung obliegt jedoch mehr den Eigennamen - diese können leichter (zum Beispiel für ein Produkt) über Medien verbreitet werden und finden durch kommerzielle Werbung viele Wege in die deutsche Sprache. Erfundene Appellativa hingegen setzen sich nur sehr langsam durch und haben vor der letztlichen Anerkennung zu einem Wort der Sprachgemeinschaft auch noch akademische Grenzen in Universitäten oder bei Wörterbuchverlagen und -lektoren. Erstaunlich schnell und faktisch auch ebenso bemerkenswert ist die Aufnahme des Wortes „Muggel“ aus der Buchreihe „Harry Potter“ in das Oxford-Wörterbuch des Englischen als reguläres Appellativum. Ähnliche völlig neu erfundene Worte (keine Wortbildungsprozesse, bei denen lediglich bereits vorhandene Worte kombiniert werden) haben es im deutschsprachigem Raum erheblich schwerer.
Obwohl dem Onym nur individuell eine Bedeutung zugeschrieben werden kann, soll nicht verneint werden, dass mit diesem Zugeständnis quasi immer eine Bedeutung des Namens im Raume steht. Obwohl häufig durch Volksetymologie gedeutet und dabei entstellt, können Namen - auch ohne tiefere wortkundliche Forschung - bestimmte Eigenschaften offenbaren. Die Personennamen zum Beispiel müssen in Deutschland sogar erkennen lassen, ob der Namensträger weiblichen oder männlichen Geschlechtes ist; Ortsnamen verraten häufig den geographischen Siedlungsraum. Schließlich kann man mit Gewissheit sagen, dass Eigennamen bestimmte Botschaften aussenden, die häufig gedeutet werden und somit Felder möglicher Bedeutung in sich tragen - die Deutung und Zuschreibung selbst aber bleibt,
4
anders als beim Gattungsnamen, beim Individuum und nicht in der gesamten Sprachgeme inschaft.
Eine weitere Eigenschaft der Namen (neben der eventuellen Charakterisierung und Individualisierung - die offensichtlich auch Nichtpersonen treffen kann) besteht in der Personalisierung. Durch die Zuweisung eines Namens wird eine unbestimmte Person oder ein unbestimmtes Tier zwangsläufig mit einer „mitgedachten“ Persönlichkeit verbunden. Diese lässt die bezeichnete Person vermeintlich wertvoller erscheinen und reflektiert eine Beziehung zu ihr. Deutlich wird dies häufig in ritualisierten, religiösen Namengebungsakten, die beim Menschen eine Art Beseelung ausdrücken können; dies geschieht heute vielfach (wenn auch nicht mehr religiös) bei Objekten (z.B. Schiffstaufe) und bei Tieren (z.B. Namengebungsakt im Zoo).
Letztlich lassen sich die Onyme ebenfalls weiter untergliedern und zeigen dabei verschiedene Zweige auf. Da sich ständig neue Bereiche herauskristallisieren und andere verschmelzen, sollen nur kurz einige Beispiele genannt werden: Eine Unterscheidung in Personennamen, Toponyme und Produkt- oder Gegenstandsnamen scheint schon eine grobe Unterscheidung zu offenbaren. Personennamen lassen sich aber auch auf Götter, Tiere und Produkte (Kommode Holger) anwenden, was ihre inhaltliche Beziehung zum Bezeichneten in Frage stellt. Gleichzeitig können Toponyme in Flurnamen, Gewässernamen, Ortsnamen, etc. unterteilt werden, was eine Systematisierung der Eigennamen denkbar schwierig erscheinen lässt. Eine besondere Klasse mit wiederum besonderen Eigenschaften soll aber im Folgenden genauer unter die „linguistische Lupe“ genommen werden: Die Tiernamen.
5
Arbeit zitieren:
Christian Klager, 2003, Das vermenschlichte Tier - Aspekte der Onomastik im Bereich der Tiernamen im Zoo, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Haltung des alternden Menschen in "Der Mensch erscheint im Ho...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Wurzeln, Geschichte und Bedeutung der Seeschifffahrt beim Entstehen un...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Christian Klager hat den Text Das vermenschlichte Tier - Aspekte der Onomastik im Bereich der Tiernamen im Zoo veröffentlicht
Christian Klager hat einen neuen Text hochgeladen
Visuelle Wahrnehmung im zweidimensionalen Bereich
Elementare Phänomene der zweid...
Moritz Zwimpfer, Schule für Gestaltung Basel
A Ambuhl
Interdisziplinäre Aspekte des Übersetzens und Dolmetschens. Interdisci...
Judith Muráth, Agnes Oláh-Hubai
0 Kommentare