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• Ethnizität und Sprache - Nationalität und Sprache 13
• Sprache als Konfliktpotential
Was ist Identität? Was macht meine Identität aus? Womit identifiziere ich mich?
Der Begriff Identität agiert in einer Doppelfunktion: zum einen drückt er aus, was die Indivi- dualität des einzelnen Menschen ausmacht, sprich: wie sich der Einzelne von anderen unter- scheidet. Zum anderen aber hat der Begriff eine vergleichende Funktion, nämlich dann, wenn man davon spricht, dass Dinge "identisch sind". Der Begriff Identität vereint in sich zwei Ge-
Neben dem Streben nach Individualität und dem Auf- und Ausbau der eigenen Identität, strebt der Mensch nach Identifikation mit anderen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und daher vergleicht er sich, seine Art zu leben, seine Weltanschauung, seinen Kleidungsstil etc. mit dem anderer Menschen - teils, ums sich abzugrenzen, teils, um sich verbunden zu fühlen. Er ist auf der Suche nach Gleichgesinnten, nach Gemeinschaft, nach einer Gruppe, der er sich zugehörig fühlen kann.
Von der Wahl der Zugehörigkeit zu einem Angelverein oder Kegelclub hängt der Weltfrieden sicherlich nicht ab. Auf der politischen oder kultureller Ebene bietet sich hingegen ein anderes Bild. Gruppenzugehörigkeiten, die von Aspekten wie Sprache, Religion/Weltanschauung oder Ethnizität abhängen, bergen großes Konfliktpotential und waren seit jeher Anlass für Aus- grenzung und Diskriminierung.
Diese Ausarbeitung soll einen kleine Einblick in die Zusammenhänge zwischen individueller bzw. kollektiver Identität, Ethnizität und Sprache gewähren. Wenn sie auch wahrscheinlich nicht viel zum Weltfrieden betragen kann, so hat sie doch immerhin zur Erweiterung m e i n e s Horizontes beigetragen. J
1 Identität - Begriffserläuterung
"Der Begriff Identität besitzt eine Doppelbedeutung: Zum Einen bezeichnet er die In-
dividualität des Einzelnen, zum Anderen können aber Dinge und Menschen identisch sein. Im einen Falle liegt die Individualität darin, dass sie sich unterscheiden, im zwe i- ten Falle liegt sie darin, dass sie sich gerade nicht unterscheiden." (Schneider 2001).
Nach Krappmann ist Identität im philosophischen Kontext das Prädikat, das dem Einzelnen zukommt und erlaubt, es von anderen gleicher Art zu unterscheiden. In sozialpsychologischer Hinsicht ist die ungesicherte Qualität des Teilnehmers an sozialen Handlungsprozessen ge- meint, die erworben und mit anderen ausgehandelt wird, die man erstrebt oder die gegenseitig abverlangt wird, die erfolgreich behauptet oder zerstört werden.
Haarmanns Definition des Begriffs Identität hingegen besagt, dass es sich um die Gleichheit zweier Entscheidungen oder wenigstens das, was bei beiden gleich ist, handelt. Im engeren Sinne ist die tägliche persönliche Erkenntnis gemeint, durch Lebensabschnitte hindurch der Gleiche zu sein. Voraussetzung ist, dass der Mensch eine Vorstellung von sich selbst und sei- nen Lebensbezügen in Vergangenheit und Zukunft hat.
Es ist nach persönlicher und sozialer Identität zu unterscheiden, wobei mit sozialer Identität das durch die soziale Umwelt (Eltern, Kinder, Ehegatte, Nachbar, Kollegen etc.) erwartete Verhalten eines Menschen gemeint ist. Sie bezeichnet das gesamte Wissen um die individue l- le Mitgliedschaft in sozialen Gruppen und um die damit verbundenen Werte und emotionalen Bedeutungen, mit denen die Mitgliedschaft besetzt ist. Persönliche Identität ist demnach all das, was das den Einzelnen als Individuum ausmacht, wie z.B. Name und Hautfarbe. Viele Aspekte der sozialen Identität werden im Laufe des Lebens verinnerlicht und damit zum Be- standteil der persönlichen Identität. Beide "Ausläufer" der Identität stehen nicht getrennt vo n- einander gegenüber, sondern sind vielmehr wechselseitig miteinander verbunden (vgl. Rose- mann, Erscheinungsjahr unbekannt).
Identität ist nicht Kultur oder Sprache nebenzuordnen, sondern eine übergreifende Größe, zu der die beiden anderen in Abhängigkeit stehen. Die Kultur- und Sprachfähigkeit des Indivi- duums ist ohne Identität als Voraussetzung nicht denkbar.
Identität wird als umfassende Kontrollinstanz für jegliches menschliches Verhalten betrachtet, ob non-verbal oder verbal. Störungen bei der Identitätsfindung haben unweigerlich Verha l- tensstörungen zur Folge, sowohl beim Individuum als auch in der Gruppe.
Vom anthropozentrischer Standpunkt aus betrachtet besagt der Mechanismus der Identifikati- on, dass der Mensch seine Welt prinzipiell binär kategorisiert:
1. in das, was er selbst ist oder sein möchte 2. in das, was er nicht selbst ist o. nicht sein möchte (vgl. Krappmann 1987).
Der Identifizierungsprozess des Individuums ist somit durch ein Wechselspiel aus Abgren- zungsstrategien einerseits und der Solidaritätssuche andererseits geprägt. Haarmann sieht I- dentität als Notwendigkeit für das Individuum sein Verhalten (Ideenwelt, Fühlen, interaktives Handeln) auf die Bedingungen seiner Umwelt abzustimmen. Sie dient zur Einbindung in eine Gruppenformation sowie deren Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen. Positive Elemente dienen dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe, negative Elemente dienen der Abgrenzung von einer anderen Gruppe. Dadurch wird dem Menschen seine Individualität, seine soziale Gruppenbindung, seine weltanschauliche Orientierung sowie seine Zugehörigkeit zu einer Sprachgemeinschaft bewusst.
Neben der Unterscheidbarkeit birgt Identität also auch die Möglichkeit der (Wieder-) Erkenn-
Identität gliedert sich auf in eine veränderliche und eine unveränderlichen Komponente. Mit der unveränderlichen Komponente ist die Abstammung im Sinne einer durch Vorfahren ge- prägten Genstruktur (Aussehen, Geschlecht, rassische Merkmale) gemeint. Die veränderliche Komponente macht demnach das Wesen des Individuums aus, welches zeitlebens durch sein Umfeld geprägt wird.
2 Kollektive Identität/Gruppenzugehörigkeit
Identifizieren
enthält neben dem bloßen Kennzeichnen die zusätzlich Bedeutung des "sich mit etwas identifizieren".
Identität zeichnet sich durch das Bedürfnis nach individuellem Freiraum, im gleichen Zuge aber auch nach Gruppenbindung aus. Eine konfliktfreie Identifikation ist für das einzelne In- dividuum von elementarem Wert.
Indem wir die Welt in soziale Kategorien/Gruppen einteilen (nach Geschlecht, Berufen, Reli- gion, Nationalität usw.), gelingt es uns leichter, uns in der sozialen Realität zu orientieren und die eigene soziale Position zu bestimmen.
Die Aufteilung der Welt in handhabbare Kategorien hilft uns nicht nur, sie zu vereinfachen und ihr einen Sinn zu geben. Dadurch definieren wir, wer wir sind. Wir klassifizieren nicht nur andere als Mitglieder dieser oder jener Gruppe, sondern wir weisen auch uns selbst einen Platz in Beziehung zu eben diesen Gruppen zu.
(vgl. Rosemann, Erscheinungsjahr unbekannt)
2.2 Gruppenidentität
Menschen definieren einen Teil ihrer Identität, ihre soziale Identität, über die Mitgliedschaft in Gruppen. Sich Gruppen zuzuordnen macht den Menschen als soziale Wesen aus. Grund- sätzlich strebt der Mensch nach einer positiven Identität. Eine positive soziale Identität ergibt sich aus einem positiven Vergleich zwischen einer relevanten sogenannten
Ingroup
mit einer oder mehreren Vergleichsgruppen. Gruppenzugehörigkeiten haben also eine identitäts- stiftende Funktion ("Theorie der sozialen Identität" nach Tajfel & Turner 1979, vgl. Wagner
Identität ist ein soziales Konstrukt, festgehalten und verankert in der sozialen Interaktion von Aktivitäten und Situationen, die als ein Produkt von Beziehung von einer sozialen Gruppe zu seiner sozialen und physikalischen Umgebung entstehen. Es ist ein Produkt von geteiltem sozialen Wissen.
Quote paper:
Corinna Schücke, 2002, Acts of Identity, Munich, GRIN Publishing GmbH
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