INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 2
Kapitel I: Kontext 4
1. Historische Ursachen 4
2. Strukturelle Voraussetzungen 5
Kapitel II: Organisation der cura annonae 6
1. Aufgaben der cura annonae 6
2. Finanzierung 6
3. Empfänger des Getreides 7
4. Herkunft des Getreides 8
Kapitel III: Probleme bei der Organisation der cura annonae 9
1. Aufgaben und Kompetenzen des praefectus annonae 9
2. Die lex Iulia de annona 10
Kapitel IV: Bedeutung der cura annonae für Augustus 11
Res ümee 13
Quellen - und Literaturverzeichnis 15
- 1 -
Einleitung
Die Landwirtschaft war vor dem Siegeszug der Industrialisierung seit dem
18. Jahrhundert der Hauptwirtschaftszweig eines Landes. So waren auch in der römischen Kaiserzeit 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung in diesem Wirtschaftszweig tätig. 1 Typisches Kennzeichen der vorindustriellen Landwirtschaft war die wesentlich stärkere Abhängigkeit vom Wetter als heute. So kam es im Jahre 22 v. Chr. aufgrund von Ernteausfällen u. Ä. zu Tumulten unter den plebs urbana, der stadtrömischen Bevölkerung. Diese drängten den princeps, den Kaiser, die Organisation der Getreideversorgung zu übernehmen. Die Krise wurde dank Augustus binnen kürzester Zeit bewältigt. Doch wie konnte dieses Dilemma in einem Reich mit einer Ausdehnung von 6 Mio. km² so schnell überwunden werden? 2
Die vorliegende Seminararbeit möchte auf Basis einschlägiger Fachliteratur die Organisation der Getreideversorgung unter Augustus diskutieren. In Kapitel I sollen die ereignisgeschichtlichen und strukturellen Voraussetzungen dargestellt werden. Kapitel II befasst sich mit der organisatorischen Grundstruktur der cura annonae. Dabei sollen die Fragen nach Aufgabe und Finanzierung der annona, die Herkunft des Getreides sowie deren Empfänger geklärt werden. Kapitel III beleuchtet die bei der Strukturierung dieser administrativen Aufgabe eintretenden Schwierigkeiten und deren Bewältigung. Für eine optimalere Organisation wurde der praefectus annonae eingesetzt, wohingegen die lex Iulia de annona etwaige Wirtschaftskriminalität bekämpfte. Warum Augustus ein i mmer größer werdendes Engagement für diesen Bereich zeigte, will Kapitel IV erklären.
Als Ausgangspunkt sollen die res gestae divi Augustuae - benutzt wurde die Übersetzung von Marion Giebel 3 - und Suetons Augustus-Biographie 4 dienen. In der Forschung ist man sich einig, dass der Tatenbericht Augustus’ subjektiv ist und einige wichtige Ereignisse beschönigt bzw. nicht oder nur am Rande erwähnt. Intention des Autors ist
1 Pleket, Henry Willy: § 2 Wirtschaft, in: Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der römischen
Kaiserzeit, hrsg. von Vittinghoff, Friedrich, Stuttgart 1990, S. 71.
2 Vgl. Drexhage, Hans-Joachim/Konen, Heinrich/Ruffing, Kai: Die Wirtschaft des Römischen Reiches
(1.-3. Jahrhundert). Eine Einführung, Berlin 2002 (= Studienbücher. Geschichte und Kultur der Alten
Welt), S. 21.
3 Augustus: Res gestae - Tatenbericht, lat.-griech.-dt., hrsg. von Giebel, Marion, Stuttgart 1995.
4 Sueton: Augustus, hrsg. von Flach, Dieter, Stuttgart 1988.
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es, das Bild eines gerechten Herrschers zu zeichnen, der sich stets in den Dienst der Gemeinschaft stellt. 5 Die Hinweise in den Quellen sollen im Hauptteil auf ihre Authenzität hin überprüft werden. Obwohl vor allem der juristische Aspekt in den Mittelpunkt der Publikationen von Peter Herz 6 und Evelyn Höbenreich 7 steht, geben diese beiden Publikationen eine Vielzahl von Informationen und Anregungen zum Thema der vorliege nden Seminararbeit. Wenn auch scho n etwas älteren Datums, aber trotzdem noch wichtig für das Thema der Getreideorganisation, ist das Buch von Geoffrey Rickmann. 8 Das Problem der Beziehung zwischen plebs und princeps diskutiert sehr ausführlich Zvi Yavetz. 9
Bevor das eigentliche Thema ausgeführt wird, ist es wichtig, einige elementare Fachtermini, deren exakte Definition bei Evelyn Höbenreich 10 genauer diskutiert wird, unterscheiden zu können:
1. Der Begriff annona leitet sich vom lateinischen Wort annus ab, was mit dem Nomen Jahr übersetzt wird. In dem zu besprechenden Kontext ist insbesondere „so viel wie jährlicher Ertrag aus landwirtschaflichem Anbau“ 11 sowie die Getreideversorgung einer Kommune ge meint.
2. Der Begriff cura annonae oder nur annona definiert das „Zusammenspiel von ordentlichen und außerordentlichen Maßnahmen, die von Magis traten oder Privaten ausgehen, und die auf unterschiedliche Weise geeignet sind, die Versorgung einer Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln zu garantieren.“ 12 .
3. Der Ausdruck frumentationes leitet sich vom lateinischen frumentum ab und wird in der Fachliteratur als die kostenlose Getreideverteilung definiert. 13
5 Vgl. Giebel, S. 83f.
6 Herz, Peter: Studien zur römischen Wirtschaftsgesetzgebung. Die Lebensmittelversorgung, Stuttgart
1988 (= Historia Einzelschriften, Bd. 55).
7 Höbenreich, Evelyn: Annona. Juristische Aspekte der stadtrömischen Lebensmittelversorgung im Prin-
zipat, Graz 1997 (= Grazer Rechts- und Staatswissenschaftliche Studien, Bd. 55).
8 Rickmann, Ge offrey: The corn supply of the ancient Rome, Oxford 1980.
9 Yavetz, Zvi: Plebs and Princeps, Oxford 1969.
10 Vgl. Höbenreich, S. 24-32.
11 Ebd. S. 24.
12 Ebd. S.27 f.
13 Vgl. ebd. S. 25.
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Kapitel I: Kontext
1. Historische Ursachen
Rom war aufgrund seines trockenen Klimas 14 und der ständig wachsenden Bevölkerung schon sehr früh nicht mehr zu einer eigenständigen Ernährung fähig, sodass man schon vor der Regierungszeit des Augustus auf Lebensmitteleinfuhren aus den Provinzen angewiesen war. 15 Daraufhin galt es sehr bald schon die Lebensmittelversorgung der Stadt Rom zu organisieren. Diese Aufgabe wurde zum Beispiel von Pompeius übernommen, der Augustus als Vorbild die nte. 16
Die massiven Versorgungsengpässe des Jahres 22 v. Chr. nach Überschwemmungen, Seuchen, Hungersnöten sowie die damit verbundenen Opfer und Schäden verbreiteten Tumulte in der römischen Bevölkerung, 17 sodass Augustus erstmals gezwungen war, sich persönlich der Getreideversorgung anzunehmen. „Non sum deprecatus in summa frumenti penuria curationem annonae quam ita administravi, ut intra dies paucos metu et periclo praesenti civitatem universam liberarim impensa et cura mea.“ 18 In der eben zitierten Passage aus dem Tatenbericht des Augustus geht auch hervor, dass die Krise innerhalb kürzester Zeit überwunden war. Es fehlen aber Angaben über die genauen Maßnahmen, die zur umgehenden Besserung der Situation geführt haben. In der Forschung ist man sich weitgehend einig, dass es genügend Getreide auf dem Markt gab, welches Augustus aufgrund seines riesigen Vermögens aufgekauft und der stadtrömischen Lebensmittelversorgung zur Verfügung gestellt hat. Der princeps aber hatte zunächst keine gravierenden Neuerungen der cura annonae vorgenommen, sodass sich die Probleme anhäuften und zu einer gravierenden Krise in den Jahren 6 und 7 n. Chr. führten. 19 Zum einen waren in diesen Jahren große Teile der römischen Armee in Kämpfe mit Aufständischen, wie zum Beispiel in Pannonien und Dalmatien, verstrickt. Die Ver-
14 Zuden klimatischen Bedingungen vgl. Rickmann, S. 94-101.
15 Vgl. ebd. S.1.
16 Vgl. Herz, S. 68.
17 Höbenreich, S. 35.
18 RGDA 5: Nicht abgelehnt habe ich aber, als größter Mangel an Getreide herrschte, die Aufsicht über
die Getreidebeschaffung, die ich so betrieb, daß ich innerhalb von wenigen Tagen die gesamte Bürger-schaft von Furcht und lastender Gefahr dank meiner Aufwendungen und meiner Fürsorge befreien konn-
te. (Übers. M. G.) --- Vgl. auch Yavetz, S. 91: Der Erklärungsansatz von Yavetz, der das mangelnde
Engagement von Augustus auf das fehlende Vertrauen der plebs vor Verleihung der tribunicia potestas
zurückführt, ist durchaus plausibel und nachvollziehbar, betrachtet man bespielsweise das gewaltsame
Vorgehen Augustus’ und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Bevölkerung während des Tri-
umvirats mit Antonius und Lepidus.
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Arbeit zitieren:
Isabel Schellenberger, 2005, Augustus und seine "cura annonae" - Die Organisation der Getreideversorgung im Augusteischen Zeitalter, München, GRIN Verlag GmbH
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