I. .......Seite 1
Einleitung
II. .......Seite 2
Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung
III. .......Seite 4
Die Frauenbewegungen, das Bürgertum und die Sozialdemokratie
IV. .......Seite 8
Arbeiter und die Frauenbewegung
IV. a) Exkurs: .......Seite 9
Die Frauenbewegung und die Sozialdemokratie vor 1889
IV. b) Exkurs: .......Seite 9 „proletarischer Antifeminismus“
V. Clara Zetkin .....Seite 12 V. a)
Kurzbiographie
V. b) .....Seite 12
Als Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung
V. c) .....Seite 13
Clara Zetkin und Formulierung der ‚Frauenfrage’
V. d) .....Seite 15
Clara Zetkin und der Internationale Kongreß für Frauenwerke und Frauenbestrebungen
VI. .....Seite 17
Frauenbewegung um und nach 1900
VII. .....Seite 19
Ergebnis
1
I. Einleitung
In dieser Arbeit soll sich mit der Entstehung der proletarischen Frauenbewegung in der Zeit von Clara Zetkin befaßt werden. Damit wird die Zeit von 1889/90 bis 1914 eingegrenzt, die die Phase des Aufbaus, der Festigung und schließlich der Entwicklung zu einer breiten Bewegung umschließt. 1
Leider muß das Wirken Clara Zetkins innerhalb der internationalen Frauenbewegung und damit auch als Mitinitiatorin des Internationalen Frauentages unberücksichtigt bleiben, da dies den Rahmen der Arbeit weit überschreiten und einen anderen Blickwinkel erfordern würde.
Zunächst soll eine knapper Überblick gegeben werden über die Entwicklung der deutschen Frauenbewegung bis 1890, worin bereits auf die Unterscheidung von bürgerlicher und proletarischer Bewegung eingegangen werden wird. Dieser Punkt wird im Laufe der Arbeit immer wieder aufgegriffen werden.
Im Anschluß wird dann explizit auf die proletarische Frauenbewegung eingegangen. Hierbei wird auf die Positionie rung der Frauen- innerhalb der Arbeiterbewegung und die damit verbundenen Auseinandersetzungen verwiesen werden. Als sozusagen roter Faden wird in der gesamten Betrachtung die Person Clara Zetkins dienen, die in der Zeit von 1890 bis etwa 1917 die vornehmliche Repräsentantin der sozialdemokratischen Frauenbewegung war und „in der Partei wie in der Frauenbewegung eine Schlüsselfigur der Linken war.“ 2 „Clara Zetkin prägte weitgehend die offizielle Eigendarstellung der Frauenbewegung in der Gleichheit, auf Frauenkonferenzen und Parteitagen. Ihr war vor allem die prinzipielle Festigkeit zu verdanken, die an der Frauenbewegung geschätzt wie auch gefürchtet wurde.“ 3
Am Ende der Arbeit soll als Ergebnis ein Einblick in die erste Frauenbewegung stehen, der die ideologischen Grundzüge und die Probleme der proletarischen Frauenbewegung aufgezeigt haben wird.
Grundlegende Lektüre bei der Erstellung dieser Hausarbeit waren das Buch ,,Unerhört -Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung“ von Ute Gerhard und das Werk ,,Geschichte der deutschen Frauenbewegung“ herausgegeben von Florence Hervé (siehe Literaturverzeichnis).
1 Renate WURMS, Kein einig Volk von Schwestern, in: Florence HERVÉ (Hrsg.), Geschichte der deutschen
Frauenbewegung, Köln 1983, Seite 41
2 Sabine RICHEBÄCHER, Uns fehlt nur eine Kleinigkeit. Deutsche proletarische Frauenbewegung 1890-1914,
Frankfurt 1982, Seite 129.
3 Sabine RICHEBÄCHER, Uns fehlt nur eine Kleinigkeit, Seite 129.
2
II. Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung
Im Zuge der Proteste von 1848 und den geweckten Hoffnungen auf eine Beseitigung der totalitären und militaristischen Verhältnisse im zersplitterten Deutschen Bund entstanden die ersten Zirkel, in denen nun auch Frauen begannen, ihr politisches und gesellschaftliches Partizipationsrecht einzufordern.
,,Die politische Poesie hat die deutschen Frauen aufgeweckt“ 4 merkte Louise Otto in einem Artikel der ,,Sächsischen Vaterlandsblätter“ an. Louise Otto (später: Louise Otto-Peters) wird als Gründerin und ,,Mutter der deutschen Frauenbewegung“ angesehen. 5 Im April 1849 brachte sie die erste politische ,,Frauen- Zeitung“ heraus. Unter dem Motto ,,Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen“ berichtete die Zeitung über politische und frauenspezifische Themen mit sozialkritischer Ausrichtung. 6 1848 / 49 waren Frauenvereine mit mehr oder minder politischer Zielsetzung entstanden, die sich grob in drei Typen einteilen lassen:
1. Demokratische Frauenvereine: Sie sahen sich in der Tradition der 48er- Aufstände und unterstützten die politischen Gefangenen. Aufgrund dieser offenkundig ,,staatsfeindlichen“ Aktivitäten wurden sie im Zuge der Reaktion bekämpft und in den meisten deutschen Staaten schnell verboten.
2. Frauenbildungsvereine: Unter dem Leitspruch ,,Wissen ist Macht“ und der Zielsetzung, Frauen als ,,Erzieherinnen des Menschengeschlechts“ zu etablieren, kämpften d ie organisierten Frauen für eine frauenspezifische und der der Jungen gleichrangigen Ausbildung für Mädchen. Diese Forderung wurde ein Schwerpunkt in dem Programm der bürgerlichen Frauenbewegung.
3. Arbeiterinnenvereine: Auch die Arbeiterinnen schlossen sich unter dem Eindruck der Proteste von 1848 in ersten kleinen Assoziationen zusammen oder wurden in die bestehenden Zirkel der Arbeiter eingebunden. Diese Assoziationen wurden, wie beinahe alle anderen auch, verboten. Es dauerte bis in die 80er- Jahre des 19. Jahrhunderts bis die Interessen der Arbeiterinnen im Zuge des Erstarkens der Sozialdemokratie wieder Gehör fanden.
4 Ute GERHARD, Unerhört! Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Hamburg 1990, Seite 42.
5 Vgl. z.B. Ute GERHARD, Unerhört!, Seite 39 und Rosemarie NAVE-HERZ, Die Geschichte der
Frauenbewegung in Deutschland, Hannover 1989, Seite 13.
6 Ute GERHARD, Unerhört!, Seite 63.
3
Die Frauenbewegung hatte es in ihrer Anfangszeit nicht einfach ihre Interessen zu koordinieren, denn immer wieder wurden ihre Versammlungen von der Polizei aufgelöst und dabei auch ihre Führerinnen verhaftet. Möglich war dies durch die seit 1850 wirksamen Vereinsgesetzen, nach denen Frauen grundsätzlich jede politische Tätigkeit untersagt war. 7 Für die bürgerliche Frauenbewegung was es leichter, sich zu Gruppen zusammenzuschließen. Hier war der Verdacht der politischen Betätigung gering. Man traf sich zu Lese- und Bildungsabenden, die nicht den Anschein erweckten irgendeine politische Tendenz zu haben. Vor allem waren diese Frauen fernab eines sozialdemokratischen Gefildes, was sie schon einmal absicherte. Denn unter politischer Tätigkeit verstand man im Kaiserreich vor allem die Nähe zur Sozialdemokratie. 8 Und diese galt als hochgradig gefährlich, da sie eine Aufhebung der bestehenden Gesellschaftsstruktur als wesentliches Merkmal beinhaltete. So wurden
Sozialdemokratinnen stärker überwacht und es wurde ihnen erschwert, sich in irgendeiner Form zusammenzuschließen. Den Arbeiterinnen wurden die Vereinsgesetze von 1850 besonders streng ausgele gt, da man hinter Arbeiterinnenvereinen immer schnell ,,das rote Gespenst“ 9 der Sozialisten vermutete. Tatsächlich stand die proletarische Frauenbewegung stark unter dem Einfluß der erstarkenden Sozialdemokratie im Deutschen Reich.
7 Ute GERHARD, Unerhört!, Seite 107.
Das Scheitern der sogenannten 48er- Revolution zog eine repressive Reaktion nach sich, die sich besonders
heftig an den Rechten der Frauen zu schaffen machte. Preußen und Bayern erließen Vereinsgesetze, in denen
explizit bestimmt war, das ,,Frauenspersonen" nicht als Mitglieder politischer Vereine zugelassen werden
dürfen ( z.B. § 8 des Preußischen Vereinsgesetzes von 1850). Diese Diskriminierungen blieben mit
weitreichenden Folgen bis in das 20. Jahrhundert Gesetz.
8 Ute GERHARD, Unerhört!, Seite 108.
9 Ute GERHARD, Unerhört!, Seite 108
4
III. Die Frauenbewegungen, das Bürgertum und die Sozialdemokratie
Die erste Frauenbewegung wurde vor allem vom Bürgertum getragen und setzte sich so mit auch von einem spezifisch ‚bürgerlichen’ Standpunkt mit den Problemen der Frauen auseinander. Kernpunkte waren vor allem die Loslösung vom Mann und eine eigene gleichwertige und gleichberechtigte Ausbildung und das Recht auf standesgemäße Arbeit. Auf der ersten Frauenkonferenz auf dem Gebiet des Deutschen Bundes vom 16.- 18. Oktober 1865 wurde der ,,Allgemeine Deutsche Frauenverein" (ADF) gegründet, der, angeführt von Louise Otto und Auguste Schmidt zum Kernelement der bürgerlichen Frauenbewegung wurde. Die Gründung des Vereins steht für den Beginn eines kontinuierlichen Kampfes der Frauen für Gleichberechtigung, auch wenn die Ziele zunächst enger formuliert waren.
,,Recht auf Arbeit und gleiche Bildungschancen für Frauen!“ waren die Forderungen der aufbrechenden bürgerlichen Bewegung.
Die erste Generation der Frauenbewegung in Deutschland ging davon aus, daß der Weg der Frau zu Selbständigkeit und Mündigkeit über das Recht auf Bildung und zu Arbeit zu erreichen sei. 10 So sollte den Frauen dadurch eine selbständige materielle Existenz unabhängig vom Manne ermöglicht werden.
Die Probleme der Arbeiterfrauen, die der Doppelbelastung von Arbeit und Familie ausgesetzt waren, fanden nur geringe Aufnahme in den Programmen der bürgerlichen Bewegung. Nicht Ignoranz, sondern Unkenntnis waren hierfür ausschlaggebend. Zwar haben sich Frauen wie Louise Otto-Peters und auch Gertrud Guilleaume-Schack mit der sozialen Lage der Arbeiterinnen befaßt. Letztere hatte in Berlin den „Verein zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen“ gegründet. 11 Aber beide werden dem bürgerlichen Lager zugezählt. Die Auseinandersetzung mit den Arbeiterinnen erfolge durch die Sozialdemokratinnen und hier besonders durch Clara Zetkin. Zetkin hat in ihrem Werk „Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland“, über die Entstehung der Frauenbewegung und ihrer verschiedenen Strömungen reflektiert und das Verhältnis der unterschiedlichen Richtungen zueinander dargelegt. So sagt sie u.a.
„Das Beste, was die bürgerliche Frauenbewegung an Vorarbeit für die proletarische Frauenbewegung geleistet hat, ist die Betonung der Bedeutung, die
10 Rosemarie NAVE-HERZ, Die Geschichte der Frauenbewegung, Seite 14f.
11 Rosemarie NAVE-HERZ, Die Geschichte der Frauenbewegung, Seite 33.
5
Arbeit zitieren:
Meike Pfefferkorn, 2005, Die proletarische Frauenbewegung im Kaiserreich, München, GRIN Verlag GmbH
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