KATJA GRUNOW - ii - TABELLEN UND SCHAUBILDER
INHALTSVERZEICHNIS
VERZEICHNIS DER TABELLEN UND SCHAUBILDER III
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS. IV
GLOSSAR. IV
EINLEITUNG 1
1. KOSTEN DER KREDITVERGABE 6
1.1. EFFEKTIVZINS 7
1.2. VERWALTUNGSKOSTEN. 9
1.3. AUSFALLQUOTE 10
1.3.1. RISIKOKOSTEN. 11
1.3.2. TRANSAKTIONSKOSTEN 13
1.4. REFINANZIERUNGSKOSTEN. 16
1.5. KAPITALISIERUNGSRATE 17
1.6. ZINSEINNAHMEN 17
ZWISCHENFAZIT. 17
2. STATISTISCHES CREDIT-SCORING 19
2.1. STATISTISCHES CREDIT-SCORING FÜR KUNDEN MIT DOKUMENTIERTER KREDITHISTORIE 25
2.1.1. INFORMATIONSMANAGEMENT 26
2.1.2. SCORING SERVICES. 28
2.2. STATISTISCHES CREDIT-SCORING FÜR KUNDEN OHNE DOKUMENTIERTE KREDITHISTORIE 32
2.2.1. ORGANISATIONSSTRUKTUR 33
2.2.2. FINANZIERUNGSFORMEN 34
2.2.3. VERMÖGENSRECHNUNG 35
2.2.4. EINKOMMENSRECHNUNG. 40
ZWISCHENFAZIT. 42
3. INDIKATORENENTWICKLUNG. 44
3.1. MERKMALE DES ANTRAGSTELLERS 44
3.1.1. MATERIELLE ANTRAGSMERKMALE. 46
3.1.2. PERSÖNLICHE ANTRAGSMERKMALE. 50
3.2. MERKMALE DES KREDITES. 54
3.3. MERKMALE DES KREDITSACHBEARBEITERS. 55
ZWISCHENFAZIT. 55
4. KOSTENDISKUSSION. 57
4.1. OPERATIVES GESCHÄFT 57
4.1.1. BONITÄTSANALYSE 57
4.1.2. STRATEGISCHER ANSATZ 57
4.1.3. AUTOMATISIERUNG 60
4.1.4. STANDARDISIERUNG. 60
4.1.5. STATISTIK. 61
4.1.6. ENTWICKLUNGSGRUNDLAGE FÜR KREDITVERTRÄGE 62
4.1.7. ANNAHMEN 62
4.2. EINFÜHRUNG DES CREDIT-SCORINGS. 64
4.2.1. PERSONAL- UND SACHAUFWAND. 64
4.2.2. ERSTELLUNG DER SCORECARD 66
ZWISCHENFAZIT. 67
5. GRENZEN DES CREDIT-SCORINGS. 69
5.1. METHODEN DER DATENERHEBUNG UND -AUSWERTUNG 69
5.2. EINKOMMENSDIVERSIFIKATION 72
FAZIT 74
LITERATURVERZEICHNIS 76
ANHANG 83
TABELLE 1: ÜBERBLICK ÜBER TERMINOLOGIE DER KOSTENRECHNUNG................................ 7 TABELLE 2: ARGUMENTE FÜR UND GEGEN STATISTISCHES CREDIT-SCORING AUS SICHT DER
KREDITINSTITUTE.......................................................................................................... 23 TABELLE 3: ARGUMENTE FÜR UND GEGEN STATISTISCHES CREDIT-SCORING AUS SICHT DER
ANTRAGSTELLER........................................................................................................... 24 TABELLE 4: PERSONENBEZOGENE DATEN GESPEICHERT BEI INFOCORP/EQUIFAX ............... 30
SCHAUBILD 1: ÜBERBLICK ÜBER DAS KREDITRISIKOPOLITISCHE INSTRUMENTARIUM......... 19 SCHAUBILD 2: SCHUFA HOLDING AG RISIKOSTUFEN ........................................................... 27 SCHAUBILD 3: VERTEILUNG DER RISIKOKLASSEN IM BANKENBEREICH NACH SCHUFA
HOLDING AG................................................................................................................. 29 SCHAUBILD 4: BILANZ DES FAMILIENUNTERNEHMENS......................................................... 37 SCHAUBILD 5: AUFLISTUNG DER NOTWENDIGEN ARBEITSTAGE IN DER BEWERBUNG EINES CONSULTANTS ZUR EINFÜHRUNG EINES CREDIT-SCORINGSYSTEMS IN PERU ............. 65
ANHANG 1: FRAGEBOGEN ZU EINKOMMENSQUELLEN, HÖHE DER EINKOMMEN, MONATLICHE AUSGABEN, FORDERUNGEN UND VERBINDLICHKEITEN AUF DER INSEL AMANTANÍ... 83 ANHANG 2: ANZAHL DER EINKOMMENSQUELLEN IN 19 HAUSHALTEN AUF DER INSEL
AMANTANÍ ...................................................................................................................... 89 ANHANG 3: SCORECARD VON NAMPOST, NAMIBIA .............................................................. 91
GLOSSAR
Quellen: Gabler Wirtschaftslexikon (2004); Ledgerwood, J. (1998); Schiller, B., Tytko, D. (2001)
Eine Mikrofinanzinstitution (MFI) hat im aktuellen Diskurs zwei langfristige Ziele zu verfolgen: sie soll möglichst viele mit Finanzdienstleistungen unterversorgte Menschen erreichen (outreach) und dabei genug Gewinn erwirtschaften, um die Nachhaltigkeit der Institution sicherzustellen (sustainability). Nachdem in den 1970er und 1980er Jahren insbesondere die Bedeutung der Zielgruppennähe (target-group-orientation approach) betont wurde und Institutionen angepasste, erschwingliche Finanzdienstleistungen ohne Profitinteresse anbieten sollten, setzte sich mit der wachsenden Kritik an der finanziellen Abhängigkeit und der hohen Kreditausfallrate zunehmend der sogenannte commercial approach durch (Schmidt, R. H., Zeitinger C.-P. 1997:2), der Kostendeckung und Kostenminimierung in den MFIs fordert. Nur die Unabhängigkeit von externen Geldern erlaubt ein dauerhaftes und zuverlässiges Kreditangebot. Gerade die Bereitstellung von Folgekrediten unterstützt den entwicklungspolitischen Auftrag der MFI, da Kleinunternehmer nur dann Investitionen über einen längeren Zeitraum realisieren können. Der Nachhaltigkeitsansatz verlangt die institutionelle Fähigkeit der MFI sich unabhängig von Geber- und Regierungsorganisationen zu refinanzieren. Die MFI muss in der Lage sein, mit den erzielten Gesamterlösen (Zins-, Provisions- und Gebührenerlöse) ihre Gesamtkosten zu decken. Die finanzielle Tragfähigkeit (financial viability) ist dann erreicht, wenn ein Überschuss aus der Differenz der Erlöse und Kosten erzielt wird. Da die marktorientierte MFI ihre Kosten auf den Kunden überträgt (Schmidt, R. H., Zeitinger, C.-P 1996:23), muss es ihr Ziel sein, die Kosten möglichst gering zu halten (Schmidt, R. H., Zeitinger, C.-P. 1997:2). Ein solides Risikomanagement verschafft der MFI Zugang zu marktorientierten Refinanzierungsmöglichkeiten durch Investoren, Einlagen (Steinwand, D. 2000:7) und Zinserträge.
Ein Instrument, das insbesondere die Risiko- und Transaktionskosten einer MFI verringert, ist das sogenannte Credit-Scoring. Dabei handelt es sich um eine Methode, welche der Prüfung der Kreditwürdigkeit des potentiellen Kreditkunden dient. Credit-Scoring prognostiziert das mögliche Ausfallrisiko mithilfe von Indikatoren, denen Gewichtungen zugeordnet werden, die auf langjähriger Erfahrung mit vertragsmäßig bzw. nicht- vertragsmäßig zurückgeführten Krediten beruhen.
KATJA GRUNOW - 2 -EINLEITUNG
Die Zielgruppe der MFIs, die derzeit Credit-Scoringsysteme einführen, sind zumeist Klein(st)unternehmer 1 des informellen Unternehmenssektors. Der Begriff des Kleinunternehmers enthält die Konnotation des innovativen Unternehmers im Schumpeter´schen Sinne (Schumpeter, J. 1987). Hernando de Soto hatte 1986 in El Otro Sendero: La Revolución Informal über das Entwicklungspotenzial des informellen Sektors auf die sich entwickelnden Volkswirtschaften geschrieben. Empirisch sind jedoch die meisten Kleinunternehmer eher survivors 2 als Schumpeter´sche Unternehmer. Ihr Unternehmenskalkül ist eher auf Überleben angelegt als auf Expansion (Schmidt, R.H., Zeitinger, C.-P. 1992:28ff). Als survivors werden Kleinunternehmer des informellen Sektors als Nachfrager formeller Finanzdienstleistungen den privaten Haushalten zugeordnet (Weltentwicklungsbericht 1989:44).
„Finanzierung für die survivors ist immer Betriebsfinanzierung (oder Finanzierung des gesamten Haushaltes) und hat keine Ähnlichkeiten mit der Projektfinanzierung. Das dauerhafte immer wieder zur Verfügung stehende Kreditangebot ist wichtiger als die einmalige Chance, einen besonders günstigen Kredit zu bekommen“ (Schmidt, R.H., Zeitinger, C.-P. 1992:29).
Es werden zudem Kredittechnologien unterstellt, die auf die Vergabe von Individualkrediten ausgerichtet sind. Credit-Scoring macht nur Sinn, wenn die Prüfung der Kreditwürdigkeit primär zum Aufgabenbereich der MFI gehört. Ist es wie im Falle von Gruppenkrediten 3 die peer group 4 , die die Kreditnehmer selbstständig selektiert und sozialen Druck auf die Rückzahlungsbereitschaft der einzelnen Kreditnehmer ausübt (Schmidt, R.H., Zeitinger, C.-P. 1997:6), so findet die Prüfung der Zahlungsfähigkeit und -willigkeit durch statistisches Credit-Scoring keine sinnvolle Anwendung (Salazar, D.G. 2003:1).
1 Im Folgenden werde ich aus Gründen des Textflusses von Kleinunternehmern bzw. Kleinunternehmen sprechen. Diese sollen für kleine und kleinste Unternehmer und Unternehmen stehen.
2 bzw. Wirte, um bei der Schumpeter´schen Terminologie zu bleiben.
3 Häufig wird über Gruppenkredite der Druck auf den potentiell säumigen Kreditrückzahler durch die Schaffung von peer pressure, joint liability bzw. peer monitoring erhöht, bei denen das Risiko von der Bank auf die peer group transferiert wird (Stiglitz, J.E. 1990). Neben den Risikokosten werden bei diesen Maßnahmen zudem die Transaktionskosten gesenkt, wenn die peer group die Auswahl der Mitglieder auf Grundlage der Bewertung der Kreditwürdigkeit eines jeden Einzelnen übernimmt. Nitsch gibt zu bedenken, dass das Zusammenführen von Kreditgruppen außerhalb des Familienkreises meist nicht den emisch soziokulturellen Verhaltenslogiken entspricht, sondern „vielmehr Ausfluss eines anti-kapitalistischen Affekts auf Seiten von sich progressiv verstehenden Gebern oder Nichtregierungsorganisationen, die solidarische Arme und keine Kapitalisten fördern wollen“ (Nitsch, M. 2000b:29).
4 Peer group ist ein ursprünglich aus der US-amerikanischen Jugendsoziologie stammender Begriff für spontan gebildete Gruppe mit großer Bedeutung für die Sozialisation. Heute wird der Begriff in der Anthropologie und Soziologie im Sinne von Meillassoux´s Horden (Meillassoux 1978:25ff) für gleichgesinnte, gleichaltrige und oft auch gleichgeschlechtliche Interessensgruppen verwendet. Dies
soll auch die hier verwendete Definition von peer groups sein.
KATJA GRUNOW - 3 -EINLEITUNG
In der vorliegenden Arbeit wird es um die Einführung und Nutzung von Credit-Scoringsystemen in MFIen gehen. Ich werde Indikatoren vorstellen, die dem informellen Unternehmenssektor angepasst sind, und die Kostenentwicklung im Kreditvergabebereich des Finanzdienstleisters durch die Applikation von statistischen Credit-Scoring untersuchen. Dabei werde ich unter anderem folgenden Fragen nachgehen: Welche Verhaltenslogiken und wirtschaftlichen Rationalitäten verfolgen Kreditnehmer des informellen Unternehmenssektors in unternehmerischen Entscheidungsprozessen. Welche
Besonderheiten müssen bei der Auswahl der Indikatoren für den informellen Unternehmenssektor beachtet werden? Welche mit der Kreditvergabe verbundenen Kosten des Finanzdienstleisters können durch das statistische Credit-Scoring verringert werden bzw. welche Kosten steigen? Können die niedrigeren Kosten den Zielgruppenkreis einer MFI erweitern? Die zentrale These meiner Arbeit lautet damit: Das statistische Credit-Scoring kann zur Kreditwürdigkeitsprüfung von Kleinunternehmern des informellen Unternehmenssektors eingesetzt werden und verringert insbesondere die Risiko- und Transaktionskosten eines Mikrofinanzdienstleisters.
Die in dieser Arbeit verwendeten empirischen Daten stammen aus der Auswertung einer dreimonatigen wirtschaftsethnologischen Feldforschung zum Thema Reziprozitäten in Tausch- und Kreditbeziehungen, die ich Anfang des Jahres 2003 auf der Insel Amantaní im Titicacasee in den Südanden Perus durchführte. Mit einer nicht-repräsentativen Stichprobe von neunzehn der insgesamt 69 Haushalte 5 des Ortes El Pueblo führte ich stark strukturierte Umfragen 6 zu ihren Einnahmequellen, der Höhe der Einnahmen und der Höhe ihrer monatlichen Ausgaben durch. Es stellte sich heraus, dass die Familien eine intensive Verflechtung von heterogenen Einkommensmöglichkeiten verfolgen. Die Bewohner Amantanís beziehen den Großteil ihrer Lebensmittel über ihre eigenen Äcker. Da die Landwirtschaft in den Hochebenen der Anden defizitär betrieben wird, sind alle Familien zudem auf komplementäre monetäre Einnahmen aus anderen Wirtschaftszweigen angewiesen. Mit insgesamt 25 Familien führte ich qualitative Interviews und begleitete sie bei ihren alltäglichen Arbeiten (teilnehmende Beobachtung). Ich erstellte Rentabilitätsrechnungen ihrer Produktionsprozesse und wertete Statistiken zu Demografie und Wirtschaft des Dorfes aus, die mir die Gemeinde und das Instituto Nacional de Estadística e Informática (INEI) zur Verfügung stellten.
5 Ein Haushalt soll hier alle unter einem Dach wohnenden Personen umfassen. Auf Amantaní ist dies i.d.R. die Kernfamilie.
6 Stark strukturierte Umfragen dienen der Erfassung quantitativer Aspekte (Atteslander, P. 1985:105). Neben weiteren Methoden, gehört das gemeinsame Ausfüllen von Fragenbögen zu den stark strukturierten Erhebungsmethoden. Fragebogen, vgl. Anhang 1.
KATJA GRUNOW - 4 -EINLEITUNG
Weiterhin fließen in die Arbeit empirische Daten ein, die ich von Juni bis August 2003 während eines Praktikums bei der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) im Projekt Förderung des ländlichen Finanzwesens sammeln konnte. Dort arbeitete ich an den konzeptionellen Vorbereitungen zur Einführung von Credit-Scoringsystemen in drei kommunalen Sparkassen (CMAC Huancayo, CMAC Piura, CMAC Cusco). 7 In Peru ist die Förderung von Kleinunternehmen eine wichtige Herausforderung, da nach Schätzungen von Villarán 42% des BIP von den sogenannten microempresas (Klein(st)unternehmen) erwirtschaftet werden (Villarán, F. 1998). 75% der urbanen aktiven Bevölkerung Perus sind nach offiziellen Statistiken in Klein(st)unternehmen angestellt, von denen „ein signifikanter Teil“ keinen Zugang zum formellen Kreditsektor hat (De Janvry, A., Sadoulet, E., Mcintosh, C. 2003:12). Die Anzahl von regulierten und nicht-regulierten MFIs steigt stetig und schnell. 8 Allerdings waren diese im Jahr 2003 in nur 110 der 1.820 Distrikte Perus vertreten (De Janvry, A., Sadoulet, E., McIntosh, C. 2003:17).
Im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit werde ich die verschiedenen Kostenarten vorstellen, die der MFI bei der Vergabe von Mikrokrediten entstehen. Im zweiten Kapitel führe ich das statistische Credit-Scoring als ein Instrument ein, das die Kosten der Kreditvergabe senken kann. Durch einen Vergleich der Funktionsweise des statistischen Credit-Scorings für Haushalte mit dokumentierter Kredithistorie am Beispiel der Schufa Holding AG bzw. Infocorp/Equifax und für Haushalte aus dem informellen Sektor mit Kunden zumeist ohne dokumentierte Kredithistorie wird gezeigt, welchen besonderen Kriterien die Kreditwürdigkeitsprüfung von Kleinunternehmern des informellen Sektors durch Credit-Scoring genügen muss. Ziel des dritten Kapitels ist es zu untersuchen, welche Indikatoren des statistischen Credit-Scorings zur Kreditwürdigkeitsprüfung von Antragstellern des informellen Unternehmenssektors zu entwickeln sind. In Kapitel IV werde ich anhand einer informalen Kostendiskussion zeigen, welche Kosten der Kreditvergabe mit der Einführung bzw. der Anwendung des statistischen Credit-Scorings steigen bzw. sinken. Dabei werden verschiedene Ansätze zur Umsetzung des statistischen Credit-Scorings für den in Kapitel 2 beschriebenen informellen Sektor herausgearbeitet, die unterschiedliche Prioritäten der Kosteneinsparung setzen. Es wird diskutiert, welche
7 Die CMACs sind dem deutschen Sparkassensystem nachgebildet und mit umfangreicher internationaler Kapitalhilfe mit den folgenden Zielen in den 1980er Jahren gegründet worden: 1) Unterstützung der Dezentralisierung des Finanzsystems in Peru, 2) Regionale Entwicklung durch die Schaffung von nachhaltigen, lokalen Finanzdienstleistern, 3) Schaffung des Zugangs zu Spar- und Kreditdienstleistungen für eine breite Zielgruppe, die zuvor von Finanzdienstleistungen ausgeschlossen war (De Janvry, A., Sadoulet, E., McIntosh, C. 2003:13f).
8 Im Dezember 1998 gab es 103 CMACs (Cajas Municipales de Ahorro y Crédito), CRACs (Cajas Rurales de Ahorro y Crédito) und EDPYMES (Entidades de Desarrollo de la Pequeña y Micro Empresa). Im Dezember 2001 waren es bereits 166. Bis Februar 2003 stieg deren Anzahl um weitere 41% auf 243 Finanzdienstleister (De Janvry, A., Sadoulet, E., McIntosh, C. 2003:17).
KATJA GRUNOW - 5 -EINLEITUNG
Antragsmerkmale für eine zuverlässige Kreditwürdigkeitsprüfung von Kleinunternehmern hilfreich sind, wie die Datenbasis aufgebaut werden kann und mit welchen strukturellen Änderungen bei der Einführung des statistischen Credit-Scorings in Mikrofinanzinstituten gerechnet werden muss. Im fünften Kapitel werden die Grenzen des statistischen Credit-Scorings im Mikrofinanzbereich aufgezeigt. In einem Fazit werden die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst.
Aufgrund steigender Wettbewerbsintensität in der Mikrofinanzlandschaft sehen sich MFIs zunehmend einem größeren Kostendruck ausgesetzt (McIntosh, C., Wydick, B. 2002; De Janvry, A., Sadoulet, E., McIntosh, C. 2003:17 für Peru; u.a.). Im Kostenmanagement einer MFI ergibt sich insbesondere ein Problem, da einige der Kosten, die im Zusammenhang mit der Kreditvergabe auftreten, fix und damit unabhängig von der Höhe des Kredites sind, während die Erträge entscheidend von der Höhe des ausgezahlten Kredites abhängen. Bei der Bereitstellung von Mikrokrediten ergibt sich damit eine ungünstige Kosten-Erlös-Struktur. Die aufwendige Kreditbearbeitung verursacht hohe Personal- und Sachkosten im Verwaltungsbereich und hohe Transaktionskosten im operativen Geschäft führen zu einer niedrigen Durchschnittsmarge.
In diesem Kapitel werden Art, Herkunft, Zusammensetzung und Höhe 9 der wichtigsten Kostenarten, die im Zusammenhang mit der Kreditvergabe auftreten, untersucht. Dies wird in den folgenden Kapiteln der Diskussion um mögliche Instrumente zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung in Mikrofinanzinstituten als Grundlage dienen. Es werden nachhaltig operierende, ihre Kapazitäten voll auslastende MFIs unterstellt, deren Dienstleistungen aufgrund von Kostenminimierung mit größtmöglicher Effizienz angeboten werden. Die Einnahmen aus den Zinszahlungen sollen alle entstehenden Kosten abdecken. In einem ersten Teil werde ich vorstellen, wie sich die Funktion des Effektivzinssatzes einer nachhaltig wirtschaftenden MFI zusammensetzt und später die einzelnen Variablen (die Kosten der Kreditvergabe) detailliert beschreiben. In dieser Arbeit werden weder die Kosten betrachtet, die dem Kreditnehmer mit dem Antrag und der Aufnahme eines Kredites entstehen, noch sonstige Kosten der MFI, die für weitere Finanzprodukte (Sparprodukte, Versicherungsprodukte, Zahlungsverkehrsleistungen, nicht-finanzielle Leistungen, etc.) entstehen. In der Praxis lassen sich die Kosten der verschiedenen Bereiche aufgrund von Gemeinkosten freilich nicht ohne weiteres trennen. Die funktionale Trennung ist hier daher nur theoretischer Natur.
9 Sofern Daten verfügbar.
KATJA GRUNOW - 7 -KOSTEN DER KREDITVERGABE
Die folgende Tabelle stellt überblicksartig die verwendeten Begriffe der Kostenrechnung dar, die für die Erläuterung der Kosten der Kreditvergabe von Bedeutung sind.
Tabelle 1: Überblick über Terminologie der Kostenrechnung
Die Berechnung des Effektivzinssatzes 10 folgt dem commercial approach, der die Deckung der Kreditvergabekosten durch die Erlöse aus Effektivzinsen und damit die Nachhaltigkeit des Kreditangebotes fordert. Der notwendige Effektivzinssatz eines Kredites lässt sich auf Grundlage der Kosten, die dem Finanzdienstleister mit der Vergabe eines Kredites entstehen, ermitteln.
The effective rate of interest refers to the inclusion of all direct financial costs of a loan in one interest rate (Legderwood, J. 1999:143).
Die Zinszahlungen werden in unabhängigen, kostendeckend arbeitenden MFIs von den Kreditnehmern übernommen. 11 Falls die Zinserträge keine Kostendeckung erlauben, muss die MFI entweder durch externe Geldgeber refinanziert werden 12 oder sie gerät in Zahlungsschwierigkeiten und muss im Extremfall Konkurs anmelden. Die Kostendeckung
10 Die Effektivverzinsung beinhaltet sämtliche Kosten eines Darlehens (Gabler Wirtschaftslexikon 2004: Effektivzins).
11 Zinsen können in subventionsabhängigen MFIs auch durch externe Geber mit dem Ziel der Zinssenkung subventioniert werden.
12 Zur Rolle von Subventionen im Prozess des institution buildings, vgl. Schmidt, R.H., Zeitinger, C.- P. (1997:21ff).
KATJA GRUNOW - 8 -KOSTEN DER KREDITVERGABE
erlaubt wie oben diskutiert die Nachhaltigkeit der MFI und sichert damit die Langfristigkeit des Kreditangebotes.
Die folgende Darstellung der Funktion des Effektivzinssatzes nach Rosenberg kalkuliert die notwendige Höhe zur Deckung aller im Zusammenhang mit der Kreditvergabe stehenden Kosten (Rosenberg, R. 2002). Die folgende Methode der Berechnung des Effektivzinssatzes unterstellt eine sich selbsttragende MFI, 13 mit relativ stabilen Kosten bei denen die start-up Kosten bereits amortisiert wurden. Die MFI lastet ihre volle Geschäftsfähigkeit aus, so dass entlang der Durchschnittskostenkurve der Break-even-Punkt 14 überschritten werden kann (Ledgerwood, J. 1998:149).
Der jährliche Effektivzinssatz (R) ist eine Funktion der Verwaltungskosten (VK), der Refinanzierungskosten (RK), der Anzahl der Kreditausfälle (KA), der Kapitalisierungsrate (KR) und der Zinseinnahmen (ZE).
Sie gehen in den folgenden Term als prozentualer Anteil des durchschnittlich ausstehenden Kreditportfolios der MFI ein, d.h. als Quotient aus ihrer absoluten Höhe und der Anzahl der ausstehenden Kredite.
Eine zielgruppenorientierte MFI wird aufgrund ihres entwicklungspolitischen Auftrages bestrebt sein, den Effektivzinssatz möglichst niedrig zu halten. 15 Damit ergibt sich ein Dilemma hinsichtlich ihres Auftrages der Zielgruppenorientierung bezüglich der Wahl des angemessenen, kostendeckenden Zinssatzes und der durchschnittlichen
Kapitalproduktivität, d.h. mit der Höhe der Zinsbelastung auf Kreditnehmerseite sinkt die prozentuale Ausbringungsmenge des Fremdkapitaleinsatzes der Zielgruppe. Das Minimum
13 Eine profitorientierte MFI würde in die Berechnung des Effektivzinssatzes seine Profitmarge einbeziehen, welche sich über die Höhe der Opportunitätskosten aus alternativen Investitionen determiniert (Schor, G. 1997:18). Aufgrund der einfacheren Annahmen soll die Zinsrate des Effektivzinssatzes in dieser Arbeit für eine kostendeckende MFI unterstellt werden.
14 Der Break-even-Punkt beschreibt den Beschäftigungsgrad, bei dem der Umsatz einer Periode gerade sämtliche fixen Kosten der Periode und die angefallenen variablen Kosten deckt (Gabler Wirtschaftslexikon 2004: Break-even-Punkt).
15 In der Regel liegt der Zinssatz dennoch über dem Marktzinssatz. Dies garantiert die Zielgruppenorientierung, da Antragsteller außerhalb der Zielgruppe mit Zugang zum traditionellen Finanzsektor in für sie günstigeren Finanzinstituten Dienstleitungen wahrnehmen (Schor, G. 1997:17).
KATJA GRUNOW - 9 -KOSTEN DER KREDITVERGABE
des Zinssatzes wird durch die Kosten der Kreditvergabe bestimmt, die Obergrenze durch die erwünschten Erträge bzw. Gewinne. 16
Die MFI sieht sich bei steigenden Zinssätzen zunehmend mit dem Problem der adversen Selektion konfrontiert. Stiglitz und Weiss beschreiben in diesem Zusammenhang das Problem der Kreditrationierung (Stiglitz, J.E., Weiss, A. 1981). Dabei wird über die Ertragswahrscheinlichkeit möglicher Investitionsprojekte angenommen, dass riskantere Projekte höhere Erträge ermöglichen. Bei hohen Zinssätzen sind nur noch Projekte mit hohem Ertrag, also auch mit hohem Risiko, profitabel. Daher verschlechtert sich die Risikostruktur des Kreditportfolios mit zunehmendem Zinssatz. Bei gegebenem Kreditvolumen steigt der Gewinn der MFI mit steigendem Zinssatz und fällt mit zunehmendem Risiko. Ab einem bestimmten Zinsniveau ist der Verlust aus steigendem Risiko durch den steigenden Zinssatz gleich dem Gewinn aus zusätzlichen Zinserträgen. Einen höheren Zinssatz zu fordern, würde ab diesem Punkt eine Gewinneinbuße für die MFI bedeuten. Besteht bei diesem kritischen Zinsniveau eine Überschussnachfrage nach Krediten, kann diese nicht durch ein Ansteigen des Zinssatzes beseitigt werden. Die Finanzinstitution verweigert stattdessen die Annahme weiterer Kredite. Es kommt zu einem Gleichgewicht mit Kreditrationierung. Die Kreditvergabe wird in diesem Fall nicht durch die Zinszahlungsbereitschaft bestimmt. Diese Form des Marktversagens schließt insbesondere Kreditnehmer mit geringen Kreditsicherheiten von der Kreditvergabe aus, obwohl sie gewillt und in der Lage sind, den Zinssatz einschließlich der Risikoprämien zu zahlen.
Ziel einer MFI sollte daher das Angebot wettbewerbsfähiger Effektivzinssätze sein, die in ihrer Höhe den verschiedenen Risikogruppen angepasst sind, um adverse Selektion zu vermeiden (Barron, J.M., Staten, M. 2001:5). Die Berechnung des Effektivzinssatzes stellt ein hilfreiches Konzept dar, die Höhe der Kreditaufnahmekosten im Finanzbereich intrasektoral zu vergleichen und die Effektivität von Veränderungen in der Kostenpolitik zu überwachen (Ledgerwood, J. 1998:143).
1.2. VERWALTUNGSKOSTEN
Verwaltungskosten werden in Kreditinstituten i.d.R. nach verbrauchsmäßigen Gesichtspunkten gegliedert. Sie setzen sich zusammen aus Personalkosten, Sachkosten,
16 Die Zinssatzentscheidungen werden daneben von geldpolitischen Maßnahmen und/oder von gesetzlichen Zinsrichtlinien beeinflusst.
KATJA GRUNOW - 10 -KOSTEN DER KREDITVERGABE
eventuell Werbungskosten und übrigen Kosten. Den Personalkosten werden Löhne, Gehälter, Vergütungen, Sozialabgaben und Versorgungsleistungen sowie Kosten für Aus-und Weiterbildung des Personals zugerechnet. Zu den Sachkosten gehören Mieten und Aufwendungen für Geschäftsräume sowie Maschinen und Anlagen, Wartung und Instandhaltung der Einrichtungsgegenstände, Kommunikations- und Transportkosten sowie Versicherungen und Kosten für Dienstleistungen Dritter. Werbungskosten setzen sich zusammen aus Ausgaben für Medienwerbung und Werbegeschenke. Die übrigen Kosten decken Grundstücks- und Gebäudekosten, Steuern, Abschreibungen auf Grundstücke und Gebäude sowie betriebliche Abschreibungen ab. Sie liegen nach Angaben von Ledgerwood in sich selbsttragenden MFIs zwischen 10% und 25% der ausstehenden Kredite (Ledgerwood, J. 1998:149). Verwaltungskosten sind Fixkosten und damit unabhängig von der Höhe des Kredites. Mikrokredite sind damit proportional teurer als höhere Kredite, denn die durchschnittlichen Verwaltungskosten verhalten sich umgekehrt proportional zur Kredithöhe.
1.3. AUSFALLQUOTE
Die Kreditausfallquote repräsentiert den jährlichen Anteil ausgefallener Kredite am Gesamtportfolio. Kreditausfälle resultieren aus der Gefahr, dass Zahlungsfähigkeit und -willigkeit des Kreditnehmers falsch eingeschätzt werden. Bei Zahlungsunfähigkeit wurden die erwarteten Rückflüsse des Projektes bzw. die Zahlungsflüsse aus alternativen Einkommensquellen falsch beurteilt und der Kreditnehmer kann den Kredit gar nicht oder nicht zu den vereinbarten Vertragsbedingungen zurückzahlen. Bei Zahlungsunwilligkeit ist das Risiko des nachvertraglichen Abweichens von Seiten des Kreditnehmers falsch bewertet worden.
Eine klare und einheitlich gültige Abgrenzung guter (profitabler) und schlechter (unprofitabler) Kredite existiert nicht, da diese Definitionen vom Kreditportfolio des Kreditgebers abhängig sind (Bloem. A., Gorter, C.N. 2001:6). Somit unterliegen die Merkmale einer Zahlungsstörung den Kriterien einer jeden MFI, die Höhe und Zeitraum des Zahlungsrückstandes des Kredites als Störung definiert (Schreiner, M. 2002:46). Dabei wird zwischen ausgefallenen und notleidenden Krediten unterschieden 17 (Bloem. A., Gorter, C.N.
17 In der Caja de los Andes in Bolivien galt 1995 ein Kredit ab dem ersten Tag der Überschreitung der Rückzahlfrist als notleidend (Schumann, E. 1997:6). Die BancoSol, ebenfalls in Bolivien, mahnt zwischen dem ersten und dem 30. Tag einen Kredit als notleidend an (Glosser, A.I. 1994:244). Die
CUES-Philippines in den Philippinen definiert Notleidigkeit bis zu einem 12-monatigen
KATJA GRUNOW - 11 -KOSTEN DER KREDITVERGABE
2001:7). Der Wert des ausgefallenen Kredites (Kredit ohne Aussicht auf Amortisation) muss als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung abgeschrieben werden, während der notleidende Kredit noch Aussicht auf Amortisation hat. Der Wert des notleidenden Kredites wird z.B. als zweifelhafte Forderung unter Rückstellungen auf der Aufwandseite der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht. Die Höhe der Kreditausfallquote in der Vorperiode ist der entscheidende Indikator für die Berechnung des heutigen Zinssatzes.
Nach Einschätzung von Ledgerwood darf eine tragfähige MFI eine Kreditausfallquote von 5% des durchschnittlich ausstehenden Portfolios nicht überschreiten (Ledgerwood, J. 1998:149). Viele gut laufende MFIs sehen sich einer sehr geringen Ausfallquote von nur 1-2% gegenüber. 18 Eine niedrige Kreditausfallquote erhöht die Liquidität einer MFI und damit das Mittelvolumen, das der Finanzinstitution ohne Rückgriff auf weitere Finanzierungsquellen für die Kreditvergabe zur Verfügung steht (Braun, G. 2003:8). Die Kreditausfallquote steht im engen Zusammenhang mit den Risikokosten (Kap. 1.3.1.) und den Transaktionskosten (Kap. 1.3.2.).
1.3.1. RISIKOKOSTEN
Die Risikokosten gehören zu den kalkulatorischen Kosten und dienen der Abdeckung möglicher erwarteter Verluste aus dem Kreditgeschäft. Die Risikokosten werden aus der erwarteten Ausfallquote ermittelt, deren Referenzwert sich auf die Ausfallquoten aus den Vorperioden bezieht. Neben den erwarteten Verlusten können den Banken darüber hinausgehende unerwartete Verluste entstehen. Diese werden mittels Credit-Value-at-Risk- Modellenbestimmt und sollen durch Eigenkapital abgedeckt werden.
Risiken lassen sich in originäre und derivative Kreditrisiken unterscheiden lassen (Schiller, B., Tytko, D., 2001:6ff; u.a.). Zu den originären Risiken zählen das Bonitätsrisiko, das Liquiditätsrisiko, das Sicherungsrisiko und das Länderrisiko. Zu den derivativen Kreditrisiken gehören das Zinsänderungsrisiko, das Inflationsrisiko, das Währungsrisiko und das Konsortialrisiko. Die Begriffsinterpretation des originären Kreditrisikos legt die Annahme zugrunde, dass Kreditrisiken aus der Gefahr entstehen, dass bei einem
Zahlungsverzug nach dem vereinbarten Rückzahldatum. Danach gilt ein Kredit als ausgefallen (Llanto, G.M., Fukui, R. 2003:7).
18 Die bolivianische Caja de los Andes wies beispielsweise 1995 1,5% notleidende Kredite und nur 0,2% ausgefallene Kredite auf (Schumann, E. 1997:8), die Financiera CALPIA in El Salvador wies 2003 Zahlungsverzüge von mehr als 30 Tagen bei nur 1,6% ihrer ausstehenden Kredite auf (Financiera CALPIA 2004:16).
KATJA GRUNOW - 12 -KOSTEN DER KREDITVERGABE
Kreditgeschäft der Schuldner den vereinbarten Kreditvertrag nicht vertragsgerecht erfüllt. Das Bonitätsrisiko beschreibt die Kreditausfallgefahr durch die (Privat-)Insolvenz des Kreditnehmers. Das Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass die Rückzahlung von Schuldendienstleistungen nicht zu den vereinbarten Zahlungsterminen erfolgt. Das Sicherungsrisiko ergibt sich aus der Gefahr des Untergangs oder des Werteverlustes von Kreditsicherheiten. Das Länderrisiko resultiert aus der Gefahr, dass das Heimatland des Schuldners aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen die Zahlungen des Kreditnehmers verhindert. Gegen diese Risiken kann sich die MFI durch geeignete Maßnahmen im Kreditrisikomanagement absichern.
Die derivativen Kreditrisiken tragen unerwarteten Refinanzierungsproblemen seitens der MFI Rechnung. Dem Zinsänderungsrisiko liegt die Gefahr der Zinsspannenveränderung zugrunde, bei der der Marktzinssatz über die im Kreditvertrag vereinbarten Kreditzinssätze steigt. Das Inflationsrisiko beruht auf der Gefahr der Geldwertverschlechterung durch Inflation. Das Währungsrisiko tritt bei Kreditvergaben auf, die nicht in gleicher Währung refinanziert werden, und erwächst aus der Gefahr von Devisenkursänderungen. Das Konsortialrisiko ist das Risiko, dass die Mitglieder eines Konsortiums nicht in der Lage sind, die zuvor beschriebenen Risiken entsprechend ihrer Quote zu übernehmen (Schiller, B., Tytko, D. 2001:6). Diese Kreditrisiken verkörpern keine speziellen, ausschließlich das Kreditgeschäft betreffende Risikophänomene und können durch das
Kreditrisikomanagement der MFI nicht direkt beeinflusst werden. Indirekt kann die MFI allerdings durch die Wahl der Kreditlinien Einfluss auch auf die Kosten aus derivativen Risiken nehmen.
Die Risikokosten sind über die Ausfallquote abhängig von der Höhe und der Laufzeit des Kredites. Mit zunehmender Höhe der Laufzeit und des Kreditbetrages erhöhen sich die Eintrittswahrscheinlichkeiten der oben beschriebenen originären Risiken und damit das Risiko des Kreditausfalls bzw. es erhöht sich der finanzielle Verlust aus originären und derivativen Risiken. Je länger die vereinbarte Laufzeit des Kredites, desto niedriger ist die Prognosefähigkeit über die Eintrittswahrscheinlichkeiten relevanter Umweltzustände aufgrund in der Zukunft liegender Unsicherheiten.
Eine indirekte Form der Prüfung von Bonität und Rückzahlungsbereitschaft ist der Zwang zum Sparen 19 als Vorraussetzung für den Zugang zu Kreditdienstleistungen, bei dem die
19 Zwangssparen, z.B. in Form einer Lebensversicherung, dient dem Kreditgeber als Sicherheit und die Höhe der Spareinlagen gibt Aufschluss über die Bonität des Antragstellers. Gleichzeitig erhält der
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finanzielle Selbständigkeit und Disziplin des Kreditnehmers geprüft werden. Gleichzeitig werden hierbei im Fall eines Kreditausfalls monetäre Sicherheiten hinterlegt und die Ressourcenallokation verbessert sich, wenn den Kunden günstige Einlagemöglichkeiten mit einem positiven Realzins und niedrigen Transaktionskosten zur Verfügung stehen. Auch die Inaussichtstellung eines Folgekredites 20 bei vertragsgerechter Rückzahlung führt meist zu einer Erhöhung der Rückzahlquote. Dieser Mechanismus ist allerdings nur bei einer Monopolstellung der MFI wirksam, bei der der Kunde auf den Fortbestand der Finanzbeziehung angewiesen ist (Kandori, M. 1992:69).
Weiterhin können Kreditgeber ihr Risiko mindern, indem sie ihre Informationslage, zum Beispiel durch die Verschärfung von Rechnungslegungsvorschriften, verbessern. Problematisch ist dabei insbesondere im informellen Unternehmenssektor die Verfügbarkeit und Qualität der Daten. Die Ausgestaltung und Durchsetzbarkeit des Kreditvertrages sowie die Kredittechnologie und -linie müssen dem Antragsteller sowie der MFI angepasst werden. Die Laufzeit von Krediten, die Wahl zwischen variablen oder festen Zinssätzen und an die Zielgruppe angepasste Garantieerfordernisse erlauben unterschiedliche Risikoverteilungen und ermöglichen die Diversifizierung des Portfolios.
1.3.2. TRANSAKTIONSKOSTEN
Transaktionskosten sind variable Kosten, die im Zusammenhang mit der Gestaltung, Überwachung und Durchsetzung von Kreditverträgen entstehen. Sie dienen der Vermeidung von Vertragswidrigkeiten und der Reduktion von Verlusten falls eine Zahlungsstörung eintritt.
Die Höhe der Quote von Kreditausfällen und -säumnissen und die Eintrittswahrscheinlichkeiten originärer Kreditrisiken können durch Maßnahmen, die zur Erhöhung der Transaktionskosten führen, eingeschränkt werden. Die Höhe der Transaktionskosten einer MFI ist schwer messbar. Transaktionskosten sind interpersonell nicht zweifelsfrei zuzuordnen und ex-ante kaum zu erfassen 21 (z.B. Suchkosten, Vertragsformulierung, Kontrolle) (Picot 1981:159). In der Praxis der Mikrokreditvergabe
Sparer erste Erfahrungen im Umgang mit einem formellen Finanzdienstleister und baut sich eine Lebensstandardsicherung auf.
20 Mit dem zweiten Kredit werden die Transaktionskosten der MFI deutlich geringer, da der Sachbearbeiter den Antragsteller bereits kennt und Daten meist mittels eines teilstandardisierten Fragebogens binnen kurzer Zeit aktualisieren kann.
21 Transaktionskosten sind in ihrer Höhe u.a. vom zugrunde liegenden Rechtssystem abhängig (Picot, A. 1981:159).
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sind sie jedoch von erheblicher ökonomischer Bedeutung. Die Transaktionskosten sind durch einen relativ hohen Fixkostenanteil gekennzeichnet und werden häufig über eine Kreditbearbeitungsgebühr abgegolten (Schiller, B., Tytko, D. 2001:213).
Teil der Transaktionskosten sind Kosten, die aus der Beschaffung, Überprüfung und Verarbeitung von Informationen entstehen. Sämtliche Finanzkontrakte, die zwischen Gläubigern und Schuldner abgeschlossen werden, können in diesem Zusammenhang als Prinzipal-Agenten-Beziehung (Fischer, M. 1995) interpretiert werden. Hierbei übernimmt der Kapitalgeber die Funktion des Prinzipals und der Kapitalnehmer die Rolle des Agenten. Während die Absicherung der Kreditrückzahlungsansprüche das oberste Ziel des Kapitalgebers ist, stellt die Bereitstellung des Kredites für den Kapitalnehmer ein Mittel zur Verfolgung seines eigenen Zieles dar. Die Erbringung des Schuldendienstes wird neben der Rückzahlungsfähigkeit auch durch die Rückzahlungswilligkeit des Kreditnehmers geprägt. So kann der Kreditnehmer nach der Kreditvergabe riskante Investitions- und Finanzierungsentscheidungen treffen (moral hazard). Nachvertragliche Abweichungen durch Informationsasymmetrien zwischen den Transaktionspartnern sind hier die Ursache für hidden Information (versteckte Information) und hidden action (versteckte Aktion). Das Problem besteht darin, dass das Verhalten des besser informierten Agenten die Erträge des schlechter informierten Prinzipals beeinflussen. Daher müssen Informations- und Kommunikationskosten aufgebracht werden, die bei der Anbahnung, Vereinbarung, Kontrolle und Anpassung wechselseitiger Leistungsbeziehungen auftreten (Williamson, O.E. 1990:54f). Picot differenziert sie in Anlehnung an die Phasen einer Transaktion in vier Kostenbereiche: a) Anbahnungskosten (Informationssuche und -beschaffung zu potentiellen Transaktionspartnern), b) Vereinbarungskosten (Verhandlungen, Vertragsformulierung und Einigung), c) Kontrollkosten (Sicherung der Einhaltung von Termin-, Qualitäts-, Mengen-, Preis- und evtl. Geheimhaltungsvereinbarungen) und d) Anpassungskosten (Durchsetzung von Termin-, Qualitäts-, Mengen- und Preisänderungen aufgrund veränderter Bedingungen während der Laufzeit der Vereinbarung) (Picot, A. 1982:270).
Zur Verringerung der Transaktionskosten bieten sich Instrumente zur langfristigen Anreizsetzung an, die zu einer Interessensangleichung der Vertragspartner führen. Zu einer erfolgsabhängigen Entlohnung des besser informierten Akteurs, zählt beispielsweise die Aussicht auf einen Folgekredit (i.d.R. mit höheren Kreditsummen, längeren Laufzeiten und/oder niedrigeren Zinssätzen) bei vertragsgerechter Rückzahlung des vorherigen
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Kredites. 22 Dies schafft dem Agenten einen wirtschaftlichen Anreiz, seine Informationen zur Maximierung des Gesamterfolges einzusetzen, d.h. Verbindlichkeiten fristgerecht nachzukommen. Ein Handel gegen die Interessen seines Vertragspartners wird durch die Erfolgsbeteiligung unattraktiver. Der Nutzen des Fortbestandes der Finanzbeziehung ist dann aus Sicht des Kleinkreditnehmers höher als die kurzfristige Erzielung von Gewinnen bei Zahlungsverweigerung (Braun, G. 2000:34). Der Wert der zukünftigen Kreditbeziehung bildet eine „Quasi-Sicherheit“, die den Anreiz für den Kreditnehmer erhöht, das Risiko seiner Investition zu verringern (Schmidt, R.H., Tschach, I. 2001:17). Eine vollständige Überwachung der Aktivitäten des Agenten in Verbindung mit der Sanktionierung seines Fehlverhaltens kommt daher häufig (insbesondere aus Kostengründen) nicht in Betracht. Sie ist meist ineffizient, weil die notwendigen Informationsbeschaffungskosten höher sind als die Kosten der Implementierung eines Anreizsystems. Solche Anreizverträge (incentive contracts) konditionieren auf beobachtbare Größen, auf die der Agent durch sein Verhalten Einfluss nimmt.
Zur Einbeziehung von kurzfristigen Anreizen in die vertragliche Ausgestaltung der Finanzkontrakte gehört die Kreditbesicherung, die der Abdeckung des Kreditrisikos bzw. der Erhöhung der Durchsetzbarkeit des Vertrages in Form von Personen- oder Sachsicherheiten dient. Dabei garantieren bei Personensicherheiten eine oder mehrere Personen mit ihrem eigenen Vermögen die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers. Im Verwertungsfall haften sie mit ihrem Vermögen. Bankübliche Sachsicherheiten sind beispielsweise Wertpapiere, Immobilien, Land, Maschinen, Kraftfahrzeuge und andere Vermögensgegenstände. Insbesondere in Ländern mit hoher Inflation werden Realgarantien meist in Höhe des mehrfachen Kreditbetrages gefordert.
Kleinkunden im Mikrofinanzbereich verfügen häufig nicht oder nur über wenige bankübliche Sicherheiten. Bürgen kommen meist aus demselben sozialen und ökonomischen Milieu, so dass sich auch ihre Kreditwürdigkeit schwer einschätzen lässt. Sachsicherheiten sind oft in ihrer Werthaltigkeit und Verwertungsmöglichkeit nicht ausreichend, um das finanzielle Risiko der MFI zu decken. Daher müssen die fehlenden Personen- und Sachsicherheiten durch bankunübliche Garantien ersetzt werden. 23 In der
22 Hier finden sich die Grenzen des Einperiodenmodells von Stiglitz und Weiss, das die langfristige Anreizsetzung zur Überwindung von moral hazard und adverser Selektion nicht berücksichtigen kann.
23 Die Caja Municipal de Ahorro y Crédito (CMAC) de Huancayo in Peru fordert beispielsweise keinerlei Sachgarantien: „Los créditos otorgados por lo general no cuentan con algún tipo de garantía real que las respalde. En su mayoría están consideradas como no preferidas, y corresponden a predios cuya inscripción en registros públicos aún está en proceso de formarlizarse.“ (CMAC Huancayo 2005).
Arbeit zitieren:
Katja Grunow, 2005, Credit-Scoring in Mikrofinanzinstiutionen - Kostendiskussion und Indikatorenentwicklung für Familienwirtschaften - mit Illustrationen aus Peru -, München, GRIN Verlag GmbH
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