I Inhaltsverzeichnis I II Symbolverzeichnis III
1 Einführender Teil 1
2 Staatsverschuldung 2
2.1 Wichtige finanzwissenschaftliche Begriffe 2
2.2 Das Ricardo-Barro-Äquivalenztheorem 2
2.3 Empirische Daten zur Entwicklung der Staatsverschuldung in der BRD 3
2.4 Grenze n der Staatsverschuldung 4
3 Modelle überlappender Generationen 5
3.1 Prämissen von Modellen überlappender Generationen 5
3.2 Ein klassisches Modell überlappender Generationen 7
3.3 Ein neoklassisches Modell überlappender Generationen 8
4 Modellierungen der Staatsverschuldung
in Modellen überlappender Generationen 9
4.1 Auswirkungen der Staatsverschuldung 9
4.1.1 Basismodellierung der Staatsverschuldung 9
4.1.2 Auswirkungen der Staatsverschuldung in einem klassischen Modell überlappender Generationen 9
4.1.3 Auswirkungen der Staatsverschuldung in einem neoklassischen Modell überlappender Generationen 11
4.2 Erweiterungen der Modellierung 11 4.2.1 Vorbemerkungen 11
4.2.2 Grenze n der Staatsverschuldung 12
4.2.3 Berücksichtigung des Auslandes 13
5 Ausblick 15
III Anhang 16
Anhang A: 16 Empirische Daten Anhang B: 18
Die Modellierung von sozialen Sicherungssystemen in OLG-Modellen Anhang C: 20
Existenz von Schuldengrenzen im OLG-Modell von Diamond
IV Literaturverzeichnis 24
A Ausgaben des Staates für Güter, Dienste und Transfers
B Verschuldung des Staates
B’ Nettoneuverschuldung des Staates
B maximale zulässige Staatsverschuldung
max b Rentenzahlung des Staates an die pensionierte Generation
c Konsum
d Staatsverschuldung (inklusive Zinszahlungen)
d maximal zulässige Staatsverschuldung (inklusive Zinszahlungen)
max E Einnahmen des Staates (Steuern und Abgaben)
f Reservefond des Staates
g Wachstumsrate des Kapitalstocks
k
Wachstumsrate des Outputs g
y k Kapitalstock
n Wachstumsrate der Bevölkerung
n Wachstumsrate der Bevölkerung (exogen gegeben)
r Zinssatz
s Sparen der Haushalte
t Steuerzahlungen
u Nutzen
v Profitrate
w Lohn
w Lohn (exogen gegeben)
y Output der Volkswirtschaft
z Zinszahlungen des Staates
z maximal zulässige Zinszahlungen des Staates
max
α Produktionselastizität
Sparquote β
Aufteilung der Steuerlast zwischen arbeitender und pensionierter Generation γ
δ Abschreibungsrate
τ Steueraufkommen
- Tiefgestellte Indizes stellen Periodenbezüge dar.
- Hochgestellte Indizes repräsentieren den Status, innerhalb dessen sich der Haushalt befindet (z.B. A c : Konsum innerhalb der Erwerbsperiode bzw. P c : Konsum in der Periode nach der
Pensionierung 1 )
1 Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf eine begriffliche Trennung zwischen Pensionären und Rentnern
verzichtet.
1 Einführender Teil
Die Diskussion über die Konsequenzen der Staatsverschuldung hat seit langer Zeit seinen festen Platz in der politischen Debatte. Einerseits sollten die Grenzen der Staatsverschuldung durch den Maastricht-Vertrag deutlich gesetzt sein. Andererseits scheinen die durch Maastricht definierten Kriterien durch wiederholte Verletzung einiger Staaten immer mehr aufzuweichen. Den Höhepunkt fand diese Entwicklung jedoch in der offensichtlichen Fälschung einiger Statistiken durch Griechenland, in denen Schuldenstände zu niedrig ausgewiesen wurden.
Der Schuldenstand, der bis zum heutigen Zeitpunkt aufgelaufen ist, kann die Entwicklungschancen kommender Generationen nachhaltig beeinflussen. Man beachte, dass ein am 01.01.2004 geborenes Kind bereits mit einer öffentlichen Schuldenlast von 16.066
Euro 2 „in das Leben startet“. Weiterhin darf nicht missachtet werden, in welchem Ausmaß die Verschuldung den öffentlichen Gesamthaushalt belastet. Im Jahr 1996 machte der Schuldendienst einen Anteil von 10,9 % der Gesamtausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden aus, bzw. einem Anteil von 3,7 % des Bruttoinlandsproduktes (vgl. Andel 1999, S. 396). Angesichts dieser Zahlen scheint die Frage nach den Auswirkungen und den Grenzen der Staatsverschuldung berechtigt zu sein.
Diese Arbeit will die Frage der Auswirkungen der Staatsverschuldung mittels Modellen
überlappender Generationen 3 untersuchen. Anhand der hier vorgestellten Modelle, die den vereinfachten Fall zweier überlappender Generationen betrachten, werden die Konsequenzen der Staatsverschuldung auf ökonomisch relevante Größen der verschiedenen Generationen abgeleitet. Zu diesem Zwecke werden i n Abschnitt 2.1 zunächst wichtige Grundbegriffe definiert und ein Wirkungstheorem der Staatsverschuldung vorgestellt. Um einen Überblick über das Ausmaß der Staatsverschuldung zu erhalten, werden im Abschnitt 2.3 empirische Daten präsentiert und im Abschnitt 2.4 die Frage nach den Grenzen der Staatsverschuldung gestellt, zunächst jedoch ohne überlappende Generationen zu berücksichtigen.
Um im Kapitel 4 makroökonomische Effekte der Staatsverschuldung für unterschiedliche Generationen untersuchen zu können, werden im Kapitel 3 ein klassisches und ein neoklassisches Modell ü berlappender Generationen vorgestellt. In Kapitel 4 wird die Staatschuld explizit in die Modellierung einbezogen. Im klassischen OLG-Modell ergibt sich durch ein Staatsdefizit eine Beeinflussung der Sparentscheidung der Haushalte und damit der Wachstumsrate des Kapitalstocks, der Wachstumsrate des Outputs und der Wachstumsrate
2 Als Maßgröße dient hier der Schuldenstand bezogen auf die Zahl der Einwohner. So ergibt sich für das Jahr
2003 (2002) für den öffentlichen Gesamthaushalt ein Schuldenstand von 16.066 (15.195) Euro pro Einwohner
(www.destatis.de/basis/d/fist/fist025.php).
3 Im Folgenden auch OLG-Modelle genannt.
der Population. Im neoklassischen OLG-Modell ergibt sich dagegen, dass ein Budgetdefizit des Staatshaushaltes keine Auswirkungen auf die Wachstumsrate des Outputs haben kann.
Da die Modellierung bis einschließlich Abschnitt 4.1 sehr einfach gehalten ist und viele Aspekte ausblendet, werden im Abschnitt 4.2 mögliche Erweiterungen der OLG-Modellierungen präsentiert. So kann z.B. das Ausland berücksichtigt werden oder aber die Frage nach der Grenze der Staatsverschuldung, die bereits in Abschnitt 2.4 eher mechanistisch beleuchtet wurde, in einem OLG-Kontext erneut untersucht werden. Im Abschnitt 5 wird schließlich ein Ausblick auf etwaige Entwicklungen der OLG-Modellierungen, sowie auf mögliche wirtschaftspolitische Entwicklungen gewagt.
2 Staatsverschuldung
2.1 Wichtige finanzwissenschaftliche Begriffe
Unter den Begriff der Staatsverschuldung kann man alle Forderungen subsumieren, die an den Staat gerichtet sind. In einer weiten Auslegung kann man zu diesen Forderungen, angefangen von Finanzschulden (die der Einnahmenbeschaffung dienen), über Verwaltungsschulden (z.B. Lohnforderungen) bis hin zu Rentenansprüchen an den Staat, zählen. Die Finanzwissenschaft ordnet i.d.R. nur die Finanzschulden den Staatsschulden zu (explizite Schulden), obwohl z.B. in Zukunft fällige Rentenansprüche ähnliche
Verpflichtungen des Staates darstellen (implizite Schulden). 4
Staatsschulden i.S. von Finanzschulden sind als eine Bestandsgröße t B aufzufassen, die sich
als Summe aller Nettoneuverschuldungen in der Vergangenheit B' plus den zum
t
Anfangszeitpunkt vorhandenen Schuldenstand 0 B (vgl. Blankart 1998, S. 338) ergibt. Hierbei
stellt die Nettoneuverschuldung B' eine Stromgröße dar, die sich aus dem Saldo von
t Staatseinnahmen t E und Staatsausgaben (inklusive Zinszahlungen) t A ergibt (vgl. Blankart
1998, S. 337-338). 5 Es gelten folgende Gleichungen:
+ + + + + = (1) B B B B B B ' ' ... ' '
− t t t 1 2 1 0 − = (2) E A B '
t t t
2.2 Das Ricardo-Barro-Äquivalenztheorem
D. Ricardo vertrat 1817 die Auffassung, dass es für Wirtschaftssubjekte vollkommen irrelevant sei, welcher Anteil eines gegebenen Ausgabevolumens des Staates durch Steuern
4 Die Beziehung zwischen Finanzschulden und Rentenansprüchen wird im Abschnitt 4.1.1 verdeutlicht.
5 Sofern ein Überschuss der Staatsausgaben über die Staatseinnahmen vorliegt, lässt sich von einer
Nettoneuverschuldung sprechen.
finanziert ist. Er stellte ein Theorem auf, welches besagt, dass d ie Wohlfahrt der Wirtschaftssubjekte durch die Art der Finanzierung der Staatsausgaben unbeeinflusst bleibt.
Zur Veranschaulichung dieses Gedankens soll ein Beispiel herangezogen werden. Ausgangspunkt ist eine Situation, in der der Staat die Wahl hat, ein Haushaltsdefizit entweder durch eine Steuererhöhung i.H.v. einer GE pro Bürger zu schließen oder aber einen Kredit in entsprechender Höhe aufzunehmen. Entschließt sich der Staat in Periode 1 auf die Steuererhöhung zu verzichten und den Kredit aufzunehmen, erhöht sich das verfügbare Einkommen der Haushalte in Periode 1 um eine GE. In Periode 2 möge die Staatsschuld zurückzuzahlen sein, wodurch aufgrund des Zinsendienstes und der Tilgung eine + GE pro Bürger notwendig wird. Für die Haushalte steht also Steuererhöhung i.H.v. ) 1 ( 1 r
einer Steuersenkung in Periode 1 eine Steuererhöhung in Periode 2 entgegen. Durch Diskontierung der Steuererhöhung auf den Gegenwartszeitpunkt ergibt sich die Neutralität der = + + Staatsschulden, da ist. 1 ) 1 /( ) 1 ( 1 r r
Als Fazit der Überlegungen lässt sich somit feststellen, dass aufgrund der intertemporalen Budgetbeschränkung 6 Staatsschulden kein geeignetes Mittel sind, um die Finazierungslast von der Gegenwart in zukünftige Perioden zu verschieben (vgl. Blankart 1998, S. 344-345). 7
2.3 Empirische Daten zur Entwicklung der Staatsverschuldung in der BRD
Die ab Abschnitt 3 folgende modelltheoretische Analyse der Staatsverschuldung soll in diesem Abschnitt durch eine Betrachtung einiger empirischen Daten zur Staatsverschuldung
- im nationalen und internationalen Vergleich - angereichert werden. 8
Betrachtet man die nationale Entwicklung von Nettoneuverschuldung und Schuldenstand in Tabelle 1 i m Anhang A, so wird eine unter heutigen Gesichtspunkten eher gemäßigte Steigerung beider Größen bis zum Jahre 1970 ersichtlich. So ergab sich zwischen 1950 und 1970 eine Verdoppelung des Schuldenstandes in etwa 6,5 Jahren, während diese Verdoppelung in den 70er Jahren alle 5,4 Jahre auftrat. Nachdem in den 80er Jahren eine zeitweilige Verlangsamung erreicht werden konnte und sich eine Verdoppelung nur noch alle 9 Jahre ergab, kam es in den 90er Jahren, bedingt durch die Wiedervereinigung, zu einer neuen Schuldenexplosion (vgl. Blankart 1998, S.338-339). Im Jahre 2003 ergab sich ein Schuldenstand von Bund, Ländern und Gemeinden in Höhe von 1,325 Billionen Euro, wovon der Hauptteil auf den Bund entfällt (819,3 Mrd. Euro). Länder (419 Mrd. Euro) und
6 Zur intertemporalen Budgetbeschränkung bzw. -restriktion vgl. auch Abschnitt 2.4.
7 R.J. Barro hat dieses klassische Gedankengut 1974 wieder aufgenommen. Er stellt fest, „that there is no
persuasive theoretical case for treating government debt, a t the margin, as a net component of perceived
household wealth” (Barro 1974, S. 1116). Dennoch stellt er einige Voraussetzungen auf, an die die Gültigkeit
des Theorems gebunden ist (vgl. Blankart 1998, S.345-352).
8 Die entsprechenden Daten befinden sich in Tabellenform im Anhang A.
Arbeit zitieren:
Torben Bartz, 2004, Staatsverschuldung in einem Modell überlappender Generationen, München, GRIN Verlag GmbH
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