Inhalt:
1. Der Fernsehversuchsbetrieb in „vorsichtiger Form“ Diese Arbeit, ihr Gegenstand und die
benutzte Literatur.
S.2
2. Welche Gründe gibt es für die zunächst nur zögernde Begeisterung für das neue Medium
Fernsehen ? Welche Bedenken hatte man?
2.1. Zweifel und Bedenken im Allgemeinen S.4
2.2. Konkrete Bedenken im NWDR Verwaltungsrat S.5
2.3. Fernsehen im Dritten Reich S.7
2.4. Zwischenfazit S.8
3. Wie arbeitete man zu der Zeit als das Fernsehen noch in „vorsichtiger Form“ betrieben
wurde ? Wie sah die Arbeit im Bunker aus?
3.1. „Es gab keine Stunde Null“ - Wo konnte der Fernsehversuchsbetrieb ansetzen?
S.8
3.2.Arbeitsbedingungen im Bunker auf dem Heiligengeistfeld S.10
3.3Programmentwicklung und Sendungen aus dem Bunker
auf dem Heiligengeistfeld. S.11
3.4 Zwischenfazit S.13
4. Das Fernsehen beginnt sich durchzusetzen. Woran kann man einen Rückgang der
anf änglichen Zurückhaltung feststellen?
4.1. Fernsehen wird mehr und mehr zur Kenntnis genommen. S.13
4.2. Es entsteht ein Fernsehprogramm für Gesamtdeutschland S.15
4.3.Sendungen in den ersten Fernsehjahren nach dem Versuchs-programm.
S.16
4.4. Zwischenfazit S.17
5. Ein „Versuch in vorsichtiger Form“ entwickelt sich zum Massenmedium. Diese Arbeit und
ihre Leitfragen.
S.17
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 19
1. Der Fernsehversuchsbetrieb in „vorsichtiger Form“. Diese Arbeit, ihr Gegenstand und die
benutzte Literatur.
„Der Verwaltungsrat beschließt, dass das Fernsehen in vorsichtiger Form zunächst auf der Basis von Versuchssendungen betrieben werden soll.“ 1
Als der Verwaltungsrat des NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) am 23./24. September 1950 beschließt einen Fernsehversuchsbetrieb in Hamburg aufzunehmen, wird im Protokoll der Sitzung der Beschluss mit dem Zusatz „in vorsichtiger Form“ festgehalten. Mit über fünfzig Jahren Abstand und Kenntnis der Situation des ersten Fernsehens in Deutschland, stolpert man über diesen Begriff, denn er scheint gerade zu symptomatisch für die Arbeitsbedingungen unter denen man zunächst Fernsehen machte, und die verhaltenen Erwartungen die manche von diesem Medium hatten. Wer beim Fernsehen arbeitete kam meistens vom Rundfunk, und wurde für seine Entscheidung zum Fernsehen zu gehen oft belächelt. So erinnert sich Andrea Brunnen-Wagenführ, die gemeinsam mit ihrem Mann Kurt Wagenführ die ersten 13 Jahre Fernsehgeschichte schriftlich festhielt: „Die dort Wirkenden wurden von den Hörfunkleuten kopfschüttelnd als halbe Irre betrachtet.“ 2 Diese Zurückhaltung dem neuen Medium gegenüber, diese bloß „vorsichtige Form“ in der man sich auf die neue Sache einließ, ist Gegenstand dieser Hausarbeit: Warum stand man zunächst nur zögernd dem Fernsehen gegenüber? Wie konnte man in „vorsichtiger Form“ am ersten Versuchsprogramm in einem Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld arbeiten? Ab welchem Zeitpunkt kann man einen Rückgang dieser Zurückhaltung bemerken? Diese Fragen sollen in dieser Reihenfolge erörtert werden, da dies die Möglichkeit bietet das Thema chronologisch zu bearbeiten. Um die Entwicklung des Fernsehens, zu der Zeit als es noch in „vorsichtiger Form“ entstand, darzustellen ist ein chronologisches Vorgehen erforderlich. Ein wesentlicher Teil der Arbeit wird sich mit dem Fernsehversuchsprogramm aus dem Bunker auf dem Heiligengeistfeld, dass offiziell zwischen dem 25.09.1950 und dem 25.12.1952 lief, befassen, da dies die Zeit ist in der die „vorsichtige Form“ an deutlichsten hervortritt. Spätere Zeitpunkte sollen eher unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden wie viel von der
1 Protokoll der Verwaltungsratsitzung 29, am 23.&24. 9. 1950. Quellenangaben bei Auszügen aus Protokollen der Verwaltungsratssitzungen werden im Folgenden auch wie folgt angegeben: VR/29/23‐24. 9. 1950. Alle Protokolle der Verwaltungsratssitzungen bezogen von: Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland. 2 Andrea Brunnen‐Wagenführ, Von Anfang an dabei. Wie das Erstgeborene sich zu einem Medienriesen entwickelte, in: ARD‐Jahrbuch 32 (2000), S. 91.
Zurückhaltung dem Fernsehen gegenüber noch vorhanden ist, und was die Gründe für den letztendlich erfolgten Durchbruch des Fernsehens waren.
Neben der allgemeinen Forschungsliteratur werden Protokolle von Verwaltungsratssitzungen des NWDR als Quellen für diese Arbeit verwendet.
Die Anfänge des Fernsehens in dem Bunker auf dem Heiligengeistfeld sind weder vollständig erforscht, noch gänzlich unerforscht. Einen zwar generellen doch sehr detaillierten Überblick über die Geschichte des Fernsehens, und damit auch der hier besprochen Versuchsphase, findet man in Knut Hickethiers „Geschichte des Fernsehens“. 3 Gute Einblicke in die Programmgestaltung von Beginn des Fernsehversuchs an bietet die Chronik zur Programmgeschichte von Joan Bleicher 4 Außerdem sind einige sehr ergiebige Aufsätze in unterschiedlichen Fachzeitschriften und Publikationen erschienen, die sich mit der Zeit im Hamburger Hochbunker, und wichtigen Hintergründen, zum Beispiel beim NWDR, beschäftigen. 5
Die Protokolle der Verwaltungsratssitzungen des NWDR geben viel Aufschluss über Entscheidungen die hinsichtlich des Versuchsfernsehens vom Verwaltungsrat getroffen werden mussten, beispielsweise wenn es um die Übernahme der „Reichspost-Fernseh-Gesellschaft“ 6 zur Einrichtung des Versuchsbetriebs geht. Als schwierig hat sich die Suche nach Literatur herausgestellt, die sich ausführlich mit den Bedingungen im Bunker selbst auseinandersetzt. Interviews mit Personen die im Bunker mitgewirkt haben, wie zum Beispiel mit dem Reporter Jürgen Roland, dem Kameramann Carsten Dierks oder der bereits oben erwähnten Andrea Brunnen-Wagenführ können in dem Film „Die NWDR Rolle“ gesehen werden, doch um hieraus Ergebnisse für die Fragestellung dieser Arbeit zu gewinnen hätte eine methodisch korrekte Auswertung der „Oral History“ erfolgen müssen, was für eine Arbeit in diesem Rahmen zu ausführlich schien.
3 Knut Hickethier, Geschichte des deutschen Fernsehens, Stuttgart/Weimar 1998.
4 Joan Bleicher, Chronik zur Programmgeschichte des deutschen Fernsehens, Berlin 1993.
5 Eine Auflistung aller hier verwendeten Aufsätze befindet sich im Quellen‐ und Literaturverzeichnis am Ende dieser Arbeit.
6 Reichspost‐Fernseh‐Gesellschaft, gegr. 1939, entwickelte erste Fernsehversuche bereits im Dritten Reich.
2. Welche Gründe gibt es für die zunächst nur zögernde Begeisterung für das neue Medium Fernsehen? Welche Bedenken hatte man?
2.1. Zweifel und Bedenken im Allgemeinen.
Dass man dem Fernsehen zunächst mit Skepsis begegnete, wurde in der Einleitung bereits erwähnt. Mitarbeiter sowie Entscheidungsträger beim Rundfunk, die sich ein Medium das den Rundfunk ablösen sollte nur schwer vorstellen konnten, waren an Fernsehen zuerst kaum interessiert, während der „normale Bürger“ von der Entwicklung des Fernsehens zuerst kaum Kenntnis nahm. Wenn man doch davon hörte klang es sehr nach Zukunftsmusik - darüber hinaus nach unerschwinglicher Zukunftsmusik, denn die ersten Fernsehgeräte kosteten soviel, dass ihr Preis einen beträchtlichen Teil eines ganzen Jahresgehalts ausmachen konnte. Vereinfacht ausgedrückt: "man war für das Fernsehen einfach noch nicht bereit", obwohl schon die Möglichkeit bestand sich mit der Realisierung auseinander zu setzen. Viele hatten die vorangegangenen schweren Jahre direkt nach dem Krieg noch zu sehr in Erinnerung um für solch ein Projekt von vorneherein offen zu sein:
„Die Entwicklungsmöglichkeiten des Deutschen Fernsehens wurden geradezu ängstlich veranschlagt…Noch ein Stück Armutspsychose steckte in diesen Prophezeiungen.“ 7
Dies schrieb der damalige Verwaltungsratsvorsitzende Prof. Emil Dovifat etwa zwanzig Jahre später in einem Rückblick, auch in einem Protokoll einer Verwaltungsratssitzung aus dem März 1951 werden diese Überlegungen festgehalten:
„In der Beratung zeigen sich weiter besondere Einwände, die durch die wirtschaftlichen Sorgen die im Augenblick Westdeutschland bewegen bestimmt sind. Man solle prüfen, ob man im gegenwärtigen Augenblick schon in die Entwicklung eines Sondergebietes eintreten solle, das im Augenblick noch nicht zu überschauen sei.“ 8
Die Etablierung von Fernsehen in Deutschland löste also vor allem in den Kreisen in denen später Fernsehen gemacht wurde, aber auch bei den zukünftigen „Fernsehern“ zunächst einmal eine Reihe Bedenken aus.
7 Emil Dovifat, Der NWDR in Berlin 1946‐1954, Berlin 1970, S. 43.
8 VR/36/17.&18.03.1951.
Arbeit zitieren:
Marie-Ann Geißler, 2005, Zur Geschichte des Fernsehens in Deutschland - Ein Fernsehversuchsprogramm startet auf dem Hamburger Heiligengeistfeld., München, GRIN Verlag GmbH
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