1
Inhalt
1 Private Emails - die Privatbriefe des 21. Jahrhunderts? 2
2 Private Briefe und Emails im Vergleich 3
2.1 Sprachgebrauch in Emails und Briefen 3
2.1.1 Vermeintliche Besonderheiten der Email 4
2.1.2 Brief oder Email? 5
2.1.3 Analyse von Briefen und Emails 6
2.1.3.1 Textkorpus 6
2.1.3.2 Analyse 6
2.2 Sprachwandel oder Medienwechsel? 10
3 Fazit 11
Literatur 12
Anhang:
1. Fragebogen
2. Auswertung des Fragebogens
3. Texte zur Umfrage
2
1 Private Emails - die Privatbriefe des 21. Jahrhunderts?
Betrachtet man den Wandel des Alltags in den letzten zwanzig Jahren, stellt sich heraus, dass die Sprache und die Kommunikation davon natürlich nicht unberührt geblieben sind. Wurden früher noch zu den verschiedensten Anlässen persönliche Briefe geschrieben und mit der Post verschickt, tritt diese Form der Kommunikation seitdem es das Internet gibt immer weiter in den Hintergrund. Dem traditionellen privaten Brief steht nun mittels vernetztem Computer die moderne Variante, die Email gegenüber. Kann man aber deswegen einfach davon sprechen, dass die Email Kommunikation der elektronisch beschleunigte Briefverkehr ist 1 ? Oder ensteht durch Emailsprache doch eher eine neue Schreibkultur 2 ? Stellt sich vielleicht die Frage nach Sprachveränderungen oder sogar nach einem Sprachwandel, in dem formale und grammatische Regeln aufgeweicht wurden und werden?
Welche Kriterien für eine private Email oder einen privaten Brief überhaupt gelten, ist allerdings schwierig pauschal zu definieren. Deshalb habe ich eine empirische Untersuchung zum Thema durchgeführt, um auf diese Weise herauszufinden, inwieweit sich private Briefe und Emails hinsichtlich des Sprachgebrauchs unterscheiden lassen. Dabei werden zunächst die Ergebnisse einer Meinungsumfrage dargestellt. Der wichtigste Aspekt dabei sind die Email-typischen Besonderheiten, die von den Befragten herausgestellt wurden. Anhand von einer sprachlichen Analyse mehrerer Briefe und Emails eines Absenders an einen Adressaten werden dann diese vermeintlichen Spezifika überprüft, um Aufschluss über die tatsächlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den beiden Kommunikationsformen zu erlangen. Schließlich werden die oben genannten Fragen nach einem Sprachwandel erörtert. Finden durch Emails Sprachveränderungen statt, die zu einem Sprachwandel führen könnten, oder ändert sich nicht der Sprachgebrauch sondern lediglich das Medium?
1 Vgl. Schlobinski, Peter: Neues Medium: Das Internet. In: Internet-Sprache, Literatur und Kommunikation. Hrsg. von Peter Schlobinski. Velber: Friedrich 2000 (= Der Deutschunterricht;
52,1). S.4.
2 Vgl. Günther, Ulla / Wyss, Eva Lia: E-Mail-Briefe- eine neue Textsorte zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. In: Textstrukturen im Medienwandel. Hrsg. von Ernest W. B. Lüttich u.a.. Frankfurt am Main: Lang 1996 ( = Forum angewandte Linguistik; 29). S.82.
3
2 Private Briefe und Emails im Vergleich
Da sich Emails genau wie Briefe auch nicht in eine Kategorie einordnen lassen, beschränke ich mich in dieser Hausarbeit ausschließlich auf private Briefe und Emails, die eine erzählende bzw. berichtende Funktion tragen. Zunächst wird die Frage geklärt, inwieweit der Sprachgebrauch in privaten Emails und Briefen variiert. Daraufhin stellt sich eine weitere Frage, nämlich ob der Sprachgebrauch in Emails auf den in Briefen abfärbt und somit Sprachveränderungen oder sogar ein Sprachwandel herbeiführt.
2.1 Sprachgebrauch in Emails und Briefen
Im Rahmen der Meinungsumfrage 3 befragte ich 217 Menschen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster sozialer Herkunft. Um sicher zu stellen, dass alle kompetent im Umgang mit der deutschen Sprache sind, wurden allerdings ausschließlich Muttersprachler interviewt. Außerdem wird zwischen männlichen und weiblichen Personen unterschieden, da bekanntlicherweise Frauen mit Sprache anders umgehen als Männer. Insgesamt waren unter den Befragten 98 weibliche Persone n und 119 männliche. Ferner habe ich die Befragten noch nach ihrem Alter unterteilt, weil 20-jährige sich der beiden Medien anders bedienen als 60-jährige 4 . Leider ist die Umfrage nicht sehr repräsentativ, was die Altersgruppen betrifft, da mehr jüngere Menschen Kontakt mit Briefen und Emails hatten, was wiederum eine wichtige Bedingung für die Umfrage war. Dementsprechend überwiegt der Anteil der 20-25-jährigen. Nichtsdestotrotz zeichnet sich hinsichtlich des Gebrauchs der beiden Kommunikationsformen ‚Brie f’ und ‚Email’ folgendes Bild ab: Je älter die Befragten desto häufiger schreiben sie Briefe als Emails. Die jüngeren Befragten schreiben öfter Emails als Briefe. Insgesamt ist diesbezüglich festzustellen, dass
3 Vgl. Fragebogen. S.13, 14.
4 Vgl. Auswertung des Fragebogens. Tabelle I. S.15.
4
Emails überwiegend wöchentlich (46,1%) von den Befragten geschrieben werden, Briefe überwiegend nur jährlich (41%) 5 .
2.1.1 Vermeintliche Besonderheiten der Email
Die Mehrzahl der Befragten, nämlich 84,3% war der Meinung, dass Emails Besonderheiten hinsichtlich des Sprachgebrauchs aufweisen, die sie für Briefe als untypisch ansehen würden 6 . Hierbei ist zu beobachten, dass je älter die Befragten waren, umso mehr dieser Ansicht zustimmten. Hinsichtlich der formalen Struktur glaubten dies immerhin noch 67,3% 7 . Kein Wunder also, dass 73,3% der Befragten der festen Meinung waren exemplarische Texte eindeutig den Kategorien ‚Brief' oder ‚Email' zuordnen zu können 8 . Auch hierbei fällt auf, dass gerade die älteren Befragten glauben zwischen Briefen und Emails differenzieren zu können. Hatten sie doch als Unterscheidungsmerkmale zahlreiche Email typische Besonderheiten hervorgehoben. Am häufigsten wurde hinsichtlich des Sprachgebrauchs genannt, dass in Emails sehr viele Rechtschreibfehler gemacht werden und eine umgangssprachliche Ausdrucksweise vorherrscht. Ferner betonten sie, dass in Emails Sätze häufig unvollständig und hypotaktisch konstruiert sind und dass die Interpunktion oftmals fehlerhaft ist. Darüberhinaus wurden die Besonderheiten herausgehoben, die auch schon zahlreiche Wissenschaftler als Email typ isch erkannt haben wollen. Zu diesen Merkmalen gehören die Verwendung von Ikons, Smileys und Emoticons, vielen Abkürzungen, Akronymen, Iterationen, Reduktionen, Apokopierungen und Assimilationen 9 . Hinsichtlich der formalen Struktur wurde mehrheitlich betont, dass der Text in Emails meist unstrukturiert ist, dass keine Gedankenabschnitte vorhanden sind und dass die konventionellen Regeln häufig individuell erfunden werden. Außerdem würden sie eine Email schon an der Schreibung erkennen, da eigentlich nur klein geschrieben würde 10 .
5 Vgl. Auswertung des Fragebogens. Tabelle II, III, u. Grafik I. S.15, 16.
6 Vgl. Ebd. Tabelle V. S.17.
7 Vgl. Ebd. Tabelle VI. S.18.
8 Vgl. Ebd. Tabelle IV. S.17.
9 Vgl. Ebd. Tabelle V. S.17.
10 Vgl. Ebd. Tabelle VI. S.18.
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Merkwürdigerweise stellt allerdings die Mehrheit der Befragten heraus, dass sie selbst Emails und Briefe in gleicher Art und Weise schreiben 11 . Immerhin 60,7% verfassen demnach ihre Briefe nicht anders als Emails, obwohl 84,3% der Meinung sind, dass sich Emails hinsichtlich des Sprachgebrauchs von Briefen unterscheiden lassen. Lediglich diejenigen, die Emails sehr oft schreiben, d.h. täglich oder wöchentlich, räumen zum Teil ein, dass bei ihnen der Sprachgebrauch in Emails und Briefen voneinander abweicht.
2.1.2 Brief oder Email? 12
Um zu überprüfen, ob die von den Befragten genannten Email typischen Spezifika tatsächlich zutreffen, sollten sie abschließend zehn exemplarische Texte den beiden Kommunikationsformen zuordnen. Denn zuvor w aren sie schließlich zu 73,3% sicher, dass sie anhand von den eben genannten Besonderheiten Texte eindeutig in die Kategorien ‚Brief’ oder ‚Email’ einordnen könnten. Wenn also die von ihnen hervorgehobenen Email typischen Spezifika vorhanden sind, müssten sie die exemplarischen Texte auch dementsprechend einteilen können. Allerdings traf dies nicht ein. Die Befragten konnten mit 97,2% nur einen Text eindeutig richtig zuordnen. Bei sechs weiteren Beispielen schätzte die Mehrheit zwar richtig, aber zwischen f ast 10% bis hin zu knapp 50% lagen die Befragten auch daneben. Drei Beispiele wurden sogar falsch eingeordnet und dass in zwei Fällen mit großer Mehrheit.
Eine Analyse von diesen zehn exemplarischen Texten wird im folgenden Aufschluss darüber geben, inwieweit der Sprachgebrauch in privaten Briefen und Emails tatsächlich variiert. Diese Untersuchung würde dann auch wiederum erklären, warum die Befragten in so vielen Fällen die Texte nicht eindeutig oder gar in die falsche Kategorie einordneten.
11 Vgl. Ebd. Tabelle VII. S.19.
12 Vgl. Ebd. Tabelle IX, X u. Grafik III. S.21, 22.
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2.1.3 Analyse von privaten Briefen und Emails
2.1.3.1 Textkorpus
Als Textkorpus liegen sechs Briefe und vier Emails vor 13 . Diese zehn Texte haben auch die Befragten zugeordnet. Damit eventuelle Besonderheiten in der Sprachverwendung auch wirklich auf die Kommunikationsform zurückführbar sind, werden ausschließlich Briefe und Emails eines Absenders an einen Adressaten untersucht. Denn nur so wird sichergestellt, dass Veränderungen im Sprachgebrauch nicht möglicherweise unterschiedlichen Stilen verschiedener Schreiber anzurechnen sind. Darüberhinaus ermöglicht ebenso ein Adressat, dass der Schreiber sich nicht unterschiedlichen Adressaten hinsichtlich der Sprachverwendung anpassen muss. Um sicher zu gehen, dass die Zeit keine Sprachveränderungen beim Verfasser der Texte bewirkt hat, stammen die Briefe und Emails aus einer sehr kurzen Spanne. Die Dokumente wurden über einen Zeitraum von sieben Monaten geschrieben. Die Textlänge ist eher kurz. Sie variiert zwischen 180 und 468 Wörtern, was nicht automatisch bedeutet, dass die Emails die kürzeren Dokumente sind. Denn die längste Email weist 316 Wörter auf, der kürzeste Brief nur 192. Im Durchschnitt beträgt die Länge der Briefe 269 Wörter, die der Emails 246, sodass von beinahe gleichem Umfang auszugehen ist. Private Emails sind demzufolge nicht wie oft behauptet wird bedeutend kürzer in ihrer Länge.
2.1.3.2 Analyse
Inwieweit die von den Befragten herausgestellten Besonderheiten der Email tatsächlich zutreffen, soll nun anhand von den vier Emails überprüft werden. Über die Häufigkeit und das Vorkommen der vermeintlichen Spezifika geben folgende Zahlenverhältnisse Aufschluss:
13 Vgl. Texte zur Umfrage. S.23-30.
Die Befragten betonten in der Umfrage stark, dass in E mails zahlreiche Rechtschreibungsfehler gemacht würden, dass der Satzbau häufig falsch sei und dass insgesamt eine umgangssprachliche Ausdrucksweise vorherrschen würde. Tatsächlich wurden aber viel weniger Fehler dieser Art gemacht, als vermutet. In der ersten Email kommen lediglich zwei Rechtschreibungsfehler vor und auch der Satzbau sowie Ausdrucksweise sind kaum bemängelnswert. Die drei Anglizismen „Hi [VN]!“ 14 , „Okay, genug erzählt.“ 15 und „Der Kerl hat mir sein Handy nicht gegeben, was ein Idiot.“ 16 , sind schon derartig in den deutschen Wortschatz eingebettet, dass sie den Befragten beim Lesen wahrscheinlich gar nicht aufgefallen sind. Ähnliches gilt wohl auch für die sechs Apokopierungen, die in dieser Mail vorkommen. Da die anderen genannten Email typischen Spezifika bei diesem ersten Text noch weniger ins Gewicht fallen, vernachlässige ich sie an dieser Stelle. Offenbar sind in dieser Mail die vermeintlichen Spezifika nicht signifikant genug
14 Ebd. S.23. Z.5.
15 Ebd. S.23. Z.18.
16 Ebd. S.23. Z.18.
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Kristin Heurlés, 2003, Medienwechsel - Moderne Emails im Vergleich zu traditionellen Briefen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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