Inhalt
1. Verschiedene Medienhandlungstypen und Risiken in der
Medienrezeption
1.1. Vier Medienhandlungstypen nach Paus-Haase et. al.
1.1.1. Medienhandlungstyp 1: Suche nach Amüsement - lustig machen
1.1.2. Medienhandlungstyp 2: Suche nach Unterhaltung mit Niveau,
aber auch nach Selbstverortung
1.1.3. Medienhandlungstyp 3: Suche nach Orientierung und
Selbstverortung - die naive Rezeption problembelasteter
M ädchen
1.1.4. Medienhandlungstyp 4: Die naiv-idealisierende Rezeption
j üngerer, problembelasteter Mädchen
1.2. Pole der Rezeptio nshaltungen
1.2.1. Naive Rezeption - reflektierte Rezeption
1.2.2. Involvierende Rezeption - distanzierende Rezeption
1.2.3. Suche nach Unterhaltung - Suche nach Orientierung
1.2.4. Zusammenhänge zwischen den Polen der Rezeptionshaltungen
1.3. Risiken in der Medienrezeption
2. Mögliche pädagogische Maßnahmen zur Förderung der
Medienkompetenz Jugendlicher im Hinblick auf Talkshows
2.1. Exkursion zu Talkshow
2.2. Förderung von Hintergrundwissen
3. Abschließende Zusammenfassung
4. Literatur
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Medienkompetenzvermittlung bei der Rezeption von Talkshows am Beispiel von Jugendlichen
1. Verschiedene Medienhandlungstypen und Risiken in der Medienrezeption Im ersten Kapitel der Arbeit soll es zunächst einmal um eine Unterscheidung von verschiedenen Medienrezipiententypen unter den Jugendlichen ge hen, die 1999 von Paus-Haase et. al. in dem Buch „Talkshows im Alltag von Jugendlichen. Der tägliche Balanceakt zwischen Orientierung, Amüsement und Ablehnung.“ beschrieben werden. Anschließend werden die Pole zwischen denen sich die Jugendlichen bei ihrer Rezeption von Talkshows bewegen erläutert. Der erste Teil schließt mit dem Herausarbeiten von gewissen Risiken in der Medienrezeption mancher Jugendlicher und einer Beschreibung der Zielgruppe von Medienrezipienten, die hinsichtlich der Rezeption von Talkshows in ihrer Medienkompetenzentwicklung unterstützt werden sollten. 1.1. Vier Medienhandlungstypen nach Paus -Haase et. al. Die Autoren haben in ihren Untersuchungen zum Thema „Talkshows und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren“ eine Reihe von Interviews mit der betreffenden Altersgruppe geführt und somit eine Vielzahl von Fallbeispielen erhalten. In den Befragungen der Jugendlichen ging es, neben Alter, Geschlecht, sozialem Umfeld und Bildungsniveau, eben hauptsächlich um das Verhältnis zu den Medien allgemein und die Umgangsweise mit Talkshows im Speziellen. Aus den verschiedenen Ergebnissen der Fallbeispiele ließen sich dann bestimmte Medienhandlungstypen verallgemeinern.
1.1.1. Medienhandlungstyp 1: Suche nach Amüsement - lustig machen
Dieser Typ findet sich ausschließlich bei Jungen mit höherem Bildungsstand oder herausragender Begabung, die zudem ein relativ erwachsenes Auftreten an den Tag legen. Aufgrund ihrer Reflektionsfähigkeit und ihres ausgeprägten
Männlichkeitskonzeptes lehnen diese eine naive bzw. involvierende Rezeptionsweise von Talkshows gänzlich ab und weichen statt dessen auf eine stark ausgeprägte distanzierende Rezeption aus. Diese Distanzierung geht einher mit dem sich „lustig machen“ über das Gebotene. Jugendliche, die zu diesem Medienhandlungstypen gezählt werden, lassen sich nur sehr unwahrscheinlich von Talkshows beeinflussen, da sie die Realität nicht aus den Augen verlieren und ein solides Hintergrundwissen über die Produktionsweisen und Präsentationsweisen der Shows besitzen, das ihnen ermöglicht die Inszenierung zu durchschauen. Da für sie ganz klar die Belustigung im Vordergrund steht, konsumieren sie am liebsten solche Themen, die auf Spannung und Konfrontation angelegt sind. Auf die
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emotionalisierende Präsentationsweise mancher Themen lassen sie sich nicht ein, da sonst die nötige Distanz für das Amüsement verloren gehen würde. Das Gefühl der Überlegenheit gegenüber den „peinlichen“ Talkshowgästen steigert das Selbstbewusstsein dieses Medienhandlungstypen. Er benutzt die Talkshows um dem Alltag zu entfliehen, ohne sie dabei zur eigenen Realität zu machen. ( vgl. Paus-Haase, S.261/262 )
Meiner Ansicht nach kann dieser Typ von Medienrezipient die Talkshows zu seinem Wohl nutzen, ohne dabei Emotionen wie Mitgefühl oder Betroffenheit investieren zu müssen. Zwar mag die Frage nach der Richtigkeit des Ausschaltens von Emotionen erlaubt sein, dennoch darf man auch nicht vergessen, dass in den Talkshows vieles inszeniert und somit nicht echt ist. Ein so medienkompetenter Umgang mit den Talkshows ermöglicht es also, dass man aktiv die Medien nutzt um sich zu amüsieren und sich nicht passiv von den Medien beherrschen lässt. 1.1.2. Medienhandlungstyp 2: Suche nach Unterhaltung mit Niveau, aber auch nach Selbstverortung
Jugendliche, Jungen und Mädchen gleichermaßen, zwischen 12 und 15 Jahren, die das Gymnasium besuchen, bilden diesen Medienhandlungstypen. Sie nutzen wie der Medienhandlungstyp 1 die Talkshows zur Unterhaltung, erwarten darüber hinaus aber auch eine gewisse Orientierung oder sogar konkrete Ratschläge. Im Gegensatz zum Medienhandlungstyp 1 zeigen die Jugendlichen dieses Typs auch ihre Emotionen, das heißt sie involvieren sich in das Geschehen der Shows und nehmen teil an den Schicksalen der Talkshowgäste. Dennoch gehen sie alle sehr reflektiert mit den Talkshows um und nutzen sie mal mehr zur Unterhaltung, mal mehr zur Orientierung. Letzteres vor allem zur Bearbeitung der eigenen
Entwicklungsaufgaben, wobei dann gerne Themen wie „Sexualität“, „erste Liebe“, „Aufklärung“, „Körperlichkeit“ und „Schönheit“ konsumiert werden. Dieser Medienhandlungstyp ist ebenfalls weitestgehend nicht von einer möglichen Beeinflussung seiner Wahrnehmung und Bewertung der Wirklichkeit bedroht, da die formal höhere Bildung bzw. eine ausgeprägte Medienkompetenz den Jugendlichen einen sehr kompetenten und reflektierten Umgang mit den Talkshows ermöglicht. ( vgl. Paus-Haase, S.263-268 )
Alles in allem ist dieser Medienhandlungstyp, wie ich denke, genauso in der Lage die Talkshows gezielt zu seinem Nutzen zu verwenden, wie Medienhandlungstyp 1 auch. Der Unterschied zwischen den beiden ersten Medienhandlungstypen liegt zum Einen in der Emotionalität, das heißt die Jugendlichen des Typs 2 lassen sich auf eine involvierende Rezeptionsweise ein, während die Jungen des ersten Typs diese ganz ablehnen. Zum Anderen unterscheiden sie sich aber auch bei der Erwartungshaltung an die Talkshows, was heißen soll, dass der Medienhandlungstyp 1 ausschließlich auf der Suche nach Unterhaltung ist, während der Medienhandlungstyp 2 auch mal Orientierungshilfen von den Sendungen erwartet.
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Arbeit zitieren:
Dennis Wortmann, 2002, Medienkompetenzvermittlung bei der Rezeption von Talkshows am Beispiel von Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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