Gliederung der Hausarbeit
1) Einleitung 1
2) Der Inhalt des Dialogus de Oratoribus 2
3) Der Aufbau des Dialogus de Oratoribus 3
4) Der Stil des Dialogus de Oratoribus 5
5) Die Diskussionen über den Dialogus de Oratoribus 7
6) Fazit 8
7) Literaturverzeichnis 10
II
1) Einleitung
Tacitus lebt im allgemeinen Bewusstsein als der letzte große Repräsentant des im eigentlichen Sinne römischen Schrifttums. Auf diese Art wird häufig von Tacitus auf eine ga nze Epoche geschlossen. Die zielstrebig verfolgte politische Laufbahn des Tacitus, der circa in der Mitte der fünfziger Jahre nach Christi Geburt geboren wurde, beginnt unter Vespasian und setzt sich unter Titus und Domitian geradlinig fort. 1 Die Schriftstellerei des Tacitus fällt zum größten Teil unter die Regierung Kaiser Trajans, der als Letzter den klassischen Typus des römischen Feldherren und Staatsmannes repräsentierte. 2 Seine historische Schriftstellerei ist vom Wandel der Zeiten mitgeprägt. Einerseits erweist er sich als römischer Senator, andererseits zeigt er sich als Senator neuen Zuschnitts der Flavier und Trajans. Im ganzen lässt sich Tacitus’ historische Schriftstellerei eine konsequente Bewegung von der Zeitgeschichte zurück in die Vergangenheit erkennen. Er beginnt mit einer Biographie seines Schwiegervaters Agricola und plant, die Herrschaft Domitians und das Glück der Gegenwart darzustellen. Bald erkennt er, dass Domitian im Rahmen einer Geschichte der flavischen Dynastie verstanden werden muss. So entstehen die Historien, die mit dem Jahr 69 einsetzen. 3
Tacitus ist von Haus aus Redner. Diese Ursprünge hat er auch nie verleugnet. Als junger Mann bewundert er den aus Gallien stammenden Marcus Aper und den auch von Quintilian geschätzten Iulius Secundus. Wie früher im republikanischen Rom allgemein üblich, hört er ihnen zu, wenn sie vor Gericht plädieren, und versucht auch, im persönlichen Gespräch von ihnen zu lernen. Später setzt er ihnen im Dialogus ein Denkmal. Die Gattung des Dialogs beruht auf ciceronischer Tradition. Tacitus kennt Ciceros rhetorische Schriften und ahmt sie im Dialogus und schon im Agricola nach. Neben Cicero ist Vergil der einzige mehrfach von Tacitus zitierte Autor des Tacitus. Für die Stildifferenz zu den übrigen Schriften des Tacitus ist nicht die Entstehungszeit, sondern das literarische Genos maßgebend, da das Bewusstsein des Unterschiedes zwischen Gesprächston und der Geschichte bei den Römern sehr ausgeprägt ist. 4 Für das Literaturverständnis des Tacitus ist der Dialogus eine Hauptquelle. Dem Werk liegt ein eminent historischer Gedanke zugrunde: Der Verfall der Beredsamkeit
1 Vgl. Von Albrecht, Michael: Geschichte der römischen Literatur. München 1994, S. 869.
2 Vgl. Fraenkel, Eduard: Tacitus. In: Pöschl, Viktor: Tacitus², Darmstadt 1986, S. 26- 48, S. 26.
3 Vgl. Von Albrecht 1994, S. 872.
4 Vgl. Von Albrecht 1994, S. 876.
1
hat seine Ursache im Wandel der politischen Verhältnisse. Insofern steht der Dialogus in innerem Zusammenhang mit dem übrigen Schaffen des Tacitus. 5
In dieser Hausarbeit soll daher der Dialog über die Redner des Tacitus im Vordergrund stehen. Eine zu sehr ins Detail gehende Darstellung würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen, weswegen nur nicht auf alle Merkmale und Einzelheiten eingegangen werden kann. Im Folgenden soll zunächst eine kurze Inhaltsangabe und zeitliche Einordnung einen Überblick über das Werk liefern, anschließend soll der Aufbau analysiert und der Stil anhand des Sprachgebrauches der Protagonisten kurz analysiert werden. Schließlich soll noch auf die Diskussionen über den Rednerdialog eingegangen werden. Abschließend werden die Ergebnisse im Fazit zusammengefasst.
2) Der Inhalt des Dialogus de Oratoribus
Tacitus verfasste seinen Dialogus de oratoribus als inhaltlich treue W iedergabe eines Gesprächs, welchem er als junger Mann beigewohnt hatte. Der Dialogus behandelt die Bedeutung und Qualität der Dichtkunst im Vergleich zur klassischen und modernen Beredsamkeit. Quintilian, ein Lehrer des Tacitus-Freundes Plinius, dem Jüngeren , schrieb ein Werk über die Ursachen des Verfalls der Beredsamkeit 6 . Tacitus sah dafür aber andere Gründe verantwortlich und brachte diese auf literarische Weise zum Ausdruck. Im Gegensatz zu Quintilian, der den Hauptgrund für den Verfall im "schlechten Geschmack seiner Zeitgenossen"(1) sah, machte Tacitus die politischen Zustände verantwortlich. Tacitus veröffentlichte seine ersten Werke als reifer Mann, nach dem Tod des Tyranns Domitian 96 n.Chr. und nach einem selbst auferlegten 7 fünfzehn jährigen Schweigen. Es ist daher nachvollziehbar, dass dieses Thema ihm sehr am Herzen lag.
Wie er uns am Anfang des Werkes mitteilt, schreibt Tacitus den Dialogus als Antwort auf eine Frage seines Freundes, Iustus Fabius. Dem I. Fabius ist diese Schrift auch gewidmet und obwohl man heute nicht sicher sein kann, wird es vermutet, dass sie im Jahre 101 n. Chr. geschrieben wurde. Für möglich wird auch gehalten, dass es dem Fabius zum Antritt seines
5 Vgl. Von Albrecht 1994, S. 889.
6 De causis corruptae eloquentiae.
7 Tacitus hat in De vita et moribus Iulii Agricolae, 3,2, einer Biographie über seinen Schwiegervater, darüber
geschrieben.
2
Arbeit zitieren:
Daniel Korth, 2005, Tacitus und der Dialog über die Redner, München, GRIN Verlag GmbH
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