Unterrichtseinstiege - Möglichkeiten und Probleme
1. Einleitung. Seite 01
2. Unterrichtseinstiege. Seite 02
2.1 Bergriffsklärung. Seite 02
2.2 Didaktische Funktionen von Einstiegsformen in den Unterricht. Seite 03
3. Darstellung von Unterrichtseinstiegen. Seite 05
3.1 Stundeneröffnungsrituale. Seite 05
3.2 Übungen zum stofflichen Aufwärmen. Seite 06
3.3 Thematische Unterrichtseinstiege. Seite 07
3.3.1 Thematische Unterrichtseinstiege mit höherem Grad an
Lehrerlenkung. Seite 08
3.3.2 Thematische Unterrichtseinstiege mit höherem Grad an
Sch ülerselbsttätigkeit. Seite 10
4. Ausgewählte thematische Unterrichtseinstiege zum Thema „Meine
Stadt “ Seite 12
4.1 Thematische Unterrichtseinstiege in die Unterrichtseinheit „Meine
Stadt “ Seite 12
4.2 „Meine Stadt“: Welcher thematische Unterrichtseinstieg ist der
Passendste ? Seite 14
5. Grenzen bei der praktischen Unterrichtsdurchführung. Seite 15
6. Schlussbetrachtung. Seite 16
A. Literaturverze ichnis. Seite 18
B. Anhang: Die „Didaktische Landkarte“ zum Thema „Unterrichtseinstiege“ Seite 19
II
1. Einleitung
Für jeden Lehrer ist es erstrebenswert, mit einem guten Gefühl zu unterrichten und am Ende einer Unterrichtsstunde mit dem Lernergebnis der Schüler zufrieden zu sein. Doch wie muss der Unterricht sein, der dieses positive Gefühl auslöst? Welche Merkmale muss guter Unterricht aufweisen?
Hilbert Meyer beschreibt zehn Merkmale guten Unterrichts (Meyer 2003: S. 37 ff.):
- Der Unterricht ist klar strukturiert und ein roter Faden für Lehrer und Schüler jeder Zeit erkennbar.
- Die Lernzeit der Schüler wird intensiv genutzt.
- Die Ziel-, Inhalts-, und Methodenentscheidungen sind stimmig.
- Der Unterricht zeichnet sich durch Methodenvielfalt aus.
- Es wird intelligent geübt.
- Es findet eine individuelle Förderung statt.
- Das Unterrichtsklima ist lernförderlich.
- Es werden Unterrichtsgespräche geführt, die für den Schüler Sinn machen, vorhandenes mit neuem Wissen verknüpfen und es erlauben, bei der Bearbeitung des Themas eigene Interessen einzubringen.
- Die Schüler geben regelmäßig ein Feedback zum Lernprozess.
- Leistungserwartungen und -kontrollen werden klar definiert und für die Schüler transparent gemacht.
Dies sind anspruchsvolle Kriterien an einen erfolgreichen, schülerorientierten Unterricht. Doch wie steigt ein Lehrer am besten in den Unterricht ein, um die Aufmerksamkeit und das Interesse seiner Schüler gleich mit Beginn des Unterrichts zu fesseln? Wie macht er die Schüler neugierig und wissbegierig auf den Inhalt der Unterrichtsstunde oder -einheit? Wie baut er eine Erwartungshaltung und Spannung auf? Wie kann er einen seiner Lerngruppe angemessenen, sachdienlichen und durchstrukturierten Einstieg in den Unterricht gestalten? Welche Unterrichtseinstiege eignen sich dafür? Diesen Fragen möchte ich nachgehen. In dieser Hausarbeit setze ich mich deshalb mit Möglichkeiten und Grenzen von Unterrichtseinstiegen auseinander. Ich definiere zunächst den Begriff „Unterrichtseinstieg“, setze mich mit didaktischen Funktionen von Unterrichtseinstiegen auseinander und stelle
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einige für mich gut durchführbare und relevante Unterrichtseinstiege vor. Ich werde zusätzlich die vorgestellten thematischen Unterrichtseinstiege auf ein bestimmtes Thema anwenden und danach auswerten, welcher Einstieg am Passendsten erscheint. Die Arbeit wird mit einer kurzen, kritischen Schlussbetrachtung abgeschlossen.
2. Unterrichtseinstiege
In den letzen Jahren hat sich die pädagogische Fachliteratur immer wieder mit der Frage des Unterrichtseinstiegs beschäftigt. Was ist unter diesem Begriff zu verstehen und welche didaktischen Funktionen stecken dahinter? 2.1 Begriffsklärung
Die Bedeutung des Begriffs „Einstieg“ im eigentlichen Sinne soll hier anfänglich aufgezeigt und auf die Schule übertragen werden. Dadurch soll verdeutlicht werden, welche besondere Bedeutung eine Einstiegsphase in den Unterricht hat.
Wird in etwas eingestiegen, zum Beispiel in ein Auto, liegt eine Aktivität des Einsteigenden vor. Schnell wird klar: Ein Einstieg, übertragen auf jegliche Gelegenheit, beinhaltet immer Aktivität. Der Einsteigende übernimmt außerdem eine Verantwortung für das, was geschieht: Er handelt vielleicht sofort oder lässt Neues auf sich wirken; ganz so, wie es am Passendsten erscheint. Deutlich wird: Im Begriff „Einstieg“ steckt die Selbstständigkeit einer Phase. Übertragen auf die Schule bedeutet dies, dass eine Einstiegsphase eine eigenständige Phase des Unterrichts ist, die Aktivität auf Schüler- und Lehrerseite erfordert. Eine Einstiegsphase darf und kann folglich nicht reduziert werden auf ein „Anhängsel des Unterrichtsinhalts“ (Greving/Paradies 1996:17), sondern ist eine eigenständige Phase mit bestimmten didaktischen Funktionen.
Hilbert Meyer hat fünf zentrale Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg aufgestellt (Meyer 1987: 129):
1. Der Einstieg soll den Schülern einen Orientierungsrahmen vermitteln. 2. Der Einstieg soll in zentrale Aspekte des Themas einführen. 3. Der Einstieg soll an das Vorverständnis der Schüler anknüpfen. 4. Der Einstieg soll die Schüler disziplinieren.
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5. Der Einstieg soll den Schülern möglichst oft einen handelnden Umgang mit dem Thema erlauben.
Sowohl begrifflich als auch inhaltlich kann man folgende Einstiegsformen in den Unterricht unterscheiden: den thematischen Unterrichtseinstieg, bei dem es vornehmlich um die methodischen Möglichkeiten zur Eröffnung einer neuen thematischen Einheit und deren didaktischen Konsequenzen geht, die Stundeneröffnungsrituale und die Übungen zum stofflichen Aufwärmen.
2.2 Didaktische Funktionen von Einstiegsformen in den Unterricht
Ein thematischer Unterrichtseinstieg soll eine Reihe von didaktischen Funktionen erfüllen, Hilbert Meyers oben genannte Kriterien mit eingeschlossen:
Er soll ein Thema für die Schüler erfassbar und auf- bzw. erschließbar machen. Die Schüler müssen überhaupt erst einmal neugierig gemacht und ihr Interesse am neuen Thema geweckt werden. Dazu müssen sie direkt und motivationsaufbauend angesprochen werden: Eine Fragehaltung auf Seiten der Schüler soll geschaffen werden, Aufmerksamkeit soll geweckt werden, was zu einer Erwartungshaltung führen soll. Weiterhin sollen Vorkenntnisse und Vorerfahrungen wieder in Erinnerung gerufen werden. Außerdem soll ein Einstieg die Verantwortungsbereitschaft der Schüler anregen, aktiv am Unterricht teilzunehmen und ihn mitzugestalten. Es soll ihnen möglichst ein handelnder Umgang mit dem Thema angeboten werden. Die eigenen Interessen und Stärken können so herausgefunden werden. Der Lehrer kann dies fördern, indem er mehrere Möglichkeiten zur Arbeit am Thema aufzeigt oder verschiedene Materialien zur Bearbeitung eines Themas bereitstellt. Ein thematischer Unterrichtseinstieg kann außerdem die Lust an der Arbeit mit dem Thema wecken und das Verständnis der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit fördern, zum Beispiel bei einer Gruppenarbeit, wenn ein gemeinsames Ergebnis hervorgebracht werden soll. Insgesamt soll den Schülern ein „Orientierungsrahmen“ (Meyer 1987: 129 ff.) geschaffen werden: Der thematische Unterrichtseinstieg soll das Ziel der Einheit verdeutlichen, die zentralen Aspekte der neuen Themen ansprechen und Informationen über den Umfang, die Methoden und Verfahren der Bearbeitung der Themen darbieten. So sollen die Schüler erfahren, was sie in der folgenden Unterrichtseinheit erwartet. Das Zentrum des Sach-, Sinn-, oder Problemzusammenhangs soll verdeutlicht werden. Als sehr wichtig muss dabei betont werden, dass
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Methodik, Zielsetzung, Thematik und Inhalte dem Leistungsniveau der Schüler angepasst sein sollen, damit es weder zu Über-, noch zur Unterforderungen kommt.
So gesehen soll ein thematischer Unterrichtseinstieg von zwei Seiten erfolgen: Er soll erstens ein Thema für die Schüler erschließbar machen und zweitens die Schüler für das Thema erschließen. Es wird vom Prozess der „doppelseitigen Annäherung“ gesprochen (vgl. Klafki 1963: 44). Das heißt, Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, sich ein Thema möglichst selbstständ ig anzueignen. Gleichzeitig sollen sie sich aber auch auf das Thema zubewegen, indem beispielsweise Fragestellungen und Neugier aufkommen, die eine Vertiefung des Themas fordern.
Stundeneröffnungsrituale und Übungen zum stofflichen Aufwärmen haben im Gegensatz dazu weniger didaktische Funktionen zu erfüllen: Es geht hierbei vornehmlich um einen Wiedereinstieg in ein bereits eingeführtes Thema, der meist verallgemeinert und manchmal auch stereotyp abläuft. Die Lernbereitschaft der Schüler soll aktiviert werden, sie sollen sich wieder mit einem bekannten Thema auseinandersetzen und daran arbeiten. Hierbei werden die Schüler nicht in einen neuen Themenkomplex eingeführt, sondern hauptsächlich „nur“ zur Arbeit an einem bekannten Thema motiviert (siehe ausführlicher unter 3.1 und 3.2). Stundeneröffnungsrituale und Übungen zum stofflichen Aufwärmen weisen einen deutlichen qualitativen Unterschied zu thematischen Unterrichtseinstiegen auf. Aufgrund der beachtlichen Unterschiede zwischen verschiedenen Einstiegsformen in den Unterricht kann sich in dieser Arbeit intensiver nur mit den thematischen Unterrichtseinstiegen beschäftigt werden. Stundeneröffnungsrituale und Übungen zum stofflichen Aufwärmen werden in einem Punkt kurz angerissen, um den Unterschied zu thematischen Unterrichtseinstiegen ersichtlich zu machen.
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Arbeit zitieren:
Lena Gennat, 2004, Unterrichtseinstiege - Möglichkeiten und Probleme, München, GRIN Verlag GmbH
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