INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. DIE INDUSTRIELLE REVOLUTION IN ENGLAND UND DEUTSCHLAND 3
2.1 DIE INDUSTRIALISIERUNG IN ENGLAND 4
2.2 DIE INDUSTRIALISIERUNG IN DEUTSCHLAND 6
2.3 WANDEL DER ARBEITS UND LEBENSVERHÄLTNISSE 6
3. KARL MARX: BIOGRAFIE 8
4. DER KLASSENBEGRIFF B EI KARL MARX 10
4.1 DIE ROLLE DES MEHRPRODUKTS 11
4.2 BOURGEOISIE UND PROLETARIAT 13
5. MAX WEBER: BIOGRAFIE 17
6. KLASSEN STÄNDE UND PARTEIEN BEI MAX WEBER 20
6.1 KLASSEN 20
6.1.1 BESITZKLASSEN 21
6.1.2 ERWERBSKLASSEN 22
6.1.3 SOZIALE KLASSEN 22
6.2 STÄNDE 23
6.3 PARTEIEN 24
7. SCHLUSSBETRACHTUNG 25
LITERATURVERZEICHNIS 27
1. Einleitung
Stellt man sich in einer wissenschaftlichen Analyse die Frage, wie Gesellschaften gegliedert sind, so wird man bei der Literaturrecherche mit den Werken zweier bedeutender Soziologen konfrontiert. Es handelt sich dabei um Karl Marx und Max Weber, die die Basis für viele soziologische und ökonomische Auseinandersetzungen geschaffen haben.
In der vorliegenden Arbeit werden die Schichtungstheorien dieser Autoren erarbeitet. Dass die Werke teilweise schon fast 160 Jahre alt sind, lässt nicht an Ihrer Aktualität zweifeln. Eine Regeneration links-politischer Kräfte in der deutschen Parteienlandschaft mit dem Einzug der „Linkspartei“ in den deutschen Bundestag lässt zumindest auf eine gewisse Popularität marxistischen Gedankenguts in der Bundesrepublik Deutschland schließen. Zudem findet man f ür eine Beschreibung der aktuellen sozialen Ungleichheit bei beiden Autoren fundamentale Analysen der Gesellschaft.
Im Folgenden soll zunächst das gesellschafts-ökonomische Umfeld des 19. Jahrhundert mit dem Übergang von den Feudalgesellschaften zur Industriegesellschaft dargestellt werden. In einer überblicksartigen Darstellung wird auf die grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen im Rahmen der „Industriellen Revolution“ hingewiesen. England, als Ursprungsland der Industrialisierung, und Deutschland sollen in diesem Zusammenhang beleuchtet werden.
Anschließend gehe ich jeweils auf die Biografien von Marx und Weber ein, um hinterher die beiden unterschiedlichen Klassen- oder Schichtungstheorien der Autoren im Einzelnen zu analysieren. Im letzten Kapitel nehme ich kritisch Stellung zu den dargestellten Ergebnissen.
2. Die Industrielle Revolution in England und Deutschland
Will man die gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen unserer Gesellschaft begreifen, sind vor allem zwei Ausgangspunkte zu nennen, die die moderne Gesellschaftsentwicklung seit dem späten 18. Jahrhundert entscheidend geprägt haben. Dies ist zum einen die Französische Revolution, die das ancien régime und den Absolutismus in Frankreich stürzte und einen Demokratisierungsprozess in ganz Europa in Gang setzte. Zum anderen war es der
3
ca. ab 1800 stattfindende Industrialisierungsprozess, der zunächst in England und später in ganz Europa und Nordamerika Einzug hielt. Für diesen Prozess wird in der Literatur der Begriff „Industrielle Revolution“ meist synonym verwendet.
Diese Umbrüche, die auf der ganzen Welt im 19. Jahrhundert stattfanden, haben sämtliche Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft bis zum heutigen Zeitpunkt entscheidend geprägt. Ursachen, Ausprägungen und Folgen der Industriellen Revolution sollen im Folgenden überblicksartig dargestellt werden. Dabei beziehe ich mich zunächst auf die Entwicklungen in England, dem „Mutterland“ der Industrialisierung, um anschließend auf die Situation Deutschlands im 19. Jahrhundert einzugehen.
Um die Umwälzungen im Zeitalter der Industrialisierung zu verstehen, stellt sich vorab die Frage, wie die vorindustrielle Gesellschaft eigentlich a ussah. Hier sollen kurz zwei wesentliche Aspekte genannt werden:
Die vorindustrielle Gesellschaft war erstens eine Agrargesellschaft. Denn in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren in Deutschland ca. 80% direkt landwirtschaftlich tätig, nur 10% der Bevölkerung lebte in Städten oder stadtartigen Siedlungen. Man muss zwar davon ausgehen, dass diese Daten von Land zu Land variieren, jedoch unterstreichen sie den agrarischen Charakter der vorindustriellen Gesellschaft. Ein zweiter wesentlicher Aspekt ist die Tatsache, dass quasi bis zur Französischen Revolution die Gesellschaft von einer Ständeordnung gekennzeichnet war, in der der geistliche und weltliche Adel an der Spitze einer gesellschaftlichen Rangordnung standen. 1
2.1 Die Industrialisierung in England
Wie bereits erwähnt gilt England als Ausgangspunkt der Industrialisierung. Dafür waren verschiedene Faktoren und Ereignisse verantwortlich, die teilweise in Interdependenz zueinander standen. Die ständische Ordnung lockerte sich in England weitaus früher als in anderen Ländern. Die wachsende Bedeutung der Schifffahrt ließ den Adel früher als in anderen Ländern am Welthandel teilnehmen. In England kam es zudem aufgrund der Erweiterung des Kolonialbesitzes in Nordamerika zur Kapitalbildung. 2
1 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 1 f.
2 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 7
4
Die Landwirtschaft wurde vor allem durch die Einführung des so genannten Fruchtwechsels produktiver. Im 18. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung Englands von ca. 5 Millionen auf etwa 9,2 Millionen. Das sorgte für einen großen Nachfrageschub, vor allem nach Textilien. Die Textilindustrie, insbesondere die Baumwollindustrie, wurde zum ersten Leitsektor der Industrialisierung in England. England war schon seit dem 16. Jahrhundert führend im europäischen Tuchgewerbe. Durch neue Web- und Spinnmaschinen 3 wurde die Textilindustrie immer produktiver. Vor allem die US-amerikanischen Südstaaten fungierten nun als Baumwolllieferant. Der Aufschwung der Textilindustrie ging mit einem Aufschwung der Maschinenbau- und Metallindustrie einher. Technische Neuerungen, wie z.B. das Puddelverfahren (1783), ermöglichten die Massenproduktion von Schmiedeeisen. Weil die Zahl der Maschinen immer mehr zunahm, wollte man sich mehr und mehr von der Wasserkraft als Antriebsenergie lösen und setzte auf die Dampfmaschine 4 , was wiederum eine Erhöhung der Nachfrage nach Kohle verursachte. 5
Auch die Eisenbahnindustrie wurde schrittweise perfektioniert und verlangte zum einen nach immer mehr Eisen und Stahl, zum anderen verbilligten sich die Transportkosten besonders beim Rohstofftransport, aber auch im Personenverkehr. Die Hütten- und Bergbauindustrie blühte auf. Außerdem hatte der Eisenbahnbau eine entscheidende ökonomische Wirkung auf Kapitalvermehrung und das Börsenwesen. Der Transport war ohnehin ein besonderer Standortfaktor für England. Die Insellage Englands ermöglichte einen unmittelbaren Zugang zu den Weltmeeren. Zudem nutzte England schon früh die kostengünstige Küstenschifffahrt, sowie im Inland den Transport auf Flüssen und auf einem schnell entwickelten Kanalsystem. 6
Eine besondere Situation in England verursachte bereits im Jahre 1673 zudem die anglikanische Staatskirche, die Puritaner und Nonkonformisten von Staatsämtern ausschloss. Die Mitglieder dieser Gruppen wurden also selber wirtschaftlich tätig. Sie waren beseelt von der calvinistischen Ethik und heiligten Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit. Gewinnstreben war für diese Gruppe keine Sünde, sondern eine Gnadengabe Gottes. Armut wurde als selbstverschuldetes Unglück angesehen. Diese Tugenden wirkten sich auf das gesamte Angelsachsentum aus. 7 Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass in dem Land, das die
3 z.B. 1733: fliegendes Weberschiffchen (J. Kay) und 1764: Spinnmaschine „Spinning Jenny“ (J. Hargreaves) 4 1705: Erfindung der Dampfmaschine durch T. Newcomen; 1762-1775: Verbesserungen der Dampfmaschine durch James Watt 5 Henke -Bockschatz, S.31 f.
6 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 8 7 Rübberdt, S.14 f.
5
freie Entfaltung wirtschaftlicher Aktivitäten einzelner ermöglichte, die ersten liberalen Prinzipien formuliert wurden, so z.B. Adam Smith in seinem Hauptwerk „On the Wealth of Nations“ (1776). 8
2.2 Die Industrialisierung in Deutschland
Deutschland gehört zu den Ländern, die erst später als England in den Industrialisierungsprozess eintraten. Geschwächt durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges war Deutschland religiös gespalten. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts litt Deutschland unter Viel- und Kleinstaaterei mit wirtschaftlich hinderlichen Zollgrenzen. Die agrarisch-ständische Ordnung mit absolutistischen Regierungsformen war noch vorherrschend. Bis zur endgültigen Gründung des deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 wurden in Deutschland schrittweise die Zoll- und Landesgrenzen, die Hörigkeit und Erbuntertänigkeit der Bauern, Zunftbeschränkungen und adlige Vorrechte abgebaut. Auch Deutschland erkannte die Vorteile der Kolonialisierung, des Außenha ndels und der Handelsschifffahrt. Deutschland wurde für England vor allem in den Bereichen Eisen und Stahl, Chemie, Motoren und Elektrizität bis Ende des 19. Jahrhunderts zum ökonomischen Rivalen. Es setzten sich in der Landwirtschaft ähnliche Verbesserungen durch wie in England. Große Aktiengesellschaften wurden gegründet. Banken gewannen als Fina nzierungsquelle zunehmend an Bedeutung. Großunternehmen wie Bosch, Thyssen, Krupp, Siemens oder Daimler verzeichne ten erhebliche Erfolge. Auch in Deutschland wuchs die Bevölkerung stark an, von ca. 25 Millionen Einwohnern im Jahre 1816 bis auf knapp 70 Millionen Einwohnern im Jahre 1915. Damit stieg auch in Deutschland die Binnennachfrage stetig an. 9
2.3 Wandel der Arbeits- und Lebensverhältnisse
Die Industrialisierung ging in Deutschland wie auch in England mit einer extremen Verstädterung einher. Das heißt zwar noch nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Großstädten lebte, allerdings bildeten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland neue Großstädte heraus, wie z.B. im Ruhrgebiet (z.B. Dortmund), oder in Süddeutschland (z.B. Mannheim, Stuttgart, Nürnberg).
8 Henke -Bockschatz, S.31
9 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 10 ff.
6
Der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung nahm stark ab. Stattdessen wurde die Bevölkerungsmehrheit in „unselbständige Arbeitnehmer“ umgewandelt, die keinen nennenswerten Besitz an Grund und Boden, Werkzeuge oder Maschinen mehr hatten. Um ihre Lebensversorgung zu sichern, waren sie gezwungen i hre Arbeitskraft anzubieten. Den Menschen wurde mit fortschreitender Demokratisierung ein gesellschaftlicher Aufstieg rechtlich zwar ermöglicht, jedoch wuchs der Kapitalbesitz der besitzenden Klasse sehr schnell. Ein Aufstieg in die besitzenden Klassen war demnach sehr schwer und praktisch kaum möglich. Es entwickelten sich offensichtliche, soziale Gegensätze, die sich z.B. in Streiks und Lohnkämpfen manifestierten. Karl Marx prognostizierte für die Arbeiterschaft eine zunehmende Verelendung (s. Kapitel 4), tatsächlich hat sich der Lebensstandard der Arbeiter durchschnittlich gehoben. 10
Jedoch z.B. das Familienleben änderte sich. Waren in der vorindustriellen Welt Hausgemeinschaft und Arbeitsstätte meistens miteinander verbunden, so mussten die Erwerbstätigen nun den Haushalt verlassen, um das nötige Geld für die Familie zu verdienen. In den neuen Arbeitsstätten herrschte ein anderes „Klima“ als zuhause. In den immer größer werdenden Werkstätten war Arbeitsdisziplin höchstes Gebot. Von familiärer Atmosphä re war wenig zu spüren. Wer in welcher Tätigkeit und wie lange in den befehlshierarchischen, halbmilitärischen Fabriken zu arbeiten hatte, richtete sich strikt nach dem Gewinnstreben der Unternehmer und nach dem Rhythmus, den die Maschinen vorgaben. Schrittweise sollten diese Verhältnisse sich z.B. durch die Gründungen von gewerkschaftlichen Organisationen oder durch Tarifverträge teilweise verbessern. Eine weitere düstere Seite der Industrialisierung war, dass auch Frauen und Kinder oft unter menschenunwürdigen und gesundheitsschädlichen Verhältnissen arbeiten mussten. 11
Nicht mehr, wie in der vorindustriellen Zeit, die (halb)bäuerliche Eigenproduktion zur Ernährungs- und Lebensversorgung war vorherrschend, sondern die Abhängigkeit vom Markt wurde größer. Essen, Kleidung, Schuhe etc. konnten nur in dem Umfang gekauft werden, wie das oft kleine Einkommen es zuließ. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebte also in einer gegenseitigen Abhängigkeit. Die Lebensverhältnisse der neuen Industriearbeiter wurden zeitweise so schlecht, dass Hungers- und Wohnungsnöte nicht mehr vermeidbar waren. 12
10 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 13 f.
11 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 16 f.
12 Informationen zur politischen Bildung (Heft 164), S. 17 f.
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Quote paper:
André Bloemen, 2005, Der Klassenbegriff bei Karl Marx und Max Weber, Munich, GRIN Publishing GmbH
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