Inhaltsverzeichnis
Seite
0. Einleitung
01
1. Situationsanalyse und Rational Choice 02
2. Bedeutung sozialer Mechanismen für Erklärungen 05
3. Soziale Mechanismen in der soziologischen Theorie - ausgewählte 07
Beispiele
3.1 „Self- fulfilling prophecy nach Merton 07
3.2 „N etwork effects“ nach Colemann 07
08
3.3 Das Schwellenmodell nach Granovetter
10
3.4 Formalisierung der logischen Struktur Colemans,
Granovetters
und Mertons
12
4. Soziale Mechanismen: eine Typologie
5. Eriksons Kritik an den Ansichten von Hedström und 14
Swedberg
6. Fazit 16
Literaturverzeichnis
Erkl ärung
II
0. Einleitung
In der Wissenschaft sollte man immer versucht sein, ein gutes Verhältnis von Theorie und Empirischer Forschung herzustellen. Allerdings ist dieses Ideal, zumindest in der Soziologie, laut Hedström und Swedberg, weit von der Realität entfernt. 1 Etwas zu erklären wurde mehr oder weniger durch das Streben ersetzt, soziale Erscheinungen zu interpretieren respektive zu deuten. Die s oziologische Theorie scheint immer weniger Einfluss auf empirische Forschungen zu haben. Die meisten empirischen Forschungen betreffen eher aktuelle politische und soziale Themen als das sie sich auf soziologische Theorien beziehen. Folglich hat die empirische Forschung n ur wenig, b eziehungsweise keinen Einfluss auf die Entwicklung der soziologischen Theorie.
Hedström und Swedberg sind der Meinung, dass der Fortschritt von sozialer Theorie einen Ansatz braucht, der die soziale n Mechanismen systematisch erläutert, die beobachtete Zusammenhänge zwischen Ereignissen hervorbringen. Das Autorenteam konzentriert sich somit auf erklärende soziale Mechanismen. Dieses Gebiet sehen sie als aussichtsreichstes und produktivstes in der der Soziologie an. Damit knüpfen sie an die Soziologie auf der Meso-Ebene von beispielsweise Merton und Lazarsfeld an.
Hedström und Swedberg wollen grundlegende soziale Mechanismen finden, die zur Erklärung einer großen Anzahl von sozialen Situationen angewendet werden können. Im Folgenden soll nun, besonders anhand von Texten dieses Autorenteams, aufgezeigt werden, welche Rolle die Rational Choice Theory spielen kann, um theoretische und empirische Arbeiten zu vereinen. Im Anschluss soll diesen Ansichten eine Kritik von Robert Erikson folgen.
1 vgl. Hedström, Swedberg, 1998, S. 70
1
1. Situationsanalyse und Rational Choice
Karl Popper 2 hielt für jegliche erklärende soziale Wissenschaft die Situationsanalyse für die korrekte Herangehensweise. Das Grundprinzip ist dabei, dass individuelle Handlungen in Bezug auf die Logik der Situation e rklärt werden müssen, in welcher sie stattfinden. Entscheidend sind somit die Interessen, Ziele und Glauben der h andelnden Personen. Konkrete Aktionen werden erklärt, indem analysiert wird, wie die hypothetisch Handelnden in einer Situation, wie im Situationsmodell beschrieben, handeln würden. Dabei ist es nach Popper unbedingt notwendig, dass die Handelnden vernünftig handeln. Das bedeutet, dass die Handelnden ihre Entscheidungen aufgrund ihrer persönlichen Interessen, Ziele und Glauben treffen. Demzufolge erkannte Popper früh die Bedeutung der Rational Choice Theory für Erklärungen in der Sozialwissenschaft. Auch das Autorenteam Hedström und Swedberg willigt vollkommen in Poppers Ansicht ein und unterstreicht, dass eine Situationsanalyse unbedingt notwendig ist, um zu erklärender, soziologische r Theorie zu gelangen. Die besondere Bedeutung erreicht die S ituationsanalyse durch die Vermeidung von Verwirrungen zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten, indem sie explizit analytisch ist. Außerdem stehen stets Handlungen und Absichten im Kern der Erklärung. Ebenso werden die Eigenheiten sozialer Situationen nicht ignoriert, sondern führen vielmehr zu Schlüsselfaktoren. Prinzipiell muss die Situationsanalyse laut Popper fähig sein, jegliche Situationen im Grundsatz, das heißt im Allgemeinen erklären zu können. Das Modell muss jene Mechanismen begreiflich machen, die individuelles Handeln - im Weberschen Sinnesozial machen.
Abbildung 1
2 siehe auch im Internet unter: https://ssl.humanities-online.de/download/popper.html
2
Laut Weber 3 sind Handlungen dann sozial, wenn die Wahl eines Akteurs die Wahl eines anderen Akteurs beeinflusst. Das heißt außerdem, die Handlung wird dann sozial, wenn des Einen Wahl oder antizipierte Wahl der Handlung den Glauben, die Interessen und/ oder die Möglichkeiten des Anderen beeinflusst. Abbildung 1 erfasst diesen Zusammenhang schematisch. 4
In der Folge wird also auch d ie Rational Choice Theory zu einem idealtypische n Handlungsmechanismus , der die individuellen Glauben, Interessen und Möglichkeiten mit der Handlungswahl in Verbindung setzt.
Ein bekannter Mechanismus, dem dieser Sachverhalt zugrunde liegt, ist der „vacancy chain mechanism“, den Harrison White schon im Jahre 1970 beschrieb. Dieser Mechanismus kommt in sozialen Situationen zum tragen, in welchen die Positionen und die potentiellen Positionsinhaber, a lso die Individuen, klar getrennte Dinge sind und wo gleichzeitig freistehende Positionen Gelegenheiten für Akteure darstellen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Organisationen können als Systeme verschiedener Arbeitspositionen angesehen werden, die miteinander durch typische Aufstiegswege verbunden sind. Wie in Skizze 1 vereinfacht dargestellt, ist jede Position nur über feste Wege oder von außen zu erreichen. Beispielsweise ist es möglich, Position 8 durch die Positionsinhaber 5 oder 6 oder auf gleicher E bene durch Positionsinhaber 9 zu besetzen. Ebenso ist es prinzipiell möglich, jede Position von außen zu besetzen, sozusagen über fremde Personen des freien Arbeitsmarktes. Skizze 1 stellt nun den normalen Zustand einer hierarchischen Organisation schematisiert dar.
3 mehr zu Max Weber im Internet unter: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WeberMax/
4 vgl. auch Hedström, Swedberg, Rational Choice, Situational Analysis…, 1998, S. 73
3
Wenn nun ein Individuum die Organisation verlässt, wie in Skizze 2 dargestellt, hinterlässt es eine freie Position. Diese freie Position bietet nun den anderen Individuen, die mit dieser Position in Verbindung stehen, die Möglichkeit, diese zu besetzen. Hier sind dies die Positionsinhaber 5, 6 und 9 sowie Personen des freien Arbeitsmarktes, die hier mit X und Y gekennzeichnet sind.
Angenommen Positionsinhaber 5 erhält hier den Vorzug 5 und kann künftig die freie Position 8 besetzen, hinterlässt dieser ebenso eine freie Position, die wiederum von den Positionsinhabern 1, 3, 6, X oder Y besetzt werden kann. Hier soll, wie Skizze 4 zeigt, eine externe Person, also Y, die freie Position übernehmen.
Dieses Beispiel verdeutlicht, wie stark Handlungen sozial voneinander abhängig sind. Des einen Entscheidung, bzw. Handlung ermöglicht oder verhindert die Handlung des anderen. Hätte beispielsweise in unserer Darstellung in Skizze 3 Positionsinhaber 6 den Vorzug erhalten, hätten in der Folge ebenso Positionsinhaber 3 und 7 die Möglichkeit auf eine neue Position gehabt, während hier deren Chancen durch die Handlung des Positionsinhabers 5 blockiert werden.
Der so genannte „vacancy chain mechanism“ ist in enorm vielen Situationen vorzufinden, nicht nur in Organisationen, sondern ebenso in der Natur. So ist selbst beim Einsiedlerkrebs, welcher zw ischen verschiedenen Schneckenhäusern wandert, dieser Mechanismus vorzufinden.
5 vgl. Skizze 3
4
Arbeit zitieren:
Stefan Haldenwang, 2005, Soziale Mechanismen und Rational Choice Theorie, München, GRIN Verlag GmbH
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Kathrin Römer hat den Text Soziale Mechanismen und Rational Choice Theorie kommentiert
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Kathrin Römer
Gute Zusammenfassung.
Diese Seiten haben mir durchaus beim Verständnis dieser soziologischen Theorien geholfen. Besonders die Beispiele fand ich gut.
am Tuesday, February 26, 2008-