Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3
2 Soziale Gliederung der Stadt im 13. und 14. Jahrhundert - Die Handwerker
2.1 Sozialstruktur der Handwerkerschaft -Schicht, Stand oder Klasse?
2.1.1 Definition eines Standes 5
2.1.2 Klassenbegriff nach Max Weber 5
2.1.3 La gemerkmale einer Schicht 6
2.2 Werdegang und Leben eines Handwerkers
2.2.1 Vom Lehrjungen zum Handwerksmeister
2.2.1.1 Aufnahme als Lehrjunge 8
2.2.1.2 Vom arbeitenden und wandernden Gesellen 9
2.2.1.3 Der selbständige Meister 10
2.2.2 Leben eines Handwerkers innerhalb der Stadtgemeinschaft 11
2.2.3 Topographie des Handwerks in der mittelalterlichen Stadt 12
2.3 Die Handwerkerschaft und die Beziehung zur Zunft
2.3.1 Die Entstehung der Zünfte 14
2.3.2 Funktion und Grenzen der Zunft 15
2.3.3 Soziale Unterschiede zwischen den Zünften 16
2.3.4 Soziale Unterschiede innerhalb einer Zunft 17
2.3.5 Die Zunft im Sozialgefüge der mittelalterlichen Stadt 18
3 Schlus 19
4 Literaturverzeichnis 20
2
Einführung
Die Geschichte des Handwerks reicht bis in die Anfänge der Menschheit zurück. Schon in der Steinzeit benutzte der Mensch seine Fähigkeiten um Gegenstände herzustellen, die ihm das tägliche Leben und Überleben erleichterten. Archäologische Ausgrabungen beweisen, dass der Mensch schon ab der Steinzeit die Rohstoffe der Natur nutzte um z. B Jagdgegenstände oder agrarische Geräte herzustellen. Das oberste Ziel des Menschen war im Wesentlichen die Nahrungsbeschaffung, weshalb die gewerbliche Produktion relativ unorganisiert blieb. Dies änderte sich bis weit in das Frühmittelalter hinein kaum. „Handwerk hat goldenen Boden“ so sagt der Volksmund. Der „goldene Boden“ auf dem das Handwerk sich vollends zu entfalten begann war unweigerlich der, der mittelalterlichen Stadt. Besonders in der großen Phase der Stadtentstehung ab Beginn des 13. Jahrhunderts zog es immer mehr Menschen an die neu entstandenen Lokalmärkte. Die Nachfrage nach gewerblichen Gütern stieg proportional zum Wachstum der Städte und diejenigen, die das Können besaßen, um die benötigten Produkte herzustellen, nutzten dieses, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die entstehende Handwerkerschaft begann sich in der Gemeinschaft der Zunft zu organisieren und versuc hte durch den selbst geschaffenen Zwangsverband die gleichen Chancen für alle Gewerbe treibenden innerhalb der Stadtgemeinschaft herzustellen und somit die lebensnotwendige „Nahrung“ für jeden einzelnen zu sichern. In der Übergangsphase zum Spätmittelalter drangen die Zünfte zudem teilweise in die städtische Regierung ein und wurden dadurch zu einer wichtigen Größe innerhalb der Stadtgemeinschaft.
Die Arbeit wird die soziale Gruppe der Handwerker im 13. und 14. Jahrhundert darstellen. Dabei wird sie sich speziell auf die Entwicklung in den mittelalterlichen Städten beschränken. In Bezug auf die verwendete Literatur soll hier im speziellem auf vier Werke hingewiesen werden, die bei der Erschließung des Themas sehr hilfreich waren. Einerseits die Arbeiten vo n Eberhard Isenmann 1 und Erich Maschke 2 , die als Standartwerke für die Erarbeitung eines Themas im Umfeld der mittelalterlichen Stadt unerlässlich sind. Zum anderen die Jecht 3 und Ernst Maurer 4 ; in Jechts Arbeit werden die Ausführungen von Horst
ökonomischen Unterschiede zwischen der gesamten Bürgerschaft und der Handwerkerschaft sehr anschaulich anhand von Statistiken und Beispielen aufgezeigt, Maurers Ausführungen
1 Isenmann, Eberhard: Geschichte der Stadt im Spätmittelalter, 1250 - 1500 ; Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment,
Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart 1988
2 Maschke, Erich: Städte und Menschen, Wiesbaden 1980
3 Jecht, Horst: Studien zur gesellschaftlichen Struktur der mittelalterlichen Städte. In: VSWG 19 (1926), S. 48-85
4 Maurer, Ernst: Zunft und Handwerker der alten Zeit. Ein volkssoziologischer Versuch, Nürnberg 1940
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verweisen hingegen eher auf die Lebenswirklichkeiten im mittelalterlichen Gewerbe und stellen diese sehr übersichtlich vor.
In der Forschung hat sich ein deutlicher Wandel in Bezug auf die Sozialstruktur der mittelalterlichen Stadt vollzogen. Zur Stadtgeschichte allgemein entstanden viele Werke im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Jecht betont in seinem Aufsatz, der 1926 abgefasst wurde und genau in diesen zeitlichen Rahmen fällt, zum Beispiel, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse zwar weitgehend erschlossen, die sozialen jedoch noch größtenteils unbeleuchtet geblieben sind. Genauso fällt bei Maurers Arbeit auf, dass die Handwerkerschaft stets in Vergleich zu der Bauernschaft gesetzt wird. Dies scheint zwar einerseits verständlich, da auch viele Handwerker Land außerhalb der Städte besaßen und daher auch agrarische Tätigkeiten betrieben, teils steht aber die Einordnung der zünftigen Bevölkerung als Basis der städtischen Mittelschicht noch im Hintergrund. Die neueren Arbeiten stellten diesen Charakter hingegen in den Vordergrund der Betrachtungsweise.
Der Zeitliche Rahmen der Arbeit beschränkt sich speziell auf das 13. und 14. Jahrhundert, da genau in der Phase des Hochmittelalters das Handwerk zu seiner Blüte gelangte. In der Methodik bietet sich eine chronologische Betrachtungsweise nicht an, da sich die Entwicklung der Handwerkerschaft nicht überregional und zeitlich homogen verhielt, sondern vielmehr von den sozial-ökonomischen Faktoren der einzelnen Städte abhängig war. Daher werden die Ausführungen über die Sozialstruktur der Handwerkerschaft vergleichend betrachtet, das Leben des Handwerkers und der Genossenschaftsverband der Zunft werden exemplarisch an spezifischen Beispielen dargestellt.
Zu Beginn der Darstellung wird die Gruppe der Handwerker hinsichtlich ihrer Sozialstruktur betrachtet und in das Gesamtgefüge der mittelalterlichen S tadt eingeordnet. Im darauf folgenden Abschnitt werden die Ausbildung und das Leben eines Handwerkers beleuchtet, sowie die Topographie des Handwerks in der mittelalterlichen Stadt aufgezeigt. Der dritte Themenbereich befasst sich mit dem Zwangsverband der Zunft und stellt die Organisationsform sowie die Regulation des Handwerks dar. Zudem werden auf ökonomische Unterschiede zwischen bzw. innerhalb einer Zunft, in Abhängigkeit von der ökonomischen Form der Stadt, eingegangen.
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Soziale Struktur der Handwerkerschaft - Schicht, Stand oder Klasse?
2.1.1 Definition eines Standes
„Die Stände umfassen Menschen, die durch eine gemeinsame Stellung im sozialen Leben den übrigen Menschen des gleichen Gebietes gegenüber dauernd eine Einheit bilden und dies auch bewusst in ihrer Haltung und ihren Lebensgewohnheiten zum Ausdruck bringen.“ 5 Im Verlauf des Mittelalters wuchs neben den drei klassischen Ständen des Adels, Klerus und der Bauernschaft noch ein vierter, der Bürgerstand heran. In diesem grenzten sich wiederum einzelne soziale Gruppen, wie zum Beispiel die Handwerkerschaft ab. Der Begriff des Standes ist unweigerlich mit dem der Ehre und beim Geburtsstand mit der Herkunft verknüpft. Diese Standesehre war der Maßstab an dem sich jeder einzelne messen lassen musste, ein Verstoß gegen die Sitten und Gebräuche führte zur Bestrafung, im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus dem Stand. Für die Handwerkerschaft des Mittelalters war die Zunft das zentrale Kontrollorgan und damit Bewahrer des Standesrechts. Die Mitglieder einer Zunft brachten ihre gemeinsame Standesehre hierbei durch einheitliche Kleidung, gemeinsame Gelage und kollektivem Auftreten bei städtischen und sakralen Veranstaltungen zum Ausdruck. Um überhaupt ein Teil der Gemeinschaft zu werden waren zudem bestimmte Vorrausetzungen nötig. Ob der Nachweis der ehelichen und freien Geburt oder der Redlichkeit 6 , aufgenommen wurde nur derjenige, der den Anschein erweckte, die Ehre des gesamten Standes nicht durch „unehrliches“ Handeln zu gefährden und somit das Ansehen des gesamten Standes zu schmälern. Obwohl zunächst jeder die Chance hatte, in einen Stand aufgenommen zu werden, wenn er die Bedingungen erfüllte, zeigte sich im Verlauf der Zeit jedoch, dass die Stände sich immer mehr „abkapselten“. Der klassische Berufsstand wandelte sich oftmals zum Geburtsstand, der nur diejenigen aufnahm, die die ständische Herkunft bezeugen konnten.
2.1.2 Klassenbegriff nach Max Weber
Der Klassenbegriff definiert sich zwar ähnlich wie der Ständebegriff über die Tätigkeit, also über das Zweckdasein des Einzelnen, im Gegensatz zum Stand stehen die Individuen jedoch
5 Maurer, Ernst: Zunft und Handwerker der alten Zeit. Ein volkssoziologischer Versuch, Nürnberg 1940, S. 80
6 vgl. hierzu auch 2.2.1.1
5
nicht in einer starken gemeinschaftlichen Verbindung zueinander 7 . Der ursprünglich durch Karl Marx geprägte Klassenbegriff ging dabei von aus, sowohl die proletarische Arbeiterklasse wie auch die kapitalistische Unternehmerklasse in sich gefestigt und abgeschlossen sind und dadurch keine soziale Mobilität des einzelnen Individuums zulassen. Weber kategorisierte den Klassenbegriff nach soziologischen Maßstäben und unterteilte nach Besitz, Erwerbsmöglichkeiten und Chancen des sozialen Auf- und Abstiegs. Genau diese letzte Kategorie der sozialen Klasse lässt sich auf die Handwerkerschaft des Mittelalters anwenden. Jeder Handwerker hatte die Möglichkeit durch hohe Qualität seiner Arbeit zu finanziellem Erfolg zu kommen oder, bei entsprechendem Ansehen, hohe Ämter innerhalb der Zunft - und somit teils auch im Rat der Stadt - zu bekleiden. Mit dem Niedergang des Zunftsystems zu Beginn der Neuzeit verlagerten zudem einige Handwerksmeister ihre Prioritäten auf den Handel oder wurden zu Verlegern ihrer Mitmeister. Gleichzeitig bestand aber auch jeder Zeit die Gefahr des sozialen Abstieges. Bei hohen Rohstoffkosten oder schlechter Nachfrage auf dem Markt bestand, vor allem für kleinere Meisterbetriebe in den Exportstädten stets die Gefahr des finanziellen Bankrotts. Zwar wurden diese Tendenzen durch den Zwangsverband der Zunft so weit wie möglich verhindert und es wurde versucht die „Nahrung“ für jeden einzelnen zu sichern, doch mit Zerfall des Zunftwesens bestimmte mehr und mehr der Markt die wirtschaftliche Nachfrage. Diejenigen Meister, die in der Lage waren in großen Stückzahlen und zu niedrigem Preis zu produzieren waren demnach im Vorteil und konnten ihre Gewinne maximieren, die Meister, die weiterhin im Familienbetrieb produzierten, konnten hingegen den gesteigerten Ansprüchen oftmals nicht gerecht werden. 2.1.3 Lagemerkmale einer Schicht
Die gesellschaftliche Struktur einer Schicht lässt sich hingegen über bestimmte Lagemerkmale eingrenzen. Als erstes ist dabei das Bürgerrecht zu nennen, welches die erste Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu Zunft darstellte 8 . Das Bürgerrecht besaßen zudem nur die städtische Oberschicht, sowie Handel und Gewerbe. Alle die dieses besaßen hatten in irgendeiner Form Dienst an der Stadt zu leisten 9 . Die Unterschichten hingegen wurden zwar in der Stadt geduldet, hatten jedoch kein politisches Mitspracherecht. Die Erlangung des Bürgerrechtes stellte für jeden Handwerker die erste Bedingung dar, da Zünfte nur Mitglieder
7 Maurer, Ernst: Zunft und Handwerker der alten Zeit. Ein volkssoziologischer Versuch, Nürnberg 1940, S. 79
8 vgl. Maschke, Erich: Städte und Menschen, Beiträge zur Geschichte der Stadt, der Wirtschaft und Gesellschaft
1959- 1977(= Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 68), Wiesbaden 1980, S.
9 z. B. durch Abgabe von Steuern, Wehr- und Wachdienst. Als Gegenleistung dafür wurde dem vollwertigen
Bürger aber der Rechtsschutz durch seine Stadt und vollständige Persönliche Freiheit zugesichert.
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2005, Soziale Gliederung der Stadt im 13. und 14. Jahrhundert - Die Handwerker, München, GRIN Verlag GmbH
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