1
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG. 2
1.1 NICCOLÒ MACHIAVELLI UND ADOLF HITLER. 2
1.2 LITERATURBERICHT 3
2. DIE VORSTELLUNG VOM POLITISCHEN HANDELN 5
2.1 MACHIAVELLIS LEHRE VOM POLITISCHEN HANDELN. 5
2.1.1 Fortuna 6
2.1.2 Virtù 6
2.2
POLITISCHES HANDELN ADOLF HITLERS. 7
3. DAS VERHALTEN DES POLITISCHEN FÜHRERS. 8
3.1 DIE ADÄQUATE VERHALTENSWEISE DES FÜRSTEN. 8
3.2 DIE HALTUNG DES FÜHRERS. 9
4. DAS KRIEGERISCHE ELEMENT UND DIE MACHT IN DER POLITK. 11
4.1 KRIEG UND POLITIK BEI MACHIAVELLI 11
4.2
MACHT - UND KRIEGSPOLITIK HITLERS. 12
5. DIE FRAGE DER MACHTSICHERUNG. 13
5.1 MACHTGEWINN UND MACHTERHALT DES PRINCIPE. 13
5.2 ADOLF HITLERS AUFSTIEG ZUM DIKTATOR. 14
6. SCHLUSSBEMERKUNG. 15
7. LITERATURVERZEICHNIS. 17
8. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 18
2
1 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
1.1 NICCOLÒ MACHIAVELLI UND ADOLF HITLER
Nach der Bundestagswahl 2005 wird in Berlin der Kampf um die Regierungsämter wieder einmal mit allen Tricks und Politspielchen geführt. Schnell macht wieder der Begriff des Machtpolitikers die Runde. In diesem Zusammenhang ist auch die Person Machiavelli im heutigen Politikverständnis nicht weit. So verwundert es kaum, dass fünf Tage nach der Wahl ein Artikel mit dem Titel „Niccolò Machiavelli - Mut zur Grausamkeit“ erscheint. Der italienische Philosoph gilt als der „[...] Begründer der Staatslehre, die Erfolg über Moral stellt.“ 1 In seinem 1513 erschienen Buch „Der Fürst“ schickt sich Machiavelli an, Italien vor der drohenden Zerstörung zu retten. Erst nach der Verwüstung Italiens wurde das Werk bekannt, gelesen und erhielt den Stempel, es wollte die Welt verderben. Aber genau dieser Anstrich des Ruchlosen, Frevelhaften hat dieses Buch und seinen Autor berühmt gemacht. 2 Als Adressat des Buches war eigentlich das Herrschergeschlecht der Medici bestimmt. In so genannten Fürstenspiegeln versuchte das Volk dem Herrscher die Sorge um das Gemeinwohl, die gerechte Gesetzgebung und die Wahrung des Friedens ins Gedächtnis zu rufen; sie waren folglich christlich- moralisch konnotiert. Machiavelli zerbrach diese humanistische Tradition und verabschiedet sich vom ethischen Normativismus. Er löst jeglichen Wertanspruch aus der politischen Philosophie heraus und gibt dem Herrscher neue, realistische Handlungsanweisungen. 3 Damit ein Herrscher seine Machtstellung sichern kann, muss er „[…] gegen Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Religion verstoßen.“ 4 Durch solche Aussagen beziehungsweise als spätere Bezeichnung für die intrigierende Jesuitenpolitik entstand der negativ besetzte Begriff des Machiavellismus, der heute in Berlin wieder seine Kreise zieht. Das Gesamtwerk Machiavellis und der im heutigen Sprachgebrauch benutzte Begriff klaffen jedoch ziemlich weit auseinander. Diese Arbeit möchte den modernen Gebrauch des Machiavellibegriffs ausklammern und sich allein auf die Theorie des Autors verstanden wissen. „Il Principe“ muss streng im geschichtlichen Kontext gesehen werden und stellt nur einen Teil des philosophischen Werkes Machiavellis dar. Das Werk wurde in einer Zeit geschrieben, in der Italien in Kleinstaaten zerfallen war und von Frankreich und Spanien bedroht wurde. Machiavellis Vorschläge beziehen sich folglich explizit auf eine Krisenzeit,
1 www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,376046,00.html
2 vgl. Günther, in: Machiavelli 2001: 149
3 vgl. Kersting 1988: 89ff
4 Machiavelli 2001: 88
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nur in solchen legitimiert Machiavelli die Machtkonzentration auf einen Fürsten. 5 Diese Arbeit wird das Werk vom Fürsten als Hauptbestandteil sehen und sich an ihm orient ieren. Nach der Zerstörung des Parlamentarismus 1933 trat der größte Machtpolitiker der jüngeren deutschen Geschichte seinen diktatorischen Siegeszug an: Adolf Hitler. Der vom deutschen Volk verherrlichte Führer sollte das Land in die absolute Katastrophe führen und Jahrzehnte später nur noch als Unmensch und Monster in den Köpfen der Menschen bleiben. Hitler kann an Grausamkeit und Unmenschlichkeit kaum überboten werden, jedoch auch nicht als großer Vereiniger und Führer des deutschen Volkes. In „Mein Kamp f“ hat Hitler bereits Mitte der zwanziger Jahre seine ideologischen und politischen Motivationen und Ansichten dargelegt, vor allem seinen Willen von der Rassenhygiene zur Weltherrschaft zu gelangen. 6 In diesem Aufsatz werden vor allem die frühen Jahre der Herrschaft Hitler beleuchtet, die Konzentration liegt also auf dem Weg zu seiner Aufstieg zum Diktator.
Machiavelli und Hitler, beide hatten eine Vorstellung von effizienter politischer Handlungs weise. Doch während Machiavelli eine schlüssige Theorie hint erlässt, bedient sich Hitler aus einem Sammelsurium politischer und gesellschaftlicher Behauptungen und Halbwahrheiten. Diese Arbeit möchte die Theorie von Machiavellis Principe zur Grundlage nehmen, um das politische Wirken Hitlers retrospektiv zu beleuchten. Es wird der Versuch unternommen einen Vergleich zu ziehen und ausdrücklich von einer Wertung hinsichtlich der Qualität der Überzeugungen beider abgesehen. Der Aufsatz geht der Frage nach, inwieweit Hitlers Handeln und Verhalten mit Machiavellis Principe vergleichbar ist.
1.2 LITERATURBERICHT
Zentrale Literatur für die Untersuchung stellt das Werk „Der Fürst“ von Niccolò Machiavelli dar, welches 2001 nach einer Übersetzung von Friedrich von Oppeln-Bronikowski und einem Nachwort von Horst Günther erschien. Einzelne Auszüge stammen auch aus dem Werk „Discorsi - Gedanken über Politik und Staatsführung“. Wie schon erwähnt legt diese Arbeit sein Augenmerk aber sehr stark auf die Arbeit „Il Principe“, was zu Folge hat, dass Machiavellis Theorie zeitweise sehr reduziert dargestellt wird und mache Gedanken ausgeblendet bleiben.
Als hilfreiche Sekundärliteratur wurden vom Autor die Arbeiten der Machiavelliforscher August Buck, Wolfgang Kersting und Herfried Münkler herangezogen.
5 vgl. Machiavelli 2001: 149ff
6 vgl. Zentner 1974: 9ff
4
Bei Adolf Hitler stellte vor allem das Werk „Mein Kampf“ die Arbeitsgrundlage dar. Leider stand dem Autor kein Originalwerk zur Verfügung, so dass er auf eine kommentierte Ausgabe von Christian Zentner zurückgreifen musste, was den Nachteil mit sich bringt, dass die Zitate Hitlers in dieser Arbeit aus zweiter Hand stammen. Die Ausgabe Zentner ist aber als wissenschaftliche Untersuchung durchaus anerkannt und verlässlich. Des Weiteren zeigten sich die Biographien von Ian Kershaw und Graf Christian von Krockow als sehr hilfreich das Leben und Wirken Adolf Hitler zu verstehen.
5
2 DIE VORSTELLUNG VOM POLITISCHEN HANDELN
2.1 MACHIAVELLIS LEHRE VOM POLITISCHEN HANDELN
Mit Machiavelli findet eine realistische Wende der politischen Philosophie statt. Er selbst gibt vor, dass es seine Absicht sei, die Wahrheit nachzuprüfen, wie sie wirklich ist, nur so könne etwas Nützliches zustande kommen. Deshalb kritisiert er Personen, die Illusionen nachhängen, denn „Viele haben sich Fürstentümer ausgedacht, die niemals gesehen worden, noch als wirklich bekannt gewesen sind.“ 7 Machiavellis Intention ist es also, die Dinge zu beschreiben, wie sie in der Realität erscheinen. Das Wirkliche, das Wahre, glaubt Machiavelli darin zu erkennen, dass alle Menschen schlecht sind und schlecht h andeln und dass ein Mensch, der nur Gutes im Leben vollbringen will, notwendigerweise unter so vielen schlechten Menschen zugrunde geht. Seine logische Konsequenz lautet deshalb, „ […] ein Fürst, der sich behaupten will, [muss] imstande sein, schlecht zu h andeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert.“ 8 Aufgrund seines pessimistischen Menschenbildes verabschiedet sich Machiavelli von den üblichen ethisch motivierten Fürstenunterweisungen und versucht die Wirkungszusammenhänge und Kräfteverhältnisse der wahren Welt zu erklären. Aus dieser Warte heraus beginnt er seine Lehre des politischen Handelns zu verfassen. 9 Machiavelli verfolgt dabei einen rein teleologischen Ansatz, er bestimmt den Wert einer politischen Handlung am Ergebnis derselben. Dabei stellt er fest, dass menschliche Handlungen immer von situativen Bedingungen abhängen, es bestehen keine Zweck-Mittel-Zusammenhänge. Der Fürst braucht ein gewisses Gespür für die Notwendigkeiten, die die Zeitumstände (qualità dei tempi) verlangen, denn nicht alle Zeiten sind gleic h und die Ordnung der Dinge ist vielfältig. Die situativen Zeitumstände sind dem Fürsten sozusagen extern vorgegeben. Machiavelli zieht hier aber den entscheidenden Schluss seiner politischen Lehre. 10 Er glaubt, „[…] dass der Glück hat, dessen Handlungsweise dem Charakter der Zeit entspricht, während der Unglück hat, der mit seiner Zeit in Widerspruch steht.“ 11 Machiavelli behauptet ferner, dass das Glück die Hälfte unserer Handlungen bestimmt, die andere Hälfte jedoch beim Handeln des Einzelnen verbleibt. 12
7 Machiavelli 2001: 78
8 ebd.: 78
9 vgl. Kersting 1988: 30f
10 vgl. ebd.: 87
11 Machiavelli 2001: 118
12 vgl. ebd.: 117f
Arbeit zitieren:
Marco Häusler, 2005, Niccolò Machiavelli und Adolf Hitler. Ein Vergleich der politischen Theorie und des politischen Handelns am Werk "Il principe", München, GRIN Verlag GmbH
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