Universität Zürich
WS 05/06
Archäologisches Institut Seminar Römische Architektur in Nordafrika
Aquädukte und Wasserversorgung in Nordafrika
Brücke des Caesarea-Aquädukts bei der Schlucht von Wadi Ilelouîne
aus: L. LESCHI, Algérie antique (1952), 160, Abb. ohne Nummer.
Seminararbeit
von
Roger P. Minikus
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 1
2. Bautechniken der Aquädukte 2
2.1. Wasserleitungen ohne Substruktionen 3
2.2. Aquäduktbrücken 4
2.3. Siphons 5
2.4. Tunnel 6
2.5. Zusatzbauten 7
2.5.1. Becken 7
2.5.2. Zuläufe 8
2.5.3. Endpunkte 8
3. Baumaterialien für Aquädukte 11
4. Nordafrikanische Aquädukte 13
4.1. Caesarea 13
4.2. Carthago 16
4.3. Siga 20
4.4. Saldae 22
4.5. Lambaesis 24
5. Zisternen und Brunnen 27
6. Sozio-ökonomische Bedeutung der Aquädukte für Nordafrika 29
7. Bibliographie 32
8. Abbildungsverzeichnis 35
9. Tafelverzeichnis 36
10. Tafeln I-VII
„There is a legend that a Roman soldier fell in
love with a native princess, who, as proud as
Dido, would have nothing to do with him; she
would never marry him, she said, until the
waters of Zaghouan flowed to Carthage. The
impossible condition was fulfilled, the fifty-mile
aeuqduct which still strides across the plain of
the River Miliana was built; the Roman claimed
his bride, who threw herself in despair from the
aqueduct`s summit.“1
1. Einleitung
Nordafrika zählt klimatisch zu den semi-ariden bis ariden Zonen, weshalb heute wie schon zur Zeit der römischen Herrschaft die Wasserversorgung der Bevölkerung eine lebensnotwendige Angelegenheit ist bzw. war. Bedingt durch die unregelmässigen, zumeist im Herbst und Winter auftretenden Regenfälle, stellte sich bald das Problem, wie die Wassermassen für die trockenen Jahreszeiten gespeichert werden konnten. Dass schon die Phönizier hierfür eindrückliche Zisternen zu bauen wussten, beweisen die in riesigen Dimensionen erstellte Zisterne namens La Malga von Carthago.2
Eine weitere Möglichkeit, um an das kostbare Nass zu kommen, war der Bau von Wasserleitungen, die von den wasserreicheren Gebieten wie den Gebirgen – z.B. dem Aures-Massiv - zu den grösseren Siedlungen führten. Die Bautechnik von längeren Wasserleitungen verbreitete sich erst zur römischen Zeit in Nordafrika, zuvor scheint es keine Aquädukte3 in Nordafrika gegeben zu haben. Um zu erfahren, woraus genau diese Bautechnik bestand, sollen daher in einem ersten grösseren Teil die einzelnen Elemente eines Aquäduktes beschrieben und herausgearbeitet werden, denn ein Aquädukt konnte nur funktionierten, wenn bestimmte (bautechnische) Grundvoraussetzungen erfüllt waren. Ebenso soll der Frage nachgegangen werden, ob eine Typologie der Aquädukte aufgestellt werden kann, aufgrund der eine grobe Datierungsgrundlage erstellt werden könnte.
Die Römer beherrschten zwar schon seit langem die Aquädukt-Bautechnik, als sie Nordafrika eroberten, doch waren auch sie nicht gefeit vor einigen grösseren Problemen. Einige Beispiele aus dem römischen Nordafrika, die dem ersten Teil folgen, sollen dies genauer aufzeigen. Eine vollständige Behandlung aller nordafrikanischen Aquädukt kann hier nicht erfolgen, würde dies denn den Rahmen dieser Arbeit sprengen, sind nämlich nur schon allein aus Ostalgerien viele grössere und kleinere Wasserleitungen bzw. hydrologische Bauten bekannt,4 aus ganz Nordafrika an die einige Dutzend.
Dass den Aquädukten eine ganz bestimmte Funktionalität eigen ist – nämlich Wasser von einem zum nächsten Ort zu leiten – liegt auf der Hand, doch wurden sie offenbar nicht ausschliesslich aus diesem Grund erbaut, vielmehr gibt ein Aquäduktbau auch verschiedenste Hinweise auf den Erbauer bzw. Stifter selbst. Dies soll schliesslich im letzten Teil dieser Arbeit aufgezeigt werden.
Abb. 1: Übersichtskarte des römischen Nordafrika mit den Provinzen Africa Proconsularis, Numidia und Mauretania Caesariensis.
[...]
2. Bautechniken der Aquädukte
Seit dem Bau der ersten republikanischen Fernwasserleitung im Jahr 312 v. Chr.5 für die stadtrömische Wasserversorgung verfeinerten die römischen Ingenieure stetig die Bautechniken der Aquädukte, weshalb jene, die in Nordafrika für den Wasserleitungsbau verantwortlich waren, auf eine Jahrhunderte zurückreichende Tradition und ein immenses bautechnisches Wissen zurückgreifen konnten. Zwar gab es durchaus schon vor den römischen Wasserleitungen Vorläuferbauten6, jedoch war es gerade ein Verdienst des imperium romanum, diesen Bautypus und dessen Bautechniken in die Provinzen zu tragen, und damit eine technische Höchstleistung für eine Vielzahl von Völkern zugänglich zu machen.
Bestimmt wurde der Wasserleitungsbau in erster Linie von den topographischen Verhältnissen, durch welche die Leitung geführt werden sollte. Insbesondere das natürliche Gefälle von der Wasserentnahme bis zum Endpunkt der Leitung und den damit zusammenhängenden technischen Schwierigkeiten bestimmte deren Verlauf. Da noch keine Druckleitungen im modernen Sinne bekannt waren7, sondern das Wasser lediglich durch den Niveauunterschied vom höheren Anfangspunkt zum tiefer gelegenen Endpunkt vorangetrieben wurde, spielte das Gefälle eine entscheidende Rolle.8
[....]
1 S. RAVEN, Rome in Africa3 (1993), 64.
2 s. A. BAUER, Antike Wasserversorgung in Tunesien, in: Symposium Entwicklung der rohre und Rohrwerkstoffe. Zum zehnjährigen Bestehen der Frontinus-Gesellschaft, Köln 1986, Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft 10 (1987), 165f. Vgl. dazu Kap. 4.2.
3 Unter Aquädukt wird in dieser Arbeit eine reine Wasserleitung verstanden, genauso wie der ursprüngliche Sinn des lateinischen Wortes aquaeductus war. In der Umgangssprache ist heute hingegen mit einem Aquädukt oftmals ein eigentlicher Brückenbau einer Wassserleitung gemeint.
4 Hierzu s. J. BIREBENT, Aquae Romanae. Recherches d`hydroaulique romaine dans l`est Algérien (1962). Nachfolgend wird die konsultierte Literatur nur noch mit dem Autorennamen und dem Erscheinungsjahr angegeben, eine Aufschlüsselung ist in der Bibliographie zu finden.
5 D.i. die Aqua Appia, vgl. hierzu DEMAN 1973, 23; HAINZMANN 1975, 78; AICHER 1995, 34; KEK 1996, 127.
6 s. hierfür KEK 1996, 13f. Zu den griechischen Wasserversorgungsanlagen FAHLBUSCH 1987, 135ff.
7 Zu den römischen Druckleitungen s. Kap. 2.3.
8 Im Gegensatz zur Druckleitung spricht man in einem solchen Fall von einer Freispiegelleitung.
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Roger Minikus, 2006, Aquädukte und Wasserversorgung im römischen Nordafrika, Munich, GRIN Publishing GmbH
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