Inhalt
Einleitung 1
1. Problemstellung. 2
2. Zielsetzung und Fragestellung 3
3. Methodik 4
4. Literaturrecherche 5
Gesellschaftlicher Stellenwert des Themas 7
1. HIV und Kirche 8
2. Der Stellenwert des Themas bei den Regierungen am Beispiel der
Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland.
10
2.1. HIV in den USA. 11
2.2. HIV in der BRD 13
3. Wissen, Einstellungen und Verhalten der deutschen Bevölkerung. 15
3.1. Hepatitis C und HIV - ein Vergleich 17
3.2. Mögliche Gründe für eine Ablehnung HIV-Positiver und AIDS-
Kranker. 18
4. Stellenwert des Themas in der Pflege 21
4.1. Krankenpflegeausbildung. 21
4.2. HIV im Arbeitsalltag - der Pflegemanagement bezogene
Stellenwert. 23
HIV und AIDS 26
1. HIV und AIDS - eine Kurzdefinition 26
2. Verlauf, Virustypen und Symptomatik 27
3. Die Klassifikation. 27
4. Übertragungswege. 28
4.1. Mögliche Übertragungswege 28
4.2. Untaugliche oder seltene Übertragungswege. 29
5. Epidemiologische Hintergrunddaten. 31
5.1. Globale Übersicht. 31
5.2. Deutschland. 34
Arbeitsrechtliche und arbeitsschutzrechtliche Aspekte in Bezug auf
HIV /AIDS 38
1. Arbeitsschutz und der Schutz vor HIV-Infektion im Arbeitsverhältnis. 38
1.1. Europäisches Arbeitsschutzrecht. 39
1.2. Deutsches Arbeitsschutzrecht 40
1.2.1. Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) 40
1.2.2. Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) 41
1.2.3. Biostoffverordnung 42
1.2.4. Das Infektionsschutzgesetz 42
1.2.5. Die gesetzliche Unfallversicherung. 43
1.3. Reichweite der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers 46
1.4. HIV-Tests als Arbeitsschutzmaßnahme 47
1.5. Mitbestimmung des Betriebsrates 49
1.6. Infektionsschutz im öffentlichen Dienst 49
2. Arbeitsrecht und der Umgang mit HIV im Arbeitsverhältnis 51
2.1. Die Frage nach HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung - Recht zur
L üge und Offenbarungspflicht des Bewerbers. 51
2.2. Einstellungsuntersuchung mit HIV-Test. 54
2.3. Die Frage nach einer Behinderung und die Offenbarungspflicht 56
2.3.1. HIV und Behinderung 56
2.3.2. Schwerbehinderung. 57
2.3.3. Das Fragerecht 57
2.3.4. Schwerbehinderung und die Besonderheit bei HIV 58
2.3.5. Entwicklungen beim Fragerecht nach Schwerbehinderung 58
2.4. HIV als Berufskrankheit. 59
2.5. Kündigung HIV-infizierter und AIDS-erkrankter Arbeitnehmer 60
Kompetenzen zur besseren Bewältigung von Problemen. 64
1. Gruppenklima. 64
2. Menschenbild 66
3. Führungsstil 70
4. Probleme erkennen und lösen 74
4.1. Kommunikation. 75
4.1.1. Richtige Kommunikation in der Führungsrolle. 75
4.1.2. Kompetent Gespräche führen. 76
4.1.3. Metakommunikation im Team 87
4.1.4. Die Entscheidung: Teambesprechung oder Einzelgespräch. 91
4.1.5. Coaching 92
4.2. Konfliktmanagement. 94
4.2.1. Konfliktursachen 96
4.2.2. Identifizierung von Konfliktparteien. 98
4.2.3. Konfliktlösungsstrategien. 100
4.2.4. Der ungeregelte Konflikt und seine Auswirkungen auf das Team. 106
Fallbeispiel 108
1. Vorbereitung und Durchführung des Gespräches mit dem betroffenen
Mitarbeiter 112
1.1. Die Selbstklärungsphase 112
1.2. Der eigene Standpunkt 120
1.3. Rahmenklärung 122
1.4. Verabredung zum Gespräch 123
1.5. Das Mitarbeitergespräch 123
2. Vorbereitung auf das Gespräch mit dem Team 127
2.1. Die Selbstklärungsphase 127
2.2. Der eigene Standpunkt 142
2.3. Absprache mit dem betroffenen Kollegen 142
2.4. Rahmenklärung 144
2.5. Verabredung zum Gespräch 144
Fazit und Ausblick 146
1. Das Fazit. 146
1.1. Zusammenfassung und Bewertung 146
1.2. Zielsetzung und Fragestellung 149
1.3. Methodik 149
2. Ausblick 150
2.1. Übertragbarkeit der Handlungsempfehlungen 150
2.2. Entwicklung von Leitfäden 150
Literaturverzeichnis
Anhang
Abbildungs- und Tabellenver-
zeichnis
Abbildung 1: Antworten auf die Frage nach der am schlimmsten empfundenen Krankheit, wenn selbst davon betroffen, n=1854 (Schürhoff und Köhl, 2003) S. 17
Abbildung 2: HIV in der Bundesrepublik Deutschland, Anzahl der HIV-
Abbildung3: Linearer Gruppenprozess führt zu Produktivität (Bernhard und Walsh, 2000, S.32) S. 65
Abbildung 4: Situativer Führungsstil (Leuzinger und Luterbacher, 1994, S. 155) S. 71
Abbildung 5: Verhaltensgitter nach Blake und Mouton (Leuzinger und Luterbacher, 1994, S. 157) S. 72
Abbildung 6: Kommunikationsquadrat aus dem Vier-Schnäbel-Vier-Ohren-Modell (Schulz von Thun et al, 2005, S. 34) S. 83
Abbildung 7: Techniken des Mediators (Wissmann, 2000) S. 104
CDC-Klassifikation (Tabelle erstellt durch Autor nach den Vorga- Tabelle1: ben von OnVista (2005c)) S. 28
Global summary of the HIV and AIDS epidemic, December 2004 Tabelle 2: (UNAIDS, 2004b) S. 32
Phasen der Mediation (Wissmann, 2000) Tabelle 3: S. 103
Abstract
HIV und AIDS sind Themen in Deutschland, die spätestens nach Veröffentlichung der beunruhigenden Neuinfektionszahlen durch das Robert-Koch Institut im September 2005, erneut an Bedeutung gewonnen haben (RKI, 2005c). Die von der Krankheit Betroffenen haben neben ihrer Krankheit, oft mit sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung zu kämpfen, wenn ihre Krankheit in der Öffentlichkeit bekannt wird; auch an ihrem Arbeitsplatz. Am Beispiel der Krankenpflege will diese Arbeit verdeutlichen, welches Wissen und welche Kompetenzen ein Pflegemanager besitzen muss, um ein Problem lösen zu können, das auf Grund der bekannt gewordenen HIV-Infektion eines Mitarbeiters im Team entstanden ist. Die Lösung eines solchen Problems kann einen Pflegemanager an die Grenzen seiner Möglichkeiten führen, sowohl hinsichtlich des betroffenen Mitarbeiters, als auch hinsichtlich seines Teams. Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, unter Berücksichtigung verschiedenster Literatur, dem Pflegemanager Handlungssicherheit im Umgang mit HIV-infizierten Mitarbeitern zu verleihen.
Einleitung
Diese Diplomarbeit wurde im Rahmen des Studiums ‚Internationaler Studiengang für Pflegeleitung (ISP)’ in Bremen erstellt. Anhand der Arbeit und gemäß der Diplomprüfungsverordnung soll aufgezeigt werden, dass der Prüfling in der Lage ist, eine wissenschaftliche Arbeit anzufertigen, die wissenschaftliche Methoden nutzt und eine Verbindung zwischen theoretischen Inhalten und der Praxis des Pflegemanagements herstellt. Die Arbeit wurde in der Zeit vom 15. Juni 2005 bis zum 10. November 2005 angefertigt. Damit geht die Anfertigungszeit über die regulären drei Monate hinaus. Eine Fristverlängerung wurde zum einen wegen erschwerter Literaturrecherche und zum anderen wegen Krankheitsausfall des Prüflings gewährt. Es handelt sich bei dieser Arbeit um eine literaturgestützte, problemorientierte Handlungsempfehlung für Pflegeleitungskräfte, die in ihrem eigenen Betrieb auf das Problem ‚HIV eines Mitarbeiters’ stoßen. Handlungssicherheit in diesem Thema soll durch vier ‚Bausteine’ erreicht werden, die diese Arbeit zur Verfügung stellt. Zum einen wird der ‚Gesellschaftliche Stellenwert des Themas’ beleuchtet. Hier soll aufgezeigt werden, wie Kirchen, Regierungen und die deutsche Bevölkerung sich zu dem Thema HIV im Allgemeinen verhalten. Außerdem soll geklärt werden, warum HIV auch ein Thema für die Krankenpflege ist. Der zweite Baustein ist die Klärung der Begriffe HIV und AIDS. Begriffsdefinitionen, Verlaufsformen, Übertragungswege und epidemiologische Hintergrunddaten sollen den Pflegemanager sicher im Umgang mit der Krankheit an sich machen. Der dritte Baustein beschäftigt sich mit arbeitsschutzrechtlichen und arbeitsrechtlichen Fragen in Bezug auf HIV und AIDS. Dieser anwendungsorientierte Teil gibt dem Pflegemanager konkrete Gesetze an die Hand, die ihm im Umgang mit dem Thema HIV/AIDS helfen sollen. Der vierte Baustein ‚Kompetenzen zur besseren Bewältigung von Problemen’ soll dem Pflegemanager schließlich Handlungssicherheit im Umgang mit dem Thema in Bezug auf den betroffenen Mitarbeiter und das Team geben. Auf was der Pflegemanager bei sich selbst zu achten hat, und wie Probleme in Bezug auf einen HIVinfizierten Mitarbeiter und dem Team zu erkennen und zu lösen sind, dies soll dieses Kapitel klären. Schließlich wird anhand eines Fallbeispiels verdeutlicht, wie diese vier Bausteine in der Realität anzuwenden sind. Beispielhaft soll die Funktionalität dieser Handlungsempfehlungen unter Beweis gestellt werden. Diese Arbeit nutzt häufig Begriffe wie ‚die Pflegedienstleitung’, und ‚der Pflege- manager’. Gemeint ist hiermit dieselbe Person. Gleiches gilt für die Begriffswahl
‚betroffener Mitarbeiter’, und ‚der HIV-Infizierte’. Auch hier handelt es ich um dieselbe Person. Die Begriffswahl gilt für beide Geschlechter. Es soll kein Ausdruck von Diskriminierung oder einer Übervorteilung sein, sondern geschieht lediglich auf Grund der besseren Lesbarkeit.
1. Problemstellung
HIV und AIDS sind Themen, die seit Beginn der 80er-Jahre Einzug in das gesellschaftliche Leben gefunden haben. Zunächst wurde sie als ‚Schwulenkrankheit’ abgetan, und der ‚normale Bürger’ fühlte sich von dieser Seuche nicht bedroht. Die Entwicklungen der Infektionszahlen bis heute zeigen allerdings, dass HIV/AIDS zwar ein Thema ist, das hauptsächlich homosexuell lebende Menschen betrifft, aber bei weitem nicht ausschließlich. Nachdem die Angst vor einer Infektion vor allem in den 90er-Jahren schwand, weil zum ersten Mal eine wirksame Kombinationstherapie gefunden und die Zahl der Neuinfektionen zunächst eingedämmt werden konnte, war zu vermuten, dass eine Art Sorglosigkeit sich einstellen würde, was einen erneuten Anstieg an Neuinfektionen befürchten ließ (Simm, 2005). Diese drohende Sorglosigkeit und auch die Ermüdung von der ständigen Pflicht sich schützen zu müssen, konnten in einer empirischen Arbeit des Autors bereits im Jahr 2002 aufgedeckt werden, als die Neuinfektionszahlen noch rückläufig waren (Claassen, 2002). Diese Befürchtungen haben sich bestätigt, nachdem das Robert-Koch-Institut in diesem Jahr seinen neuen Halbjahresbericht für das erste Halbjahr 2005 herausgegeben hat (vgl. Abschnitt 5.2. ‚Deutschland’, S.34). HIV und AIDS bleiben demnach Themen, die die Menschen noch lange begleiten werden. Doch ist diese Krankheit nicht lediglich eine Frage der Gesundheit. HIV und AIDS sind in unserer Gesellschaft mit vielen Ängsten und Stigmata verbunden. Die Akzeptanz HIV-Positiver in der Gesellschaft ist nach mehr als 20 Jahren immer noch nicht hergestellt (vgl. Abschnitt 3.2. ‚Mögliche Gründe für eine Ablehnung HIV-Positiver und AIDS-Kranker’, S.18). Wird in einem Betrieb bekannt, dass ein Mitarbeiter HIV-positiv ist, dann wird dies für Kollegen folglich als unmittelbare Bedrohung angesehen, weil sie direkt mit dem Thema HIV und AIDS konfrontiert werden. Ängste und Stigmata treten in den Vordergrund und verdrängen eine rationale Auseinandersetzung mit dem Thema und mit der betroffenen Person. Im Allgemeinen können Menschen, wenn sie mit dem Thema nichts zu tun haben wollen, dem Thema HIV/AIDS ausweichen, indem sie HIV-positive Menschen meiden. Anders stellt es sich dar, wenn sie auf Grund einer gegenseitigen Abhängigkeit (Arbeitsplatz) der Realität nicht entfliehen können. Leitungskräfte und somit auch Pflegemanager stehen hier vor großen Herausforderungen, um diesem Problem begegnen und einer empfindlichen Störung des Gruppenklimas entgegenwirken zu können. Klare Konzepte von außen zur richtigen Heran- gehensweise und Hilfestellungen für Leitungskräfte zur Förderung der Akzeptanz
von Betroffenen gibt es keine. Hiermit wird die Relevanz des Themas, besonders im Hinblick auf wieder ansteigende Infektionszahlen deutlich.
2. Zielsetzung und Fragestellung
Durch diese Arbeit soll ein Pflegemanager in Bezug auf ‚HIV am Arbeitsplatz’ Handlungssicherheit erlangen. Daher sollen folgende Fragen beantwortet werden: 1 Welche Aspekte sind von Bedeutung, um als Pflegemanager Handlungssicherheit im Umgang mit HIV-infizierten Mitarbeitern erlangen zu können? Diese Frage ist als Leitfrage zu betrachten, unter der sich weitere Fragen untergliedern lassen:
2 Warum muss ein Problem, das mit HIV/AIDS zusammenhängt, gelöst werden?
3 Welche Informationen über die Krankheit und über damit verbundene Themen benötigt ein Pflegemanager?
4 Welche Informationen benötigt ein Pflegemanager in Bezug auf die Weiterbeschäftigung eines HIV-infizierten Mitarbeiters? 5 Welche Punkte hat der Pflegemanager in Bezug auf den Schutz des Betroffenen, seiner Angestellten und der Patienten zu berücksichtigen? 6 Wie müsste eine Fortbildung beschaffen sein, um die Akzeptanz HIV-Positiver im Betrieb zu fördern?
7 Welche persönlichen Voraussetzungen muss ein Pflegemanager besitzen, um mit diesem Problem umgehen zu können?
8 Wie kann ein Pflegemanager auf kritische oder eskalierende Situationen im Team reagieren, die aufgrund der Tatsache entstanden sind, weil die HIV-Infektion eines Mitarbeiters im Team bekannt geworden ist, und welche Maßnahmen sind ungeeignet?
9 Welche Möglichkeiten hat ein Manager, um sich zur Bearbeitung eines solchen Problems Hilfe holen zu können?
Das Ziel dieser Arbeit ist in erster Linie, Pflegemanagern Handlungsempfehlungen zu geben. Vorwiegend wird hierbei beispielhaft von einem ambulanten Hauspflegedienst ausgegangen, wobei die Beziehung zwischen dem Pflegemanager, dem Betroffenen und dem Team im Vordergrund steht. Diese Begrenzung musste zugunsten der besseren Übersichtlichkeit erfolgen. Vom Prinzip her wären die Empfehlungen dieser Arbeit jedoch auch auf Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen übertragbar. Es sind ebenfalls relevante Informationen für jede Leitungsposition eines beliebigen Betriebes in dieser Arbeit zu finden. Da aber dem Thema HIV im Gesundheitsdienst unter anderem aufgrund gesetzlicher Vor- schriften eine besondere Bedeutung zukommt, wird lediglich die Zielgruppe
‚Pflegemanager’ und die Beziehung zwischen ihm, dem Betroffenen und dem Team angesprochen.
3. Methodik
Dem Autor ist zunächst wichtig, dass ein Pflegemanager sich grundsätzlich mit dem Thema HIV/AIDS im Allgemeinen beschäftigt. Es erscheint sinnvoll, sich mit Einstellungen von verschiedenen Institutionen wie Kirchen und Regierungen zu beschäftigen, die wiederum einen großen Einfluss auf das Meinungsbild der Allgemeinbevölkerung haben, auf das anschließend in Bezug auf Deutschland eingegangen werden soll. Es ist wichtig sich zunächst hiermit zu beschäftigen, damit der Leser versteht, dass das Thema HIV/AIDS nicht nur als einfache Krankheit betrachtet werden darf. Bei HIV/AIDS geht es um sehr viel mehr. Das Thema ist mit starken und teils irrationalen Ängsten verbunden. Der Umgang mit diesem wird entscheidend von größeren Institutionen beeinflusst und zwar sowohl in positive, als aber auch in negative, diskriminierende Richtungen. Dem gesellschaftlichen Meinungsbild sind Betroffene zusätzlich zu ihrer ohnehin schon belastenden Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit ausgesetzt. Der Auseinandersetzung mit den HIV verbundenen Themen und Ängsten der Bevölkerung kommt somit eine besondere Bedeutung zu. Sie bilden den wahren Ansatzpunkt für eine bessere Förderung der Akzeptanz von HIV-Positiven. Um den Gesellschaftlichen Stellenwert des Themas zu verdeutlichen, stützt sich diese Arbeit auf verschiedenste Literatur von kirchlichen und staatlichen, aber auch privaten Einrichtungen. Hinsichtlich dieser Ausführungen kann schließlich auch die Bedeutung für das Pflegemanagement verdeutlicht werden, denn sowohl der betroffene Mitarbeiter, als auch seine Kollegen bewegen sich in diesem gesellschaftlichen Kontext. Leitungspersonen müssen den gesellschaftlichen Stellenwert begreifen können, um Maßnahmen im eigenen Betrieb vornehmen zu können, beispielsweise die richtige Konzeption einer Fortbildung oder die Bewältigung eines Teamkonfliktes. Erst hiernach will diese Arbeit den Pflegemanager über grundlegende Informationen zur Krankheit HIV/AIDS aufklären und eventuelle Wissenslücken füllen. Vor allem aber sollen mögliche und nichtmögliche Übertragungswege betrachtet werden, die auch für die Verrichtung von Arbeitstätigkeiten von großer Bedeutung sind. Erst nachdem diese grundlegenden Informationen vorliegen, macht es Sinn, speziell auf Themen wie Arbeitsrecht und Arbeitsschutzrecht einzugehen, um dem Pflegemanager zu verdeutlichen, in welchem rechtlichen Rahmen er und der Betroffene sich bewegen. Eine eingehende Untersuchung der verschiedenen und relevanten Gesetze wird vorgenommen, bevor die Arbeit schließlich Möglichkeiten und Instrumente benennt, wie ein Problem oder ein Konflikt zu lösen ist, der aufgrund der HIV-Infektion eines Mitarbeiters entstanden ist. Für die Lösung eines solchen Problems oder Konfliktes wird der Pflegemanager alle
Informationen brauchen, die er bislang in dieser Arbeit erhalten hat. Liegen ihm diese Informationen nicht vor, ist die Lösung eines Problems oder Konfliktes im Team auch mit dem besten Lösungsinstrument nicht möglich. Schließlich sollen die gewonnen Informationen und die Lösungstechniken miteinander verbunden und in einem Fallbeispiel angewendet werden. Das Fallbeispiel versucht dabei mehrere Möglichkeiten von Gesprächsverläufen und die damit verbundenen Maßnahmen und Konsequenzen zu berücksichtigen, wobei hier aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten nicht auf jede einzelne eingegangen werden kann.
4. Literaturrecherche
Zunächst war es notwendig mit Hilfe eines Brainstormings 1 zu erkunden, zu welchen Themen dieser Arbeit Literatur benötigt wird. Es wurden Informationen gebraucht zu den Themen: 1) Stellenwert des Themas bei Kirchen, Regierungen und Bevölkerung, 2) HIV/AIDS im Allgemeinen, sowie epidemiologische Daten, Übertragungswege, 3) HIV, Arbeitsrecht und Arbeitsschutzrecht, 4) Managementmethoden zur Bewältigung von Problemen und Konflikten. Die Literaturrecherche konzentrierte sich zunächst auf den allgemeinen Begriff ‚HIV/AIDS’. Dafür wurde die CareLit®-Datenbank 2 auf die Stichworte ‚HIV’ und ‚AIDS’ untersucht. Hier gab es lediglich ca. 20 zutreffende Einträge, wovon letzten Endes nur sieben Einträge wirklich nützlich erschienen. Vier Artikel hiervon wurden schließlich bestellt, wovon keiner seinen Einzug in die Arbeit finden konnte. Daraufhin beschloss der Autor allgemeine Informationen zu HIV/AIDS aus dem Internet zu beziehen, weil anzunehmen war, dass die hier bereitgestellten Informationen der größeren Institutionen wie beispielsweise die der Deutschen Aidshilfe, des Robert-Koch-Institutes und anderer Institutionen, die sich mit der Krankheit beschäftigen, aktueller sind, als Daten aus Büchern oder Zeitschriften. Ergänzt wurden diese Informationen mit Informationen aus eigenen Literaturbeständen des Autors. Aktuelle Daten zu HIV/AIDS im Allgemeinen, aber auch einige, wenige Informationen zu Arbeitsschutzrecht und Arbeitsrecht in Bezug auf HIV/AIDS konnten hier schließlich bezogen werden. Die Auskünfte zum letzteren Punkt waren aber sehr allgemeiner Natur. Daraufhin erfolgte eine umfassende Untersuchung des Literaturbestandes der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen zu den Themen Arbeitschutzrecht, Arbeitsrecht und HIV. Das Ergebnis der Suche ergab 18 zutreffende Einträge, wobei alle hier gefundenen Werke zur Zeit nach des Ausbruchs der Epidemie (~1985-1990) geschrieben wurden. Aktuellere Werke ließen sich nicht finden, dennoch konnten einige dieser Bücher verwendet
1 Brainstorming: (sinngemäß) selbständige Ideenkonferenz (der Autor)
2 CareLit®: Literaturdatenbank für Management und Pflege, bereitgestellt an der Hochschule Bremen, Teilbibliothek Neustadtswall, CD-ROM, Version 10.1/2005
werden, weil sich arbeitsrechtlich und arbeitsschutzrechtlich in Bezug auf HIV/AIDS kaum etwas verändert hat. Jede in diesen Werken gelieferte Information wurde auf ihre Gültigkeit dennoch überprüft. Entsprechende Gesetze wurden noch einmal im Internet und mit Hilfe von Expertengesprächen mit den Gesetzen aus den Büchern verglichen. Dies gestaltete die Literaturrecherche sehr schwierig, weshalb es auch zu einer Verlängerung der Bearbeitungsfrist kam. Die Informationen zum ‚Gesellschaftlichen Stellenwert des Themas’ wurden hauptsächlich von den jeweiligen Internetseiten der kirchlichen und staatlichen Institutionen bezogen. Der Untergliederungspunkt ‚Wissen, Einstellungen und Verhalten der deutschen Bevölkerung’ konnte unter anderem mit Hilfe einer freundlicherweise zur Verfügung gestellten Originalausgabe der Studie von Zuber und Werner (1994) komplettiert werden. Zur Verdeutlichung des Stellenwertes des Themas in der Pflege konnte dem Autor vor allem durch die Informationen der Bremer Krankenpflegeschule der freigemeinnützigen Krankenhäuser e.V. weitergeholfen werden (Heinemann, 2005). Zur Bearbeitung des Kapitels ‚Kompetenzen zur besseren Bewältigung von Problemen’ hat der Autor vor allem Literatur bezogen, die in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen zu finden war. Hier wurde gezielt nach Literatur zu den Begriffen ‚Gruppenklima’, ‚Leiten und Führen in der Pflege’, ‚Kommunikation’ und ‚Konfliktmanagement’ gesucht, die auch gefunden und angewendet werden konnte.
Insgesamt gesehen kann der Autor feststellen, dass alle notwendigen Informationen zur Erstellung dieser Arbeit sehr mühsam zusammengesucht werden mussten. Viele Informationen mussten aus dem Internet bezogen werden. Die Recherche war insgesamt schwierig, was wiederum vermuten lässt, dass dem Thema ‚HIV und Arbeitsplatz’ noch nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Gesellschaftlicher Stellenwert
des Themas
Diese Arbeit soll, wie bereits in der Einleitung erwähnt, als Hilfsmittel zur Erlangung von Handlungssicherheit im Umgang mit HIV-infizierten Mitarbeitern im Pflegebereich dienen. Sie soll krankheitsbezogene Fragen zu HIV und AIDS be-antworten, sich mit arbeitsrechtlichen und arbeitsschutzrechtlichen Fragen beschäftigen und Möglichkeiten im Umgang mit dem Pflegeteam in Bezug auf Präventionsarbeit und kritische Teamsituationen benennen. Diese Arbeit wird demnach ganz spezielle Informationen liefern, die im Allgemeinen nicht jedem Pflegemanager bekannt sein dürften. Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ist es jedoch zunächst wichtig, zu wissen, wie das Thema gesamtgesellschaftlich gesehen wird. Der Kenntnisstand und die Bewertung der HIV-Krankheit in der Bevölkerung und die Bewertung und der Umgang mit der Krankheit seitens verschiedener Institutionen wie der Kirchen und der Regierungen müssen betrachtet werden, da ihre Einstellungen zum Thema HIV/AIDS einen entscheidenden Einfluss auf das Meinungsbild der Bevölkerung ausüben, wie später verdeutlicht wird. Denn HIV ist nicht einfach eine Krankheit. Es ist eine Krankheit, die weit reichende Auswirkungen für die Betroffenen hat, nicht nur im klinischen, sondern vor allem im sozialen Sinn. Es ist eine Krankheit, die in der Bevölkerung immer noch für viele Ängste sorgt und mit vielen Stigmata, Vorurteilen, Gerüchten und Halbwahrheiten verbunden ist, die auch in dieser Arbeit ihre Beachtung wieder finden werden.
Im weiteren Verlauf werden zunächst allgemeine Einstellungen der verschiedenen Institutionen, Regierungen und die der deutschen Bevölkerung wiedergegeben. Hierbei wird zunächst die allgemeine Einstellung der katholischen Kirche mit der der evangelischen Kirche zum Thema HIV/AIDS verglichen. Anschließen werden sich die Einstellungen zu und die Maßnahmen gegen HIV/AIDS seitens zweier Regierungen: die der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und die der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Nach diesem Vergleich soll auf das Wissen, auf die Einstellungen und das Verhalten der deutschen Bevölkerung in Bezug auf HIV/AIDS eingegangen werden, und es soll versucht werden, mögliche Gründe für eine Ablehnung HIV-Positiver und AIDS-Kranker aufzuzeigen. Schließlich wird verdeutlicht, was für einen Stellenwert das Thema in der Krankenpflege hat,
inwiefern es bereits Berücksichtigung in der Ausbildung zukünftiger Pflegefachkräfte besitzt, und welche Bedeutung es für das Pflegemanagement hat. Hier wird auch die Notwendigkeit verdeutlicht, dass es eine Aufgabe des Pflegemanagements sein muss, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
1. HIV und Kirche
Zur Verdeutlichung, welchen Stellenwert das Thema HIV und AIDS bei den Kirchen einnimmt, sollen hier beispielhaft zwei Positionen umrissen werden. Zum einen gibt es die Einstellung der katholischen Kirche zum Thema HIV und AIDS. Bis 1930 galt noch der strikte Satz, dass jeder eheliche Akt auf Zeugung abzielen müsse. Diese Einstellung wurde 1930 in der Enzyklika ‚Casti Connubii’ geringfügig gelockert. Sie sah nun lediglich eine kalkulierte und periodische Enthaltsamkeit vor, die der natürlichen Familienplanung dienen sollte (Fomferek und Schwabe, 2005). Jede Handlung jedoch, die auf etwas anderes abzielte, als auf die Fortpflanzung, wurde als bösartig betitelt: „But no reason, however grave, may be put forward by which anything intrinsically against nature may become conformable to nature and morally good. Since, therefore, the conjugal act is destined primarily by nature for the begetting of children, those who in exercising it deliberately frustrate its natural power and purpose sin against nature and commit a deed which is shameful and intrinsically vicious.” 3 (Papst Pius XI., 2001). Diese Aussage bildet die Grundlage für den Umgang der katholischen Kirche mit HIV und AIDS, denn erstens sieht diese Aussage keine homosexuellen Kontakte vor, und zweitens sieht sie auch keine sexuellen Kontakte vor, die mit Verhütungsmitteln stattfinden dürfen, da jeder sexuelle Akt nur auf die Fortpflanzung abzielen darf. Im Jahr 2004 gab der ‚Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden’ ein ‚Kompendium der Soziallehre der Kirche’ heraus. Doch auch dieses Kompendium bezieht sich wieder auf eine Enzyklika von 1968, die künstliche Empfängnisverhütung strikt verbietet: „…all direct abortion, even for therapeutic reasons, are to be absolutely excluded as lawful means of regulating the number of children. Equally to be condemned, as the magisterium of the Church has affirmed on many occasions, is direct sterilization, whether of the man or of the woman, whether permanent or temporary.” 4 (Papst Paul VI., 2002).
3 Sinngemäße Übersetzung durch den Autor: „Doch kein Grund, wie ernst auch immer er sein mag, soll vorangetrieben werden, wodurch etwas, das wirklich gegen die Natur ist, mit der Natur konform und moralisch gut werden könnte. Deshalb ist der eheliche Akt primär bestimmt für die Zeugung von Kindern. Solche, die den Akt üben, machen seine natürliche Kraft absichtlich zunichte und beabsichtigen die Sünde gegen die Natur und begehen eine Tat, welche beschämend und wirklich bösartig ist.“
4 Sinngemäße Übersetzung durch den Autor: „… jeder direkte Abort, auch der aus therapeutischen Gründen, ist absolut ausgeschlossen als Rechtfertigungsgrund für die Regulierung der Kinderan- zahl. In gleichem Maß verdammt, wie das Magisterium der Kirche bereits zu manchem Anlass
Diese Aussagen betreffen direkt die HIV- und AIDS-Problematik auf der Welt; mit schwerwiegenden Folgen. Der sambische Erziehungsminister Andrew Mulenga verbat, ganz in Sinne der katholischen Kirche, die Verteilung von Kondomen an Schulen, obwohl das sambische Gesundheitsministerium diese Kampagne ins Leben gerufen hatte, und obwohl Sambia zu den Ländern gehört, die am stärksten von HIV betroffen sind. Auf den Philippinen ist die Situation noch verschärfter: Letztes Jahr wurden die staatlichen Zuschüsse für die Verbreitung von Kondomen gestrichen. Nun werden Kampagnen gegen Kondome geführt und Aktionen, die zur Enthaltsamkeit aufrufen von der Kirche mitgetragen. Diese Maßnahmen haben noch einen weiteren Effekt: Viele Einwohner können sich ohne die staatlichen Zuschüsse Verhütungsmittel oft nicht mehr leisten, was dazu führen könnte, dass die Zahl der HIV-Neuinfektion wieder ansteigt (Fomferek und Schwabe, 2005). Weiterhin jedoch verteidigt die katholische Kirche die Auffassung, dass Enthaltsamkeit die sicherste Methode sei sich gegen HIV zu schützen, sowie auch der neue Papst, Benedict XVI. sagt: „"Die traditionelle Lehre der Kirche hat sich als einzig sicherer Weg erwiesen, der die Verbreitung von HIV/Aids aufzuhalten vermag.“ (Katholische Nachrichten, 2005a).
Durch die klare Ablehnung von Lebensgemeinschaften, die nicht der traditionellen Vorstellung einer Lebensgemeinschaft (Ehe) entsprechen, und durch die klare Ablehnung von Verhütungsmitteln, verbunden mit der Verhütungsmethode ‚Enthaltsamkeit’, nimmt die katholische Kirche einen Standpunkt zum Thema HIV und AIDS ein, der im Hinblick auf die steigenden HIV-Infektionszahlen die Realität zu verkennen droht (vgl. Abschnitt 5. ‚Epidemiologische Hintergrunddaten’, S.31ff.). Wenn zusätzlich bedacht wird, dass die katholische Kirche weltweit über eine Milliarde Anhänger 5 hat, dann kann behauptet werden, dass der Einfluss der katholischen Kirche auf den gesellschaftlichen Stellenwert von HIV und AIDS groß ist.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) orientiert sich in Bezug auf Präventionsarbeit und allgemeinen Umgang mit der Thematik im Wesentlichen an den Erkenntnissen aus der Wissenschaft und empfiehlt, dass alle gesellschaftlichen Kräfte zusammenarbeiten müssen, um die verheerenden Auswirkungen dieser Krankheit eindämmen zu können. Im Gegensatz zur katholischen Kirche ist sie folgender Ansicht: „Ein Abwarten und eine moralisierende Diskussion über die Ursachen von HIV/AIDS sind jedoch nicht zu verantworten. (…) Die Methoden, wie dieser Erkrankung vorgebeugt werden kann, sind mittlerweile gut er-forscht und bekannt.“ (Pressestelle der EKD und Deutsches Institut für Ärztliche Mission, 2000). Auf dieser Basis engagiert sich die EKD seit Jahren in Kooperati-
bestätigthat, ist die direkte Sterilisation, ob nun beim Mann oder bei der Frau, egal ob permanent oder zeitlich begrenzt.“
5 Von 1978 bis 2003 stieg die Anzahl der Katholiken weltweit von 757 Millionen auf 1.085 Milli- onen an, was einen Zuwachs von 329 Millionen bedeutet (Katholische Nachrichten, 2005b).
on mit dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM), Brot für die Welt, und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) bei der AIDS-Bekämpfung in Afrika.
Die Kirchen insgesamt engagieren sich, teils jede für sich und teils gemeinsam, zum Beispiel mit dem Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) 6 in vielfältigen Aktionen, die bereits infizierten Menschen auf der Welt helfen sollen. Dem ÖRK gehört die römisch-katholische Kirche nicht an. Im Blickfeld steht hier vor allem Afrika südlich der Sahara. Die Aktionen sind vorwiegend ausgerichtet auf (Ökumenischer Rat der Kirchen - ÖRK, 2005): ▪ den Schutz der Würde und Rechte der mit HIV/AIDS lebenden Menschen und die Schaffung einer Atmosphäre der Hilfe.
▪ Hilfe und Solidarität, die alle Formen von Stigmatisierung und Diskriminierung zurückweist.
▪ HIV/AIDS-Prävention unter Einbeziehung der Gründe der Verwundbarkeit von Menschen.
▪ Mobilisierung von Ressourcen zur HIV/AIDS-Prävention, Hilfe und Be-handlung für mit HIV/AIDS lebende Menschen.
▪ einfacherer Zugang zu Hilfe und Behandlung für mit HIV/AIDS lebende Menschen.
▪ direkte medizinische und soziale Hilfe vor Ort durch einzelne Projekte. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit dem Stellenwert des Themas bei den Regierungen. Vor allem der Einfluss der römisch-katholischen Kirche besitzt Einfluss auf nationale Strategien im Kampf gegen HIV/AIDS, wie hier verdeutlicht werden kann.
2. Der Stellenwert des Themas bei den Regierungen am Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland
Global gesehen wirken die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen an groß angelegten Aktionen mit. Zu diesen Staaten gehören auch die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und die Bundesrepublik Deutschland (BRD). Seit der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) zu AIDS in New York im Jahr 2001 und
6 Die Mitgliedschaft des ÖRK umfasst rund 400 Millionen Christen in mehr als 340 Kirchen, Denominationen und kirchlichen Gemeinschaften in über 100 Ländern: zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche Kirchen aus den historischen Traditionen der protestantischen Reformation wie Anglikaner, Baptisten, Lutheraner, Methodisten und Reformierte, sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Die römisch-katholische Kirche gehört nicht dazu. Themen des Programms: Glauben und Kirchenverfassung; Mission und ökumenische Ausbildung; Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfung; internationale Angelegenheiten, Frieden und menschliche Sicherheit; Diakonie und Solidarität (Ökumenischer Rat der Kirchen, 2005).
der Welt-AIDS-Konferenz 2002 in Barcelona waren sich die Länder der UN einig, dass Prävention, Behandlung und Betreuung ineinander greifen müssen, wenn HIV/AIDS effektiv bekämpft werden soll. Ein Ziel war es unter anderem, dafür zu sorgen, dass ein Klima geschaffen wird, in dem betroffene Menschen akzeptiert werden. Dies sollte sexuelle Minderheiten einschließen. In nationalen Strategien sollten diese Grundideen umgesetzt werden (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - bmz, 2005). Das international wohl größte Programm der Vereinten Nationen im Kampf gegen HIV und AIDS ist das ‚Joint United Nations Programme on HIV/AIDS’ (UNAIDS) 7 . Unterschiede im Umgang mit HIV/AIDS gibt es dennoch in den eigenen Ländern der verschiedenen Regierungen.
2.1. HIV in den USA
Prävention, medizinische Behandlung und Forschung bilden den Schwerpunkt der US-amerikanischen nationalen und internationalen Strategie. Die größte Rolle bei der Bekämpfung der Krankheit kommt den ‚Centers for Disease Control and Prevention’ (CDC) zu. Es ist eine von dreizehn Einrichtungen, die dem ‚Department of Health and Human Services’ (HHS) untergeordnet sind. Die Hauptaufgabe des CDC ist, effektive Wege der Prävention und Kontrolle zu benennen, die auf infektiöse und chronische Krankheiten, sowie auf Arbeitsunfälle, Behinderung und allgemeine Gesundheitsbedrohungen abzielen (Centers for Disease Control and Prevention - cdc, 2005a). Die CDC veröffentlicht regelmäßig ein Strategiepapier, das die Richtung für das weitere Vorgehen vorgeben soll. Der letzte ‚CDC’s Five-Year HIV Prevention Strategic Plan’ von 2001, der in zahlreichen Kampagnen seine Anwendung findet, sieht seine Schwerpunkte in (cdc, 2005b): ▪ der Erhöhung der Anzahl an Menschen, die ihren HIV-Status kennen. Dies soll heißen, dass mehr Menschen dazu bewegt werden sollen, einen Test zu machen.
▪ neuen Präventionsprogrammen und besseren Leistungen für Menschen, die mit HIV leben, verbunden mit einem besseren Zugang zu Behandlung und Pflege. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Strategiepapiers wurde von 50% HIV-Infizierten ausgegangen, die Zugang zu adäquaten Behandlungen hätten. Diese Prozentzahl sollte bis 2005 auf 80% erhöht werden. ▪ äußerst gezielten Präventionsprogrammen für HIV-negative Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, sich zu infizieren. Die Anzahl derjenigen, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, soll um 50% reduziert werden.
7 UNAIDS ist ein weltweit angelegtes Programm der Vereinten Nationen zum Kampf gegen HIV und AIDS. Das Programm sieht unter anderem vor, die Verbreitung des Virus einzudämmen und Betroffenen zu helfen. UNAIDS ist ein vereintes Programm von zehn verschiedenen Organisationen des Systems der Vereinten Nationen, wie zum Beispiel: World Health Organization (WHO), United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO), United Nations Children's Fund (UNICEF) und Office of the United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS - UNAIDS, 2005).
Dies soll durch gezielte, fortlaufende und evidenzbasierte HIV-Präventionsarbeit geschehen.
▪ 70% aller HIV-Infizierten, so die Schätzung von CDC, wüssten von ihrer Infektion. Diese Prozentzahl soll auf 95% erhöht werden. CDC schätzte zum Zeitpunkt der Erstellung des Plans, dass annähernd 300 000 Amerikaner nicht wüssten, dass sie HIV-positiv sind.
Die CDC stellt allerdings selbst fest, dass nicht alle Programme ihre gewünschte Wirkung erzielen. Zwar konnte die jährliche Neuinfektionsrate in den USA von 150 000 Menschen in der Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts auf 40 000 Menschen im Jahr 2004 gesenkt werden, jedoch erreichen die Kampagnen offensichtlich nicht diejenigen, die sich ihrer HIV-Infektion nicht bewusst sind. Immer noch wird geschätzt, dass nach wie vor rund 300 000 von insgesamt ca. 900 000 infizierten Menschen nicht von ihrer Infektion wissen (cdc, 2005c). Kritisch zu betrachten sind dabei allerdings manche Methoden der verschiedenen Programme. Einen großen Bestandteil der Bildungs- und Aufklärungsprogramme bilden die ‚abstinence-only education programs’ 8 , die von der Regierung unter der Präsidentschaft von George W. Bush am stärksten gefördert werden, um unter anderem auch HIV vorzubeugen. Im Jahr 2005 werden für diese Programme rund 170 Millionen US-Dollar aufgewendet. Im Jahr 2001 war es noch weniger als die Hälfte. Diese Initiative sieht vor, dass sexuelle Abstinenz gefördert werden soll, ohne grundlegendes Basiswissen über Verhütung zu vermitteln. Dies entspricht der Vorstellung der römisch-katholischen Kirche (vgl. Abschnitt 1. ‚HIV und Kirche’, S.8). Representative Henry Waxman, der Sprecher der Demokraten im Repräsentantenhaus, hat im Dezember 2004 den so genannten Waxman-Report herausgegeben. Hier evaluiert er die Inhalte der verschiedenen Abstinenz-Curricula, die sich in einer groß angelegten Abstinenz-Initiative namens SPRANS 9 vereinen und vor allem in Schulen im Rahmen des Sexualkundeunterrichtes ihre Anwendung finden. SPRANS ist direkt dem oben bereits erwähnten Department of Health and Human Services (HHS) zuzuordnen. Waxman warf den Regierungen der Bundesstaaten vor, sie würden die Richtigkeit der Informationen der Curricula nicht kontrollieren. Waxman selbst fand schließlich heraus, dass 80% aller Abstinenz-Curricula falsche, missführende oder verdrehte Informationen beinhalteten (Waxman, 2004).
Zur Veranschaulichung folgen einige Beispiele: ▪ Die Effektivität von Kondomen wird falsch wiedergegeben. Ein Curriculum behauptet, der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) mit Hilfe von Kondomen sei nicht mit Daten belegt. Ein anderer sagt, dass bei 31 Prozent aller heterosexuellen Kontakte Kondome ihre Wirkung ver-
8 sinngemäßeÜbersetzung durch den Autor: Enthaltsamkeit-Ausbildungs-Programme
9 SPRANS: Special Programs of Regional and National Significance Community-Based Absti- nence Education
fehlen und es zu einer HIV-Infektion kommt, oder dass es bei einem von sieben sexuellen Kontakten bei Anwendung eines Kondoms zur Schwangerschaft kommt.
▪ Fünf bis zehn Prozent aller Frauen, die eine legale Abtreibung vornehmen lassen, werden danach zeugungsunfähig und werden nicht selten geistig behindert.
▪ Andere Curricula präsentieren in einer wissenschaftlichen Weise, dass Leben dann anfängt, wenn ein Spermium und ein Ei zusammentreffen. Ein anderes behauptet, nach 43 Tagen Schwangerschaft ist das Fötus ein denkendes Wesen. Hier fließt offensichtlich ein religiöser Ansatz ein. ▪ Zahlreiche Curricula geben wissenschaftliche Fakten falsch wieder. Es wird unter anderem behauptet, dass Schweiß und Tränen HIV übertragen. Der Waxman-Report stellt schließlich fest, dass die Enthaltsamkeitskampagnen bisher keinerlei Erfolg zeigten, ganz im Gegensatz zu anderen Programmen, die zum Schutz der Jugendlichen über Verhütungsmethoden aufklären (Waxman, 2004). Die Enthaltsamkeitskampagnen widersprechen außerdem den Übereinkünften der UN-Vollversammlung zu AIDS in New York im Jahr 2001. Diese sagen aus, dass „… Programme, die auf Abstinenz ausgerichtet sind, nicht zielführend…“ sein könnten (bmz, 2005). Ganz anders stellt sich hingegen die nationale Strategie der BRD dar.
2.2. HIV in der BRD
Die Entscheidung, eine ‚nationale Strategie’ im Kampf gegen HIV und AIDS zu entwickeln fiel schon im Jahr 1987. Nur über die Richtung einer solchen Strategie war sich die damalige Regierung noch nicht im Klaren. Man war sich nicht einig, ob die Bedrohung durch seuchenrechtliche Kontrollmaßnahmen oder durch Aufklärung, Beratung und Eigenverantwortung eingedämmt werden sollte. Die Bundesregierung entschied sich für die letzte Variante. Der Kampf gegen HIV/AIDS sollte sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Ängste, Schuldgefühle und Isolation der Betroffenen richten. Die zentralen Ziele der Bekämpfung wurden benannt und haben auch heute noch ungeminderte Gültigkeit (Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung - bmgs, 2005): ▪ HIV-Neuinfektionen minimieren
▪ Beratung und Betreuung von Menschen mit HIV und AIDS optimieren ▪ Unbegründete Ängste in der Bevölkerung verhindern ▪ Akzeptanz und solidarischen Umgang mit Betroffenen fördern Um diese Ziele verwirklichen zu können, arbeitet das Bundesgesundheitsamt mit verschiedenen Institutionen zusammen. Zum einen steht dem Ministerium der Nationale AIDS-Beirat (NAB) beratend zur Seite. Das Bundesministerium wie- derum koordiniert seine Strategie mit (bmgs, 2005):
▪ wissenschaftlichen Instituten (Robert-Koch-Institut (RKI) 10 , Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 11 , Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) 12 ).
▪ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). ▪ Nichtregierungsorganisationen wie der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) 13 , der Deutschen AIDS-Stiftung 14 und der Drogenhilfe. In Zusammenarbeit mit den einzelnen Bundesländern, den verschiedenen Ge-sundheitsversorgungssystemen, den lokalen Nichtregierungsorganisationen und den über 120 AIDS-Hilfen 15 werden einzelne Kampagnen realisiert. Die jetzige Bundesregierung vertritt die Auffassung, dass alle Bevölkerungsgruppen angesprochen werden müssen und nicht nur einzelne Zielgruppen. Appelle an Treue und Enthaltsamkeit werden als realitätsfern und nicht nachhaltig angesehen. Die bundesweite und an die BZgA delegierte Aufklärungskampagne ‚Gib AIDS keine Chance’ 16 der Bundesregierung, hat zum Ziel, einen hohen Informations-stand in der Bevölkerung herzustellen und zu erhalten, das eigene Verantwortungs- und Handlungsbewusstsein der Bürger zu fördern, sowie ein gesellschaftliches Klima der Solidarität und Nichtdiskriminierung herzustellen. Dies versucht sie durch (bmgs, 2005):
▪ massenmediale Angebote (Fernsehen, Kino- und Radiospots, Plakate, Broschüren, Internet und andere). Es gibt auch spezielle Broschüren für immigrierte Menschen und spezielle Materialien für Jungen und Mädchen. ▪ Telefonberatung
10 Überwachung der epidemiologischen Entwicklung, wissenschaftliche Beratung, Empfehlungen und Konzepte, staatlich geförderte AIDS-Forschung (bmgs, 2005)
11 Bundesamt für Sera und Impfstoffe, Prüfung von Tests und ggf. Impfstoffen, staatlich geförderte AIDS-Forschung (bmgs, 2005)
12 Anbieter medizinischer Informationen für Fachleute und interessierte Laien (bmgs, 2005)
13 Zielgruppen der Arbeit der Deutschen AIDS-Hilfe sind die besonders von HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bedrohten und betroffenen Individuen und Gruppen. Ihr „Kerngeschäft“ ist die strukturelle HIV/AIDS-Prävention (bmgs, 2005).
14 Die Deutsche AIDS-Stiftung wird vor allem dann aktiv, wenn staatliche Hilfen nicht immer ausreichen. Direkte Hilfen werden bewilligt, wenn Menschen aufgrund ihrer Infektion oder Erkrankung in finanzielle Not geraten. Die Stiftung arbeitet eng mit Beratungsstellen, Gesundheitsämtern und kirchlichen Einrichtungen zusammen (bmgs, 2005).
15 Die AIDS-Hilfen werden von Ländern und Gemeinden gefördert. Für die Arbeit des Dachver-bandes werden Bundesmittel bereitgestellt (bmgs, 2005).
16 Diese Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist die größte und umfassendste Kampagne der deutschen Gesundheitsprävention. Sie versteht sich selbst als Dachkampagne, was bedeutet, dass sie übergreifend, komplementär, verstärkend und möglichst nachhaltig wirkt. Ihre Ziele sind: Verhinderung der Verbreitung von HIV, Stärkung eines gesellschaftlichen Klimas der Solidarität mit und Nicht-Ausgrenzung von Betroffenen. Die BZgA arbeitet als staatliche Einrichtung eng zusammen mit der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) als Selbsthilfe- organisation (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - BZgA, 2005a).
▪ personale Kommunikation (Materialienverteilung, persönlichen Kontakt herstellen, Wanderausstellungen, Aufklärung in Schulen) Für solche Aufklärungskampagnen gibt die Regierung jährlich 9,2 Millionen Euro aus. Insgesamt wurden bereits 218 Millionen Euro in die Aufklärungsarbeit investiert.
Regelmäßig wird die Kampagne ‚Gib AIDS keine Chance’ in Befragungen evaluiert. Das Wissen, die Einstellungen und Verhaltensweisen der Bevölkerung werden hinterfragt. Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit dem Stellenwert des Themas HIV und AIDS in der deutschen Gesamtbevölkerung.
3. Wissen, Einstellungen und Verhalten der deutschen Bevölkerung
Seit Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gibt es in Deutschland die Aids-Aufklärungskampagne ‚Gib Aids keine Chance’ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wie sich diese Kampagne in Bezug auf Wissen, Einstellungen und Verhalten zu HIV und AIDS auf die Bevölkerung auswirkt, wird durch eine langfristig angelegte, repräsentative Studie ermittelt. Seit 1987 wird jährlich von der BZgA eine Wiederholungsbefragung durchgeführt. Allgemein betrachtet kam die BZgA am Ende ihrer Befragung (Ende 2004) zu dem Schluss, dass das Wissen der deutschen Bevölkerung schon kurz nach Beginn der Aufklärungskampagne hoch war und dies bis Ende des Jahres 2004 auch geblieben ist. Auf Grund der Ergebnisse kann behauptet werden, dass nahezu jedermann in Bezug auf HIV und AIDS das Basiswissen besitzt, das benötigt wird, um sich erfolgreich schützen zu können. Dieses hohe Wissensniveau besteht auch bei dem Thema ‚Zusammenleben mit HIV-Infizierten’. So sehen beispielsweise 98 Prozent der Befragten kein Infektionsrisiko beim Händeschütteln. Eine weitere und für diese Arbeit wichtige Information ist, dass 97 Prozent der Befragten angeben, kein Risiko darin zu sehen, mit einem HIV-Infizierten am selben Arbeitsplatz zusammen zu arbeiten (BZgA, 2005b).
Dieses hohe Wissensniveau ändert sich dann jedoch bei spezifischeren Fragen. Im Jahr 2000 wussten 75 Prozent der Befragten, dass HIV auch vor Ausbruch des AIDS-Vollbilds übertragbar ist. Im Jahr 2004 waren es 79 Prozent, das heißt, dass immerhin 21 Prozent der Befragten nicht wussten, dass eine Infektion mit HIV auch vor dem Ausbruch des AIDS-Vollbilds möglich ist. 22 Prozent der Befragten glaubten immer noch, dass den HIV-Infizierten durch äußerliche Merkmale anzusehen sei, dass sie infiziert sind. Diese Annahme entbehrt nicht einer potentiellen Gefahr in Hinblick auf den Gebrauch von Kondomen, wenn sich die Befragten darauf verlassen, dass einem Infizierten die Infektion anzusehen sei.
Erfreulicherweise kann bezüglich der Bereitschaft zur Kondomverwendung gesagt werden, dass sie mit 93 Prozent bei den Alleinlebenden unter 45 Jahren sehr hoch ist. Auch der Kondombesitz in dieser Gruppe (mit der Absicht sich damit zu schützen) stieg von 64 Prozent im Jahr 2000 auf 67 Prozent im Jahr 2004. Jedoch lässt sich in dieser Gruppe eine rückläufige Entwicklung bei der tatsächlichen Kondomverwendung feststellen. Mit 73 Prozent hatte diese 1997 ihren Höhepunkt, fällt seit dem aber kontinuierlich weiter ab und befindet sich im Jahr 2004 bei 69 Prozent. Noch alarmierender ist die Kondomverwendung zu Beginn neuer Beziehungen. Diese fiel von 78 Prozent im Jahr 2000 auf 70 Prozent im Jahr 2004. Jedoch steigt die Anzahl regelmäßiger Kondomverwendungen in besonders kritischen Situationen, wie zum Beispiel bei Sexualkontakten im Urlaub mit unbekannten Personen. Der Anstieg verlief mit einigen Ausnahmen fast linear von 40 Prozent im Jahr 1990 auf 77 Prozent im Jahr 2004 (BZgA, 2005b). Ein anderer Punkt ist die Wahrnehmung der Krankheit AIDS. Ende der 80er Jahre haben zwei Drittel der über 16-jährigen gesagt, dass AIDS eine der gefährlichsten Krankheit sei. Diese Einstellung hat sich seit 1993 geändert. Im Jahr 2004 sagten nur noch 33 Prozent, dass AIDS eine der gefährlichsten Krankheiten sei und nur zwei Prozent dachten, dass AIDS die Gesundheit der deutschen Bevölkerung besonders bedroht. Dass diese Einstellung immer mehr vertreten wird, liegt laut der Umfrage an den neuen Behandlungsmöglichkeiten von HIV/AIDS, die es heute gibt. Somit stieg die Anzahl derer, die auf Grund der neuen Behandlungsformen weniger Angst vor der Infektion haben, von sieben Prozent im Jahr 1997 auf elf Prozent im Jahr 2004. Neben anderen, bereits erwähnten Faktoren, könnte auch diese zunehmende Sorglosigkeit in Zukunft dafür sorgen, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder ansteigt.
Eine andere Umfrage von Schürhoff und Köhl (2003) stellt die Frage nach der Angst vor AIDS anders. Hier sollen die Befragten darauf antworten, welche Krankheit für sie persönlich am Schlimmsten wäre, wenn sie selbst davon betrof- fen wären.
Abb. 1: Antworten auf die Frage nach der am schlimmsten empfundenen Krankheit, wenn selbst davon betroffen, n=1854 (Schürhoff und Köhl, 2003)
Auch wenn laut BZgA die Anzahl derjenigen zunimmt, die weniger Angst vor der HIV-Infektion haben, weil es bessere Therapiemöglichkeiten gibt, so steht AIDS in der Reihe von schweren und schlimm empfundenen Krankheiten immer noch sehr weit vorne; auch wenn realistisch betrachtet die tatsächlichen Fallzahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen sehr viel weiter vorne liegen müssten und die der AIDS-Fälle sehr viel weiter hinten. Ängste und Realität scheinen nicht unbedingt dicht beieinander zu liegen. Dies veranschaulicht ein direkter Vergleich von HIV und Hepatitis C.
3.1. Hepatitis C und HIV - ein Vergleich
Die Virushepatitis C (HCV) ist eine meldepflichtige, akute, ansteckende Leberkrankheit mit zahlreichen Allgemeinsymptomen. Sie kann in 50-85 Prozent der Fälle von einer akuten in eine chronische Hepatitis übergehen. Die Infektionswege bei HCV sind ähnlich denen des HI-Virus. Auch hier ist der direkte Kontakt mit Blut besonders gefährlich. Dies ist, wie bei HIV, auch für Pflegekräfte sehr wichtig sein, da sie, je nach Aufgabe und Tätigkeitsbereich, viel mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten zu tun haben. Entsprechend der Viruslast können auch alle anderen Körperflüssigkeiten den Hepatitis-C-Virus enthalten (Sperma, Speichel, Tränen, …). Bei 20 Prozent der chronischen Hepatitiden entwickelt sich eine schwere Leberschädigung (Zirrhose), die ihr Vollbild 20-30 Jahre nach der Infektion erreicht (Robert Koch-Institut - RKI, 2004a). Kurz gesagt, HCV ist nicht zuletzt auf Grund der hohen Anzahl chronischer Verläufe eine nicht minder schwere Infektion. Im Gegenteil, denn das RKI geht nach seinem aktuellsten Situ- ationsbericht von 2003 davon aus, dass in Deutschland im Jahr 2003 schätzungs-
weise 400 000 bis 500 000 Menschen Träger des Hepatitis-C-Virus waren, und dass es 6 961 Neuinfektionen gab (RKI, 2004b). Dem sind 44 000 Menschen gegenüberzustellen, die Ende des Jahres 2004 Träger des HI-Virus waren und 1 928 Neuinfektionen (RKI, 2005a).
3.2. Mögliche Gründe für eine Ablehnung HIV-Positiver und AIDS-Kranker
Auch wenn die Meldungen über Hepatitis-C-Fälle über die Jahre hinweg eher konstant verlaufen, so ist die Wahrscheinlichkeit sich mit Hepatitis C zu infizieren auf Grund der hohen Anzahl an Fällen sehr viel höher, als die Möglichkeit sich mit HIV infizieren zu können. Wie einleitend bereits erwähnt, und wie in Abb. 1 auf Seite 17 veranschaulicht, ist es aber eine Tatsache, dass HIV und AIDS einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert einnehmen als HCV. Diese Tatsache muss zunächst hinterfragt werden, um die Ansatzpunkte herausarbeiten zu können, die für einen Umgang mit einem HIV-infizierten Mitarbeiter und mit dem Team von Bedeutung sein könnten. Es ist in dieser Arbeit bereits verdeutlicht worden, dass der Wissenstand der deutschen Bevölkerung über das Thema HIV grundsätzlich gut ist. Der Verdacht liegt somit nahe, dass es nicht das mangelnde Wissen über diese Krankheit ist, dass für Ängste sorgt, sondern eventuell die mit HIV verbundenen Themen.
Eine Studie von Zuber und Werner (1994) belegt diesen Verdacht. Im Zeitraum Dezember 1991 bis Februar 1992 führten sie 316 halbstrukturierte Interviews mit Ärztinnen, Ärzten, Krankenschwestern und Krankenpflegern auf insgesamt 26 Stationen in acht Großkrankenhäusern im süddeutschen Raum durch. Sie untersuchten Einstellungen des ärztlichen und pflegerischen Personals gegenüber Menschen mit HIV und AIDS. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass im Vordergrund der Erstbegegnung mit HIV-Positiven und AIDS-Kranken vor allem zunächst die Angst stand. Das gute Informationsniveau über die Krankheit änderte daran nichts. Die Reaktionen der Befragten waren dann übertriebene Schutzmaßnahmen, die „… als Versuch verstanden werden können, alle potentiellen Gefahren zu kontrollieren.“ (Zuber und Werner, 1994, S.151). Die Studie fand ebenfalls heraus, dass die Zuordnung der Betroffenen zu gesellschaftlichen Randgruppen einen hohen Stellenwert bei der Erstbegegnung einnahm, was Zuber und Werner als einen weiteren Versuch werteten, die eigene Unsicherheit beim Erstkontakt zu mindern. Die Gefühle und Einstellungen der Interviewten änderten sich nach dem ersten Kontakt mit HIV-Positiven und AIDS-Kranken aber rasch. Die überhöhte Infektionsangst reduzierte sich auf ein angemessenes Niveau, und die eigenen Vorurteile wurden überprüft. Die Betroffenen wurden wieder als individuelle Personen betrachtet. Schließlich kommen auch Zuber und Werner zu folgendem Schluss: „Informationen über Übertragungswege und die adäquate Anwendung von Schutzmaßnahmen trugen zur Abnahme der Infektionsangst bei, jedoch scheint durch Wissen allein die Angst nicht bewältigt werden zu können.“ (Zuber
und Werner, 1994, S.151). Die direkte Erfahrung im Umgang mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken ist bei der Bewertung des Infektionsrisikos offenbar wichtig. Ebenso von Bedeutung ist die Auseinandersetzung mit den Lebenswelten der Betroffenen, denn nicht selten wurden die Einstellungen des medizinischen Personals beeinflusst von seiner Vorstellung über die Infektionswege. Im Vordergrund stand hier insbesondere die Schuldthematik. „Drogenabhängigen und Homosexuellen wurde im Gegensatz zu Hämophilen die Verantwortung für ihre HIV-Infektion zugeschrieben. Dabei wurden Homosexuelle nicht für ihre Homosexualität, sondern für ihre Infektion verantwortlich gemacht.“ (Zuber und Werner, 1994, S.152). Interessant war dabei festzustellen, dass stärker religiös orientierte Personen zwar eine höhere Bereitschaft zeigten, mit HIV-Positiven und AIDS-Kranken zu arbeiten, gleichzeitig werteten sie diese Personen jedoch ab, insbesondere wenn sie homosexuell waren. Ein Kontrast zwischen Nächstenliebe und Ablehnung von Homosexualität und Schuldzuweisungen wurde hier deutlich. Es wird „…von den Homosexuellen soviel Beherrschung ihrer sexuellen Begierden verlangt, dass sie sich vor einer HIV-Infektion schützen können (ähnlich der Schwangerschaftsverhütung bei Heterosexuellen).“ (Zuber und Werner, 1994, S.157). Bei Drogenabhängigen bestand eine umgekehrte Schuldattribution. Außerdem wurden bei Kontakt mit den Betroffenen Themen wie ‚sexuelle Übertragbarkeit’ nicht angesprochen, insbesondere dann, wenn bekannt war, dass der Betroffene homosexuell war. Es wurde tabuisiert. HIV und AIDS sind jedoch noch mit anderen Tabu-Themen verbunden. So sind HIV und AIDS stark an das Thema Leiden, Sterben und Tod gekoppelt. Und diese Themen haben im Falle von HIV und AIDS oft mit Menschen zu tun, die gleichaltrig mit dem Pflegepersonal sind, was die Angst vor einer Infektion vielleicht noch einmal mehr unterstützt. Die befragten Ärzte, Ärztinnen, Krankenpfleger und Krankenschwestern äußerten von sich aus den Wunsch, dass Fortbildungsmaßnahmen weniger Wert auf Informationsvermittlung, als auf die interaktionellen und emotionalen Probleme zwischen Patienten und Personal legen sollten. Eine persönliche Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben jüngerer Patienten, Sexualität und Drogenabhängigkeit sollten gezielt behandelt werden, um sich besser persönlich mit diesen Themen auseinandersetzen zu können. Dieser Wunsch ließe sich auch auf Fortbildungen übertragen, die nicht nur darauf abzielen, das Verhältnis zwischen Patienten und Personal zu betrachten, sondern auch das Verhältnis der Kollegen unter-einander, was auch Ziel dieser Arbeit sein soll.
Dass alleinige Wissensvermittlung keinen Effekt auf eine persönliche Einstellungsänderung hat, zeigt ebenfalls ein Projekt der Steirischen AIDS-Hilfe, das beim Österreichischen Bundesheer (ÖBH) durchgeführt wurde. Ausgangspunkt der Steirischen AIDS-Hilfe für ein HIV-Präventionsprojekt beim ÖBH war ein Bericht in der Wiener Zeitung, in dem verschiedene Äußerungen seitens der UNO zum Thema ‚HIV und UNO-Soldaten’ wiedergegeben werden. Diese besagen,
dass sich Blauhelmsoldaten eher mit HIV infizieren, als bei militärischen Einsätzen getötet zu werden (Burmeister, 2000). Dies war Anlass für die Steirische AIDS-Hilfe, ein Projekt beim ÖBH zu starten, „… mit dem Ziel, die Struktur des Bundesheeres und das Wissen der AIDS-Hilfe zu einem gemeinsamen Kampf gegen die AIDS-Epidemie zu vereinen.“ (Steirische AIDS-Hilfe, 2005). Die Zielgruppe waren alle Soldaten des ÖBHs (Kommandanten, Auslandstruppen wie SFOR und KFOR , Offiziere und Unteroffiziere, sowie Grundwehrdiener). Durch die Fortbildung von Führungskräften innerhalb des Bundesheeres zum Thema HIV und AIDS sollten diese zu Multiplikatoren ausgebildet werden, so dass diese ihr Wissen in Vorträgen an die jährlich einrückenden Grundwehrdiener weiter geben konnten. Die Inhalte dieser Vorträge sollten folgende sein: 1) Geschichte von HIV und AIDS, 2) Virologie - HIV und Hepatitis, 3) Ansteckungswege, Körperflüssigkeiten und Eintrittspforten, 4) Risiken und Schutzmöglichkeiten - im privaten Bereich und im Dienst, 5) Blutspenden und Plasma, 6) Krankheitsverlauf, Viruslast und Auswirkungen, 7) Therapien, Postexponentielle Prophylaxe (PEP), 8) Statistiken, Epidemiologie in Österreich und weltweit, 9) Die Situation von HIV -infizierten Menschen, 10) Was wäre, wenn ein Kamerad beim ÖBH ein HIV-positives Testergebnis hätte?, 11) die rechtliche Situation, 12) Diskussion von Standpunkten und Einstellungen und weitere Punkte (Steirische AIDS-Hilfe, 2005). Um den emotionalen Aspekt des Themas mit einzubeziehen, gab es eine eigens gestaltete Übung mit der Aufgabe, schwierige Entscheidungen zu HIV und AIDS zu treffen. Eine Frage lautete z.B.: „Würden Sie noch eine Wurstsemmel bei einer HIV-positiven Verkäuferin kaufen?“. Persönliche Gefühle, Meinungen und Standpunkte wurden ohne sofortige Bewertung seitens der Vortragenden und den Teilnehmern akzeptiert und in Folge offen diskutiert. Am Ende jedes Vortrags wurden verschiedenste Informationsmaterialien zu HIV und Hepatitis verteilt, sowie Kondome, Postkarten und ähnliches. Die 2001 erfolgte Evaluierung durch eine empirische Untersuchung zur Wirkung der Vorträge der Steirischen AIDS-Hilfe beim ÖBH war insgesamt sehr positiv und aufschlussreich. Folgende Feststellungen konnten gemacht werden (Scambor, 2005): ▪ es kam durch die Arbeit in den Workshops zu einer Erhöhung des Wissensniveaus bezüglich der Thematik ‚HIV und AIDS’ ▪ es kam zu Einstellungsveränderungen gegenüber HIV-positiven Personen (weniger ablehnend)
▪ es kam zu einer differenzierteren Einschätzung der eigenen Möglichkeiten in Bezug auf das Sexualverhalten (Safer Sex)
Die wohl wichtigste Feststellung war jedoch , dass Einstellungs- und Verhaltensintentionsveränderungen eine intensive Bearbeitung in den Workshops mit spezifischen Methoden voraussetzt: „Eine alleinige Ausrichtung der Workshops auf Wissensvermittlung hätte keinen Effekt im Einstellungs- und Verhaltensintentionsbereich.“ (Scambor, 2005). Dies deckt sich mit den Aussagen der Studie von Zuber und Werner (1994). Der Tenor der Studie von Zuber und Werner, sowie
des Projektes der Steirischen AIDS-Hilfe ist, dass Fortbildungen zu HIV/AIDS nicht nur über die Krankheit an sich sprechen dürfen. Da HIV und AIDS mit Ängsten wie Leiden, Sterben und Tod und mit anderen Lebenswelten (Prostitution, Homosexualität, Drogenabhängigkeit und andere) verbunden sind, muss auch eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Ängsten und Lebenswelten stattfinden können. Wichtig scheint dabei zu sein, dass die Teilnehmer der Fortbildungen sich in die Situation der Betroffenen reinfühlen können, z.B. durch persönlichen Kontakt mit einem Betroffenen in der Fortbildung. Persönliche Erfahrung scheint für den Erfolg von Fortbildungen demnach sehr wichtig zu sein. Nur durch die Berücksichtigung dieser Punkte lässt sich eine Einstellungsveränderung gegenüber HIV-Positiven und AIDS-Kranken erreichen.
Die vorherigen Abschnitte haben sich mit den Einstellungen zu und den Maßnahmen gegen HIV und AIDS beschäftigt. Hierbei wurden zwei kirchliche und zwei staatliche Institutionen betrachtet. Das Wissen und die Einstellung der deutschen Bevölkerung wurden näher beleuchtet, und es konnte aufgezeigt werden, dass offensichtlich eine Diskrepanz zwischen Wissen und tatsächlichem Verhalten besteht. Woher diese Diskrepanz resultiert, hat der vorangegangene Abschnitt mit Hilfe der Studie von Zuber und Werner (1994) und dem Projekt der Steirischen AIDS-Hilfe (2005) gezeigt. Es soll nun untersucht werden, inwiefern die aus den vorherigen Abschnitten gewonnenen Erkenntnisse und vor allem die Erkenntnisse der zuvor erwähnten Studie und des Projektes, Einfluss auf den Stellenwert des Themas HIV/AIDS in der Pflege genommen haben.
4. Stellenwert des Themas in der Pflege
Eine Einstellung des medizinischen und pflegerischen Personals zum Thema HIV/AIDS konnte schon wiedergegeben werden. Es wurde der Wunsch geäußert, dass eine persönliche Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben jüngerer Patienten, Sexualität und Drogenabhängigkeit stattfinden müsse, und dass Fortbildungen in diese Richtung gehen müssten und sich nicht auf die reine In-formationsvermittlung beschränken sollten. Dieser Abschnitt soll nun an einem Beispiel aufzeigen, ob diese Wünsche bereits Berücksichtigung gefunden haben. Hierzu soll ein Blick auf die heutige Krankenpflegeausbildung geworfen werden, die die Grundlage von allem bildet, was mit dem Bereich ‚Pflege’ in Zusammenhang steht. Des Weiteren soll der Pflegemanagementbereich betrachtet werden. Es muss die Frage beantwortet werden, weshalb es sich für einen Pflegemanager lohnt, sich mit dieser Thematik überhaupt zu beschäftigen.
4.1. Krankenpflegeausbildung
Beispielhaft soll hier die Bremer Krankenpflegeschule der freigemeinnützigen Krankenhäuser e.V. herangezogen werden. Das Thema HIV/AIDS ist hier in den
Lernbereich ‚Infektionskranke Menschen’ eingebettet. Die Inhalte werden zum Teil frontal, aber auch in Gruppenarbeiten unterrichtet und erfahrungsbezogen abgewickelt. Die psychosozialen Aspekte dieser Thematik werden mit Hilfe vom Gesundheitsamt Bremen durch Frau Brigitte Cordes behandelt (Heinemann, 2005) 17 . Im Einzelnen sieht der Unterricht wie folgt aus: Zunächst erfahren die Auszubildenden etwas über Infektionskrankheiten im Allgemeinen. Typische Infektionserkrankungen (z.B. Masern, Röteln, Windpocken …) und antibiotische Behandlungsmöglichkeiten werden in den Fächern Arzneimittellehre, Biologie, Anatomie und Physiologie sowie Krankheitslehre besprochen. HIV und AIDS finden dabei ihre besondere Berücksichtigung. Vier Unterrichtsstunden lang erfahren die Auszubildenden etwas über den naturwissenschaftlich-medizinischen Bezug in Bezug auf HIV, gemeint sind hier die Übertragungswege, Primärprävention, Diagnostik, Stadieneinteilung und Postexpositionsprophylaxe 18 . Darüber hinaus werden derzeit eingesetzte Therapeutika, Wirkprinzipien, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen besprochen, sowie Therapieprinzipien und Gefahren. Auch medikamentöse Entwicklungsperspektiven und -probleme werden behandelt.
Zwei Unterrichtsstunden lang wird der gesundheitswissenschaftliche Bezug angesprochen. Nationale und internationale epidemiologische Daten werden betrachtet, unter besonderer Berücksichtigung der Infektions- und Sterberaten und der Veränderungen des Krankheitsspektrums und der Lebenserwartung. Die Auseinandersetzung mit Risikogruppen und die Problematik ‚HIV/AIDS und Lebensalter’ sind ebenfalls in diese zwei Stunden integriert. Außerdem werden an dieser Stelle verschiedene HIV/AIDS-Präventions- bzw. Gesundheitsförderungskonzepte undprogramme dargestellt und diskutiert (Heinemann, 2005). Dem gesundheitswissenschaftlichen Bezug folgt der mit sechs Unterrichtsstunden berücksichtigte pflegerische Bezug. In diesem Abschnitt der Ausbildung finden ein Erfahrungsaustausch und Diskussionen statt, z.B. mit Übungen zur Frage ‚Leben mit HIV/AIDS - Was heißt das?’. Es soll den Auszubildenden verdeutlicht und nahe gebracht werden, was es heißt, eine infauste Diagnose zu bekommen, und was es heißt, wenn sich mit einem Mal der Lebensstil und die Lebensperspektiven verändern und man mit den Höhen und Tiefen des Krankheitsverlaufs leben
17 Persönlicher Brief von Herrn Ulrich Heinemann (Lehrkraft der Bremer Krankenpflegeschule der freigemeinnützigen Krankenhäuser e.V.) an Nils Claassen mit freundlicher Überlassung von kopierten Auszügen aus dem Curriculum der Bremer Krankenpflegeschule (siehe Anhang 1 ‚Brief von Ulrich Heinemann’)
18 Postexpositionsprophylaxe (PEP): hierbei handelt es sich um eine prophylaktische Maßnahme, die nach Kontakt mit einem Krankheitserreger bzw. mit einer erkrankten Person durchgeführt wird und das Ziel hat den Ausbruch der Erkrankung bzw. das Ausbreiten einer Infektion zu verhindern. Die Postexpositionsprophylaxe kann mit Hilfe von Antibiotika (Chemoprophylaxe), Immunglobulinen (passive Immunisierung) oder bei Erkrankungen mit langer Inkubationszeit mit einer Impfung erfolgen; meist in Kombination mit einer passiven Immunisierung (Wikipedia Enzyklopädie, 2005a).
und sie aushalten muss. In diesen sechs Unterrichtsstunden wird außerdem auf Vorurteile, Stereotypen und Feindbilder eingegangen, mit denen HIV-Infizierte und AIDS-Kranke oft konfrontiert sind. Notwendigkeit und Formen interdisziplinärer Kooperation und institutioneller Vernetzung bei der Versorgung AIDS-Kranker werden besprochen. Ein weiterer und wie in der Studie von Zuber und Werner (1994) gewünschter Teil der Ausbildung ist die Kommunikation und Interaktion mit AIDS-Kranken und ihren Angehörigen. Die Auszubildenden sollen sich im Zusammenhang mit HIV und AIDS auch mit anderen Lebenswelten undlagen auseinandersetzen (Homosexuelle, Drogenabhängige, Stricher). Die Einbindung von Angehörigen und Freunden in die Pflege wird ebenfalls in diesem Abschnitt behandelt. Es müssen im pflegerischen Bezug auch Besonderheiten bei der Pflege AIDS-Kranker und ihren Angehörigen besprochen werden, wie zum Beispiel die hygienischen Prinzipien, die bei Infektionskranken zu beachten sind, aber auch Themen wie Schwerstkrankenpflege und Sterbebegleitung im Krankenhaus, im Hospiz und zu Hause (Heinemann, 2005).
Es kann bereits an dieser Stelle festgestellt werden, dass sich die Ausbildung zukünftiger Krankenpfleger und -schwestern zumindest in Bremen nicht mehr lediglich auf der reinen Informationsvermittlung in punkto HIV und AIDS ausruht. Mit externen Hilfen, wie zum Beispiel mit dem Gesundheitsamt Bremen, wird versucht, den Auszubildenden zu verdeutlichen, dass HIV nicht lediglich eine Infektion ist, sondern dass sie mit anderen Themen wie Sexualität, Sterben und Tod und anderen Lebenswelten verbunden ist. Ob der zeitliche Umfang der Bemühungen jedoch ausreicht, um die zukünftigen Krankenpfleger und Krankenschwestern von Vorurteilen zu befreien und irrationale Ängste abzubauen, ist fraglich. Im Folgenden muss nun die Frage beantwortet werden, inwiefern HIV überhaupt einen Stellenwert für das Pflegemanagement besitzt.
4.2. HIV im Arbeitsalltag - der Pflegemanagement bezogene Stellenwert Die Solidarität gegenüber HIV-Positiven und AIDS-Kranken ist zwar allgemein bei Staat, Gesellschaft und Kirche anerkannt und wird in den verschiedensten Veröffentlichungen auch gefordert, doch die Praxis dieser allgemeinen Anerkennung sieht oft ganz anders aus. Die Angst der Betroffenen davor, auf Grund der Krankheit den Arbeitsplatz oder die Berufszulassung zu verlieren oder keine Anstellung nach der Ausbildung zu finden, beeinträchtigt die wirtschaftliche und soziale Situation der meisten HIV-Infizierten und AIDS-Kranken. Aufgrund neuer Therapien stehen HIV-Infizierte dem Arbeitsmarkt jedoch weitaus länger zur Verfügung, als noch zu Beginn der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Es muss daher die Aufgabe von Arbeitgebern und somit auch von Pflegemanagern sein, sich Gedanken darüber zu machen, wie HIV-Positive in die Arbeitswelt zu integrieren sind. Es ist auch die Aufgabe von Arbeitgebern, durch gezielte Informationsvermittlung ein Klima im eigenen Betrieb herzustellen und aufrechtzuerhalten, das die Gefahr der Entstehung von Mobbing und Diskriminierung verringert. Nur auf
diese Weise kann das Thema HIV/AIDS aus seiner Tabuisierung herausgelöst werden, und HIV-Positive können sich ein belastendes Versteckspiel ersparen. Denn wenn der Betroffene unter massiven Druck gerät und oft krank wird, kann dies auch zu finanziellen Einbußen des Betriebes führen. Ein Manager, egal in welchem Beruf er arbeitet, muss auch wissen, was zu tun ist, wenn das Thema HIV und AIDS im Betrieb bislang nicht behandelt wurde. Er muss wissen, wie er Probleme und Konfliktsituationen im Team lösen kann, die aufgrund der HIV-Infektion eines Kollegen entstehen könnten.
Nun ist ‚HIV am Arbeitsplatz’ ein in Deutschland kaum behandeltes Thema. Seitens der Bundesregierung gibt es keine konkreten Pläne, die sich Gedanken zur Integration HIV-Positiver in die Arbeitswelt machen. Auch Ausbildungen von Arbeitgebern, die für eine Förderung der Toleranz und Akzeptanz HIV-Positiver im eigenen Betrieb sorgen könnten, gibt es nicht. Die Bundesregierung und ihre Ministerien verlassen sich diesbezüglich auf die Eigeninitiative einzelner Organisationen. So gibt es zum Beispiel ein Projekt in Berlin mit mehreren Projektträgern namens ‚Equal-Restart’. Equal-Restart sucht und erprobt neue Wege zur Bekämpfung von Diskriminierungen und Ungleichheiten in der Arbeitswelt, u.a. auch von HIV-Positiven und AIDS-Kranken. Hierbei werden Mitarbeiter aus kleinen und mittleren Unternehmen für die Aufgaben eines betrieblichen Personalassistenten qualifiziert, die bei Problemen zwischen dem Unternehmen und benachteiligten Mitarbeitern vermitteln können. Zukünftig will das Projekt auch in der Ausbildung von Arbeitgebern zu diesem Thema aktiv werden. Zurzeit wird dieses Projekt aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert. Diese Gelder werden zwar über das entsprechende Bundesministerium ausgezahlt, doch investiert die Bundesregierung keine eigenen, bzw. direkten Mittel (Krey, 2005) 19 . Von Programmen wie denen, die in den USA durchgeführt werden, ist Deutschland noch weit entfernt. ‘Prevention Business Responds to AIDS and Labor Responds to AIDS programs’ (BRTA/LRTA), das dem bereits erwähnten CDC untergeordnet ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, größeren und kleineren Unternehmen dabei zu helfen, den Herausforderungen begegnen zu können, die mit HIV und AIDS am Arbeitsplatz verbunden sind. Mit Gewerkschaften, Handelsunternehmen, Ge-sundheitseinrichtungen, AIDS-Hilfe-Organisationen und Regierungseinrichtungen setzt sich BRTA/LRTA mit folgenden Themen auseinander: HIV/AIDS-Richtlinien-Entwicklung, Manager Training, Arbeitnehmerausbildung und Ausbildung von deren Angehörigen, HIV bezogene Dienstleistungseinrichtungen, Freiwilligenarbeit und Förderung der Menschenfreundlichkeit. Programme zur Implementierung dieser Punkte werden auf den Internetseiten der BRTA/LRTA zur Verfügung gestellt (Business and Labor Resource Service - BLRS, 2005).
19 basierend auf Notizen eines Telefongesprächs vom 12. Juli 2005 mit Herrn Dr. Friedhelm Krey von ‚kursiv - das Aids-Projekt der Schwulenberatung Berlin’
Im Vergleich der beiden Staaten wird deutlich, dass diese Arbeit sich in Bezug auf Deutschland auf eine Art ‚Neuland’ begibt. Diese Arbeit will daher einen Anfang setzen und will erreichen, dass eine Pflegedienstleitung im Umgang mit HIVinfizierten Mitarbeitern mehr Handlungssicherheit gewinnt. Zusammenfassung
Das Kapitel ‚Gesellschaftlicher Stellenwert’ hat Einstellungen zweier, kirchlicher Institutionen in Bezug auf HIV und AIDS aufgezeigt und hat erwähnt, was diese gegen HIV und AIDS unternehmen. Des Weiteren wurde ein internationaler Vergleich auf staatlicher Ebene vorgenommen. Auch hier konnte aufgezeigt werden, dass sich wie bei den Kirchen die Einstellungen und die für sinnvoll erachteten Gegenmaßnahmen unterscheiden. Anschließend wurde das Wissen, die Einstellung und das Verhalten der deutschen Bevölkerung reflektiert und mögliche Gründe für eine Ablehnung HIV-Positiver und AIDS-Kranker erörtert. Um den Fokus auf die Krankenpflege zu lenken, wurde der Stellenwert des Themas in der Krankenpflege reflektiert, wobei die derzeitige Krankenpflegeausbildung in Bremen angeschaut wurde. Schließlich wurde verdeutlicht, weshalb auch das Pflegemanagement dieses Thema nicht ausblenden darf. Bevor ein Pflegemanager beginnt, sich mit einem HIV-bezogenen Problem in seinem eigenen Betrieb zu beschäftigen, ist es unbedingt notwendig, dass er sich mit den bis jetzt behandelten Themen beschäftigt. Unabhängig davon, ob der Pflegemanager eine Fortbildung in seinem Betrieb plant, oder ob er ein Problem lösen möchte, dass mit einem HIV-infizierten Mitarbeiter zusammenhängt, muss er berücksichtigen, dass HIV immer in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss. Dieses Kapitel liefert somit den ersten Baustein, um den Pflegemanager im Umgang mit HIV handlungssicher machen zu können. Der zweite Baustein, der zur Erlangung von Handlungssicherheit im Umgang mit HIV-infizierten Mitarbeitern notwendig ist, ist der Baustein mit Informationen zur Infektion und Krankheit an sich.
HIV und AIDS
Um als Pflegemanager Handlungssicherheit im Umgang mit HIV-positiven Mitarbeitern erlangen zu können, ist es ebenso unverzichtbar, sich eingehend mit der Infektion und den Konsequenzen dieser Infektion zu beschäftigen. Begriffserklärungen, aber auch Punkte wie: Verlauf der Krankheit, Symptomatik, Klassifikation, mögliche und unwahrscheinliche Übertragungswege und epidemiologische Hintergrunddaten sollen dazu beitragen, umfassend über diese Krankheit zu in-formieren.
1. HIV und AIDS - eine Kurzdefinition
Bei der ‚HIV-Infektion’ handelt es sich um eine Infektion mit einem Virus 20 , das neben einigen anderen Zelltypen (Fresszellen, Gehirn-Zellen) vor allem die Zellen des menschlichen Immunsystems befällt (sog. T-Helfer-Zellen) und diese als ‚Wirtszellen’ nutzt. Diese T-Helfer-Zellen, genauer gesagt handelt es sich hierbei um so genannte ‚CD4-Helferzellen’, werden durch das Virus zerstört. Dies ist insofern fatal, als dass diese T-Helfer-Zellen für die Koordination und die Effektivität des Immunsystems entscheidend mitverantwortlich sind. Werden zu viele von ihnen durch das Virus zerstört, muss es zwangsläufig zu einem Immundefizit kommen. Der Körper kann sich irgendwann nicht mehr ausreichend gegen einfachste Infektionen schützen. HIV ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Ausdruck ‚AIDS’ (OnVista, 2005a).
‚AIDS’ ist eine Abkürzung für ‚Acquired Immuno Deficiency Syndrome’, was übersetzt ‚Erworbenes Immundefekt-Syndrom’ bedeutet. Fälschlicherweise wird der Ausdruck AIDS gerne mit dem Ausdruck ‚HIV’ gleichgestellt. Diese Begriffe sind aber deutlich voneinander zu trennen, denn ‚HIV’ (dieser Begriff steht für ‚Human Immunodeficiency Virus’, was im Deutschen ‚Humanes Immundefizienz-Virus’ bedeutet) macht lediglich eine Aussage über eine bestehende Infektion mit einem HI-Virus. Von AIDS kann gesprochen werden, wenn persistierende
20 Virus ist ein lateinischer Begriff für Feuchtigkeit oder Schleim. Die Bezeichnung wird das erste Mal 1881 von Pasteur für verschiedene Krankheitserreger gebraucht. Im Wesentlichen unterscheidet sich ein Virus von Bakterien, Pilzen und anderen Organismen durch folgende Merkmale: es verfügt über keine Stoffwechselenzyme, ein Virus vermehrt sich nicht durch Teilung, sondern durch Einbau genetischen Materials in eine ‚Wirtszelle’, ein Virus ist sehr viel kleiner als ein Bak- terium (Pschyrembel, 1986, S.1786)
und rezidivierende Krankheiten auftreten, die auf Defekte im zellulären Immunsystem hinweisen.
2. Verlauf, Virustypen und Symptomatik
Die HIV-Infektion kann jahrelang, sogar jahrzehntelang asymptomatisch verlaufen, was nicht bedeutet, dass die Infektion in dieser Zeit ruht. In diesem Zeitraum werden in einem dynamischen Geschehen täglich Milliarden neuer Viren produziert und Milliarden von Viren abgetötet. Die Länge dieser Latenzzeit 21 ist unter anderem abhängig von Faktoren wie: dem Funktionieren der Therapie, Lebensstil, psychische Situation, Re-Infektionen mit HIV und Begleitinfektionen. Auch der Virustyp ist sicherlich ausschlaggebend. Es gibt im Wesentlichen zwei HIV-Typen, die sich vor allem in ihrem Aufbau und in ihrer Virulenz 22 unterscheiden: HIV-1 (tritt weltweit auf) und HIV-2 (vorwiegend in West-Afrika; gilt als schwächerer Virus).
Nach mehreren Jahren kommt es dann jedoch in der Vorstufe der AIDS-Erkrankung zunehmend zu typischen Infektionen. Nicht selten wird die HIV-Infektion erst zu diesem Zeitpunkt diagnostiziert, nachdem sie unter Umständen Monate bis über 15 Jahre vorhanden war. Das Vollbild der AIDS-Erkrankung geht einher mit Gewichtsabnahme, schweren Infektionskrankheiten und bestimmten Krebsarten. Der Ausbruch bzw. das Fortschreiten der HIV-Infektion kann jedoch heutzutage durch immer wieder verbesserte Medikamente (antiretrovirale Medikamente) sehr lange hinausgezögert werden. Nicht zu unterschätzen sind dabei allerdings die Nebenwirkungen, die eine solche Therapie haben kann (On-Vista, 2005b).
3. Die Klassifikation
Um eine HIV-Infektion besser in ihre Stadien einteilen zu können, hat sich die Organisation CDC ein Einteilungssystem überlegt. Es gliedert HIV zunächst grob in drei Abschnitte: A, B und C. A steht in diesem Fall für HIV positiv, Neuinfektion und/oder asymptomatisch. Der Buchstabe B drückt aus, dass neben der Infektion jetzt HIV zuzuordnende Erkrankungen aufgetreten sind, und der Buchstabe C beschreibt das AIDS-Syndrom, auch ‚Vollbild AIDS’ genannt. Eine weitere Gliederung findet nach den oben erwähnten T-Helfer-Zellen statt. Bei mehr als 500
21 Entspricht der ‚Inkubationszeit’: Zeit zwischen der Ansteckung (Eindringen des Krankheitserregers in den Körper) bis zum Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen der Infektionskrankheit (Pschyrembel, 1986, S.789)
22 sog. Giftigkeit; Grad der Aggressivität (quantitativ) von Mikroben im Makroorganismus (Pschy- rembel, 1986, S.1787)
Helfer-Zellen/µl Blut wird dem jeweiligen Buchstaben eine ‚1’ angehängt. Beträgt die Helfer-Zellen-Anzahl 200-499/µl Blut, dann wird eine ‚2’ angehängt. Im schlechtesten Fall würden die Helfer-Zellen weniger als 200/µl Blut betragen, dann würde die Ziffer ‚3’ angefügt (OnVista, 2005c).
Tab. 1: CDC-Klassifikation (Tabelle erstellt durch Autor nach den Vorgaben von OnVista (2005c))
Ein weiterer Aspekt, der in der Definition der Begriffe HIV und AIDS erläutert werden muss, ist der Aspekt ‚Übertragungswege’, und schon an dieser Stelle wird die Arbeit aufzeigen, wie unwahrscheinlich es ist, sich in der Pflege mit dem Virus zu infizieren.
4. Übertragungswege
Die Übertragungswege des HI-Virus sind klar definiert und wissenschaftlich untermauert. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass falsche Informationen an die Bevölkerung gelangen und diese verunsichern. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass eine Infektion nur dann denkbar ist, wenn infektiöse Sekrete oder Flüssigkeiten auf eine Schleimhaut (Vagina, Mund, Darm) oder zum Beispiel auf eine offene Wunde treffen. Treffen infektiöse Sekrete oder Flüssigkeiten auf ge-sunde, menschliche Haut (gemeint ist äußerlich), dann genügt es, die betroffene Stelle normal mit Wasser und Seife zu waschen.
4.1. Mögliche Übertragungswege
HIV wird übertragen (Kamps, B.S., 2005a):
▪ beim Geschlechtsverkehr: Hierbei ist Voraussetzung, dass direkter Kontakt mit infizierten Körpersekreten- oder -flüssigkeiten besteht. Als besonders infektiös gelten Blut und Samenflüssigkeit. Es heißt aber nicht zwangsläufig, dass sich jemand infiziert hat, weil er ‚unsafen Sex’ 23 ge-
23unsafe sex: (engl. Bezeichnung) gemeint ist nicht sicherer Geschlechtsverkehr, bei dem zum Beispiel bewusst auf den Gebrauch von Kondomen verzichtet wird. Gemeint ist jeder Verzicht auf Sicherheitsvorkehrungen, was zur Folge hat, dass infektiöse Flüssigkeiten an den Partner weitergegeben werden. Das Risiko sich oder seinen Partner mit einer Krankheit zu infizieren, wird dabei in Kauf genommen (AIDS-Hilfe Ulm, 2004).
Arbeit zitieren:
Nils Claassen, 2005, Zur Erlangung von Handlungssicherheit im Umgang mit HIV-positiven Mitarbeitern - Herausforderungen für das Pflegemanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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