I INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 1
1.1 VORWORT 1
1.2 GRUNDLAGEN 1
2. DIE AUSSAGEN DES AUFSA TZES VON GARY S BECKER: A THEORY OF
COMPETITION AMONG PRESSURE GROUPS FOR POLITICAL INFLUENCE 3
2.1 EINLEITENDE ANNAHMEN 3
2.2 POLITISCHER EINFLUSS UND WETTBEWERB DER INTERESSENGRUPPEN 5
2.2.1 Höhe der Subventionen und Steuerzahlungen 5
2.2.2 Effizienzsteigerung: Erstes Theorem 5
2.3 DIE SELBSTINDUZIERTE NEIGUNG ZUR EFFIZIENZ 7
2.3.1 Zusatzkosten und Subventionen: Zweites Theorem 7
2.3.2 Gruppengröße: Drittes Theorem 7
2.3.3 Wettbewerb: Viertes Theorem 8
2.4 ERWEITERUNG DES MODELLS AUF MEHRERE INTERESSENGRUPPEN 9
2.5 FAZIT 10
3. DIE AUSSAGEN DES AUFSATZES VON EPSTEIN UND NITZAN: STRATEGIC
RESTRAINT IN CONTESTS 10
3.1 EINLEITENDE ANNAHMEN 10
3.2 DAS MODELL 11
3.3 ZUSAMMENFASSUNG UND VERGLEICH MIT DEM ANSATZ VON BECKER 13
4. BETRACHTUNG DER SCHWERPUNKTSETZUNG WEITERER AUFSÄTZE
ZUM THEMA RENT SEEKING 14
4.1 PRITZL UND DIE DYNAMIK DES RENT SEEKING 14
4.2 TULLOCK UND DIE EFFIZIENZ DES RENT SEEKING 15
4.3 DIE ANWENDUNGSBREITE DES RENT SEEKING RÜCKBLICK UND AUSBLICK 17
4.3.1 Rückblick 17
4.3.2 Ausblick und Fazit 17
5 LITERATURVERZEICHNIS III
1. Einleitung
1.1 Vorwort
Die vorliegende Arbeit soll eine Vertiefung in das Thema Rent Seeking bieten. Kosten für die Gesellschaft, die durch dieses Phänomen anfallen, werden in ihrer Unterschiedlichkeit betrachtet. Ziel ist es, die Strukturen des Rent Seeking zu durchleuchten, die Anreize zu erkennen und mögliche Barrieren zu identifizieren. Zunächst sollen die Grundlagen und der Ursprung der Rent Seeking-Forschung dargestellt werden, bevor in Kapitel 2 ein spezieller Aspekt des Themas behandelt wird. Gestützt auf den Artikel „A Theory of Competition Among Pressure Groups for Political Influence” von Gary S. Becker werden die Zusatzkosten des Rent Seeking betrachtet, und deren Wirkung auf das Ausmaß der Aktivitäten von Interessengruppen, die für die Durchsetzung ihrer Interessen kämpfen.
Im zweiten – in Kapitel 3 betrachteten – Aufsatz „Strategic Restraint in Contests“ von G. S. Epstein und S. Nitzan wird das strategische Verhalten der Interessengruppen betrachtet, in diesem Falle in Abhängigkeit von den Kosten der Durchsetzbarkeit mehr oder minder voneinander abweichender Politikvorschläge.
Letztlich sollen in Kapitel 4 noch zwei weitere Ansätze betrachtet werden. Zum Einen handelt sich dabei um die praxisbezogene Arbeit „Korruption und Rent Seeking in Lateinamerika“ von Rupert Pritzl; zum Anderen um den Aufsatz „Efficient Rent Seeking“ von Gordon Tullock, in dem am Beispiel einer Lotterie die Rent Seeking-Ausgaben betrachtet werden.
1.2 Grundlagen
Als Rent Seeking bezeichnet man jedwede Aktivität von Individuen oder (Interessen-) Gruppen, eine künstlich geschaffene Rente zu erlangen. Als Rente wird dabei der Betrag verstanden, den man einem Rechtsinhaber zusätzlich für eine Ressource bezahlen muss. Diesen zusätzlichen Betrag kann der Rechtsinhaber in der Regel nur durch eine vom Staat geschaffene Sonderregelung zu seinen Gunsten verlangen. 1 Als Beispiel kann man sich auf der einen Seite die in Deutschland durch Subventionen begünstigten Landwirte vorstellen, die stets dafür kämpfen, dass ihnen diese Vorteile auch weiterhin gewährt oder sogar vergrößert werden; auf der anderen Seite steht die
1 Pritzl, S. 42
1
benachteiligte Gruppe der Steuerzahler und Konsumenten, die mehr oder minder stark gegen diese Mehrbelastung vorgehen.
Die Kernaussage der frühen Rent Seeking-Aufsätze war, dass diese künstlich geschaffene Rente nicht nur von der Konsumentenrente abzuziehen ist, sondern dass darüber hinaus auch die Ausgaben für den Erwerb/Erhalt dieser Sondervorteile mit einzubeziehen sind.
Preis
Abbildung 1: Wohlfahrtsverluste des Rent Seeking 2
Arnold Harberger hatte 1954 die Wohlfahrtsverluste errechnet, die sich durch die Schaffung von Monopolen ergeben. Er kam auf den durch den Monopolpreis entstehenden Produzentengewinn in Höhe des Rechtecks ABDE und entsprechend auf einen Wohlfahrtsverlust in Höhe des Dreiecks ABC. Gordon Tullock merkte in einem 1967 erschienenen Aufsatz an, dass die Produzenten – sollte es die Möglichkeit der Schaffung eines Monopols geben – schon im Vorhinein bereit sein werden, für das Erlangen dieser Rente einen Betrag entsprechend des nach ihm benannten Rechtecks
ABDE aufzubringen. 3 Da diese Aufwendungen nicht produktiver Art sind, sondern sich
auf Überzeugungsarbeit (Lobby-Aktivitäten) und in vielen Teilen der Welt auch auf Bestechung beschränken, ist der (allgemeinen) Wohlfahrt mit diesen Aufwendungen jedoch nicht gedient. Im Gegenteil: die für die Erlangung von Sonderrechten eingesetzten Ressourcen werden von möglichen produktiven Einsatzmöglichkeiten abgezogen. 4 Genau dies ist auch der Unterschied zum bekannteren Profit Seeking: Beim Profit Seeking impliziert Rente den Erwerb aus einer produktiven Tätigkeit, beim Rent Seeking ist dies nicht gegeben. 5 Was sich für die Allgemeinheit aber als Verlust darstellt, wird von der bevorzugten Gruppe oder dem Individuum als erstrebenswert empfunden. Und was
2 aus: Pritzl, S. 204
3 Ebenda, S. 203 4 Ebenda, S. 209 5 Tollison, S. 577f
2
gesamtwirtschaftlich irrational ist, ist aus individueller Sicht durchaus rational. Durch diese Divergenz zwischen individuellen und gemeinsamen Interessen – was auch als die Rationalitätenfalle bezeichnet wird 6 - kann dem Wohlfahrtsverlust durch Rent Seeking nicht allein auf wirtschaftlicher Ebene effektiv entgegengetreten werden. Bei der Analyse des Rent Seekings wird zwischen der normativen Sichtweise – sie behandelt die Kosten für die Gesellschaft – und der positiven Sichtweise unterschieden, die sich mit der Erklärung des Verhaltens der Akteure beschäftigt. 7 Beide Vorgehensweisen werden in dieser Arbeit angewandt. Je größer die mögliche Rente ist, desto mehr werden die Bewerber um sie kämpfen. Ihre Aussichten auf Erfolg hängen dabei von der Höhe ihres Einsatzes und von der Anzahl und dem Einsatz der Mitbewerber ab. Für die zwei Bewerber A – mit den Aufwendungen für Rent Seeking x 1 – und B – mit den Aufwendungen x 2 – gilt also für Bewerber A:
x
1
P A = . Sind es mehrere Mitbewerber, so belaufen sich die Chancen des A auf:
x
1
P A = .
+
2. Die Aussagen des Aufsatzes von Gary S. Becker: A THEORY
OF COMPETITION AMONG PRESSURE GROUPS FOR
POLITICAL INFLUENCE
2.1 Einleitende Annahmen
Becker betrachtet in seinem 1983 erschienenen Aufsatz den Wettbewerb von Druck ausübenden Gruppen 8 , die nach politischem Einfluss streben. Das politische Handeln wiederum wird als Folge individueller Anstrengungen zur Durchsetzung der eigenen Interessen angenommen. Wähler und Politiker spielen demnach eine geringere Rolle als die Interessengruppen, da erstere lediglich als Übermittler des Drucks agieren. 9 In Konsequenz wird das Wählen selber auch nicht betrachtet. Becker geht davon aus, dass die Interessengruppen mit dem Druck auch das Wahlverhalten beeinflussen und so die Wähler zu nicht unabhängige Entscheidungen veranlassen. Während man im privaten
6 Pritzl, S. 211
7 Pritzl, S.203
8 im Original: „Pressure Groups“, im Folgenden mit Interessengruppen übersetzt
9 Becker, S. 371 f.
3
Bereich gut informiert ist und dementsprechende Entscheidungen fällt, sei der rationale Entscheider über die Politik und deren Folgen weitaus weniger informiert, da sie ihn nur sekundär beträfen, so Becker. 10 Dementsprechend leicht wäre man auch von politisch aktiven Interessengruppen und dem von ihnen ausgeübten Druck beeinflussbar. So lässt Becker in Konsequenz dieser Annahmen jegliche Form der Koalitionsbildung und fixen Wählerpräferenzen außer Betracht.
Der herausragendste Unterschied zu anderen Aufsätzen zum Thema Rent Seeking liegt in Beckers Analyse darin, dass er die Wohlfahrtskosten betrachtet, die bei der Umverteilung zwischen dem gezahlten und dem empfangenen Betrag liegen. Dies sind Kosten und Verluste, welche vor allem die Organisation von Interessengruppen, das Trittbrettfahrer-Problem, Anreizverzerrungen sowie Transaktionskosten mit sich bringen. 11 Becker geht zunächst von zwei Gruppen aus, von denen die eine durch den Staat subventioniert, die andere besteuert wird. Als Beispiel kann man subventionierte Landwirte betrachten, die am Status Quo festhalten wollen, und demgegenüber Steuerzahler oder ausländische Interessenvertreter der L andwirtschaft, die diese Gegebenheiten verändern wollen.
Er geht davon aus, dass das gesamte Steueraufkommen aus der einen Gruppe zur Subventionierung der anderen Gruppe dient. Dadurch ist auch gegeben, dass eine Erhöhung des Einflusses der einen Gruppe Veränderungen in den Steuer- und Subventionsgegebenheiten, sowie eine Verminderung des Einflusses der anderen Gruppe hervorruft. 12 Ein politisches Gleichgewicht ist dann erreicht, wenn alle Interessengruppen – unter Verwendung des optimalen Ausmaßes an politischem Druck – ihre Einkommen maximiert haben. 13 In den folgenden Kapiteln werden zunächst zwei rivalisierende Gruppen betrachtet, ihr politischer Einfluss, Wettbewerb untereinander, resultierende Zusatzkosten 14 und Umverteilung, bevor im Kapitel 2.4 der Fall mehrerer Interessengruppen analysiert wird.
10 ebenda, S. 392
11 ebenda, S. 393 12 ebenda, S. 372 13 ebenda, S. 372 14 Im Original: „Deadweight Costs“
4
Quote paper:
Falk von Möllendorff, 2004, Rent Seeking, Munich, GRIN Publishing GmbH
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