Danksagung
In erster Linie bedanke ich mich bei meinen Eltern, und insbesondere bei meinem Vater, der mich während der Recherche für diese Arbeit maßgeblich unterstützt hat. Bei Herrn Dipl.-Ing. Horst Lackner und Kurt Marek vom Geschichteklub Donawitz bedanke ich mich für die freundliche und wesentliche Unterstützung bei der Materialsuche für diese Arbeit in Form von Hinweisen, Interviews und Zugang zu wichtigen Quellen im Archiv des Geschichteklubs.
Bei meinen Recherchen im Sommer dieses Jahres im Archiv des ORF haben mich Dr. Alexander Hecht und Mag. Johannes Kraus mit Rat und Tat unterstützt, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke.
Für den Zugang zum Archiv und die Zusendung von Materialien bedanke ich mich beim Kommando der Betriebsfeuerwehr Voestalpine Stahl Donawitz GmbH, und für die Vermittlung von Interviewpartnern bin ich Herrn Manfred Schmid sehr zu Dank verpflichtet. Schließlich bedanke ich mich bei allen Interviewpartnern, die bereit gewesen sind, mit mir bei sich zu Hause, in Kaffeehäusern oder im Geschichteklub über ihre Erinnerungen zu sprechen, und so die Basis für diese Arbeit geliefert haben.
2
Vorwort
Die Idee für diese Arbeit entstammt einen Forschungsseminar, das ich im Rahmen der Pflichtfächer des zweiten Studienabschnittes des Diplomstudiums bei Professor DDr. Rathkolb besucht habe. In diesem Seminar ist die Gedächtnispolitik der Zweiten Republik das zentrale Thema gewesen.
Die vorliegende Arbeit widmet sich einer Gedächtniskultur im Sinne dieses Seminarsallerdings nur teilweise einer, die von den Eliten geprägt wird, wie etwa das heurige „Gedenkjahr“ 2005. Es wird hier untersucht, welche Dinge Gedächtnisinhalte der Bevölkerung sind, fernab von Ausstellungen und Inszenierungen der Regierung. In diesem Sinne soll diese Arbeit einen Beitrag dazu leisten, die andere Seite des Gedenkens zu beleuchten und Teile der Bevölkerung zu Wort kommen zu lassen, die in der Regel weniger schriftliche Zeugnisse hinterlassen als andere Schichten. Außerdem soll hier versucht werden, ein schwieriges Thema zu behandeln, nämlich die Aura eines Betriebes und eines Stadtteiles. Solche Phänomene äußern sich nur indirekt, und genau diese indirekten Hinweise sind für diese Arbeit von besonderem Interesse.
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Inhaltsverzeichnis
Danksagung 2
Vorwort 3
1 Einleitung. 5
2 Geographischer und historischer Rahmen 8
2.1 Geographie. 8
2.2 Geschichte 8
3 Die Erinnerungsorte des Mythos Alpine 11
3.1 Überblick 11
3.2 Tradition 13
3.3 Betrieb 16
3.4 Fortschritt 23
3.5 „Donawitzromantik“ 26
4 Schlussbemerkungen. 29
5 Anhang 30
5.1 Abbildungsnachweis. 30
5.2 Quellen und Literatur 30
4
1 Einleitung
Am 9. Mai 2003 leitet ein Auftrag der österreichischen Bundesregierung das Ende einer Ära ein. Die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) wird beauftragt, ihre Anteile an der Voestalpine AG zur Gänze zu verkaufen, und dieser Auftrag wird etwa einenhalb Monate später auch konkretisiert. 1 Damit endet für den österreichischen Stahlkonzern nach tatsächlich erfolgter Privatisierung die Zugehörigkeit zur so genannten verstaatlichten Industrie, die 47 Jahre zuvor, knapp nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, begonnen hat. Die Vorgänge rund um die Privatisierung rufen Belegschaftsvertreter, Gewerkschafter, Arbeiter und Angestellte der Voestalpine AG auf den Plan, die über Monate hinweg gegen die Privatisierung protestieren. Wenngleich die Aktionen letztlich von keinem Erfolg gekrönt gewesen sind, so zeigt ihre Anzahl und Dauer 2 , dass hier ein großes emotionales Potential freigesetzt worden ist. In der im Anschluss vom Betriebsrat herausgegebenen Publikation zu den Protesten wird dann auch explizit von einem besonderen „VOEST-Geist“ 3 gesprochen, der im Zuge des Wiederaufbaus entstanden sei.
Die Annahme einer solchen mentalen Sonderstellung der Voestalpine AG im Bewusstsein vieler Menschen, insbesondere an den historischen und aktuellen Standorten des Konzerns, liegt dieser Arbeit zugrunde. Ich stamme selbst aus Leoben, dessen Stadtteil Donawitz einen der ältesten Teile des Konzerns beherbergt. Über Jahre hinweg habe ich eine schwer greifbare Aura der eisenverarbeitenden Betriebe und des Stadtteiles Donawitz beobachten können, deren Ausläufer sich materiell in den großen Fabrikanlagen und mental in dem oft zu Tage tretenden Stolz der dort beschäftigten Arbeiter zeigen. Diese Aura der Betriebe in Donawitz, man kann es auch einen Mythos nennen, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Was den Mythos ausmacht, und wie er entstanden sein kann, sind daher zentrale Fragestellungen, die die Untersuchungen geleitet haben.
Das Untersuchungsobjekt selbst steht in einem größeren Rahmen, denn die Voestalpine AG und ihre eigenständigen Vorgänger sind über fast die gesamte bisherige Dauer der Zweiten Republik ein wichtiger Teil der verstaatlichten Industrie Österreichs. Somit sind sie auch Teil der nationalen Wirtschaftsentwicklung in der Zeit, die von Walter Sonnleitner zu Recht als
1 Vgl. Internetseite der Österreichischen Industrieholdung AG: News Archiv. http://www.oeiag.at/asp/archiv_lang.asp?id=443. Zuletzt besucht am 07.10.2005.
2 Vgl. Konzernbetriebsrat der voestalpine AG (Hg.): du voest mir. Texte/Bilder/Fakten. Das Buch wider das Vergessen zur Voest-Privatisierung. Wien, 2004. (im Folgenden zit. als Voest) S. 53-95
3 Voest S. 10
5
„dynamisch“ 4 bezeichnet wird. Daher ist ein „Mythos Voestalpine“ immer eng mit der großen Erzählung des Wiederaufbaus und der des Wirtschaftsaufschwungs verbunden, und wie später zu zeigen sein wird, ist dies auch von Politikern in den 50er Jahren genau so gesehen worden. Da ein so umfassendes Thema im Rahmen einer Seminararbeit nicht sinnvoll zu bewältigen ist, beschränkt sich diese Arbeit auf einige Aspekte dieses größeren Ganzen: Das Hauptaugenmerk wird auf die Betriebe der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft 5 (ÖAMG) in Donawitz in den Jahren 1945 bis 1973 gelegt. Dieser regionalgeschichtliche Fokus ist nicht zuletzt durch die Nähe des Autors zum Ort der Untersuchung bedingt und bringt die bekannten Probleme des Spannungsfeldes zwischen dem Allgemeinen und dem Speziellen mit sich. In der Tat ist die Situation in Donawitz eine spezielle und nicht vollständig auf die Betriebe der Voestalpine AG an anderen Standorten übertragbar, zeigt aber Berührungspunkte zur „großen“ Geschichte und ist in einigen Fällen auch wesentlicher Bestandteil derselben. Im Abschnitt über die Struktur des Mythos wird bei Themen, die eine hohe Spezialität aufweisen, dieses Problem gesondert angesprochen. Darüber hinaus steht hier nicht die Ereignisgeschichte im Vordergrund, sondern es sind, wie oben erwähnt, mentalitätsgeschichtliche Fragestellungen, die die Untersuchungen geleitet haben. In diesem Sinne wird nicht untersucht, was alles passiert ist, sondern was sich in der Erinnerung der Menschen erhalten hat, also zu einem Gedächtnisort geworden ist. Der methodische Zugang dazu sind offene narrative Interviews, die im Frühjahr 2005 mit langjährigen Beschäftigten der Betriebe in Donawitz geführt worden sind. Interviewpartner sind sowohl drei Personen gewesen, die in leitenden Positionen tätig waren, als auch vier Personen, die vorwiegend manuelle Arbeiten in der Fertigung selbst ausführten. Während die leitenden Angestellten alle in den 50er Jahren im Werk zu arbeiten begonnen haben, sind die Arbeiter früher, nämlich zwischen 1946 und 1952 ins Werk gekommen. Die Interviews bestehen aus einem freien Teil, in dem der Interviewte zuerst frei von seiner Arbeit im Werk erzählt, und einem Nachfrageteil, wo konkret auf im ersten Teil auftauchende interessante Aspekte eingegangen wird und sich der Fokus auf den Mythos richtet. Wiederholt in den Interviews auftretende Themen sind herausgegriffen, näher untersucht und zu wahrscheinlichen Teilbereichen des Mythos zusammengefasst worden. Diese Methode eignet sich ausschließlich dazu, die Richtung aufzuzeigen, in die zukünftige Forschungen gehen können. Ein darüber hinaus gehender Anspruch verlangt einerseits eine größere Anzahl
4 Sonnleitner, Walter: Dynamische Wirtschaft. In: Mück, Werner (Hg.): Österreich. Die Zweite Republik. Wien, 2004. (im Folgenden zit. als Mück) S. 77
5 Zur geschichtlichen Verortung der ÖAMG siehe unten Kapitel 2.2
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von Interviews und andererseits eine komplette Sichtung der in dieser Arbeit nur in Auszügen verwendeten Zusatzquellen.
Die Interviews sind Quellen für die Gedächtnispolitik „von unten“, wie sie von der Masse der Bevölkerung fernab der Inszenierungen und Gedächtnisangebote von Bildungs- und Politikeliten betrieben worden ist. Diese Arbeit stellt daher auch an einigen Stellen die Frage, welche Elemente des Gedächtnisortes Alpine von den Eliten ausgehen und welche von der Basis geschaffen worden sind.
Hinweise auf Gedächtnisangebote der Eliten an die Bevölkerung geben die in dieser Arbeit ebenfalls verwendeten zusätzlichen Quellen. Mit den durch die Interviews gefundenen Themen beziehungsweise Teilbereichen im Hintergrund habe ich in Archiven nach alternativen Quellen für diese Komponenten gesucht und eine breite Repräsentation derselben in medialen Quellen wie Filmen, Fernsehsendungen, Fotografien und Zeitungen gefunden. Darüber hinaus sind auch lebensgeschichtliche Aufzeichnungen, Reden von Politikern bei bewussten Inszenierungen und Publikationen des Unternehmens oder mit der Geschichte des Standortes beschäftigter Privatpersonen in diese Arbeit eingeflossen. Fotografien sind hier als festgehaltene Teile des Mythos Alpine zu sehen, die selbst wieder zu einer Verfestigung desselben beitragen, indem sie reproduzierbare und reproduzierte Ikonen schaffen. Filme und Fernsehsendungen weisen einerseits auf von den Eliten ausgehenden Inszenierungen hin und zeigen die Repräsentation des Mythos Alpine in den Medien, insbesondere im jüngsten Medium der Zweiten Republik, dem Fernsehen. Zeitungsartikel und Reden belegen wiederum die Gedächtnispolitik, die von Eliten verfolgt worden ist, und die auch Eingang in den Mythos Alpine gefunden hat.
Diese Quellen werden eine wesentliche Rolle im Hauptteil der Arbeit spielen, zuvor ist es allerdings angebracht, einen Überblick über die Rahmenbedingungen des Mythos Alpine zu geben. Dazu gehört einerseits ein Blick auf die Geographie der Obersteiermark, und andererseits eine Skizzierung deren geschichtlicher Entwicklung im Hinblick auf die Montanindustrie. Um die Situation nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Donawitz besser verständlich zu machen, ist es zudem notwendig, im folgenden Kapitel auch die Entstehung und Unternehmensgeschichte der ÖAMG zu umreißen.
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2 Geographischer und historischer Rahmen
2.1 Geographie
Die Obersteiermark ist von ihrem gebirgigen Charakter und großen Längstälern geprägt, diebis auf eine Ausnahme - grob gesprochen von Südwesten nach Nordosten verlaufen. Ein solches Tal im Norden der Obersteiermark ist etwa das Ennstal, im Süden trifft diese Beschreibung auf das Mur- und Mürztal zu. Die geologische Situation, also das Vorkommen von Mineral-Lagerstätten, ist jedoch in den drei Tälern nicht gleich. Während das Ennstal keine großen Kohlelagerstätten aufzuweisen hat, befinden sich im Murtal mit Fohnsdorf bei Judenburg und Seegraben bei Leoben zwei wesentliche Braunkohlelagerstätten. Dazu kommen im Mürztal die Vorkommen von Parschlug bei Kapfenberg, die gemeinsam mit den Vorkommen rund um Köflach im Süden der beiden Täler ein reichhaltiges Angebot an Braunkohle darstellen. 6
Dazu kommen reichhaltige Vorkommen karbonatischer Eisenerze nördlich der Mur-Mürzfurche. 7 Die größten davon befinden sich in Radmer und am Erzberg bei Eisenerz. Letzterer ist ein wichtiger Erzlieferant für die ÖAMG gewesen und ist es auch für ihre Nachfolgerin, die Voestalpine an den Standorten Donawitz und Linz bis in die Gegenwart. Darüber hinaus ist dieser Berg als eine Ikone der österreichischen Wirtschaft in der Zweiten Republik ebenso anzusehen, wie als eines der Wahrzeichen des Landes Steiermark. 8 Daneben sind die in der gesamten Obersteiermark starke Bewaldung, die zur Erzeugung von Kohle herangezogen worden ist, und die Bedeutung der Mur als Wasserweg, sowohl für Holz, als auch für Erzeugnisse der Eisenindustrie, zu erwähnen.
2.2 Geschichte
Die geographischen Rahmenbedingungen haben die Entstehung einer eisenverarbeitenden Industrie im Bereich der Mur-Mürzfurche begünstigt. Um den Erzberg entsteht bereits im Mittelalter eine große Anzahl an Eisenschmelzen. Diese werden in weiterer Folge zu losen Verbänden zusammengeschlossen, die vor allem Interessen wie eine gesicherte
6 Vgl. Friedrich, O.M.: Mineral-Lagerstätten der Steiermark. In: Amt der Steiermärkischen Landesregierung (Hg.): Der Bergmann. Der Hüttenmann. Gestalter der Steiermark. Katalog der 4. Landesausstellung 1968. Graz, 1968. (im Folgenden zit. als Bergmann) Die zitierte Stelle, bei der es sich um eine Karte handelt, befindet sich im Anhang des Kataloges.
7 Vgl. Bergmann
8 Vgl. Internetseite des Landes Steiermark: http://www.steiermark.at/. Zuletzt besucht am 16.10.2005. Auf der Startseite der offiziellen Internetseite des Landes Steiermark ist der Erzberg neben Ansichten alpiner Flora und Fauna eines der wenigen Bilder und ist ebenso im Sortiment der „E-Cards“ als Motiv zu finden.
8
Arbeit zitieren:
Stefan Wedrac, 2005, Der 'Mythos Alpine' - Ein österreichischer Gedächtnisort der Zweiten Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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