Gliederung
1. Einleitung (Seite 1)
2. Rezeptionsgeschichtlicher Zugang zur Literatur (Seite 1 7)
2.1. Erläuterung der Begriffe Rezeptionsgeschichte bzw ästhetik und Wirkungsästhetik
(Seite 1 5)
2.2. Wandel der Zeit und Kritik an der Theorie von Iser (Seite 6 7)
3. Auseinandersetzung mit einer Interpretation von Goethes „Iphigenie“ (Seite 7
10)
4. Schluss (Seite 10)
5. Literaturverzeichnis (Seite 11)
II
1. Einleitung
In der Literaturwissenschaft stand jahrzehntelang die Tatsache im Mittelpunkt, dass Texte geschrieben werden, das heißt, es ging vor allem um die Produktions- und Darstellungsästhetik der Literatur. Die Rolle des Lesers wurde in die Untersuchungen nicht mit einbezogen. Dies änderte sich mit den Rezeptionstheorien von Hans Robert Jauß und dem Modell der Wirkungsästhetik von Wolfgang Iser, die sich mit dem vernachlässigten Bereich des dritten Standes, sprich dem Leser, auseinandersetzen. Beide Wissenschaftler haben in ihren abstrakten Theorien die Rolle des Publikums, das Leseverhalten und den Leseakt untersucht.
Die Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit den Theorien der Rezeptionsästhetik bzw. – geschichte und Wirkungsästhetik und erläutert diese. Doch auch Kritik an den Modellen und die Weiterentwicklungen der literarischen Zugänge im Wandel der Zeit werden behandelt. Anhand einer Interpretation von Hans Robert Jauß zu Goethes „Iphigenie“ werden die Theorien verdeutlicht.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Thema sehr komplex ist und nicht ganz einfach zu verstehen. Demzufolge besitzt auch die Literatur einen hohen wissenschaftlichen Anspruch. Selbst Lexikonartikel, die eigentlich helfen, einen groben Überblick über ein Thema zu erhalten oder dies vereinfachen, bringen keinen großen Fortschritt im Themaverständnis. Es muss sich somit sehr intensiv mit der Literatur auseinander gesetzt werden. Hilfreich ist es auch, sich den komplexen Theorien über ihre Anwendungen, sprich Interpretationen, anzunähern.
2. Rezeptionsästhetischer Zugang zur Literatur
2.1. Erläuterung der Begriffe Rezeptionsästhetik bzw. –geschichte und Wirkungsästhetik
Die Rezeptionsästhetik bzw. –geschichte nach Hans Robert Jauß ist ein wichtiger Aspekt der Entwicklung der neuen Literaturtheorie, der Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts
1
entstand, mit Anstößen der literarischen Hermeneutik. 1 Die Rezeptionstheorien bezwangen die Unlösbarkeiten der immanenten und produktionsästhetischen Literaturtheorien und Interpretationsmodelle. Der wissenschaftliche Ausgangspunkt dafür lag in der Einsicht, dass die bisher dominierenden „Darstellungs- und Produktionsästhetiken keine Lösung der Frage anzubieten hätten, wie die geschichtliche Folge literarischer Werke als Zusammenhang der Literaturgeschichte zu begreifen sei“ 2 . Die Leistung der Rezeptionsästhetik bestehe darin, über die Bedeutung, die dem literarischen Text im historischen Kontext von Produktion und Konsumtion zukommt, Auskunft zu geben. Dabei verstehe man den Text als Netzwerk von an den Rezipienten gerichteten Appellstrukturen. 3 Jauß definiert die Rezeptionsgeschichte als die „sukzessive Entfaltung eines im Werk angelegten, in seinen historischen Rezeptionsstufen aktualisierten Sinnpotentials, das sich dem verstehenden Urteil erschließt, sofern es die ‚Verschmelzung der Horizonte’ in der Begegnung mit der Überlieferung kontrolliert vollzieht“ 4 . Auch werde Literaturgeschichte nicht mehr als isolierte Geschichte von Werken und Autoren angesehen, sondern erfahre eine Verankerung im Rahmen der allgemeinen Geschichte. 5 Jauß ’ rezeptionsgeschichtlicher Zugang zur Literatur widmet seine Aufmerksamkeit nicht mehr nur dem Autor und dem von ihm verfassten Text, sondern in erster Linie der Rolle des Lesers. In diesem Zusammenhang werde Literatur als Kommunikationsprozess aufgefasst. Damit stelle diese Theorie „eine Gegenreaktion auf formalistische und strukturalistische Ansätze (Strukturalismus) sowie auf die Darstellungsästhetik des New Criticism“ 6 dar. Grund dafür sei, dass die Rezeptionsästhetik den ästhetischen und historischen Gesichtspunkt der Literaturgeschichte und „deren wechselseitige Vermittlung aufzeige n wolle, um den Zusammenhang zwischen vergangener Erscheinung der Dichtung und der gegenwärtigen Erfahrung durch den heutigen Leser wiederherzustellen“ 7 .
Voraussetzung dafür sei aber, dass der Leser keine passive Instanz, sondern einen aktiven Faktor darstelle, der das historische Dasein von Werken in notwendigem Maße beeinflusse. 8 Denn erst im Leseprozess werde der Text „durch die Interaktion mit dem Leser komplettiert
1 Vgl.: Zapf, Hubert: Rezeptionsgeschichte, in: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze – Personen – Grundbegriffe, 2. Aufl., Stuttgart, Weimar 2001, S. 553.
2 Müller, Jürgen E.: Literaturwissenschaftliche Rezeptions- und Handlungstheorien, in: Neuere Literaturtheorien. Eine Einführung, hg. von Klaus Michael Bogdal, 2. Auflage, Opladen 1997, S. 182.
3 Antor, Heinz: Rezeptionsästhetik, in: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze – Personen – Grundbegriffe, 2. Aufl., Stuttgart, Weimar 2001, S. 549.
4 Zapf [Anm. 1], S. 553.
5 Müller [Anm. 2], S. 181.
6 Antor, [Anm. 3], S. 549.
7 Müller [Anm. 2], S. 182f.
8 Müller [Anm. 2], S. 183.
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Ragna Iser, 2005, Rezeptionsgeschichtliche Zugänge von Hans Robert Jauß und Wolfgang Iser mit Verdeutlichung an Goethes Iphigenie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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