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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Chronologie der Orthographiereform 3
3. Ein Vergleich der reformierten Duden-Auflagen von 1991 bis 2004 6
4. Die Veränderung des Schriftbildes nach der Orthographiereform 8
5. Problemfälle nach der Neuregelung der deutschen Orthographie 9
5.1 Die Laut-Buchstaben- Zuordnung 9
5.2 Die Getrennt- oder Zusammenschreibung 11
5.3 Die Schreibung mit Bindestrich 12
5.4 Die Groß- und Kleinschreibung 13
5.5 Die Zeichensetzung 14
5.6 Die Worttrennung am Zeilenende 15
6. Falsche Anwendung der neuen Rechtschreibregeln 16
7. Der aktuelle Stand der Orthographiereform 17
Inhaltsverzeichnis……………………………………………………………………… 19
3
1. Einleitung
Über Jahrhunderte hinweg hat sic h die deutsche Orthographie oder auch Rechtschreibung zu dem entwickelt, was sie bis Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war. Im Jahre 1996 wurde jedoch von den offiziellen Vertretern der deutschsprachigen Staaten die sogenannte „Wiener Absichtserklärung“ unterzeichnet, um die deutsche Orthographie neu zu ordnen. Seitdem herrscht im deutschen Sprachgebiet ein regelrechtes Chaos. Kaum mehr jemand weiß eigentlich wie er richtig schreiben soll. In den deutschen Schulen wird mittlerweile eine Rechtschreibung unterrichtet, welche außerhalb der Schulen niemand wirklich anwendet. Die meisten Verlage und Presseagenturen folgten zunächst dieser Neuregelung, viele von ihnen kehrten jedoch im Jahre 2004 wieder zur alten und bewährten Rechtschreibung zurück, da sie diese im Endeffekt doch für „praktikabler“ halten. Ich möchte im Folgenden einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der neuen deutschen Orthographie geben, sowie die Veränderungen des Duden-Wörterbuches der letzten zwei Jahrzehnte aufzeigen. Anschließend soll ein Überblick über das System der neuen Orthographie gegeben werden, und zudem die wichtigsten Neuregelungen und Problemfälle erläutert werden. Zum Ende meiner Arbeit möchte ich dann noch eine kurze Zusammenfassung über die aktuelle Arbeit und die Ergebnisse des „Rates für deutsche Rechtschreibung“ geben.
2. Die Chronologie der Orthographiereform
Die Orthographiereform, dessen unmittelbare Auswirkungen erst gegen Ende der n eunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sichtbar wurden, begann in seinen Anfängen bereits gegen Ende der siebziger Jahre.
Im März des Jahres 1977 wurde am „Institut für deutsche Sprache“ in Mannheim die „Kommission für Rechtschreibfragen“ gegründet. Diese Kommission trat in seiner Funktion an die Stelle eines amtlich berufenen Gremiums. Im August 1980 schlossen sich die „Kommission für Rechtschreibfragen“ der Bundesrepublik und die „Forschungsgruppe Orthographie“ der damaligen DDR mit der „Arbeitsgruppe Rechtschreibreform der schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren“ und der „Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe des Koordinationskomitees für Orthographie beim Bundesministerium für Unterricht und Kunst“ aus Österreich zusammen. Anlässlich eines Germanistenkongresses in Basel gründeten diese Kommissionen den „Internationalen Arbeitskreis zur Rechtschreibreform“. 1
1 Schneider, M., S. 14
4
1986 trafen sich die Vertreter der vier deutschsprachigen Staaten in Wien zu den sogenannten „1. Wiener Gesprächen zu Fragen der Rechtschreibreform“. Sie wollten zukünftig die Rechtschreibung den „heutigen Erfordernissen anpassen“ und die Regeln vereinfachen, welche im Laufe der Zeit zu kompliziert geworden waren.
Das Bundesinnenministerium und die Kultusministerkonferenz beauftragten 1987 das „Institut für deutsche Sprache“ (IdS) in Zusammenarbeit mit der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) ein Regelwerk zu entwerfen, welches im Oktober 1987 offiziell an die staatlichen Vertreter übergeben wurde. In der Presse kam es daraufhin zu heftigen Protesten. Deshalb gründete die Kultusministerkonferenz (KMK) die „Arbeitsgruppe Rechtschreibreform“ um die Neuregelungsvorschläge zu prüfen. 2
Im März 1990 kam es zu den „2. Wiener Gesprächen“, in deren Folge vereinbart wurde, dass die Kommissionen der deutschsprachigen Länder einen ge meinsamen Neuregelungsvorschlag vorlegen sollten. 1992 legte dann der „Internationale Arbeitskreis für Orthographie“ den Neuregelungsvorschlag von 1988 erneut vor. In dieser Sitzung wird sich vor allem für die Variante der Substantivkleinschreibung ausgesprochen.
Im Jahr 1994 folgten die „3. Wiener Gespräche“, bei welchen der Neuregelungsvorschlag schließlich, mit einigen Änderungen, angenommen wurde. Ebenso wurde beschlossen, dass die neue Rechtschreibung Ende 1995 von den deutschsprachigen Staaten unterzeichnet und zum Schuljahr 1996/97 in den Schulen eingeführt werden soll. Gegen Ende des Jahres 1995 beschloss die Kultusministerkonferenz die neue Rechtschreibung zum 1. August 1998 einzuführen, wobei jedoch bis 31. Juli 2005 eine Übergangsphase gelten sollte. Im Juli 1996 stimmten die Vertreter der deutschsprachigen Staaten in der „Wiener Absichtserklärung“ offiziell der Neuregelung zu. Bereits einen Tag nach dieser Absichtserklärung erschien das erste Rechtschreibwörterbuch in neuer Orthographie im Bertelsmann - Verlag, welches jedoch das amtliche Regelwerk an einigen Stellen fehlerhaft umsetzte. Einen Monat später, im August 1996, erschien auch der Duden in seiner 21. Auflage, welcher im Vergleich zum Bertelsmann Rechtschreibwörterbuch weniger fehlerhaft ist. In Folge der „Wiener Absichtserklärung“ regte sich jedoch heftiger Widerstand gegen die neue Reform: nicht nur große Nachrichtenmagazine wie der „Spiegel“ oder diverse Politiker, sondern sogar rund hund ert Schriftsteller unterzeichneten im Oktober 1996 die sogenannte „Frankfurter Erklärung“ gegen die Rechtschreibreform. Der Protest mancher Gruppierungen führte sogar bis zu mehreren Volksbegehren in einigen Bundesländern. 3
2 Kuhlmann, H., S. 5
3 Schneider, M., S. 16 ff.
5
Daraufhin verteidigte die Kultusministerkonferenz im Februar 1997 die geplante Reform und forderte sogar ein Verbot der Volksbegehren. Darin erklärte sie, dass die „Neuregelung der Rechtschreibung in der gemeinsamen Verantwortung von Bund und Ländern und in Abstimmung mit den anderen deutschsprachigen Staaten in einem langjährigen Beratungsprozess erarbeitet (…) wurde“. Ebenso sei sie „nach wie vor von der inhaltlichen Richtigkeit und Anwendbarkeit der Neuregelung überzeugt“. Darüber hinaus ist sie „auch nicht bereit, auf Kosten der jungen Generation dem Unwillen gegenüber Veränderungen entgegenzukommen, denn dadurch würde blockiert, dass sich auf Dauer wieder mehr Menschen in ihrer Sprache sicher fühlen können“. 4
Im Juni 1997 beschlossen die Innenminister der Bundesländer die Einführung der neuen Schreibweise für den Behördenschriftverkehr zum 1. August 1998. Im März 1998 kam es jedoch zu einem großen Durcheinander in den Bundesbehörden, als der Bundestag auf Empfehlung des Rechtsausschusses die Bundesregierung aufforderte, die Umsetzung der Reform im Behördenschriftverkehr vorerst wieder auszusetzen. Am 1. August 1998 trat die neue Rechtschreibung offiziell an allen Schulen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Liechtenstein in Kraft. Bis zum 31. Juli 2005 wurde jedoch eine Übergangszeit festgelegt, in welcher sowohl die „alte“ als auch die „neue“ Rechtschreibung gültig sind.
1999 stellten die meisten deutschsprachigen Nachrichtenagenturen, Bundesbehörden sowie Zeitungen auf die neue Schreibweise um. Die meisten von ihnen pflegten jedoch ihre „separaten, eigenen Hausorthographien“, welche die neue Schreibweise nicht zu hundert Prozent umsetzten. 5
Im August 2000 stellten schließlich auch die Behörden der Europäischen Union auf die neue Schreibweise um. Hingegen kehrte aber zum Beispiel die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), eine der auflagenstärksten deutschen Zeitungen, zur alten Rechtsschreibung zurück, da sich die Neuregelung nicht bewährt habe. Nur wenige später, am 25. August 2000 erschien die 22. Auflage des Rechtschreib-Dudens. Diese enthielt jedoch , anders als die Zwischenstaatliche Kommission beteuerte, eine Reihe von Schreibungen, welche sich aus dem amtlichen Regelwerk allerdings nicht ableiten ließen. 6
In den Jahren 2001 bis 2003 regte sich weiterhin heftiger Widerstand gegen die Reform. Zu erheblichen Unruhen in der Presse kam es allerdings erst 2004, als der „vierte Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission“ an die Öffentlichkeit gelangte. Dieser Bericht sagte aus,
4 Erklärung der KMK vom 27.2.1997
5 Kuhlmann, H., S. 8 ff.
6 Schneider, M., S. 28
6
dass die neue Rechtschreibreform nun erneut „reformiert“ werden sollte und dass sich die Kommission ab sofort weitgehend von der Zuständigkeit der Kultusminister befreien wolle. Im Sommer 2004 erschien die 23. Auflage des Rechtschreib-Dudens. Diese Ausgabe hatte gegenüber der 22. Auflage aus dem Jahr 2000 nur wenige Änderungen, und ließ vor allem in etlichen Fällen sowohl die getrennte als auch die zusammenhängende Schreibweise zu. (Nähere Ausführungen dazu in Kapitel 3.)
Im Dezember 2004 wurde schließlich der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ gegründet. Er bekam zur Aufgabe, die Neuregelung der Schreibweise bis zum 1. August 2005 zu korrigieren. Den Vorsitz dieses „Rates“ hat der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair inne. Er verkündete unlängst, dass jetzt „viel stärker an den Leser gedacht werden muss“. Ein Kernstück der Neuregelung, die Getrennt- und Zusammenschreibung ist vom „Rat“ mittlerweile so gut wie gestrichen worden. Auch wenn dem Auftraggeber des „Rates“, der Kultusministerkonferenz (KMK), dieser Eifer nicht besonders gefällt, so will sich „der Rat für deutsche Rechtschreibung bis zum Sommer noch die Silbentrennung am Zeilenende, die Schreibung von Fremdwörtern sowie eventuell auch die Groß- und Kleinschreibung vorknöpfen“. 7
3. Ein Vergleich der reformierten Duden-Auflagen von 1991 bis 2004
Der Versuch der Neurege lung der deutschen Orthographie hat in den letzten zwei Jahrzehnten große „Unruhe“ unter Fachleuten sowie in der Bevölkerung hervorgerufen. Selbst vermeintliche Experten, wie zum Beispiel Deutschlehrer, wissen mittlerweile nicht einmal mehr genau, welche R echtschreibung sie ihren Schülern nun beibringen sollen. Ein Hauptgrund dieser „Verwirrung“ über die nun tatsächlich geltende Orthographie ist mit Sicherheit auch die Tatsache, dass alleine in den letzten dreizehn Jahren vier Auflagen des deutschen Rechtschreib-Dudens erschienen sind.
Im Jahre 1991 wurden die beiden deutschen Duden-Rechtschreibwörterbücher zum sogenannten „gesamtdeutschen“ Duden in der 20. Auflage vereinigt. 1996 erschien zunächst ein Rechtschreibwörterbuch in neuer Orthographie im Bertelsmann-Verlag. Nur ein Monat später, im August 1996 folgte die 21. Auflage des Dudens, in welchem nun die Neuregelungen der „Kommission für Rechtschreibfragen“ erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die wohl gravierendsten Änderungen waren die neue Stärkung des Stammprinzips durch Umlautschreibung (zum Beispiel „Gämse“ oder „Stängel“), der Wegfall der
7 http://www.spiegel.de (3)
Arbeit zitieren:
Michael Katheder, 2005, Die Orthographiereform, München, GRIN Verlag GmbH
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