Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang
Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
1. Merkmale des offenen Dramas in Goethes
G ötz von Berlichingen 4
2. Wirkungsunterschiede gegenüber geschlossenen
(antiken) Drama 7
3. Die zeitgenössische Rezeption des neuen Goethe -Dramas
G ötz von Berlichingen 9
Bibliographie S. 15
2
Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang
Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe
1. Einleitung
Diese Arbeit stellt sich die Aufgabe, die neue Form des Dramas, welche die Epoche des Sturm und Drang hervorbringt und später von der Literaturwissenschaft als offenes Drama bezeichnet wird, anhand von Johann Wolfgang Goethes Götz von Berlichingen zu charakterisieren. Zudem soll thematisiert werden, wie die Zeitgenossen Goe thes auf die Umgestaltung der Dramentheorie reagierten und wie das neue Stück in der zeitgenössischen Rezeption bewertet wurde.
Die formellen Änderungen in der Dramentheorie und deren Einführung stehen also in meiner Arbeit im Vordergrund, weshalb andere Neuerungen, wie beispielsweise die Historizität des Protagonisten Götz von Berlichingen und somit die Schaffung eines deutschen historischen Dramas, hier nicht weiter besprochen werden.
Im England des 16. Jahrhunderts entstand mit dem englischen Dramatiker und Dichter William Shakespeare (23.04.1564-23.04.1616) eine neue Form des Dramas. Dieser junge Dichter, der virtuos vielschichtige Geschehnisse und psychologische Verwicklungen in seinen Dramen verarbeitete, richtete sich so gegen die übermittelten antiken starren drei Einheiten des Ortes, der Zeit und der Handlung. Durch wandernde englische Schauspielgruppen gelangen diese Stücke allmählich nach Mitteleuropa und standen in starkem Kontrast zu den klassischen Regeldramen und den französischen Vertretern dieser Dramentheorie. „Die neue Poetologie nennt die von Shakespeare initiierte Dramenform die offene Form, im Gegensatz zur klassischen (antiken) geschlossenen Form“ 1
3
Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang
Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe
2. Merkmale des offenen Dramas in Goethes Götz von Berlichingen
„Durch die fortdauernde Teilnahme an Shakespeares Werken hatte ich mir den Geist so ausgeweitet, dass mir der enge Bühnenraum und die kurze, einer Vorstellung zugemessene Zeit keineswegs hinlänglich schienen, um etwas Bedeutendes vorzutragen. Das Leben des biederen Götz von Be rlichingen, von ihm selbst geschrieben, trieb mich in die historische Behandlungsart, und auch meine Einbildungskraft dehnte sich der gestalt aus, daß auch meine dramatische Form alle Theatergrenzen überschritt und sich den lebendigen Ereignissen mehr und mehr zu nähern suchte.“ 2 Mit dem 1773 veröffentlichten Stück Götz von Berlichingen, das zum ersten Mal die Lebensgeschichte einer deutschen historischen Persönlichkeit künstlerisch verarbeitet, löst sich Goethe von der tradierten aristotelischen Dramentheorie und wendet sich hin zum neuen, offenen Drama nach dem Vorbild Shakespeares. Das Stück geht auf die Autobiographie des im 16. Jahrhundert lebenden Gottfried von Berlichingen zurück, wobei für Goethe die Nachweisbarkeit der historischen Fakten nicht im Vordergrund steht, obgleich er sehr gründlich recherchierte. Er stilisiert vielmehr seinen Götz zum letzten Reichsritter, der mit allen moralisch-ritterlichen Qualitäten schließlich einer neuen Zeitepoche unterliegt.
Mit der Konstruktion unterschiedlicher Handlungsräume durchbricht Goethe wichtige Merkmale des klassischen Dramas. So durchzieht die Handlung kein einheitlicher Ort und keine einheitliche, lineare Zeitstruktur. Unter den drei aristotelischen Einheiten von Ort, Zeit und
4
Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang
Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe
Handlung, die von den Griechen und Franzosen bis dahin als die wichtigsten Grundlagen der dramatischen Dichtung verstanden wurden, ist zu verstehen, dass die Orte überschaubar bleiben, dementsprechend wenige Ortswechsel stattfinden und die Spielzeit der gespielten Zeit entspricht. Unter Dass Goethe der Bruch mit diesen Regeln gelang, ist eindeutig, wenn man z. B. die 59 Szenenwechsel betrachtet, die dramatisch von einer Szenerie zur anderen schwenken und viele Parallelhandlungen schildern. Betrachtet man zudem das Altern von Carl, dem Sohn von Götz, so wird deutlich, dass hier sehr viel mehr geschildert werden soll als nur der Ausschnitt einiger weniger Stunden aus einem Leben. Es geht um eine dramatische Lebensgeschichte, die eine Entwicklung beleuchten soll. Goethe bindet außerdem die Ursache zwingend in das Drama ein, indem der Ursprung der Charaktere und somit auch der Ursprung der dramatischen Handlung von Anfang an einsichtig wird. Er erweitert sein Drama um zusätzliche Handlungsräume und weitet die Zeitstruktur aus. Dies hat durchaus seinen Sinn. Es gelingt ihm somit, zahlreiche Interdependenzen, zusätzliche Handlungsstränge und Erläuterungen in die Handlung einzubauen, die aber in ihrer Funktion jeweils auf die Hauptfigur Götz von Berlichingen hindeuten und so ihre Einheitlichkeit bewahren. In diesem Punkt musste Goethe auf Anraten Herders sein Drama anfänglich überarbeiten, da es ihm ganz offenbar in der Urfassung nicht sofort gelang, zielgerichtet alle
Handlungsstränge auf den Protagonisten hinzuleiten. In seinem autobiographischen Werk Dichtung und Wahrheit schreibt er rückblickend: „Ich teilte es Mercken mit, der verständig und wohlwollend darüber sprach; ich sendete es Herdern zu, der sich unfreundlich und hart dagegen äußerte…“. 3 Und weiter berichtet Goethe über seine Mühen, von der schönen Adelheid abzulassen, um konzentriert mit der Geschichte des Götz voranzukommen. Die
5
Arbeit zitieren:
Doreen Huber, 2004, Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang - Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Adenauer und die Deutsche Einheit
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Erzähltechnik in 'Berlin Alexanderplatz' - Analyse einiger aus...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 15 Seiten
Die drei Grundpositionen der deutschen Außenpolitik unmittelbar nach d...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 19 Seiten
Der Götz und der Urgötz - Ein Vergleich
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 26 Seiten
Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
Die Konstitution einer neuen R...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 101 Seiten
Iphigenie in Aulis - Versuch einer Darstellung aus rezeptionsgeschicht...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 44 Seiten
Die Großstadt als Wahrnehmungsherausforderung in Alfred Döblins Berlin...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
„Der Panther“ von Rainer Maria Rilke - Eine Interpretation
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Machtergreifung des Nationalsozialismus und Maßnahmen zur Machtsicheru...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Examensarbeit, 101 Seiten
Die Darstellung der Großstadt in Erich Kästners 'Fabian' und i...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Ziele und Wege bundesdeutscher Außenpolitik 1949-1955
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit, 20 Seiten
Die narrative Instanz in Kafkas Novelle 'Das Urteil'. Eine Ana...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Wäre eine Einheitsfront von KPD und SPD eine Alternative zur Tolerieru...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Seminararbeit, 23 Seiten
Formale Analyse des Gedichtes "Archaischer Torso Apollos" vo...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 12 Seiten
Religiöse und weltliche Erotik im Barock
Vergleich von Schefflers „Sie ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Urbane Lebensformen im Roman der ausgehenden Weimarer Republik - Der M...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 103 Seiten
Doreen Huber's Text Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang - Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Doreen Huber hat den Text Die neue Form des Dramas im Sturm und Drang - Die zeitgenössische Rezeption des Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe veröffentlicht
Doreen Huber hat einen neuen Text hochgeladen
Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werther
Inhalt - Hintergrund - Interpr...
Michael Rumpf, Rainer Lorenz
Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 2
Nachkriegszeit und Bundesrepub...
Notker Hammerstein
Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 1 + 2
Bd. 1: Von der Stiftungsuniver...
Notker Hammerstein
Plays: Johann Wolfgang Von Goethe: Egmont, Iphigenia in Tauris, Torqua...
Frank G. Ryder, Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang Goethe.10 Gedichte
Erläuterungen und Dokumente
Elisabeth Böhm, Johann Wolfgang von Goethe
Gedichte von Johann Wolfgang Goethe. Interpretationen
Johann Wolfgang von Goethe, Bernd Witte
Johann Wolfgang Goethe, Iphigenie auf Tauris
Inhaltsangabe, Analyse des Tex...
Johann Wolfgang von Goethe
0 Kommentare