Inhalt
Einleitung 3
I Filmanalyse 4
1. Intermedialität 4
2. Literaturverfilmungen 6
3. Die filmische Inszenierung von Luhrmanns Romeo Juliet 7
3.1. Strukturvergleich von Film und Bühnenvorlage 10
3.2. Videoclip-Ästhetik 10
3.3. Intermediale Zeichenhaftigkeit und Symbolik 12
3.4. Genrewechsel 15
3.5. Figurdarstellung Romeo 16
4. Rezeption des Films 17
II Fachdidaktik 18
5. Filmauswahl 18
6. Sequenz- und Aspektauswahl 20
7. Unterrichtsentwurf 21
Schlussbetrachtung 24
Literatur 26
2
Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Baz Luhrmanns Film William Shakespeare`s Romeo + Juliet (1996). Dabei ist in erster Linie die Eröffnungssequenz Untersuchungsgegenstand der Ausarbeitung, an der exemplarisch einige A spekte erläutert werden sollen, die sich im gesamten Film wiederfinden lassen.
Der Schwerpunkt liegt dabei in der Betrachtung der filmischen Erzählweise des modern inszenierten Klassikers und die intermediale Umsetzung des traditionellen Shakespeare„Stoffes“ in die heutige multimediale Zeit.
Dazu gehören als Kriterien u.a. die Kameraeinstellungen, Mise en Scène, Farben und Musik, aber vor allem auch die Schnittgeschwindigkeit, die sich den durch neue Medien und Videoclips veränderten Sehgewohnheiten der vorwiegend jugendlichen Zielgruppe anpasst. Im Gegensatz zu der Zeit in der Shakespeares Werk entstand, muss man Luhrmanns filmische Übertragung in unsere Zeit vor dem Hintergrund der veränderten gesellschaftlichen und technischen Gegebenheiten sehen. Er übersetzte den Klassiker von damals in eine zeitgemäße Form für das Publikum von heute, behielt dabei aber größtenteils den ursprünglichen Text bei. Neu ist bei der Transformation des ursprünglichen Bühnenstückes in einen „Hollywood-Streifen“ vor allem die Rolle der Medien und die damit verbundene Selbstreflexion der Thematik im Film und in der heutigen Gesellschaft. Sie ist gekennzeichnet von Schnelllebigkeit, Reizüberflutung und den mächtigen Einfluss der Medien und der Werbung auf die Menschen.
Die folgenden Gliederungspunkte wurden ausgewählt im Hinblick auf die spezifisch moderne und multimediale Umsetzung im Kontrast zu den traditione llen Verfilmungen von Shakespeares Werk. Und im Hinblick auf mögliche interessante und lohnenswerte Themen für eine Filmanalyse in der Oberstufe. D.h., dass die hier behandelten Aspekte zunächst immer einen b esonderen Fokus auf die filmanalytischen Gesichtspunkten haben, aber dennoch bereits einige didaktische Erläuterungen einfließen, auch wenn die Fachdidaktik erst im zweiten Teil der Ausarbeitung explizit zum Untersuchungsgegenstand wird.
In Verbindung mit der filmischen Erzählweise Luhrmanns, die den modernen Gegebenheiten, Anforderungen und medialen Gewohnheiten entgegenkommt, werden die Videoclip-Ästhetik
3
und auch die Zeichenhaftigkeit und Symbolik Thema der Arbeit sein. Denn sie sind Teil der Popkultur des 20. Jahrhunderts und tragen so zur Attraktion und Aktualität des Films für die Zielgruppe mit bei. Neben dem Einsatz filmischer Mittel ist allerdings ebenso die Wahl der Schauspieler und der Musik maßgeblich mit für den großen Kinoerfolg verantwortlich.
Hier deutet sich der Reiz dieses Filmes für Jugendliche an, welcher ein wicht iger Ansatzpunkt für die Verwendung im Unterricht ist. In Anlehnung an diesen Gedanken und im Rahmen der im Lehrplan für die Stufe 12 vorgesehenen Filmanalyse, wird der letzte Teil der Hausarbeit sich gesondert noch einmal der Auswahl, der Verwendung und einer möglichen didaktischen Umsetzung des Stoffes im Unterricht widmen.
I FILMANALYSE
1. Intermedialität
Die Intermedialität ist einer der Aspekte, durch die Luhrmanns Version von Romeo + Juliet sich von all den anderen Verfilmungen abhebt. Dem modernen Zeitgeist angepasst entschied er sich für eine gewagte Kombination aus aktualisierter Form des Klassikers im multimedialen Zeitalter mit bewusst beibeha ltenen traditionellen Elementen.
Die Intermedialität ist ein zentrales Thema in diesem Zusammenhang, zum einen durch die Rolle der Medien in Luhrmanns Film, aber auch durch die Darstellungsformen von Text, Bühnenform und Film. Der Begriff soll an dieser Stelle kurz näher beleuchtet werden.
Die komplexe Forschungsliteratur macht deutlich, dass unterschiedliche Konzeptansätze existieren, die sich nicht in eine „verbindliche“ Theorie vereinigen lassen.
Wolf (1998: 238) differenziert Intermedialität nach den beteiligten M edien wie etwa Literatur, bildende Kunst, Film oder Musik; nach der Dominanzbildung, nach der Quantität der intermedialen Bezugnahme, nach der Qualität des i ntermedialen Bezugs und nach der Genese. Dabei spricht er (1996) von der „primären Intermedialität“, die von Anfang an Teil des Werkkonzepts ist, g egenüber „sekundärer Intermedialität“, die erst im Nachhinein entsteht (wie oft bei Romanverfilmungen). Dabei umfasst das breite funktionale Spektrum von Intermedialität in der Literatur „das experimentelle Ausloten und Erweitern der Grenzen
4
des eignen Mediums, das Schaffen metafiktionaler/ästhetischer Reflektionsräume [...] oder die Stärkung, aber auch Unterminierung ästhetischer Illusion“ (Wolf: 239).
Aber gerade die Beschreibung der intermedialen Wechselbeziehungen stellt ein zu lösendes Problem dar. In diesem schwer fassbaren und definierbaren „Zwischenbereich“ gehört das (Ent-)Gleiten der Begriffe für Mecke und R oloff „paradoxerweise zum Prinzip der Intermedialität selbst“. Und dies wird von den Autoren gerade als „Überlegenheit gegenüber traditionellen Abgrenzungen und Systematisierungen der Fachsprachen einzelner Medien, die die aktuellen Hybridisierungen der Medienszene gar nicht mehr erfassen können“ (1999: 8) betrachtet. Doch diese Überlegenheit verdeutlicht gleichze itig auch die Schwierigkeit für den Umgang mit dem Begriff. Es beginnt mit den unterschiedlichen Dimensionen des Begriffs des „Mediums“ und endet noch nicht mit dem polarisierend gesehenen Verhältnis von Intertextualität und Intermedialität.
Müller (1996: 84) führt aus, dass Intermedialität interdisziplinäre Forschungsgebiete notwendig macht, er legt dar, dass sie Relevanz in den Bereichen der Pragmatik, Kognitionstheorie, Semiotik und Semiologie und Ästhetik bis hin zur Medienhistoriographie besitzt. Die Forderung nach einer Erweiterung der Literaturwissenschaft um die Dimension der Medien und ihrer Beziehungen befindet sich schon länger im Prozess der Umsetzung.
Zur weiteren Übersicht ist Mertens Forschungsüberblick „Intermedialität“ (2000) besonders hilfreich, der Monographien oder Sammelbände zur Thematik von z. B. Paech (1994) kommentiert. Auch Spielmanns (1997) Diskussion des Begriffs der Intermedialität unter den Aspekten eines Transformationsmodells, eines Strukturbegriffs sowie eines ästhetischen Verfahrens sind zu erwähnen. Insgesamt zeigt sich gerade in diesen Werken die Vielfältigkeit des Konzepts und auch ohne eine bisherige „verbindliche“ Theorie erscheint der Ansatz fruchtbringend, gerade auch für die Zukunft, die eine weitere Verne tzung von Medien bringt und durch zunehmende Digitalisierung immer mehr an Geschwindigkeit gewinnt. So präsentiert Drexler (1994) als intermediale Entwicklungstendenzen zum einen Intermedialität als „Vermarktungsphänomen“ (200), zum anderen als „exploratives ästhetisches Prinzip“ (200) und als eine „Bedeutungsvariante [...], die sich vor allem der Beschleunigung der technologischen Entwicklung (Multimedia, interaktive Medien u.a.) und den dadurch erschlossenen Möglichkeiten des Transfers und der Kombination heterogener Medien- und Zeichensysteme ve rdankt“ (205 f.).
5
Eine spezielle Form der Intermedialität ist das Feld der Literaturverfilmung.
2. Literaturverfilmungen
Literaturverfilmung als intermediales Phänomen „nimmt sowohl in der Filmforschung als auc h in der Literaturwissenschaft eine Sonderstellung ein“ (Bleisteiner 2001: 21). Dies gilt bis zur heutigen Zeit, obwohl filmische Adaptionen literarischer Werke fast so alt sind wie das Kino selbst. Nach wie vor erfreut sich Literatur als unerschöpfliche Quelle für Drehbücher einer ungebrochenen Beliebtheit. Doch schon früh entwickelt sich eine heftige Diskussion um das Verhältnis von Literatur und Film, die sogenannte „Kino-Debatte“. Paradigmatisch, wie häufig bei Neueinführungen von Medien, wurde auch der Film zunächst teilweise als minderwertig betrachtet.
Insgesamt beruht der Einfluss von Literatur und Film auf Gegenseitigkeit. Die Polyvalenz (inter-)medialer Wechselbeziehungen ist offensichtlich. So vermerken Albersmeier und Roloff (1989: 17), wie wenig sinnvoll es wäre, „im Zeitalter von Medienwechsel und Intermedialität [...] die Verfilmung von Literatur als Einbahnstraße zu begreifen“.
Was den Begriff der Verfilmung anbelangt, so ist es entscheidend, dass der Begriff keine (Ab)wertung mehr impliziert, sondern dass die Verfilmung als „produktive Rezeption eines Ausgangstextes unter spezifischen medialen B edingungen erkannt und ohne normative Vorbeha lte differenziert beschrieben“ wird (Bogner 1998: 355). Ausgangspunkt bei Untersuchungen von Literaturverfilmungen ist ihre Betrachtungsweise als „Manifestation der Beziehung von Film und Literatur und zugleich als Transformation eines Textsystems von einem Zeichensystem in ein anderes“ (Schneider 1987: 26).
Kanzog (1988: 40) fasst zusammen, dass bei der Rekonstruktion einzelner Transformationen und ihrer Beurteilung folgende Aspekte entscheidend sind: Erstens verläuft keine Transformation ohne Informationsverlust durch die u nterschiedlichen Medien, zweitens werden Varia nten bei jeder Rekonstruktion von Transformationen sichtbar und drittens sind Literaturverfilmungen Analogiebildungen zur literarischen Vorlage. Dieser
6
Informationsverlust ist jedoch ein problematischer Begriff, da er als einseitige Negativwertung ausgelegt werden könnte, ohne den spezifischen Gewinn oder, neutraler ausgedrückt, die Eigenständigkeit des anderen Mediums zu berücksichtigen.
Im Zuge dieser letzten Erkenntnis wird deutlich, dass die Frage der „Werktreue“ ein zweifelhafter und überholter Ansatz ist. Text und Verfilmung ersetzen sich nicht und sind ebenso wenig austauschbar, da sie auf andere Codes zurückgreifen. Die Untersuchung des Films als Zeichensequenz ist Gegenstand der Semiotik.
Eine Verfilmung von Literatur ist immer auch eine spezielle Form der Interpretation, die auf der anderen Seite aber als eigenständiges Werk angesehen werden sollte (Kanzog 1988: 40). Der Film setzt die literarische Sprache der Vo rlage mit Wahrnehmungsbildern um durch grundsätzlich verschiedene Techniken.
Insgesamt haben Literaturverfilmungen nicht an Popularität verloren, sondern werden durch eine Vielzahl von Interpretationen und künstlerischen Umsetzungen bereichert, zumal niemand mehr auf einer 1:1 Transposition beharrt.
3. Die filmische Inszenierung von Luhrmanns Romeo + Juliet
(1996)
Sofort ins Auge fällt der Filmtitel, der nicht einfach Romeo + Juliet lautet, sondern bewusst William Shakespeare mit in den Titel aufnimmt, was bei Shakespeare-Verfilmungen nicht generell üblich ist (einziges weiteres Beispiel ist William Shakespeare’s A Midsummer Night’s Dream von Hoffmann, 1999). Welche Aussage soll dies treffen? Schon der Vorspann, der Mexico City mit Wolkenkratzern und Hubschraubern als Schauplatz einführt, macht mit seinen rasanten Schnitten und Einblendungen klar, dass es sich alles andere als um eine „traditionelle“ Literaturverfilmung handelt und dass Luhrmanns Werk schon in Inszenierung und Ästhetik entscheidend von anderen Filmen abweicht. Gerade die Videoclip-Ästhetik spricht wohl vor allem ein junges Publikum an, die sogenannte „MTV-Generation“. Ist die
7
Arbeit zitieren:
Inga Bartels, 2005, Baz Luhrmanns: William Shakespeare's Romeo and Juliet. Zur modernen filmischen Erzählweise eines traditionellen Klassikers in der heutigen multimedialen Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Filmrezension: Baz Luhrmann - William Shakespeares Romeo und Julia
Romanistik - Allgemeines u. Fächerübergreifendes
Rezension / Literaturbericht, 8 Seiten
Shakespeare's "Romeo and Juliet" in the movies: Comparin...
Examensarbeit, 72 Seiten
Michel Foucault: Der Wille zum Wissen: Recht über den Tod und Macht zu...
Psychologie - Sozialpsychologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Zu William Shakespeares: "Romeo and Juliet": Zwischen elisab...
Hausarbeit, 24 Seiten
Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Seri...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 15 Seiten
Selbstthematisierung der Medien in der Unterhaltung
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit, 36 Seiten
Argumentationstheorie und Alltagsargumentation - Untersucht an einer R...
Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Hausarbeit, 31 Seiten
Michel Foucault's Machtbegriff
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 23 Seiten
Ikonographie und Ikonologie als Methoden kommunikationswissenschaftlic...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Herrschaftsarchitektur. Albert Speers Reichsparteitagsgelände, Neue Re...
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Inga Bartels hat den Text Baz Luhrmanns: William Shakespeare's Romeo and Juliet. Zur modernen filmischen Erzählweise eines traditionellen Klassikers in der heutigen multimedialen Zeit veröffentlicht
Inga Bartels hat einen neuen Text hochgeladen
William Shakespeare: Romeo and Juliet
Inhalt - Hintergrund - Interpr...
Christine Böck, Martin Neubauer
Critical Essays on Shakespeare's Romeo and Juliet: William Shakespeare...
Kirby Farrell, Joseph Ashby Porter
0 Kommentare