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Inhalt
Einleitung 3
1. Der Bezug zur Romantik 4
2. Das Märchen „Von dem Fischer un syner Fru“ 7
3. Typische Märchenelemente 9
3.1 Die Sprache 10
3.2 Der Butt 13
3.3 Das Zahlenspiel 14
4. Die Funktion des Märchens im Roman 17
4.1 Das Verhältnis von Märchen und Geschichtsschreibung 17
4.2 Ein Ausblick in die Zukunft? 21
Schlussbetrachtung 24
Literatur 25
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Einleitung
Ein wiederkehrendes und augenscheinliches Element in mehreren Werken von Günter Grass, wie z. B. in „Hundejahre“, „Die Blechtrommel“ und nicht zuletzt in „Der Butt“, ist das Märchen. Kennt man seine Bücher, wird deutlich, dass seine Schreibweise und seine Geschichten häufig beeinflusst sind von Märchen und sich bestimmte Märchenelemente wie ein roter Faden durch einige seiner Werke ziehen.
In den folgenden Ausführungen möchte ich diesen Einfluss in „Der Butt“ hinsichtlich der Entstehung, der Elemente und der Funktion des Märchens in dem Roman untersuchen. Um das Thema sinnvoll und aufeinander aufbauend zu behandeln, sind bestimmte Vorüberlegungen und Schritte notwendig, die zunächst mit einer allgemeineren Einordnung und Verortung des Themas beginnen. Ausgehend von dem Märchenverständnis der Romantik und dem von Günter Grass, werde ich auf das Verhältnis von dem Roman und dem Märchen „Von dem Fischer un syner Fru“ eingehen.
Mit diesem Hintergrund lassen sich einige Märchenelemente im “Butt“ näher untersuchen und parallele Strukturmerkmale zum Märchen nachzeichnen. Im Anschluss daran möchte ich die Rolle und Funktion des Märchens im Roman auf einer übergeordneteren Ebene behandeln. Dabei wird u.a. das Verhältnis von Märchen und Geschichtsschreibung einen der wichtigsten Aspekte darstellen und auch die Frage nach einer Art Synthese, die sich aus der Betrachtung der Romanhandlung und der Märchenvorlage „Von dem Fischer un syner Fru“ für eine mögliche Zukunft ziehen lässt.
Zusammenfassend heißt das, dass ich zur Aufschlüsselung des Themas erst einige Betrachtungen hinsichtlich des Hintergrunds zum Verhältnis von Märchen und Grass` Roman machen werde, dann relativ kurz und konkret auf bestimmte und typische Märchenelemente im Text eingehe, um abschließend das Thema in einen größeren Zusammenhang zu stellen und daraus ableitend einen Bogen zu einem möglichen Zukunftsentwurf zu schlagen.
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1. Der Bezug zur Romantik
Wie eng „Der Butt“ mit der Gattung Märchen verknüpft ist und welche parallelen Elemente hierzu in der Struktur des Romans zu finden sind, wird bereits daran deutlich, dass Grass seinem Werk den Untertitel „Märchen“ geben wollte. Er entschied sich jedoch gegen die Bezeichnung und erläutert in einem Interview von Fritz Raddatz seine Befürchtungen, dass es zu Missverständnissen und Streitereien in der Literaturkritik führen würde:
[…], auch die Literaturkritik ist meiner Meinung nach nicht in der Lage, ein Buch von diesem Umfang außerhalb der gängigen Kategorien einzuordnen […]. Der Begriff Märchen ist bei uns mit so viel Lieblichkeit und Anheimelndem und Vorgefaßtem besetzt, daß ich diese Formbezeichnung nicht benutzen konnte, es sei denn, ich hätte in Kauf genommen, daß man sich mehr über diese Begriffsbestimmung als über das Buch ausgelassen hätte. 1
Dennoch hat das Buch zweifelsfrei Parallelen zu einem Märchen (vgl. Punkt 3) und somit einen eindeutigen Bezug zur Romantik.
Diesen Zusammenhang möchte ich darstellen, indem ich kurz auf historische und epochale Hintergründe eingehe.
Literatur ist immer auch eine Antwort auf den geschichtlichen und gesellschaftlichen Status quo. Daher lassen sich verändernde geschichtliche Hintergründe meist eine neue Art und Qualität von Literatur entstehen, wie es beispielsweise auch in der Romantik der Fall ist. So ist die Romantik historisch gesehen die notwendige Antwort auf die Aufklärung; sie kritisiert und ergänzt sie und führt sie zugleich weiter. Das besonders zur Zeit der Aufklärung vernunftgeprägte Handeln und Denken wird zum Ende dieser Epoche hin angeprangert. Halt und Orientierung werden in gegenläufigen Richtungen gesucht. Diese Suche findet in der Zeit der Romantik ihren Ausdruck. Historisch betrachtet ist es insbesondere die Schreckensherrschaft der Jakobiner, die eine Desillusionierung und als Folge dessen eine Suche nach neuen Utopien auslöst. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebt die Bevölkerung Frankreichs die Schattenseiten der Französischen Revolution (1789) und der napoleonischen Kriege (1792-1825). Die Politisierung und die damit verbundene Erfahrung, dass die Politik nicht unfehlbar ist, hinterlassen ein Gefühl von Enttäuschung, aus dem sich die Sehnsucht nach Poesie und erweiterter Erlebnisfähigkeit begründet. Es findet im Sinne der Romantiker ein Rückzug aus dem politischen Tagesgeschäft statt und eine Zuwendung zur Phantasie.
1 Grass, Günter: „Heute lüge ich lieber gedruckt“ (Interview von Fritz Raddatz). In: Fritz Raddatz. ZEIT-gespräche/1, S. 7-18, 1978. S.12.
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Hieraus lässt sich die übergeordnete Intention der Romantik ableiten: Die Poetisierung des realen Lebens durch die Vereinigung von Geist und Natur.
Walter Filz bezeichnet in diesem Zusammenhang und mit diesem Hintergrund das Märchen als „wichtigstes Medium dieses poetologischen Konzepts.“ 2
Er unterscheidet Volks- und Kunstmärchen, wobei er den Roman von Grass keiner dieser Bezeichnungen zuordnet, weil er weder auf eine utopisch idealisierte und harmonische Zukunft hinweist, noch künstlich überhöht ist. 3
Dennoch ist Grass` Märchenverständnis durchaus romantisch. An dieser Stelle sei auf die typischen Märchenelemente in Punkt 3 hingewiesen und auf das Verhältnis von Märchen und Geschichtsschreibung in Punkt 4.1.
Eine Nähe zur Romantik wird u.a. dadurch deutlich, dass er in seinen Prosatext 46 Gedichte eingebettet hat. Der Text und die Bilder, aber auch die Gedichte, behandeln die zentralen Themen des Romans wie z.B. die Geschichte der Ernährung, das Rollenverhältnis von Frau und Mann, männliche Politik, Sexualität, die Geburt eines Kindes und das Märchen. Die Verbindung von Prosa und Lyrik in diesem Roman verweist auf eine Schaffensphase vor dem Schreiben dieses Romans, in der sich Grass intensiv mit Lyrik beschäftigte und eine Vielzahl von Gedichten verfasst hat. Claudia Mayer schreibt hierzu:
Solche Verschiebungen zwischen Epik und Lyrik sind typisch für die erste Arbeitsphase am „Butt“. Was zuerst als Gedicht gedacht war, erscheint als Prosatext und umgekehrt. […] Bei Grass sind die Übergänge zwischen beiden Gattungen fließend: […] 4
Neben den Gedichten, dem Märchenverständnis von Grass und den unterschiedlichen Märchenelementen (Vgl. Punkt 3), lässt sich auch auf der Inhaltsebene im Buch selber ein direkter Bezug zur Romantik finden.
Das Kapitel „Im sechsten Monat“ spielt zur Zeit der Romantik und handelt von einem Treffen (1807) von den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm mit den Dichtern Achim von Arnim und
2 Walter Filz: Dann leben sie noch heute? Zur Rolle des Märchens in „Butt“ und „Rättin“. In: Text + Kritik 1 Günter Grass, München 1988. S.95. Künftig zitiert: Filz.
3 Vgl. Ebd.
4 Mayer, Claudia: Von „Unterbrechungen“ und „Engführungen“. Lyrik und Prosa in „Butt“ und „Rättin“. In: Text + Kritik 1 Günter Grass, München 1988. S. 86.
5 Grass, Günter: Der Butt. Darmstadt u.a. 1977. S. 439. Künftig zitiert: Butt.
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Clemens Brentano, Bettina Brentano und dem Maler Philipp Otto Runge, bei dem es zu einer Diskussion über das Märchen vom Butt kommt.
Es findet sich hier die konkrete Verbindung zur Romantik, indem Grass einige Vertreter dieser Epoche in seinen Roman einbaut und er durch sie das Thema Märchen im Bezug zur damaligen Zeit behandelt. So schreibt Grass in Anlehnung an die allgemeine Stimmung der Epoche: […] und weil das allgemeine Kriegselend die Bedürfnisse nach schönen Worten steigerte und Angst die Zuflucht im Märchen suchte, wollte man in Ruhe, entrückt dem städtischen Getriebe und frei vom politischen Alltagsgezänk, aus der noch ungeordneten Fülle seltsamer Schätze einen zweiten Band zusammenstellen, damit dem Volk, nach so viel kühler Aufklärung und klassischer Strenge, endlich Trost zuteil wurde […]. 5
Des Weiteren wird nicht nur das Märchen im allgemeinen thematisiert, sondern auch speziell das von Runge festgehaltene Märchen mit seinen unterschiedlichen Versionen.
2. Das Märchen „Von dem Fischer un syner Fru"
Streitpunkt unter den Beteiligten im sechsten Kapitel und gleichzeitig Folie und Thema für das gesamte Buch „Der Butt“ sind nach Grass` Vorstellung die beiden unterschiedlichen Fassungen des von Runge in pommerscher Mundart aufgezeichneten Märchens.
Dabei handelt es sich zum einen um die in die Grimmsche Märchensammlung eingegangene überlieferte Fassung mit der Frau (Ilsebill) als maßlose Person, und zum anderen um die Gegenversion, in welcher der Mann der Unersättliche ist.
Der entscheidende Punkt im Hinblick auf die Entstehung des Romans und der Suche nach der „eigentlichen Wahrheit“ (auch in geschichtlicher Hinsicht), ist, ob die Originalfassung diejenige mit „anti-feministischer“ oder mit „pro-feministischer“ Perspektive ist. Die Suche nach dem „wahren Butt“ 6 ist insofern von besonderer Bedeutung, da es vor allem um die geschlechtsspezifische Rollenverteilung von Mann und Frau geht.
Die Spekulationen über die beiden Versionen gehen darauf zurück, dass eine alte Frau Philipp Otto Runge 1806 in Hamburg „zweierlei Wahrheit in sein Sudelbuch“ 7 gesprochen hat. Was die
6 Rölleke, Heinz (Hrsg.): Der wahre Butt. Die wundersamen Wandlungen des Märchens vom Fischer und seiner Frau. Düsseldorf 1978. S. 7. Künftig zitiert: Rölleke.
7 Butt, S. 442. 8 Ebd. S. 443.
Arbeit zitieren:
Inga Bartels, 2005, Der Roman 'Der Butt' von Günter Grass und das Märchen, München, GRIN Verlag GmbH
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