Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Vorbetrachtung 4
2.1 Arten sterben und entstehen - Die Bedeutung menschlichen Handelns für die Natur 4
2.2 Natur erleben und nutzen - Die Artenvielfalt als Ressource des Menschen. 5
3 Zwei Positionen zum Wertbegriff von Artenvielfalt und -schutz. 7
3.1 Der Mensch als „Krone der Schöpfung“ - Nicholas Reschers Versuch einer
metaphysischen Ethikkonzeption 7
3.2 Der ökonomische Wert als Indikator menschlicher Interessen - Alan Randalls
Beschreibung eines Bewertungsmodells für Artenschutz 10
4 Schlußbetrachtung. 13
5 Literaturverzeichnis 15
2
1 Einleitung
In diesen alttestamentarischen Worten, im Namen Gottes formuliert, erklingt ein bis heute grundlegendes Bedürfnis des bewußten Menschen, der sein Handeln, zumindest bedingt, zu steuern und zu beurteilen vermag: der Wunsch, das Verhältnis und somit auch das Handeln seiner selbst gegenüber der Welt, die ihn umgibt, zu definieren. Wenn auch heute weit weniger absolutistisch verstanden, so ist es doch im Kern immer noch der oben zitierte Imperativ, der ethische Überlegungen in diesem Rahmen als Prämisse prägt: der Mensch herrscht. Sein Handeln ist es, von dem oftmals das Schicksal der quasi unmündigen, sich ihrer selbst nicht bewußten Elemente der Natur abhängig ist. Doch, wenn auch der Begriff geblieben ist, verändert hat sich dessen Verständnis. Was sich in der Philosophie mit Beginn der Aufklärung zu ändern begann, die Bedeutung des Begriffs Herrschen als ein Imperativ, der nun mehr und mehr die Verpflichtung des Herrschenden gegenüber der Gemeinschaft zum Prinzip erklärte 2 , übertrug sich im letzten Drittel des 20.Jahrhundert auch verstärkt auf das menschliche Verständnis von Natur. Zum einen begriff der Mensch jene als sensible Ressourcenquelle zur Erfüllung seiner Bedürfnisse und damit als schützenswerte Umwelt. Zum anderen mehrten sich Stimmen, die einer rein anthropozentrischen Ethik ihre Glaubwürdigkeit bestritten und in den einzelnen Erscheinungsformen der Natur einen eigenen Wert zu erkennen meinten. Die Folgen beider Aspekte gehen dabei weit über die individuell orientierte Tierschutzproblematik hinaus. Gerade in bezug auf Nützlichkeit und Eigenwert einer intakten Natur rückten somit die Arten als die eigentlichen Teilgrößen des Gesamten in den Blickpunkt der Diskussion.
Welchen Wert haben Arten als Bestandteil einer für den Menschen nützlichen Natur? Inwieweit sind sie Träger intrinsischer Werte? In diesen Leitfragen formuliert sich ein Bedürfnis nach grundlegenden Werteprinzipien. Doch der Diskussionsrahmen ist breiter angelegt. Denn, daß den Arten ein wie auch immer begründeter Wert entspricht und damit ihrem Schutz eine näher zu bestimmende Notwendigkeit, ist im allgemeinen unbestritten. So
1 Die Heilige Schrift, Einheitsübersetzung, Stuttgart 1981, Gen 1,26, S.18.
2 Dieses Phänomen ist Bestandteil der Entwicklung innerhalb der politischen Theorie.
3
stellt sich angesichts des ökonomischen Primats unserer Gegenwart das pragmatische Problem, den Wert dieser Notwendigkeit zu bemessen.
Wie also lassen sich die ökonomischen Werte von Arten und deren Schutz berechnen und miteinander abwägen?
Um diesem doppelbödigen Verständnis vom Wert der Arten nahezukommen, scheinen zwei Ansätze geeignet, die von unterschiedlichen Wertbegriffen ausgehen und somit versuchen, einerseits dem Bedürfnis grundlegender Werteprinzipien und andererseits einer pragmatischen Definition zu entsprechen. Zur Veranschaulichung dieser Positionen basiert die folgende Arbeit auf Nicholas Reschers Wozu gefährdete Arten retten? und Alan Randalls Was sagen die Wirtschaftswissenschaftler über den Wert der biologischen Vielfalt? Weitere in dieser Arbeit verwendete Literatur findet sich im Anhang. Aufgrund der unterschiedlichen Argumentationsebenen und Terminologien scheint zunächst die getrennte Behandlung beider Texte sinnvoll, die dann im Schlußteil miteinander in Beziehung gesetzt werden. Eine kurze Vorbetrachtung soll vorangestellt in die Problematik Artenschutz einführen.
2 Vorbetrachtung
2.1 Arten sterben und entstehen - Die Bedeutung menschlichen Handelns für die Natur
In der Diskussion über den Umgang mit der Natur tauchen vor allen Dingen zwei zentrale Begriffe auf: Biologische Vielfalt und Artensterben. Was der menschlichen Intuition zunächst gegensätzlich erscheinen mag, markiert, zumindest prinzipiell, keinen Widerspruch, sondern eine für das Werden innerhalb der Natur notwendige Wechselwirkung. Beide Kräfte, Sterben und Entstehen, dienen einem der Natur zugrunde liegenden Prinzip, der Evolution. Dem Wesen der Evolution entspricht ein ständiges Fortschreiten im Hervorbringen von Leben und dessen Erscheinungsformen. Um die Fortdauer dieser Dynamik zu gewährleisten, müssen beide benannten Kräfte wirken. Wenn Arten aussterben, wird das niemals ohne Auswirkung auf das Entstehen neuen Lebens bleiben und ebenso umgekehrt. D.h. Artensterben undentstehen bedingen sich wechselseitig. 3
Worin liegt aber dann, angesichts des Artensterbens, die Gefahr? Zweierlei Aspekte sind hierbei zu unterscheiden:
3 Engelhardt, Wolfgang, Das Ende der Artenvielfalt, Aussterben und Ausrottung von Tieren, Darmstadt 1997,
S.VII.
4
Zum einen scheint mit der zivilisatorischen Entwicklung des Menschen und der daraus folgenden Expansion in weite Lebensräume der Natur, das der evolutionären Dynamik innewohnende Gleichgewicht gestört. D.h., das Artensterben hat mittlerweile das Entstehen neuer Lebensformen quantitativ übertroffen. Eine Entwicklung, die so erstmals seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu erkennen ist und überproportional ansteigt. Wissenschaftlichen Prognosen zufolge könnte die Artenvielfalt in den nächsten dreißig Jahren um ein Viertel schrumpfen. Dabei ist es vor allen Dingen der Domino-Effekt aufgrund der systemischen Verschachtelung von Lebensformen, der das Sterben in diese quantitativen und zeitlichen Dimensionen und somit möglicherweise zur Katastrophe führt. 4
Entgegen diesem bestimmenden Aspekt steht zum anderen die Sorge, daß jedwedes Aussterben einer Art den Status quo menschlicher Lebenswelt bedroht. Denn dem dynamischen Wesen der Evolution entsprechend sind die Arten Umweltveränderungen ausgesetzt, die deren Existenz und somit auch die des Menschen gefährden können. 99% aller jemals existierenden Arten sind schätzungsweise bereits ausgestorben, warum also sollte dieses Schicksal dem homo sapiens als Bestandteil der Artenvielfalt unter frei wirkenden Naturbedingungen erspart bleiben? 5 Insofern stellt sich dem Menschen bei all seinen Überlegungen nicht nur die Frage, wie er sein katastrophales Eingreifen in die Natur eindämmen kann, sondern auch, wo er eingreifen muß, um das Gleichgewicht seiner Umwelt und damit der nahezu gesamten Natur zu garantieren.
Während ersterer Aspekt sowohl dem Gedanken intrinsischer Werte als auch einer anthropozentrischen Argumentation folgen kann, entspringt der zweite ethischen Überlegungen, die allein das Interesse des Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dieses Interesse beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Existenzsicherung der eigenen Art, sondern verfolgt im Rahmen utilitaristischer Denkweise darüber hinaus auch die Verbesserung der Existenzqualität. Auch solche Überlegungen beinhalten die Warnung vor einem allzu zahlreichen Artensterben.
2.2 Natur erleben und nutzen - Die Artenvielfalt als Ressource des Menschen
Aus anthropozentrischer Sicht war und ist die Natur dem Menschen eine kaum zu erfassende Lebensgrundlage. In vor- und frühgeschichtlichen Epochen war es vor allen Dingen die Natur als unmittelbare Lebenswelt, die als Quelle existentieller Bedürfnisbefriedigung fungierte.
4 Ebd., S.3, 23.
5 Ebd., S.1.
5
Arbeit zitieren:
Jürgen Schreiber, 2003, Überlegungen zum Wertbegriff in der Artenschutz-Diskussion, München, GRIN Verlag GmbH
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