Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Analyse 2
1. Die gewaltsame Unterdrückung der Aborigines 2
1.1. Einführende Informationen 2
1.2. Die Anwendung von physischer Gewalt in "Stolen Car" 2
1.3. Die Anwendung von psychischer Gewalt in "Stolen Car" 4
1.4. Die Darstellung eines Massakers in "Old Cobraboor" 5
2. Die soziale Stellung der Aborigines 6
2.1. Einführende Informationen 6
2.2. Soziale Konflikte in "White Fantasy - Black Fact" 6
2.3. Die Darstellung von Armut in "Stolen Car" 7
2.4. Linguistische Auffälligkeiten (Sociolinguistics) 8
3. Das Identitätsproblem der Aborigines 9
3.1. Einführende Informationen 9
3.2. Die Darstellung der "Lost generation" in "Flight" 10
4. Die Chancenlosigkeit der Aborigines 12
4.1. Einführende Informationen 12
4.2. Die Darstellung der von Atom-Tests verursachten 12
Probleme in "Maralinga"
4.3. Der Versuch der Zivilisierung in "Nanya" 13
III. Zusammenfassung 15
IV. Literaturverzeichnis 16
II
I. Einleitung
Während die Gräueltaten der Kolonialisierung in Nordamerika oder Afrika jedem bekannt sind, wissen viele nicht, dass eine ebenso grausame Besiedelung in Australien stattgefunden hat. Den Aborigines wurde systematisch der Lebensraum entzogen, sie wurden entrechtet und versklavt. Die Diskriminierung der Aborigines fand bis weit in das zwanzigste Jahrhundert statt, und Rassismus ist bis heute in den Köpfen vieler weißer Australier präsent.
Die Probleme der Aborigines finden auch in der a ustralischen Literatur ihren Niederschlag. Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist, zu zeigen, welche Probleme der Aborigines in der australischen Kurzgeschichte eine Rolle spielen und wie sie dargestellt werden. In vier Kapiteln stehen die gewaltsame Unterdrückung der Aborigines, ihre soziale Stellung, ihre Identitätsprobleme sowie ihre Chancenlosigkeit im Vordergrund. Jedes Kapitel wird mit einführenden Informationen zum jeweiligen Thema eingeleitet und präsentiert anschließend die entsprechenden Analyse-Ergebnisse. Am Ende der Arbeit werden die Resultate noch einmal zusammenfassend vorgestellt.
Gegenstand der Analyse sind die sechs Kurzgeschichten: "Maralinga" von Lallie Lennon, "Stolen Car" von Archie Weller, William Fergusons "Nanya", "White Fantasy - Black Fact" von Jack Davis, "Old Cobraboor von Ellen Draper" sowie Katharine Susannah Prichards Geschichte "Flight". Sie wurden ausgewählt, um ein möglichst breites und ausführliches Spektrum an Problemen abzudecken. Mit Ausnahme von Prichard gehören alle Autoren zu den Black Australian Authors, bei denen aus naheliegenden Gründen öfter die Probleme der Aborigines im Zentrum ihrer Kurzgeschichten stehen, während es nur wenige weiße australische Autoren gibt, die sich kritisch mit dieser Thematik auseinandersetzen (cf. Goldsworthy 370).
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II. Analyse
1. Die gewaltsame Unterdrückung der Aborigines
1.1. Einführende Informationen
Vor der Ankunft der europäischen Siedler stand den Aborigines der gesamte Kontinent Australien zur Verfügung. Nach ihrer Ankunft beanspruchten die Engländer jedoch immer mehr, und vor allem die fruchtbarsten, Gebiete des Erdteils. Die Ureinwohner wurden systematisch enteignet und häufig ermordet. Diese Kolonialisierungsphase ist an Gewalt und Unterdrückung unübertroffen, aber bis heute sind die Aborigines in ihren Rechten den Weißen nicht wirklich gleichgestellt und leiden, vor allem psychisch, an der jahrhundertelangen Politik der australischen Besiedlung durch die Engländer. Diese Ungerechtigkeit und die sowohl körperlichen als auch seelischen Grausamkeiten findet auch in der australischen Literatur ihren Niederschlag.
1.2. Die Anwendung von physischer Gewalt in "Stolen Car"
Vorurteile und ungerechtfertigte Behandlung waren (und sind) nicht nur unter der weißen Bevölkerung zu beobachten, sondern auch bei Regierung und den entsprechenden Instanzen auszumachen. In der Kurzgeschichte "Stolen Car" behandelt Archie Weller diese Ungerechtigkeit einer offiziellen Einrichtung am Beispiel der Polizei, die es geradezu auf die Aborigines abgesehen zu haben scheint: "Then the police move in like a pack of hungry dogs... Big, coldeyed policemen striding the streets, pushing the stray people around" (130), "Then they hear the triumphant, maniacal, wailing of a police car behind them" (131). Sein erstes Zusammentreffen mit der Polizei hat der Protagonist der Geschichte, Johnny Moydan, als er in einem Wagen mitfährt, der gestohlen ist, was er aber erst unmittelbar vor Eintreffen der Polizisten erfährt. Diese unterstellen ihm sogleich, dass er das Auto gestohlen habe und glauben ihm auch seine Unschuldsbeteuerungen nicht: "'Steal a car, did you?'"... "'Hah'", Face laughs, nastily "'I'll bet you didn't.'" (Weller 132).
Als Johnny weiterhin abstreitet, das Auto gestohlen zu haben, wenden die Polizisten ohne zu zögern Gewalt an: "A fist slams into his face, just under his left eye" (Weller 132). Auch weitere Unschuldsbeteuerungen werden ihm nicht
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geglaubt, sondern führen zu Beschimpfungen und Gewaltandrohungen: "'Don't lie, you little black bastard. You stole it, didn't you.'", "'I've only just started. By the time I've finished with you, you'll be stretched out on the ground'" (Weller 133). Anschließend verstärken die Polizisten ihre Gewalt noch einmal: "The seargant suddenly opens the door and pulls Johnny out by the hair"; "…a sick grunt, and another as he is kicked in the stomach" (Weller 133). Allerdings wird deutlich, dass das Verhalten der Polizisten nicht offiziell geduldet wird, da sie aus Angst gesehen zu werden, ihre Aktion an einen abgeschiedenen Ort verlegen wollen ("'Too many houses and people here,'" one of them says", Weller 133), um dort die "Wahrheit" aus Johnny herauszuprügeln ("'Well we'll find some dark lane. I'll hold him down while you give him a few whacks in the crutch. Might help his memory.'", Weller 134). Dies wird nur verhindert, da der Vorgesetzte der Polizisten Johnny sehen will. Nach einer Nacht im Gefängnis wird er zwar freigelassen, aber bald darauf wird er erneut von der Polizei angesprochen, geschlagen und beleidigt: "A sudden slap across the face breaks his lip." (Weller 137).
Weitere Zwischenfälle folgen, und die Dreistigkeit der Polizei gipfelt sich in der Aufforderung, Johnny solle sich aus Schwierigkeiten heraushalten - obwohl er noch nie selbstverschuldet mit der Polizei zusammengetroffen ist. Seine Resignation und Hilflosigkeit wird in der rhetorischen Frage deutlich: "How can he keep out of trouble, when trouble waits around each corner to seize and roll him in the filthy mud of petty persecution." (Weller 138). Obwohl er überhaupt nicht an einem Diebstahl beteiligt war und der Täter Johnnys Unschuld beteuert ("despite his denials and Billy's insistence that he was not involved", Weller 139), wird Johnny zu sechs Monaten Haft verurteilt. Daraufhin ist sein Glaube an die Gerechtigkeit und Fairness des Systems vollkommen zerstört, so dass er tatsächlich sein erstes Verbrechen begeht und ein Auto stiehlt, was ihn mit einem gewissen Stolz erfüllt: "He wishes Billy and Wallaby were there, to see him commit his first crime, and share with him the joy and beauty of his car." (Weller 140). Als er vor der Polizei flieht, scheint es ihm zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gut zu gehen, da er die Kontrolle über sich zurückerhalten hat: "For the first time in a long while Johnny Moydan isn't being pushed around. He is in control, he is free, he is supreme - he is someone." (Weller 140). Allerdings zahlt er für diese Freiheit anschließend mit seinem Leben.
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Arbeit zitieren:
Christian Mossmann, 2001, Die Darstellung von Problemen der Aborigines in der australischen Kurzgeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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