1 Inhaltsverzeichnis
1 Inhaltsverzeichnis 2
2 Einleitung 3
3 Erkenntnistheoretische Grundzüge 3
3.1 Erfahrung als Erkenntnisprinzip - Empirismus und Sensualismus. 3
3.2 Impressionen und Ideen - Epistemologische Grundkategorien bei David Hume. 5
3.3 Naturgeschehen als Vorstellung - Das Kausalitätsprinzip bei David Hume 7
4 Humes Definition der Seele und das Problem ihrer Unsterblichkeit 9
4.1 Das „Ich“ als Assoziations-bedingte Vorstellung - Der Begriff der persönlichen
Identität bei David Hume 9
4.2 Offenbarungsglaube eines Agnostikers oder radikaler Atheismus? - Humes
Überlegungen zur Unsterblichkeit der Seele 13
4.2.1 Metaphysische Argumente zur Unsterblichkeit der Seele 13
4.2.2 Moralische Argumente zur Unsterblichkeit der Seele 17
4.2.3 Physische Argumente zur Unsterblichkeit der Seele 20
5 Schluss 22
6 Literaturverzeichnis 24
2
2 Einleitung
grundsätzliche Ablehnung traditioneller Metaphysik. Als Vertreter einer radikalen und fundamental verstandenen Erkenntnistheorie deutete Hume die klassischen wie auch viele neuzeitliche Lehren der Metaphysik, fernab jeder Überprüfbarkeit, als bloße Spekulation. Humes Kritik galt vor allem Überlegungen zum Wesen der Dinge im allgemeinen wie auch zu den Ideen Gottes, der persönlichen Identität und der seelischen Unsterblichkeit im besonderen. Insbesondere die Haltung Humes zu den beiden letzteren Aspekten soll Gegenstand der hier folgenden Darstellung und Erörterung sein. In diesem Zusammenhang scheinen Humes Antworten auf einige Fragen von großem Interesse: Wie lässt sich der Begriff der persönlichen Identität, wie der Begriff der menschlichen Seele definieren? Inwieweit ist eine Erkenntnis ihrer behaupteten Unsterblichkeit möglich? Oder ist es vielmehr ihre Sterblichkeit, die wir mithilfe des Verstandes ergründen können? In seinen Abhandlungen Von der persönlichen Identität und Über die Unsterblichkeit der Seele sind die für die hier formulierten Probleme relevanten Voraussetzungen und Folgerungen Humes in expliziter Weise nachvollziehbar. Abschließend stellt sich darüber hinaus auch die Frage nach einer agnostischen oder atheistischen Haltung Humes. Vorausgehend scheint eine kurze Darstellung der erkenntnistheoretischen Grundzüge in der Philosophie Humes zudem sinnvoll, da die fundamentale Bedeutung der dort definierten Voraussetzungen für die systematische Einordnung oder auch Extravaganz der Problem-bezogenen Aspekte zur Personenidentität und Unsterblichkeit der Seele außerordentlich hilfreich sein dürfte. Weitere verwendete Literatur findet sich im Anhang.
3 Erkenntnistheoretische Grundzüge
3.1 Erfahrung als Erkenntnisprinzip - Empirismus und Sensualismus
Im philosophiegeschichtlichen Kontext betrachtet, erscheint David Hume als herausragender Vertreter des britischen Empirismus. Vor allem in der Auseinandersetzung m it dem
1 Hume, David, Ein Traktat über die menschliche Natur, 2. Aufl., Hamburg 1973, I, S. 30.
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wirkungsmächtigen Rationalismus cartesianischer Prägung profilierte sich der Empirismus während des 17. und 18. Jahrhunderts als revolutionäre Aufklärungsphilosophie und markierte eine philosophiegeschichtliche Zäsur, die bis in unsere Zeit hinein n achwirkt. 2 Systematisch konzipiert und damit an theoretischer wie praktischer Philosophie interessiert, bildet die Erkenntnistheorie das disziplinäre Fundament und Zentrum der empiristischen Schule. Im Gegensatz zum Rationalismus bezweifelten Empiristen einen Primat des Verstandes im Erkenntnisprozess und lehnten die These apriorischer Ideen als Ausgangspunkt einer axiomatisch-deduktiven Erkenntnisweise ab. Stattdessen beschrieben sie den menschlichen Geist zu Beginn seiner Tätigkeit als Tabula rasa und Erkenntnis als eine sukzessive Anhäufung persönlicher Erfahrungen. In der Konsequenz dieser Annahme erscheint der Gegenstand des Wissens nicht mehr endlich und das Wissen damit total, sondern Erkenntnis als permanenter und nicht zu vollendender Akt; Wahrheit schließlich nicht mehr als ewig. 3
Grundlage der empiristischen Sichtweise ist ein sensualistischer Erfahrungs-Begriff. Ausgangspunkt aller menschlichen Erkenntnis ist demnach die sinnliche Wahrnehmung der Außenwelt, der die innere Wahrnehmung, d.h. die geistige Verarbeitung der Sinneseindrücke zu Vorstellungen und deren Speicherung im Gedächtnis folgt. Die Katalysatoren in diesem dualen Prozess menschlicher Erkenntnis bezeichnete „der eigentliche Gründer“ 4 des Empirismus, John Locke als sensation und reflection. Grundkategorien des menschlichen Denkens sind die ideas, die sich wiederum in einfache und zusammengesetzte Vorstellungen einteilen lassen. Dabei ist festzuhalten, dass die Ideen im empiristischen Sinne zwar durch Einwirkung der außenweltlichen Objekte und ihrer Eigenschaften auf die Sinne im menschlichen Geist entstehen, mit diesen Eigenschaften aber nicht identisch sind. 5 Die philosophiegeschichtlichen Konsequenzen dieser Erklärung waren gravierend: In der Folge der empiristischen Prämissen vollzog sich ein „radikaler Bruch mit der Tradition der
2 Eine konsequente Weiterentwicklung des klassischen Empirismus findet sich z.B. in der kritischrationalistischen Wissenschaftstheorie Karl R. Poppers. Vgl. hierzu: Röd, Wolfgang, Die Philosophie der Neuzeit 2, Von Newton bis Rousseau (Geschichte der Philosophie Bd. 8), München 1984, S. 324f.
3 Vgl. Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie Bd. II, Neuzeit und Gegenwart, 12. Aufl., Freiburg i.Br. 1980, S. 97ff., 188. Die Auffassung des menschlichen Bewusstseins als tabula rasa geht auf John Locke zurück. Vgl. hierzu: Vorländer, Karl, Philosophie der Neuzeit, Die Aufklärung, Geschichte der Philosophie V, Reinbek bei Hamburg 1974, S. 13.
4 Hirschberger, Philosophie, S. 223.
5 Vgl. ebd., S. 202ff.; Hume, Traktat, I, S. 296f.
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platonisch-aristotelischen Metaphysik“ 6 . Denn, wenn Wahrnehmung der Grund aller Erkenntnis ist, die Eigenschaften eines Gegenstandes an sich aber nicht wahrzunehmen sind, ist das eigentliche Wesen dieses Gege nstandes für den Menschen nicht zu ergründen. Der traditionelle Substanz- Begriff erfährt in dieser Lesart eine scharfe Kritik und wird durch die empiristische Vorstellung eines Bündels von Ideen ersetzt. In letzter Konsequenz wird die Substanz als objektiv existente Kategorie der Außenwelt durch die ausschließlich subjektive Empfindung ihrer komplexen Vorstellung abgelöst. 7
In dieser Hinsicht bildet der Empirismus die Grundlage einer skeptizistischen Auffassung, die metaphysische Überlegungen traditioneller Prägung zu reiner Spekulation degradiert. Im Gegensatz zu John Locke, der den Widerspruch zwischen einer behaupteten, zugleich aber sinnlich nicht erfahrbaren, tatsächlich existenten Außenwelt nicht aufzulösen vermochte, und George Berkeleys spekulativer Grundlegung allen Seins im göttlichen Bewusstsein, hat David Hume diese Konsequenz erkannt und den Empirismus in seiner klassischen Form vollendet. 8
3.2 Impressionen und Ideen - Epistemologische Grundkategorien bei David Hume
Die revolutionäre Bedeutung der empiristischen Auffassung offenbart sich nicht alleine in ihrer epistemologischen Gesamtschau oder Konsequenzen. Bereits in terminologischer Hinsicht sind klare Zäsuren zur philosophiegeschichtlichen Tradition erkennbar. Hatten neuzeitliche Philosophen wie René Descartes oder Gottfried Wilhelm Leibniz den Begriff der Idee zwar rationalistisch modifiziert, aber noch immer in Anlehnung platonischer Verwendung als zumindest primär angeboren deklariert, definieren die Empiristen den Terminus im Hinblick auf eine grundsätzlich aposteriorische Genese. Die Idee erscheint somit nicht a priori existent, sondern ausschließlich als innere Vorstellung eines gegenwärtig sinnlich wahrgenommenen oder aber reflexiv erinnerten Gegenstandes 9 .
6 Hirschberger, Philosophie, S.188.
7 Vgl. ebd., S. 234. Zur radikalen Ablehnung der traditionellen Substanzauffassung vgl. Hume, Traktat, I, S. 27ff.; Röd, Philosophie der Neuzeit, S. 318ff.
8 Vgl. ebd., S. 223f., 231; Drechsler, Martin, Berkeley, in: Lutz, Bernd [Hrsg.], Metzler Philosophen-Lexikon, Von den Vorsokratikern bis zu den neuen Philosophen, 2. Aufl., Stuttgart/Weimar 1995, S. 111ff.
9 In dieser Weise findet der Begriff der Idee explizit bei John Locke seine Verwendung. Vgl. hierzu: Hirschberger, Philosophie, S. 203f. Bei Berkeley ist die Idee als innere Vorstellung zwar im Hinblick auf seine Annahme von Substanz als Bestandteil göttlichen Bewusstseins nicht als geistige Reaktion auf eine einwirkende materialistische Außenwelt von Gegenständen zu verstehen, erfährt dort aber ebenso die für den hier erörterten Standpunkt ausschlaggebende, klassisch empiristische Verwendung als aposteriorische Kategorie der
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Dieser grundsätzlichen Auffassung folgt auch der Empirist Hume, wenngleich seine epistemologische Basis-Terminologie Ausdruck einer weiter differenzierten Klassifizierung ist. Hume ersetzt den allgemeinen Begriff der Lockeschen Idee in sensualistischer Konsequenz durch den Terminus der perception. Die Verwendung ist kaum zufällig. Bereits in der begrifflichen Wahl offenbart sich Humes Deutung der menschlichen Verstandestätigkeit als komplexes Konstrukt äußerer und innerer Wahrnehmung, die im späteren auch für seine Überlegungen zu den Begriffen der Kausalität und - hier von besonderem Interesse - der Personenidentität entscheidend und weiter unten zu erörtern sein werden.
Anders als Locke und Berkeley differenziert Hume seinen Oberbegriff der Perzeption in impressions und ideas. Erstere sind Ausdruck unmittelbarer (äußerer oder innerer) sinnlicher Wahrnehmung, also im wörtlichen Sinne Eindrücke. Diese wiederum sind Ausgangspunkt für alle weiteren Ideen oder Vorstellungen im menschlichen Geist. Dabei sind die Ideen Abbilder von Eindrücken und als solche von geringer empfundener Intensität als die unmittelbare Impression. In empiristischer Konsequenz formuliert Hume also die Reduktion aller Vorstellungen auf zuvor intensiver empfundene Eindrücke als notwendige Bedingung der menschlichen Erkenntnis. Der Geist ist nur fähig zu denken, was er bereits in eindrücklicher Weise erfahren hat. Sinne und Erinnerungsvermögen des menschlichen Geistes sind somit die zentralen Bezugspunkte der Erkenntnis. 10
Unter den Prämissen einer atomistischen Wahrnehmungstheorie können Hume zufolge Vorstellungen im Gegensatz zu Impressionen, die grundsätzlich einfacher Natur sind, über ihre Genese als unmittelbares Abbild eines Eindrucks auch von komplexer Beschaffenheit sein. Solche komplexen Vorstellungen sind nichts anderes als die Komposition verschiedener einfacher Ideen, die sich wiederum, auseinander dividiert, unmittelbar auf Impressionen zurückführen lassen. Solch komplexe Ideen können ganze Gegenstände abbilden, die sich im Sinne einer gebündelten Idee aus einzelnen Perzeptionen wie z.B. Farbe, Form und Geschmack zusammensetzen. Ausschließlich in dieser Verknüpfung von Ideen bzw. der Analyse von zusammengesetzten Ideen gesteht Hume dem menschlichen Verstand implizit eine eigentliche Denk-Tätigkeit zu, die selbst nicht Akt sinnlicher Wahrnehmung ist, sondern das Resultat ihrer Arbeit (in Gestalt einer komplexen Idee oder eben einer in ihre einzelnen Bestandteile dividierten Idee) der inneren Wahrnehmung erst zuführt. Die Gesetzmäßigkeit
persönlichen Wahrnehmung. Vgl. hierzu: Berkeley, George, Eine Abhandlung über die Prinzip ien der menschlichen Erkenntnis, Hamburg 2004, S. 39f.
10 Hume, David, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Stuttgart 1982, II, S. 31ff.
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Jürgen Schreiber, 2005, Die Offenbarung des Atheismus. Der Begriff der persönlichen Identität und das Problem der Unsterblichkeit der Seele im Kontext der Philosophie David Humes, München, GRIN Verlag GmbH
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