Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
1. Jüdische Kultur in Deutschland 4
1.1. Der jüdische Glauben 4
1.2. Beginn der jüdischen Sonderstellung 5
1.3. Ausgrenzungen 6
2. Die Frühe Neuzeit 8
2.1.Juden in Mitteleuropa 8
2.2. Judenschutz und „Toleranz“ in den Territorialstaaten der Frühen Neuzeit 9
2.2.1. Judengesetze und deren Durchführung 10
2.2.2. Judentoleranz und die Reformation 11
3. Policeyordnungen 12
3.1. Wandel in den Policeyordnungen des Reiches 12
3.2. Regionale Unterschiede 13
3.2.1. Preußen 14
3.2.2. Münster 15
3.3. Reaktionen der jüdischen Bevölkerung 16
4. Fazit 17
5. Quellen 18
6. Literatur 18
2
Einleitung
Der fast zwei Jahrtausende andauernde, sich oft in blutiger Gewalt äußernde Antijudaismus mündete im 19. Jahrhundert im Antisemitismus, der wiederum die Grundlage für die beispiellosen Judenverfolgungen im Zuge des deutschen Nationalsozialismus bildete. Antijudaismus ist tief verwurzelt in der abendländischen Kultur, er wurde auf die verschiedensten Weisen gerechtfertig und ist trotz allem auch heute noch nicht überwunden. Die Repressalien gegenüber der vermeintlich anders denkenden jüdischen Bevölkerung begannen bereits mit dem wachsenden Einfluss des Christentums im frühen Mittelalter. In den verschiedenen Staaten gab es unterschiedliche Arten, dem Judentum zu begegnen. In dieser Arbeit soll es vornehmlich um die jüdische Bevölkerung in den Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen im Laufe der Frühen Neuzeit gehen. In dieser Zeit gab es durch die Zersplitterung der Herrschaftsgebiete unterschiedlich verlaufende Entwicklungsphasen, die einerseits geprägt waren durch die einschneidenden Veränderungen der Kirche und andererseits durch Veränderungen in der gesamten staatlichen Verwaltung und Gesellschaft.
Interessant ist die Rolle der Juden in dieser Zeit vor allem, weil ihre Situation so ambivalent war: sie wurden gebraucht, sowohl um mit ihren finanziellen Mitteln die Staaten zu stärken als auch um der christlichen Bevölkerung den „falschen Weg“ vorzuführen und sie wurden gleichzeitig regelrecht verteufelt für ihren vermeintlich so anderen Glauben. So oder so wurden sie instrumentalisiert und bekamen aber kaiserlichen Schutz und eine unsichere Bleibe. Diese Entwicklungen werden am besten durch die Rechte der Juden in der Frühen Neuze it widerge spiegelt, daher liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf ihrer rechtlichen Stellung, ihren Möglichkeiten und Schranken. Das Judenrecht spielt dabei eine zentrale Rolle, denn es regelte das Verhältnis der Juden zu den Christen. Es beeinflusste die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Juden maßgeblich und griff teilweise in ihre religiösen Vorstellungen ein.
Um einen ersten Einblick in die jüdische Kultur und deren Wirkung auf die christliche Gesellschaft zu erlangen, wird dies im ersten Kapitel thematisiert. Im zweiten Kapitel geht es speziell um die Lage der Juden in der Frühen Neuzeit. Ihr Status und ihre Abhängigkeiten zu den jeweiligen Territorialherrschern soll erklärt werden, außerdem wird beschrieben, welchen Einfluss die Reformation auf die Situation der jüdischen Bevölkerung hatte. Die unterschiedliche Durchführung der Judengesetze wird im dritten Kapitel anhand von zwei Beispielen aufgezeigt. Im Anschluss werden einige Reaktionen der Juden auf die
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Restriktionen beschrieben, bevor es im Fazit darum gehen soll, wie all diese Faktoren, auch wenn sie für heutige Verständnisse stetig von Intoleranz und ausbeuterischen Gedanken geprägt zu sein schienen, letztendlich zusammenwirkten und am Ende des 19. Jahrhunderts zumindest vorläufig zur Einführung der Religionsfreiheit in Deutschland führten. Mit diesem Thema hat sich auch Werner Marzi in seiner Monographie „Judentoleranz im Territorialstaat der Frühen Neuzeit“, wenn auch beschränkt auf die Region Hessen, eingehend befasst. Anhand von Texten unter anderem im „Jüdischen Lexikon“ von 1929 und in Friedrich Battenbergs „Das Heilige Römische Reich bis 1648“ können seine Erkenntnisse zum Teil bestätigt und mit anderen Regionen verglichen werden. Insgesamt gibt es sehr viel Literatur, die sic h mit der Geschichte der Juden in der Frühen Neuzeit allgemein beschäftigt und in der zumeist ebenfalls die rechtliche Lage der Juden oder ihre Ausgrenzung im Besonderen eine zentrale Rolle spielt.
1. Jüdische Kultur in Deutschland
1.1. Der jüdische Glauben
Wie in allen großen Religionen gibt es im Judentum verschiedenen Strömungen, Ausprägungen und regionale Differenzen. Was den Anhängern des jüdischen Glaubens aber gemeinsam ist, ist der Glaube an einen Gott, an die Gottesebenbildlichkeit des Mensche n sowie die Hoffnung auf das Erscheinen des Messias. Im Judentum wird die Mittlerschaft zwischen Gott und Menschen abgelehnt, es gibt keine Heiligenverehrung und der Mensch muss sein Tun selbst verantworten. Der Glauben ist ausgesprochen auf das Diesseits orientiert, außerdem wird die Nächsten- und Feindesliebe gefordert. Es gibt drei Bundeszeichen die allen praktizierenden Juden gemein sind : die Beschneidung, das Tragen des Tefillin und die Einhaltung des Schabbat.
Der Ritus ist im Alltag des Judentums allgegenwärtig: religiöse Handlungen bestimmen das Leben des praktizierenden Juden mehr noch als im Christentum und Islam. Beispielsweise gilt das Tragen der Kippa als Pflicht und geweihte jüdische Stätten werden nur mit Kopfbedeckung betreten. An Türpfosten jüdischer Unterkünfte werden Kapseln mit Pergamentstreifen, auf denen Texte von Moses und der Gottesname Schaddai stehen, am rechten Innenrahmen aller Türen des Hauses befestigt, diese werden üblicherweise beim
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Betreten und Verlassen berührt. Des Weiteren herrschen strenge Speisegesetze und das rituelle Schlachten (Schächten) ist Teil jüdischer Esskultur. 1 Diese Traditionen, wenn sie auch nicht im konkreten Gegensatz zum christlichen Glauben stehen, erweckten seit jeher Misstrauen, Unverständnis und Befremdung bei christlichen Gesellschaften. Obwohl der christliche Glaube tief in der jüdischen Tradition verwurzelt ist, entwickelte er sich in der Spätantike, mehr noch im Mittelalter, zum unversöhnlichen Gegner des Judentums. Juden wurden als Gottesmörder beze ichnet, die den Tod Jesus Christus zu verantworten hatten. Laut Matthäus (27,25) hätten sie sich damit selbst verflucht. Außerdem wurden Juden als Teufelssöhne angesehen, im Neuen Testament hatte Johannes (8, 37-47) das teuflische Wesen der Juden beschrieben und ihre Seelen und Synagogen als Heimstätten des Bösen bezeichnet.
1.2. Beginn der jüdischen Sonderstellung
Mit dem Beginn des Weströmischen Reiches setzte der christliche Druck auf die Juden ein, der im Hochmittelalter in rohe Gewalt gegen Juden sowie in ihre gesellschaftliche Isolation mündete. In der gesellschaftlichen Hierarchie rutschten sie mit den Kreuzugsbewegungen des 11. Jahrhunderts endgültig auf die unterste Stufe ab. 2 Verfolgungen, Vertreibungen und Massaker waren die Folgen.
Unter Eindruck der Blutbäder im Umfeld des I. Kreuzzugs erließ Heinrich IV. den Landfrieden von 1104 und nahm damit die Juden in Schutz, Konrad III. erneuerte während des II. Kreuzzugs dieses Privileg. Kaiser Friedrich I. Barbarossa führte dann 1155 die Krönungssteuer ein, laut der sich die Juden den Schutz der Majestäten bei jeder Krönung erneut erkaufen mussten. Auch von päpstlicher Seite gab es einen Appell an die Gegner der der jüdischer Bevölkerungsteile: Papst Innozenz IV. drohte in seiner Bulle über die Unverletzlichkeit des jüdischen Kultus und seiner Einrichtung von 1246 Frevlern mit der Exkommunikation. 3
1 Ortag: Kultur; S. 22ff.
2 Ortag: Kultur; S. 78f.
3 Ortag: Kultur; S. 42-50.
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Arbeit zitieren:
Janina Kraus, 2005, Juden in den Policeyordnungen der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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