GLIEDERUNG
Vorwort
1 Humanismus nach Jacques Maritain 1
1.1 Humanismus im Allgemeinen 1
1.2 Heroismus und Humanismus 1
1.3 Historie und Probleme des Humanismus 2
1.3.1 Mittelalter 2
1.3.2 Renaissance / Reformation 3
1.3.3 Das Zeitalter nach der Renaissance 4
1.4 Ein neuer Humanismus: „Humanisme intégral“ 5
2 Maritains „Beiträge zur Philosophie einer Erziehung“ 8
2.1 Das Konzept der Re-education von 1943 8
2.2 Das Konzept einer „thomistischen Erziehung“ 9
2.2.1 Ziele 10
2.2.2 Hierarchie der Werte 10
2.2.3 Erziehungsprozess 11
2.2.4 Erziehung und Individuum 11
2.2.5 Schule und Gesellschaft 12
3 Ansichten zur christlichen Erziehung 15
3.1 Schule und Religion 15
3.2 Die christliche Idee vom Menschen und ihr Einfluss auf die Erziehung 15
3.3 Spezifische Forderungen einer christlichen Erziehung 16
3.4 Ein Blick auf die Praxis 17
4 Zusammenfassung 18
Anhang S I
VORWORT
Der am 18. November 1882 in Paris geborene Jacques Maritain, der sich selbst stets als Außenseiter sah, ist durch sein Werk, das ein breites Spektrum an Themen umfasst, nahezu zu einer Institution geworden. Das Gedankengut von Thomas von Aquin durchzieht die meisten seiner Publikationen zu Themen wie der Metaphysik, der Morallehre, der Sozial- und Politikphilosophie dabei wie ein roter Faden. Wenngleich sich Maritain stets dagegen wehrte, gilt er als einer der Führer des Neuthomismus.
Doch damit nicht genug: Im Seminar Pädagogische Theorie und Bildungstheorie im Denken ausländischer Pädagogen lernten wir Maritain nicht nur als einen philosophischen Denker kennen, der sich in christlichen Traditionen bewegt, sondern auch als einen Bildungstheoretiker, der sich insbesondere in den USA, wo er u.a. an der Princeton University und an der Columbia University lehrte, große Anerkennung erwarb, wovon das Jacques Maritain Center in South Bend, Indiana, Zeugnis liefert.
Um der Vielfalt der von Maritain behandelten Themen gerecht zu werden, sollen in der vorliegenden Arbeit nicht nur seine „Beiträge zur Philosophie einer Erziehung“ zur Sprache kommen. Es soll auch eine Auseinandersetzung stattfinden mit Maritains Humanismus-Theorie und seinen Ansichten zur christlichen Erziehung. Dabei kann auf Grund des begrenzten Umfangs der Arbeit keine vollständige Abhandlung der einzelnen Punkte erfolgen; dazu könnte man Bände großen Umfangs schreiben. Vielmehr soll versucht werden, Maritains Denken, seine theoretischen Vorstellungen und seine Konzepte zu den einzelnen Punkten grob zu umreißen, um am Ende einen Eindruck davon zu gewinnen, was den Philosophen und Bildungstheoretiker Jacques Maritain ausmacht.
1
1 Humanismus nach Jacques Maritain
1.1 Humanismus im Allgemeinen
Der Begriff des Humanismus lässt zwei Definitionen zu. Zum Einen bezeichnet er ein von der Kultur der Antike beeinflusstes Bildungsideal des 13. bis 16. Jahrhunderts. Zum Anderen, im Allgemeinen und im Verständnis Maritains meint er das allgemeine Streben nach echter Menschlichkeit, nach edlem und menschenwürdigem Leben und Denken. 1 Für Maritain ist der Begriff des Humanismus immer einhergehend mit der Problematik des menschliches Wunsches nach Heroismus und er stellt sich grundlegend die Frage nach der Vereinbarkeit von Heroismus und Humanismus. Dabei stellt er zunächst fest, dass der Humanismus dazu neigt, „den Menschen wahrhaft menschlicher zu machen“ 2 und dass der Humanismus vom Menschen fordert,
„daß er sowohl die in ihm enthaltenen Möglichkeiten, seine schöpferischen Kräfte und sein geistiges Leben entwickelt und auch daran arbeitet, aus den Kräften der physischen Welt Werkzeuge seiner Freiheit zu machen.“ 3
Wichtig und bemerkenswert ist die Tatsache, dass für Maritain Humanismus notwendig religiös ist. 4
1.2 Heroismus und Humanismus
Diese Definition des Humanismus schließt im Prinzip die Möglichkeit eines „heroischen Humanismus“ nicht aus. Mehr noch: auf die Frage, ob es einen heroischen Humanismus geben kann, antwortet Maritain: „Für mich ja!“. 5 Doch woraus nährt sich ein solcher Humanismus? Maritain liefert uns auch hierfür die Antwort: die Lösung des scheinbaren Wiederspruchs zwischen Humanismus und Heroismus liegt in „gewisse[n] Formen von Heldentum“ 6 und in „heroischen Quellen der Heiligkeit“ 7 . Dabei denkt er beispielsweise an das buddhistische Heldentum, das sich äußert im Mitleiden und Nichthandeln, oder auch an das christliche Heldentum, dass sich in der unbedingten Liebe zeigt. 8
1.3 Historie und Probleme des Humanismus
Wenn Maritain über die Historie und die Probleme des Humanismus nachdenkt, geht er von
1 Vgl. Kunzmann 2005, S. 96.
2 Maritain 1950, S.2.
3 Ebd.
4 Vgl. ebd., S. 4.
5 Ebd. S. 3.
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Vgl. ebd.
2
drei Grundfragen aus: dem Menschen, der Freiheitsbeziehung (sprich: der Beziehung zwischen Gnade und Freiheit) und der Stellung der Kreatur zu Gott. Diese Grundfragen betrachtet er vor dem Hintergrund dreier geschichtlicher Epochen und zwar vor dem Hintergrund des Mittelalters, der Renaissance bzw. Reformation und dem Zeitalter nach der Renaissance.
1.3.1 MITTELALTER
In Hinblick auf die Epoche des Mittelalters stellt er dabei zunächst heraus, dass diese Zeit gekennzeichnet war durch ein besonderes christliches Denken. 9 Die Frage um den Menschen wurde hier mit vorwiegend theologischen Kategorien betrachtet: Der Mensch war „für das mittelalterliche Denken in seiner wirklichen und geschichtlichen Existenz nicht einfachhin ein natürliches Wesen. Vielmehr ist er ein zwiespältiges, verwundetes Wesen, dem Satan aus Lust, Gott aus Liebe Wunden zufügt. Einerseits hat er an der Erbsünde zu tragen, [...] [a]ndererseits ist er für ein übernatürliches Ziel geschaffen: Gott zu sehen, wie Gott sich selber sieht“.10 Der Mensch wird also hier vom Standpunkt der Sünde und Erlösung her definiert; er ist ein vernunftbegabtes, mit der Freiheit der persönlichen Wahl ausgestattetes, natürliches und übernatürliches Wesen zugleich, wenngleich die Reflexionen über seine natürliche Seite sehr gering ausfallen. 11
Die Beziehung zwischen Gnade und Freiheit im Mittelalter charakterisiert Maritain mit den Worten:
„daß der Mensch weder sich aus eigener Kraft retten kann noch aus eigener Kraft das Ringen um sein Heil zu beginnen oder sich aus eigener Kraft darauf vorzubereiten vermag, [...] daß er aber frei ist, wenn er unter Einwirkung der göttlichen Gnade handelt, und daß er, durch sie im Innersten angetrieben, gute und verdienstvolle Werke frei vollbringt und allein verantwortlich ist für das Böse, das er tut.“12
Der Mensch wird also im Mittelalter durch Gnade und nur durch Gnade erhoben zum höchsten Seinkönnen.
Die Stellung der Kreatur des Mittelalters zu Gott ist nach Maritain gekennzeichnet „durch die unbeabsichtigte und unbewußte Einfachheit der Bewegung, mit der der Mensch auf die entgegenkommende Bewegung Gottes hin antwortet.“13 Dies meint, dass in diesem Zeitalter alles unter dem Zeichen des Heiligen stand. Es ging den Menschen der Zeit darum, Gott in Liebe einen Thron auf Erden zu bereiten: „Gott zuliebe vergaß sie [die Kreatur, D.F.] sich selbst.“14
Mit der Auflösung des Mittelalters wurde das Tor zum modernen, „klassischen“ Humanismus
9 Vgl. ebd., S. 9.
10 Ebd., S. 8. 11 Vgl. de Castro Sarría 1971, S. 301f. 12 Maritain 1950, S. 9. 13 Ebd., S. 12. 14 Ebd.
3
geöffnet.
1.3.2 RENAISSANCE / REFORMATION
„Der Mensch ist durch die Erbsünde in seinem Wesen verdorben.“15 Er ist damit nichts ohne die Gnade Gottes und demzufolge ist die Gnade Gottes alles: das ist die Lehre bzw. die Konsequenz, die Luther aus der Lehre des Augustinus zog. 16 Er zog diese Lehre in einem Zeitalter, das gekennzeichnet ist durch einen ausgeprägten Pessimismus17, zwar ein Zeitalter, dass die Rehabilitierung des Menschen im anthropozentrischen Sinne sucht, ein Zeitalter also, in dem der Mensch sich selbst in sein Betrachtungsfeld rückt, aber eben auch ein Zeitalter, in dem der Mensch selbst seine Nichtigkeit und seine Verderbnis erklärt.18 Bezüglich der Problematik Gnade - Freiheit ist die Vorstellung der Zeit nach Maritain ebenso radikal: „Es gibt keinen freien Willen mehr, denn er ist durch die Erbsünde getötet worden.“19 Diese Denkweise finden wir u.a. auch bei Calvin. Ferner unterscheidet Maritain diesbezüglich zwischen einer relativ- humanistischen Theologie und einer absoluthumanistischen Theologie. Beide sind in seinen Augen Pseudo-Lösungen20: die relativhumanistische Theologie, da der Mensch hier zwar an Gott und seine Gnade glaubt, „aber er bestreitet ihm [Gott, D.F.] das Feld, er beansprucht seinen Anteil an der primären Initiative [die eigentlich Gott allein innehat, D.F.] im Hinblick auf das Heil und die Taten, durch die er sich das ewige Leben verdient, während er es gleichwohl unternimmt, sich selbst sein irdisches Leben und sein irdisches Glück zu bereiten.“21
Gnade und Freiheit werden hier also vollständig auseinandergetrennt, während bei der absolut- humanistischen Theologie die Gnade komplett gestrichen wird22:
„Wie die reine protestantische Theologie der Gnade eine Theologie ohne die Freiheit ist, so ist die reine humanistische Theologie oder Metaphysik der Freiheit eine Metaphysik der Freiheit ohne Gnade.“23
Wurde im Mittelalter der Pessimismus, die Überbetonung der Erbsünde zum kennzeichnenden Moment des Denkens (und Fühlens), so war im Zeitalter der Renaissance und der Reformation nach Maritain das Gegenteil der Fall: der Optimismus der Zeit überbetonte die Überzeugung vom Wert des Menschen, der das lebendige Ebenbild Gottes sei. 24 Aus diesem „anthropozentrischen Geist“ resultiert für Maritain die Notwendigkeit der
15 Ebd., S. 14.
16 Vgl. de Castro Sarría 1971, S. 303. 17 Mariatin 1950, S. 14. 18 Vgl. ebd. 19 Ebd.
20 Vgl. de Castro Sarría 1971, S. 304. 21 Maritain 1950, S. 16. 22 Vgl. de Castro Sarría 1971, S. 304. 23 Maritain 1950, S. 17. 24 Vgl ebd., S. 20.
Arbeit zitieren:
Doreen Friebe, 2005, Jacques Maritain: Beiträge zur Philosophie einer Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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