Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Politische Entwicklung der Städte im „Alten Reich“
2.1. Politische Stellung frühneuzeitlicher Städte: Eine Typologie 7
2.2. Zwischen Autonomie und Fremdbestimmung: Die Beziehung zwischen Stadt und
Territorialstaat 10
3. Zusammenhang zwischen politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung
fr ühneuzeitlicher Städte: Das Beispiel der Residenzstädte
3.1. Architektur als Politikum: Besonderheiten der architektonischen Gestaltung von
Residenzst ädten 16
3.2. Das Beispiel der Residenzstadt Dresden 18
4. Schlussbetrachtung 31
5. Literaturverzeichnis 32
2
1. Einleitung
Die Stadt ist für zahlreiche Wissenschaften ein ergiebiges Forschungsobjekt. Vor allem die historische Forschung schenkt der Geschichte der Stadt besondere Beachtung. Dabei stehen ganz unterschiedliche Aspekte im Mittelpunkt des Interesses: Sowohl die demographische, als auch die wirtschaftliche und die politische Entwicklung der Stadt sind klassische
Untersuchungsgegenstände. Nicht zuletzt bietet die Kunstgeschichte interessante Ansätze, das Bild der Stadt zu ergänzen.
Insbesondere für die Frühneuzeitforschung hat die Stadtgeschichte Relevanz. Die Epoche zwischen 1500 und 1800 war eine Zeit des Übergangs vom „finsteren“ Mittelalter zur Moderne, in der sich auch das Leben der Menschen in einer Umbruchphase befand. Lange Zeit blieb die Geschichte der Stadt in der Frühen Neuzeit ein Stiefkind der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert stand vielmehr die mittelalterliche Stadt im Blickpunkt der Historiker, die vielen als Vorbild hinsichtlich der Entwicklung einer modernen Bürgerkultur galt. 1 Der frühneuzeitlichen Stadt schenkte man kaum Aufmerksamkeit. Mehrheitlich zeichnete die von der Rechts- und Verfassungsgeschichte dominierte Forschung „ein düsteres Bild des Niedergangs“ 2 des deutschen Städtewesens. Die Ursache für den Verfall der frühneuzeitlichen Stadt wurde in der Herausbildung des frühmodernen Staates im Zuge des Territorialisierungsprozesses gesehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten die Erkenntnisse der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, aber auch die Untersuchung der Kultur- und Demografiegeschichte eine wichtige Ergänzung der bis dahin dominierenden politischen Perspektive. Daraus ergaben sich auch Ansätze, die den Zusammenhang zwischen politischer Entwicklung der Stadt und ihrer architektonischen Gestalt beleuchteten. Besonders deutlich wird diese Beziehung, wenn man die frühneuzeitlichen Residenzstädte betrachtet. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der deutschen Städte erlebten diese Stadttypen einen imposanten Aufschwung, der nicht zuletzt auf das Wirken der Landsfürsten zurückzuführen war. Dies scheint paradox, wurde doch der Verfall der frühneuzeitlichen Stadt auf die Veränderungen des Verhältnisses zwischen Kommune und Territorialstaat zurückgeführt.
Ausgehend von der Annahme, dass die politische Funktion und Bedeutung einer Stadt ihr Erscheinungsbild entscheidend beeinflusst, ist es das Ziel dieser Untersuchung, die Einschätzung des Aufschwungs der frühneuzeitlichen Residenzstädte zu relativieren. Auf der Grundlage der Darstellung des Wechselverhältnisses zwischen politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung steht folgende Fragestellung im Mittelpunkt: Inwiefern kann die politische Entwicklung
1 Vgl. Schilling, Heinz: Die Stadt in der Frühen Neuzeit. München 1993.Schilling (1993). S. 51.
2 Schilling (1993), S. 51.
3
der Residenzstädte in der Frühen Neuzeit tatsächlich als eine Zeit der Blüte charakterisiert werden? Die Städtelandschaft war in der Frühen Neuzeit durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Die Strukturierung kann dabei nach verschiedenen Kriterien erfolgen. So stellt die Unterscheidung in Bergstädte oder Messestädte beispielsweise die wirtschaftliche Funktion in den Vordergrund. Ausgangspunkt der Argumentation dieser Untersuchung i st die politische Lage der frühneuzeitlichen Stadt. Der Typus der Reichsstadt und der Nicht-Reichsstadt sind dabei Kategorien zur Unterscheidung des politischen Status’ der Kommunen. Ferner lassen sich weitere Typen finden, so z. B. Festungsstädte und Residenzstädte. Diese Bezeichnungen beschreiben den konkreten Charakter und die politische Funktion einer Stadt. Nach der allgemeinen Darstellung des Verhältnisses zwischen Territorialfürst und Stadt, soll im zweiten Teil der Arbeit der Zusammenhang zwischen Stadtbild und politischer Entwicklung von Residenzstädten dargestellt werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Stadt Dresden. Dabei soll auch untersucht werden, wie die politische Situation das Stadtbild geprägt hat. Welches Verständnis von Herrschaft und Staat kommt in der Architektur einer frühneuzeitlichen Residenzstadt zum Ausdruck? Eine Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung der frühneuzeitlichen Stadt steht vor mehreren Problemen: Sowohl eine Definition des geografischen, als auch des zeitlichen Betrachtungsrahmens ist notwendig. Für die Epoche der Frühen Neuzeit ist die Bezeichnung „Deutschland“ als Charakterisierung eines Staatsgebiets untauglich. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, auch „Altes Reich“ genannt, war um ein vielfaches größer als die Bundesrepublik Deutschland und zudem durch eine territoriale Zersplitterung gekennzeichnet. Zahllose Klein- und Kleinststaaten waren nur lose durch die übergeordnete Institution des Kaisers verbunden. Angesichts der Heterogenität der frühneuzeitlichen Städtelandschaft im „Alten Reich“ und der dezentralisierten Staatsstruktur erscheint es kaum verwunderlich, dass es keine dominante Hauptstadt gab, welche ihre Wirkung über den gesamten deutschen Raum entfalten konnte. Die Kaiserresidenz in Wien war zwar de jure das politische Zentrum, aber neben ihr gab es zahlreiche weitere Städte von politischer Bedeutung, so z. B. Regensburg als Sitz des ständigen Reichstages. Die Grenzen dieses staatlichen Gebildes sind aus der heutigen Sicht nicht eindeutig zu bestimmen. In einer Zeit, die durch kriegerische Auseinandersetzungen bestimmt wurde, kam es zu häufigen Gebietsveränderungen. Als Kern des „Alten Reiches“ blieb der deutschsprachige Raum erhalten, der deshalb im Rahmen dieser Arbeit im Mittelpunkt steht.
Die willkürliche Periodisierung eines historischen Zeitraumes bietet immer Diskussionsansätze bezüglich der Rechtfertigung einer solchen Einteilung. Geschichte kennt keine starren Grenzen, sondern verläuft ohne klar markierbare Übergänge. Die Festsetzung der Epochengrenzen ist deshalb niemals statisch und für alle Bereiche geeignet, sondern sollten begriffen werden als
4
anpassungsfähige Trennlinien. Insofern scheint mir die auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft verbreitete Klassifizierung der Frühen Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert dann sinnvoll, wenn überwiegend Aspekte der Historiographie untersucht werden. Die Entdeckung des bis dahin unbekannten amerikanischen Kontinents durch Kolumbus im Jahr 1492 ist für den Verlauf der weiteren Geschichte des Menschen zweifellos ein Ereignis von folgenreicher Bedeutung. Ebenso einschneidend war die Unabhängigkeitserklärung der amerikanischen Kolonien 1776 und vor allem die Französische Revolution 1789, welche für ganz Europa entscheidende Veränderungen brachte. Weil sich der Blick der Kunsthistoriker oder auch der Sprachwissenschaftler demgegenüber verstärkt auf Kunst und Architektur bzw. die literarischen Erzeugnisse in einem bestimmten Zeitraum richten, ist es evident, hierfür eine gesonderte Kategorisierung zu wählen. Angesichts dessen, dass sowohl historische, als auch kunstgeschichtliche Aspekte Teil der Darstellung sind, ist die zeitliche Eingrenzung des Themas problematisch. Aufgrund der Dominanz der politisch- historischen Sichtweise in der Argumentation, scheint es sinnvoll, für das sich mit diesem Gegenstand befassende erste Kapitel die in der Geschichtsforschung verbreiteten Epochengrenzen zu übernehmen. Für den zweiten Teil der Untersuchung, der im Wesentlichen den Zusammenhang zwischen Architektur und Politik in der Residenzstadt Dresden thematisiert, bietet es sich hingegen an, einen abweichenden Betrachtungszeitraum zu wählen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Phase des „Augusteischen Zeitalters“, also vor allem dem 18. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde die Residenzstadt Dresden nach den Plänen Augusts des Starken und seines Sohnes umgestaltet.
Zur Geschichte der Stadt in der Frühen Neuzeit bietet sich ein umfangreiches Angebot an Sekundärliteratur. Die Mehrzahl der Autoren thematisiert dabei einen Einzelaspekt der frühneuzeitlichen Stadt, wie z.B. die wirtschaftliche oder die demographische Entwicklung. Vorherrschend sind Darstellungen der politischen Entwicklung der Städte. Die Auswirkungen des Territorialisierungsprozesses, aber auch die Stellung der Städte im System des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation widmen sich eine Vielzahl an Publikationen. Dabei dominiert das Interesse an der Stellung der Reichsstädte. Die politische Lage von Residenzstädten fand bisher kaum Beachtung.
Es fällt auf, dass kaum Überblickswerke zur Situation der Städte in der Frühen Neuzeit verfügbar sind. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Studie von Heinz Schilling. 3 Besonders schwierig gestaltet sich die Quellenlage hinsichtlich themenübergreifender Darstellungen, wie z. B. der wechselseitige Einfluss zwischen städtebaulicher Gestalt und politischer Funktion einer Stadt. Eine kaum überschaubare Anzahl an Publikationen beschränkt sich ausschließlich auf die Entwicklungen in einer Stadt, es finden sich kaum verallgemeinernde Abhandlungen. Einen umfas-
3 Schilling(1993).
5
senden Blick bietet Wolfgang Braunfels 4 , der den Zusammenhang zwischen Architektur und der Repräsentation von Herrschaft in einem Zeitraum von 900 bis 1900 5 behandelt. Der Autor beschreibt nicht nur politisch relevante Stadttypen wie Reichs- oder Residenzstädte, sondern er stellt auch den Ausdruck kirchlicher und wirtschaftlicher Macht in der Gestaltung von Städten dar. Allerdings konzentriert sich Braunfels sehr stark auf die bloße Beschreibung einzelner Städte, ohne sie wirklich in die Beziehung zu ihrer politischen Funktion zu bringen. Braunfels bietet somit nur Ansätze allgemeingültiger Schlussfolgerungen in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Städtebau und Herrschaftsausdruck.
Die Geschichte der Residenzstadt Dresden in der Frühen Neuzeit ist aufgrund der regen Tätigkeit der Landesgeschichte gut erforscht, es gibt jedoch in einigen Bereichen Defizite. Die kunsthistorische Aufarbeitung der Umgestaltung Dresdens durch August den Starken hat unzählige Veröffentlichungen hervorgebracht. In nahezu jedem Reiseführer finden sich Hinweise zur prachtvollen Architektur der Residenzstadt im 18. Jahrhundert. Demgegenüber sind über die politische Situation der Stadt Dresden, besonders über die kommunale Politik kaum Abhandlungen greifbar. Dies mag zum einen auf den Verlust an Aktenmaterial durch Kriege, aber auch die mangelnde Motivation einiger Wissenschaftler, sich an ein vermeintlich aufgearbeitetes Feld der Stadtgeschichte heranzuwagen, zurückzuführen sein. Zudem verhindert oft die fehlende Bereitschaft zu i nterdisziplinärer Zusammenarbeit die Entwicklung neuer Ansätze, die einen differenzierteren Blick auf die Stadt Dresden im „Augusteischen Zeitalter“ ermöglichen könnten.
4 Braunfels, Wolfgang: Abendländische Stadtbaukunst. Herrschaftsform und Baugestalt. Köln 1976.
5 Braunfels (1976), S. 8.
6
2. Politische Entwicklung der Städte im „Alten Reich“
2.1. Politische Stellung frühneuzeitlicher Städte: Eine Typologie
Für die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme der Städte war im „Alten Re ich“ die rechtliche Stellung der Kommunen entscheidend. Man unterschied in Reichsstädte und Nicht-Reichsstädte.
Die Reichsstädte bildeten im Kreis der anderen Städte eine Sondergruppe. Ihr herausgehobener Status zeichnete sich dadurch aus, dass sie im G egensatz zu andern Kommunen eine autonome Stellung einnahmen. Sie hatten „keinen anderen Herrn…als den Kaiser“. 6 Reichsstädte verfügten über ein besonderes Maß an institutioneller Freiheit und rechtlicher Selbständigkeit 7 , die durch die Fixierung in der Wormser Reichsmatrikel von 1521 garantiert wurde. Darüber hinaus waren sie im Rahmen der Städtekurie auf den Sitzungen des Reichstages vertreten und hatten damit die Möglichkeit, ihre Interessen auf Reichsebene durchzusetzen.
Eine Sonderform der Reichsstädte waren die Freistädte, die vor allem im Bewusstsein ihrer Einwohner freie, autonome Kommunen waren und sich juristisch kaum von Reichsstädten unterschieden. 8 In gewisser Weise erinnern sie an das Beispiel der italienischen „Stadtrepubliken“. 9 Jedoch war die Gruppe der Reichsstädte in sich höchst heterogen strukturiert. Sowohl in Bezug auf die geografische Ausdehnung und die Einwohnerzahl, aber auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Prosperität und die kulturelle Ausstrahlung gab es große Unterschiede. 10 Angesichts dieser Differenzen verfolgten die Reichsstädte keine einheitliche Politik, gegensätzliche Interessen verhinderten eine effektive Zusammenarbeit, gemeinsame Verbindungspunkte gab es kaum. 11 Auch mangelte es an „Korporations- und Gemeinschaftsbewusstsein“. 12 Trotz der „ gemeinsamen Zugehörigkeit zur Städtebank auf dem Reichstag und der…städtischen Sondertagungen“ 13 im Rahmen des Städtetages, verharrten die Reichsstädte in der verengten, auf eigene Vorteile ausgerichteten Sichtweise der Kirchtur mpolitik. 14
Trotz dieser starken Differenzierung im Kreis der Reichsstädte, verband sie doch der Wunsch sich „sich straffer und permanenter Kontrolle [und der] Einbindung in größere staatliche Systeme zu
6 Neuhaus, Helmut: Das Reich in der Frühen Neuzeit. München 1997. S.34.
7 Vgl. Duchardt, Heinz: Die Reichsstadt in der Frühen Neuzeit in: Behringer, Wolfgang / Roeck, Bernd (Hrsg.): Das Bild der Stadt in der Neuzeit. 1400-1800. München 1999. S. 39-45. S. 39.
8 Schilling (1991), S. 26.
9 Schilling (1991), S. 26.
10 Duchardt (1999), S. 39.
11 Duchardt (1999), S. 39.
12 Duchardt (1999), S. 39.
13 Duchardt (1999), S. 39.
14 Duchardt (1999), S. 39.
7
entziehen“ 15 und die kommunale Eigenständigkeit zu bewahren.
Einhergehend mit der politischen Autonomie, v erfügten Reichsstädte auch über weitreichende wirtschaftspolitische Freiheiten. Nicht zuletzt deshalb waren sie in den Jahren bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts Zentren der kulturellen Blüte und der Kunstproduktion. 16 Zu ihnen zählen Nürnberg und Augsburg. Ihre „Zunftordnungen förderten den Wettbewerb“ 17 unter den Künstler. Es entwickelte sich ein e igener reichsstädtische r Stil, der auf dem Grundsatz basierte „ nur Meisterliches zu dulden. “ 18 „Man forderte das handwerklich Vollkommene, das nur mit größtem Arbeitsaufwand Machbare.“ 19 Zudem konnte die Kunstproduktion in Reichsstädten meist an eine lange Tradition anknüpfen und auf Erfahrungen aus früheren Zeiten aufbauen. Anders als die Reichsstädte verfügten Nicht-Reichsstädte über keine solch exponierte Stellung. Zu dieser Gruppe zählten alle Kommunen, die nicht den rechtlich fixierten Anspruch auf Autonomie besaßen und auf dem Reichstag keine Vertretung besaßen. Es gab zwei Untergruppen von Nicht-Reichsstädten: Zum einen gab es Städte, die keine oder nur e in eingeschränktes Maß an Selbstverwaltung besaßen. 20 Zum anderen gab es auch Siedlungen mit Stadtrecht, die zwar ein hohes Maß an Eigenständigkeit besaßen, aber nicht den Status einer Reichsstadt besaßen und diesen auch nicht anstrebten. 21
Die deutsche Städtelandschaft war in der werdenden Neuzeit durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Ausrichtung von Städten lassen sich so beispielsweise Bergstädte oder Messestädte unterscheiden. Unter der besonderen Berücksichtigung politischer Faktoren lassen sich neben den Überkategorien Reichsstadt und Nicht-Reichsstadt weitere, differenziertere Bezeichnungen der Stadtarten finden. Stellt man die militärische Bedeutung eines Ortes in den Vordergrund, so konnten bestimmte Kommunen als Festungsstädte charakterisiert werden. In einer Zeit, in der die Politik ganz wesentlich von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt war, besaßen Festungsstädte eine besonders wichtige Bedeutung. Solche Städte befanden sich meist in einer strategisch günstigen Lage und bedurften deshalb des besonderen Schutzes vor feindlichen Angriffen. Eine massive Ummauerung, Festungswälle sowie Bastionen - „aus dem Festungswall hervorragendes Verteidigungswerk, das auf zwei Ebenen mit Kanonen und Handfeuerwaffen armiert wurde“ 22 - bestimmten das Stadtbild. Für den Zeitraum
15 Duchardt (1999), S. 39.
16 Braunfels (1976), S. 103.
17 Braunfels (1976), S. 104.
18 Braunfels (1976), S. 104.
19 Braunfels (1976), S. 104.
20 Schilling (1993), S. 40.
21 Schilling (1993), S. 40.
22 Papke, Eva: Als Dresden eine Festung war (1545-1809). Berlin 1997. S. 6.
8
Gefechte boten Festungsstädte auch der Bevölkerung der umliegenden Gebiete Schutz. Oftmals hielten sich neben den tatsächlichen Ansässigen einer Stadt zahlreiche Personen mitsamt ihrer Habe und dem Vieh auf dem Stadtgebiet auf. Entsprechend problematisch gestaltete sich die Versorgungslage und die hygienischen Bedingungen, unter denen die Menschen oft über mehrere Wochen hinweg auf engstem Raum ausharrten, immer bedroht durch die Angst eines feindliches Sturmes auf die sicher geglaubte Stadt.
Ein weiterer Subtyp, der vor allem im 17. und 18. Jahrhundert an Bedeutung gewann war die Residenzstadt. Sie war der ständige oder vorübergehende Aufenthaltsort eines Monarchen. Im Zuge der Entstehung moderner Territorialstaaten begannen zahlreiche Landesherrn mit dem Ausbau ihrer Fürstenresidenz zum dauerhaften Aufenthaltsort. Die Stadt München, aber auch das Beispiel Dresden - was hier nur genannt sein soll und weiter unten näher beleuchtet werden wird - ist hier besonders hervorzuheben. Oftmals entstanden hier unter der Regie des Territorialfürsten prachtvolle Bauten, die ihren Glanz über die Jahrhunderte hinweg bewahr t haben und auf den heutigen Betrachter eine eindrucksvolle Wirkung entfalten.
Anders als die unter dem Gesichtspunkt des Grades an politischer Autonomie von Städten getroffene Einteilung der frühneuzeitlichen Städtelandschaft in Reichs- und Nicht-Re ichsstädte, beziehen sich die Unterkategorien Festungsstadt und Residenzstadt eher auf die Eigenschaften von Städten. Diese Form der Typisierung ermöglicht einen differenzierteren Blick auf den Charakter der Stadt. Indem dominante, für die politische Funktion von Städten wichtige Eigenschaften, wie Verteidigung oder Herrschaftssitz, in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken, kann auch die politische Relevanz einzelner Städte beurteilt werden.
Festungsstädte mit ihrer überwiegend strategischen Bedeutung hatten einen anderen Stellenwert im Gefüge der Politik als Residenzstädte, die Orte der Repräsentation des Herrschaftsanspruches und der Machtstellung der Landesfürsten oder des Kaisers sowie Zentren wichtiger politischer Weichenstellungen waren. Obwohl einige Städte auch die Eigenschaften einer Festungs- mit der einer Residenzstadt verbanden, übernahmen in der Frühen Neuzeit nicht alle Ortschaften die gleichen Aufgaben, es fand eine Funktionalisierung auch im politischen Bereich statt. Ebenso gab es auch Städte, die ohne jegliche politische Charaktereigenschaft blieben und eher wirtschaftliche Funktionen erfüllten.
Es ist nicht möglich, eine eindeutige Zuordnung der Unterkategorien zu den Gruppen Reichs- und Nicht-Reichsstadt zu treffen. Eine Verbindung zwischen rechtlicher Stellung und der politischen Bedeutung bzw. Funktion einer Stadt ist kaum herzustellen. Dies gilt besonders für die Festungsstädte, da die städtebauliche Ausrichtung nach militärischen Anforderungen nicht an eine bestimmte Form der Ausübung kommunaler Politik gebunden war.
9
Arbeit zitieren:
Evelyn Zschächner, 2004, Das Verhältnis von politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung der Stadt in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Sind die Parteien in Deutschland auf dem Weg zu Kartellparteien?
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Idee des Multikulturalismus
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 24 Seiten
Spartanerinnen im klassischen Zeitalter
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 17 Seiten
Das spartanische Erziehungssystem
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 13 Seiten
Das Heilige Land - Frauen auf Pilgerfahrt im frühen Christentum
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 10 Seiten
Eine Darstellung der Frauenzeitschriften im ausgehenden 18. Jahrhunder...
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Seminararbeit, 28 Seiten
Das Nibelungenlied uns seine Rezeption - vom 18. Jahrhundert bis zur G...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit, 21 Seiten
Michal Bada folgt nun Das Verhältnis von politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung der Stadt in der Frühen Neuzeit
Evelyn Zschächner's Text Das Verhältnis von politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung der Stadt in der Frühen Neuzeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Evelyn Zschächner hat den Text Das Verhältnis von politischer Entwicklung und architektonischer Gestaltung der Stadt in der Frühen Neuzeit veröffentlicht
Sprachvariation und Sprachwandel in der Stadt der Frühen Neuzeit
Stephan Elspaß, Michaela Negele
Stadt und Religion in der frühen Neuzeit
Soziale Ordnungen und ihre Rep...
Vera Isaiasz, Ute Lotz-Heumann, Monika Mommertz, Matthias Pohlig
Die jüdische Gemeinde von Frankfurt/Main in der Frühen Neuzeit
Familien, Netzwerke und Konfli...
Cilli Kasper-Holtkotte
Deutsche Fachliteratur der Artes in Mittelalter und Früher Neuzeit
Bernhard Dietrich Haage, Wolfgang Wegner
0 Kommentare