Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
1.1. Begriffsklärung 4
1.2. Entstehungsgründe des Japonismus 5
1.3. Japonismus im Alltagsleben 7
1.4. Ausgangspunkte des Japonismus 8
2. Einfluss des Japonismus auf Edouard 9
Manet
3. Einfluss des Japonismus auf andere 14
K ünstler- ein Exkurs
4. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Konfrontiert man einen kunstinteressierten Laien mit dem Begriff „Japonismus“, so wird dieser Ausdruck wohl ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Stirnrunzeln hervorrufen. Vielleicht wird er fragen, ob diese Bezeichnung etwas mit Japan zu tun hätte, aber eine genaue Auskunft darüber, was Japonismus denn sei, wird der Befragte nicht geben können. Ebensowenig wird eine mit kunsthistorischen Grundkenntnissen ausgestattete Person sofort eine konkrete Begriffsdefinition geben können. Dem geschulten Auge werden nach längerem Überlegen vielleicht ein bis zwei Künstler einfallen, die tatsächlich fernöstliche Stilelemente in ihre Werke eingebaut haben. Mit dieser Erkenntnis ist das Wissen um Japonismus jedoch vollständig erschöpft. Einen konstanten Einfluss asiatischer Kunst kann auch der Fast-Fachmann nicht erkennen.
Der Japonismus ist ein Kapitel in der Kunstgeschichte, dem bisher wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Dementsprechend ist auch die Literaturlage unbefriedigend. Die bis heute verfügbare Literatur ist eher unzureichend. Das Auftauchen japanischer Elemente in den Werken vieler Künstler wurde von der Forschung eher stiefmütterlich behandelt. Dies scheint unverständlich, ist der Japonismus doch eine fortdauernde Entwicklung, dessen Wirkung auch auf nachfolgende Epochen der Kunst ausstrahlt. Der häufig erhobene Vorwurf, die Verwendung japanischer Stilelemente sei nichts als eine Modeerscheinung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, konnte von der späteren Forschung ausgeräumt werden. Der Einfluss japanischer Holzschnitte auf das Werk vieler bedeutender Künstler ist heute unbestritten. Besonders die Impressionisten, aber auch die Vorimpressionisten wie Edouard Manet, standen unter dem Einfluss japanischer Kunst.
Um sich der Bedeutung des Japonismus für das Bildverständnis Manets zu nähern, ist eine Begriffsbestimmung zunächst unerlässlich. Dieser Aufgabe möchte ich mich im folgenden Teil meiner Arbeit widmen. Eine Darstellung der Dimensionen des Japonismus in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, vor allem die Ausstrahlung auf das Alltagsleben in Frankreich, scheint mir interessant. Anschließend soll geklärt werden, weshalb japanische Kunst einen so enormen Einfluss ausüben konnte. Worin liegen die Ursachen, dass die Künstler der Zeit empfänglich für das Fremde, das Exotische waren? Außerdem möchte ich die Quellen kurz vorstellen, welche so große Anziehungskraft für die westlichen Maler hatten. Was genau inspirierte sie an den japanischen Farbho lzdrucken, was reizte zu einer Aufnahme asiatischer Stilelemente in das eigene Werk?
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Nachdem die allgemeinen Grundlagen gelegt sind, konzentriert sich der Hauptteil der Arbeit auf den Einfluss des Japonismus auf das Bildverständnis Edouard Manets. Die drei Entwicklungsphasen der Verwendung japanischer Motive im Werk Manets werden
angedeutet. Das Hauptaugenmerk dieses Teiles liegt nicht auf einer intensiven Bildanalyse, sondern auf einem konkreten Herausstellen der fernöstlichen Note in ausgewählten Bildern Manets. Da sich in fast allen Werken japanische Elemente finden lassen, war es notwendig eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Nicht alle Bilder, die genannt werden, können auch vorgestellt werden. Ziel dieser Arbeit ist es, den Grundstein für ein selbständiges Aufspüren des Japonismus - nicht nur, aber vor allem - in Manets Werk zu legen. An Beispielen soll das Handwerkszeug vermittelt werden, dass einen eigenen Zugang zu den Werken ermöglichen soll.
Der dritte und letzte Abschnitt will einen kurzen Überblick über den Einfluss des Japonismus auf das Werk anderer bedeutender Künstler geben. Dieser Exkurs soll zeigen, dass der Japonismus keine Randerscheinung in der Kunstgeschichte war, sondern eine Phase mit weitreichendem Einfluss auf alle folgenden Epochen. Nicht nur Manet stand unter seinem Einfluss, auch andere Künstler ließen sich von japanischen Farbholzdrucken inspirieren.
1.1. Begriffsklärung
„Nicht mehr und nicht weniger als eine Revolution im Sehen der europäischen Völker, das ist der Japonismus; ich möchte behaupten, er bringt einen neuen Farbensinn, neue dekorative Gestaltung und sogar poetische Phantasie in das Kunstwerk, wie sie noch nie, selbst in den vollendetsten Schöpfungen des Mittelalters oder der Renaissance existierten.“ 1 Diese Tagebuchnotiz von Edmond de Goncourd aus dem Jahr 1884 zeigt sehr deutlich, welch bedeutende Rolle der Japonismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielte. Seine Wirkung war so gewaltig, dass sich damals fast jeder Künstler für die Kunst Japans zu interessieren begann.
Der Begriff Japonismus wurde ca. 1860 im Zuge der Auseinandersetzung mit der Kunst des Impressionismus, Nachimpressionismus und dem Jugendstil zu einem Schlagwort. Allgemein bezeichnet der Ausdruck „die Erkenntnis, Bewunderung, Aufnahme und Umsetzung östlicher Sehweise“ 2 . Anfangs wurden japanische Einflüsse von den Kritikern herabgesetzt. Künstler, die sich durch sie inspirieren ließen, schätzte man gering, verurteilte ihr Schaffen als bloße Nachahmung im Stile des damals üb lichen Exotismus. Den Malern warf man fehlendes Können vor, deshalb griffen sie angeblich auf fremde Inspirationsquellen zurück. Der Kreis
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der Impressionisten wurde damals „japanische Schule“ 3 genannt. Doch es ist weit gefehlt, fernöstliche Kunst als g ewöhnliche Kopiervorlage zu diffamieren. Die heutige Forschung bekräftigt, dass japanische Farbholzschnitte vielmehr eine Katalysatorwirkung für die damalige Kunstszene hatten. Er regte eine Neuorientierung an.
Was die Künstler im einzelnen an der japanischen Kunst schätzten, wird genauer unter 1.4. analysiert.
1.2. Entstehungsgründe des Japonismus
In diesem Abschnitt möchte ich insbesondere die Ursachen beleuchten, die ein Durchsetzen des Japonismus in der Malerei bewirkt haben.
Im wesentliche n lassen sich die Ursachen auf eine einfache Formel bringen: die Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts steckte in einer Krise.
Man kann die Gründe für den Siegeszug japanischer Kunst in Europa in vier Teilbereichen betrachten: stilistisch, philosophisch, kulturpolitisch und gestaltend 4 . Zunächst zum wichtigsten, dem stilistischen Teilaspekt. Ein Zitat von Auguste Renoir umschreibt den Kern dieses Gesichtspunktes sehr treffend: „Ich war am Ende des Impressionismus angekommen und mußte feststellen, daß ich weder malen noch zeichnen konnte. Ich war, mit einem Wort, in der Sackgasse.“ 5 Die Künstler glaubten, nichts neues mehr entdecken zu können. Sie hatten mit ihrer Malerei bereits alle Neuerungen, alle revolutionären Ideen umgesetzt. Scheinbar g ab es keine Berechtigung mehr für
impressionistische Kunst und den damit verbundenen Illusionismus. „Wenn die illusionistisch gesehenen Einzelheiten das Bild in eine Ansammlung von Fragmenten zu zerreißen drohen, wird die Sehnsucht nach Einheit und Zusammenhang umso stärker.“ 6 Man wähnte sich am Ende des Weges angekommen zu sein und suchte nun eine Neuorientierung im Fremden, Exotischen. Die Künstler drängten nach dem “Ursprünglichen,...dem Archaischen“ 7 . Der Japonismus wirkte nun wie ein „Befreier[...] und Helfer“ 8 aus einer tiefen Sinnkrise.
1 Berger (1980), S. 7.
2 Berger (1980), S. 9.
3 Lexikon der Kunst (1971), S. 456.
4 nach Berger (1980), S. 8-11.
5 Berger (1980), S. 8.
6 Berger (1980), S. 9.
7 Berger (1980), S. 9.
8 Berger(1980), S. 9.
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Arbeit zitieren:
Evelyn Zschächner, 2002, Der Japonismus und seine Bedeutung für das Bildverständnis von Edouard Manet, München, GRIN Verlag GmbH
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