Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 3
2.DieWahrnehmung der Französischen Revolution in England
2.1. Die Situation in England vor dem Ausbruch der Französischen 5
Revolution
2.2. Die Haltung Englands zu Beginn der Revolution 7
2.2.1. Die Spaltung der öffentlichen Meinung: Radikalismus und 7
Konservatismus
2.3. Die Haltung Englands mit zunehmend er Radikalisierung der Revolution 12
3. Schluss 15
4. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
„So hatten die leitenden Schichten Englands...reichlich Zeit gehabt, ihre Stellung derart auszubauen, daß England dem Ansturm der demokratischen Republikaner standhalten und der Kreuzzugsideologie ...seine eigene Stabilität entgegenstellen konnte.“ 1
Als 1789 in Frankreich die Revolution ausbrach, war Europa in zwei Lager gespalten. Auf der einen Seite standen die Staaten, welche den Umsturz des absolutistischen französischen Systems bejubelten und angeregt wurden, auch in ihrem Land einen Wechsel der Herrschaftsordnung zu erzwingen. Auf der anderen Seite stand die Mehrheit der europäischen Nationen den Ereignissen in Frankreich ablehnend und mit Skepsis gegenüber. Auch die Regierung Großbritanniens vertrat die Seite der Konterrevolution.
Doch wie wurde die große Revolution der Franzosen in der englischen Öffentlichkeit wahrgenommen? Unterstützte die Mehrzahl der Bürger den außenpolitischen Kurs der Regierung, oder waren auch kritische Stimmen zu hören? Die eingangs formulierte These impliziert, das sich das britische politische, gesellschaftliche und soziale System der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch eine große Stabilität auszeichnete. Es wird außerdem deutlich, dass es in England auch Revolutionsanhänger gab, welche das System gefährdeten.
Ausgehend von der These, dass die Systemstabilität den Sieg der Revolution in England verhindert habe, lässt sich die zentrale Fragestellung dieser Arbeit formulieren: Konnte sich die Gegenrevolution in England deshalb durchsetzen, weil das politische und gesellschaftliche System so stabil waren? Ist das Durchsetzen dieser Denkrichtung auch auf andere Ursachen zurückzuführen, und wenn ja, auf welche? Um die Fragestellung beantworten zu können, muss sich der erste Abschnitt des Hauptteils der Arbeit mit der Situation der englischen Gesellschaft vor dem Ausbruch der Französischen Revolution beschäftigen. Auch die Lage der Wirtschaft und der Zustand des politischen Systems werden kurz beleuchtet. Anschließend beginnt die Untersuchung der Wahrnehmung der Französischen Revolution in England. Gegliedert in zwei Etappen werden nun die Einstellungen der Bürger, der Intellektuellen und der Regierung zu Beginn und im Verlauf der Revolution beleuchtet. Mein Hauptaugenmerk richtet sich auf die beiden beherrschenden Schulen der englischen öffentlichen Meinung: Radikalismus und Konservatismus. Durch die Vorstellung der Protagonisten der jeweiligen
1 Brinton, Crane: Europa im Zeitalter der Französischen Revolution. Wien 1939. S. 141.
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Denkrichtung, Edmund Burke und Thomas Paine, soll ein Überblick über die Hauptziele und Grundannahmen vermittelt werden. Danach schließt sich eine Darstellung der Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung der Revolution mit dem Fortschreiten der Ereignisse in Frankreich an.
Meine Untersuchung beschränkt sich auf die Betrachtung Englands. Schottland, Wales und Irland finden an dieser Stelle keine Beachtung. Die Bezeichnungen Großbritannien und England werden- nicht ganz korrekt- synonym verwendet, um eine größere sprachliche Ausgewogenheit zu schaffen. Den Endpunkt der Untersuchung der Auswirkungen der Französischen Revolution auf England bildet das Jahr 1793. Die britische Regierung war der Koalition der europäischen Mächte im Kampf gegen die revolutionäre Bewegung beigetreten. An dieser Stelle setzt die Geschichte der Koalitionskriege ein, die nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein soll. Sinnvoll ist die Beendigung der Betrachtung an dieser Stelle aber auch deshalb, weil die englische Gruppe der Radikalisten zu dieser Zeit weitestgehend verstummt und handlungsunfähig geworden war. Der sieg der Gegenrevolution war offensichtlich.
Die Literaturlage zu dem gewählten Thema ist erwartungsgemäß unübersichtlich. Vor allem mit dem Werk Edmund Burkes, der als Gründungsvater des Konservatismus gilt, beschäftigten sich zahlreiche Historiker und Politikwissenschaftler. Sucht man nach Büchern oder Aufsätzen, die sich konkret mit der Wahrnehmung der Französischen Revolution in England auseinandersetzen, stößt man zumeist auf englischsprachige Texte. (Alle englischsprachigen Titel, die in dieser Arbeit verwendet wurden, werden in übersetzter Form zitiert.) Die deutschsprachige Forschung konzentriert sich in Bezug auf die Revolution von 1789 auf die Auswirkungen dieses Ereignisses auf die deutschen Staaten. Für die vorliegende Arbeit erwiesen sich die Bücher von R. R. Palmer und George Rudé als essentielle Quellen. Sie geben einen detaillierten Überblick über die Materie.
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2. Die Wahrnehmung der Französischen Revolution in England
2.1. Die Situation in England vor dem Ausbruch der Französischen Revolution
Zum Zeitpunkt, als in Frankreich die Ereignisse der Revolution ihren Lauf nahmen, feierten die Briten die Hundertjahrfeier ihrer eigenen, unblutig verlaufenen Revolution, der „Glorious Revolution“ von 1688. In Folge der englischen Revolution war seit 1689 die „Bill of Rights“ in Kraft. Sie bewirkte eine Beschränkung der Macht des Königs u nd demgegenüber die Stärkung des Parlaments. Nun herrschte Redefreiheit für die Abgeordneten. Außerdem lag das Recht über den Staatshaushalt zu entscheiden jetzt beim Parlament. Im Zuge der Inkraftsetzung der „Bill of Rights“ wurde auch die „Magna Charta“ aus dem Jahr 1215 bestätigt und erweitert. Den Bürgern Englands wurde dadurch der Schutz gegen willkürliche Freiheitsberaubung zugestanden. Nur auf der Grundlage eines Gesetzes durfte man verhaftet und verurteilt werden. Ebenso wurde sichergestellt, dass jeder Bürger ein Widerstandsrecht bei Rechtsbrüchen des Monarchen hat.
Das England der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unterschied sich deutlich vom Rest der europäischen Staaten. Kennzeichnendes Beispiel für die Sonderstellung war und ist seine Insellage, wodurch Großbritannien vom Kontinent getrennt war und ist. Die kontinentalen Entwicklungen konnten weniger schnell auf England übergreifen. Während der Großteil Europas noch von absolutistischen Monarchen regiert wurde, war das britische System der konstitutionellen Monarchie eines der modernsten Systeme der damaligen Zeit. Das Volk in Großbritannien genoss ein Höchstmaß an Freiheit. Die Presse war hochentwickelt und relativ unabhängig 2 . England war das „Land mit der damals am stärksten ausgebildeten Öffentlichkeit“ 3 . Auch im Bereich der Bildung war Großbritannien sehr fortschrittlich. Die Alphabetisierungsrate war im Vergleich zum Rest Europas sehr hoch. Ab 1789 stieg die Zahl derer, die Zeitung lesen und sich über das aktuelle Geschehen informieren wollten 4 . Außerdem besaß der britische Staat die Vorherrschaft auf den Weltmeeren und unterhielt Handelsbeziehungen in alle Länder der Welt. Als Ursprungsland der Industriellen Revolution verfügte England damals über den größten Wohlstand weltweit. Auch die britische Landwirtschaft war innovativ und produktiv, weil sie an den Prozess der Industrialisierung angeschlossen war. Ein „allmählich verschwindender Bauernstand,...die Ausbreitung von
2 Palmer, R. R. : The Age of the Democratic Revolution. A Political History of Europe and America, 1760-1800. Bd. II: The Struggle. New Jersey 1964. S. 462.
3 Schulin, Ernst: Die Französische Revolution. 2. Auflage. München 1989. S. 184.
4 Palmer (1964), S. 462.
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Arbeit zitieren:
Evelyn Zschächner, 2002, Die Wahrnehmung der Französischen Revolution in England, München, GRIN Verlag GmbH
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