2
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Einführung in die Zeit und die Motive der Calvinistischen Monarchomachen 5
2.1 Die historischen Rahmenbedingungen, unter denen die Calvinistischen
5
Monarchomachen ihre Theorien entwickelten
2.2 Die persönliche Motivlage des Autors Theodor Beza 8
Politische Theorien der Calvinistischen Monarchomachen unter Berücksich-
III 10
tigung des Werkes von Theodor Beza „De iure magistratum“
3.1 Grundlagen der Staatstheorie 10
3.2 Das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschte und das Konzept der
12
Souver änität
3.3 Der spezifische Begriff des Volkes und die hierarchische Schic htung der
15
Gesellschaft
3.4 Das Repräsentationsmodell 18
3.5 Das Recht zum aktiven Widerstand gegen den Tyrannen 18
3.6 Die Bedeutung der Institutionen und Ämter 19
3.7 Der antike Bezug und Modifikationen 20
3.8 Vergleich der politischen Theorien der Calvinistischen Monarchomachen
21
mit der Jean Bodins
Die politischen Theorien der Calvinistischen Monarchomachen in Abgren-
IV 25
zung zum Kontraktualismus der frühen Neuzeit
V Schlussbemerkung 27
Literaturverzeichnis 30
3
I. Einleitung
Zur Einführung in die Thematik der vorliegenden Seminararbeit soll zunächst der Begriff „Monarchomachen“ definiert werden.
Wörtlich übersetzt bedeutet „Monarchomachen“ „Königsbekämpfer“. „Mona rchos“ kann aus dem Altgriechischen übersetzt werden mit „Alleinherrscher“, „machesthai“ bedeutet „kämpfen“. 1
In dieser Kategorie, 1601 geprägt von William Barclay 2 , wurden die politischen Theoretiker subsumiert, die im 16. Jahrhundert in ihren Schriften „die souveränen Herrschaftsansprüche der Fürsten einzuschränken und dabei ihre religiösen Interessen [versucht hatten, zu] verteidigen“ 3 .
Jürgen Dennert kritisiert, dass sich die Kategorie „Monarchomachen“ zu einem Sammelbecken aller das Königtum bekämpfenden Kräfte entwickelt hat, und im Zuge dieses Prozesses ihre wissenscha ftliche Schärfe eingebüßt hat. 4 Aufgrund der vie lfältigen politischen Motive, der verschiedenen konfessionellen Gebundenheiten und der enormen Zeitspanne, wird der Begriff Monarchomachen verwässert, wenn alle Vertreter ohne weitere Differenzierung unter dieser Kategorie eingeordnet werden. 5 Dennert schlägt folgende Gruppierung vor: die spanischen Jesuiten, die englischen Katholiken, die schottischen Reformierten und die französischen Katholiken vor und nach der Ba rtholomäusnacht, außerdem die Juristen des f ranzösischen Parlaments sowie die Reformierten während der Religionskriege. 6 Bildheim kategorisiert wie folgt: Auf der einen Seite die „‚Calvinistischen Monarchomachen’ “, wobei er in dieser Kategorie die „‚Lutheranischen Monarchomachen’“ mit einordnet und auf der anderen Seite die „‚Katholischen Monarchomachen’ “. 7 Die Monarchomachen sind, so Bildheim weiter, eine in sich heterogene Gruppe, und macht für diesen Befund
1 Vgl. Dennert, Jürgen: Beza, Brutus, Hotmann: calvinistische Monarchomachen. Übersetzt von Hans
Klingelhöfer. Herausgegeben und eingeleitet von Jürgen Dennert, Köln, Opladen, 1968, S. IX (Fußnotentext).
2 Vgl. Bildheim, Stefan: Calvinistische Staatstheorien. Historische Fallstudien zur Präsenz monar-
chomachischer Denkstrukturen im Mitteleuropa der Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main, 2001, S. 11.
3 Bildheim, Steffen, a.a.O. (Anm. 2), S. 12.
4 Vgl. Dennert, Jürgen, a.a.O (Anm. 1), S. XI.
5 Vgl. Bildheim, Steffen, a.a.O. (Anm. 2), S. 12.
6 Vgl. Dennert, Jürgen, a.a.O (Anm. 1), S. XI.
7 Vgl. Bildheim, Steffen, a.a.O (Anm. 2), S. 12.
4
ihre verschiedenen Nationalitäten, berufliche Herkünft e, Konfessionen sowie “philosophische n Grundlagen“ deutlich. 8
In der vorliegenden Arbeit sollen zunächst die historischen Hintergründe, die die calvinistischen Monarchomachen motiviert hatten, politische Schriften zu verfassen, herausgearbeitet werden. Anschließend sollen anhand biografischer Daten des Autors Theodor Beza seine persönlichen Motive extrahiert werden, die erklären können, weshalb er ein monarchomachisches Werk verfasst hatte.
Im darauf folgenden Abschnitt wird die politische Theorie der calvinistischen Monarchomachen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. In diesem Kapitel sollen die einzelnen Elemente des Staatswesens herausgearbeitet und analysiert werden. Im Hintergrund wird dabei auch der Bezug der Theorie der calvinistischen Monarchomachen zur attischen Demokratie und zur Mischverfassung der Römischen Republik stehen. Die ermittelten Anknüpfungspunkte zu den beiden genannten historischen Vorbildern werden in einem gesonderten Gliederungspunkt zusammengefasst und um die Modifikationen durch die calvinistischen Monarchomachen ergänzt. Im folgenden Gliederungspunkt soll ein grobes Raster eingesetzt werden, um die wichtigsten Prämissen der politischen Konzepte der calvinistischen Monarchomachen auf der einen Seite und von Jean Bodin, die dieser in seiner Schrift „Sechs Bücher über den Staat“ verfasst hatte, auf der anderen Seite, gegenüberzustellen. Die Arbeit wird beendet durch einige Bemerkungen zur Abgrenzung der politischen Theorien der Calvinistischen Monarchomachen vom Kontraktualismus der Frühen Neuzeit.
Im Schlusswort werden die meines Erachtens wesentlichen Erkenntnisse unter der Prämisse des demokratischen Gehalts der Theorien der Calvinistischen Monarchomachen zusammengefasst.
8 Vgl. ebd., S. 12.
5
II. Einführung in die Zeit und die Motive der Calvinisti-
schen Monarchomachen
2.1 Die historischen Rahmenbedingungen unter denen die Calvinisti-
schen Monarchomachen ihre Theorien entwickelten
Ein Teil der Schriften der Calvinistischen Monarchomachen wurde im 16. Jahrhundert, in der Hochzeit der Reformationsbewegung in Frankreich verfasst. 9 „Impulse“ 10 erhielt die französische Reformationsbewegung aus verschiedenen Richtungen, so aus den Erfahrungen der „waldensischen Gemeinden“ 11 , aus den „Waldenserverfolgungen“ 12 , die auch im 16. Jahrhundert noch durchgeführt wurden sowie von verschiedenen reformatorischen Strömungen Europas, beispielsweise von der Lutheranischen Reformationsbewegung Deutschlands und von Reformatoren aus der Schweiz und Straßburg. 13
Einen starken Impuls erhielt die französische Reformationsbewegung aus der protestantischen Stadt Genf. Nachdem Calvin 1536 begann, von Genf aus seine Gedanken und Schriften gemeinsam mit anderen protestantischen Theologen zu publizieren, wurde die Stadt zu einem Zentrum der protestant ischen Lehre. 14 Die ersten veröffentlichten Schriften der Calvinistischen Mona rchomachen waren öffentlich verbreitete Streitschriften, in denen theologische Argumente und Forderungen verbrieft wurden. Um politische Inhalte ging es darin zunächst nur am Ra nde. 15
In der Mitte des 16 Jahrhunderts wurden, erst unter dem katholischen König Franz I., dann unter seinem Sohn Heinrich II. die Gräben zwischen dem katholisch regierten Frankreich und der protestantischen Bewegung mit ihrem Zentrum in Genf immer
9 Vgl. Dennert, Jürgen, a.a.O. (Anm. 1), S. XXXVI.
10 Ebd., S. XXXVI.
11 Ebd., S. XXXVI.
12 Ebd., S. XXXVI.
13 Vgl. ebd., S. XXXVI.
14 Vgl. ebd., S. XXXVI.
15 Vgl. ebd., S. XXXVI.
6
tiefer. Heinrich II. ließ Protestanten riegeros verfolgen. Höhepunkt war die Inhaftierung und Hinrichtung von Mitgliedern des französischen Parlaments. 16 Die monarchomachischen Schriften, die zunehmend in französischer Sprache publiziert wurden, hatten eine starke Wirkung in Frankreich. Bereits 1558 wurde die Zahl der französischen Protestanten auf 400.000 beziffert. 17 Die protestantischen Gemeinden hatten sich auch organisatorisch von der katholischen Kirche losgelöst und sich mit einer eigenen Verfassung institutionalisiert. 18
Charakteristisch für die Reformation in Frankreich ist, dass sich ihre Mitglieder aus den gehobenen Schichten des dritten Standes (Gelehrte, gehobenes Bürgertum), andererseits aber auch aus Teilen des ersten Standes rekrutierten (König von Navarra, Ludwig von Londé). 19
Die reformierten Gemeinden emanzipierten sich, wie dargestellt, theologisch, aber auch zunehmend politisch. Sie traten „[i]n den acht Bürgerkriegen [...] als eigenständige und machtvolle Kriegspartei auf.“ 20 Reformierte formulierten nicht mehr nur protestantische Streitschriften in Hinterzimmern, sondern traten zunehmend in der Öffentlichkeit den Katholiken entgegen. Sie gingen um Unterstützung für ihr Ziel Bündnisse ein und suchten „Bundesgenossen“. Eines der Bündnisse war die Verschmelzung des Calvinismus mit der „Partei der Politiques“, die den Ausgleich zwischen den Protestanten und Katholiken verfolgte und dem gegnerischen Block zuge-wandt war. Berichtet wird ebenso, dass die Calvinisten einige Vertreter des Hochadels („Prinzen königlichen Blutes“) in ihren Reihen hielten, um diese als herausragende Führungspersönlichkeiten und Galionsfiguren darstellen zu können sowie eine bereite Gefolgschaft und Unterstützung zu sichern. 21
Die Entwicklung vollzog sich zusammengefasst von einer „nur geistig-theologisch bestimmte[n] Gruppe von Menschen, eine Gemeinde, in eine politische Fraktion, ja in eine Art politisches Gemeinwesen.“ 22
Widersprüchlich an der soeben dargestellten Entwicklung ist das ursprüngliche Ziel der Reformierten, ihre Kirche „aus dem politischen Gemeinwesen auszugliedern.“ 23 Damit standen sie der in Frankreich des 16. Jahrhunderts vorherrschenden strukturel-
16 Vgl.ebd., S. XXXVII.
17 Vgl. ebd., S. XXXVII.
18 Vgl. ebd., S. XXXVII.
19 Vgl. ebd., S. XXXVII.
20 Ebd., S. XXXVIII.
21 Vgl. ebd., S. XXXVIII.
22 Ebd., S. XXXIX.
23 Ebd., S. XXXIX.
7
len Vernetzung zwischen monarchischem Staatssystem und katholischer Kirche entgegen. Das französische Königtum identifizierte sich im 16. Jahrhundert mit der katholischen Konfession und koppelte so das politische Gemeinwesen mit dieser Konfession. Durch die Absolutsetzung der Konfession wurde ein Nebeneinander von Protestantismus und Katholizismus unmöglich. Durch diese „Staatskonfession“ standen diejenigen, die nicht der vom Herrscher proklamierten Konfession angehörten, außerhalb des politischen Gemeinwesens. Sie wurden zu „Majestätsverbrechern“, weil sie sich nicht mit der vorgeschriebenen Identität zwischen Staat und Konfe ssion identifizierten. Der König ließ die Gesellschaft von den Reformierten säubern. 24 Die monarchomachischen Autoren stellten folgende Fragen: Wie kann der Wider-stand gegen einen König begründet werden, der die Existenz der protestantischen Konfession und die physische Existenz deren Mitglieder bedroht? Und darüber hinaus: Wie kann mit der anerkannten Staatsform der Monarchie weitergelebt werden? 25 Die letzte Fragestellung impliziert schon die Annahme, dass die calvinistischen Monarchomachen ursprünglich nicht das Ziel hatten, einen „Staat der Reformierten“ 26 zu proklamieren. Sie lehnten eine Kopplung von politischem und konfessionellem Gemeinwesen ab. Durch die Identifizierung der französischen Könige mit einer Konfession konnten sie aber nicht anders, als genau dies tun: Ein mit dem der katholischen Konfession verknüpften politische n Gemeinwesen ein protestantisches Pendant gegenüberzustellen. Sie mussten „ihre Position nicht nur theologisch, sondern auch politisch-theoretisch [...] begründen.“ 27
Die calvinistischen Monarchomachen leisteten keinen Widerstand gegen das Amt des Königs. Sie differenzierten zwischen dem Amt und der Person, die das Amt ausführt, denn das Amt ist Ausfluss einer traditionellen Gerechtigkeit, das momentan nur falsch besetzt ist. Das Wesen des Königtums mit all seinen Institutionen sollte bewahrt bleiben. Die calvinistischen Monarchomachen wollten keine andere Staats-form als die Monarchie. Vielmehr sollte nur ihre reale Erscheinungsform renoviert werden. 28 Die Trümmer des Alten „sollen so zusammengesetzt werden, daß das gute Alte aus ihnen neu entsteht.“ 29
24 Vgl. ebd., S. XXXIX.
25 Vgl. ebd., S. XXXIX, XL.
26 Ebd., S. XXXIX.
27 Ebd., S. XXXIX.
28 Vgl. ebd., S. XL, XLI.
29 Ebd., S. LXXIII.
8
2.2 Die persönliche Motivlage des Autors Theodor Beza
Theodor Beza wird in der Literatur beschrieben als „der große Theologe und Ki rchenmann“ 30 , als einer der bedeutendsten Menschen, neben Calvin, für die noch junge reformierte Kirche Europas. 31 Am 24.07.1519 wurde Beza in Vezelay geboren. Er entstammte einer französischen Adelsfamilie. Seine Vorfahren genossen landesweit hohes Ansehen. Sein Großvater Johann entdeckte Silber- und Bleiminen. Ein weiterer Vorfahr namens Wilhelm war Präsident des Pariser Parlaments, ein Onkel war Mitglied des Pariser Parlaments. 32
Obwohl er als Kind sehr schwächlich war, fiel seine hohe Intelligenz schon zu diesem frühen Zeitpunkt auf. Im Dezember 1528 nahm ihn der Gelehrte Melchior Wolmar auf. Unter der Obhut des Gelehrten verbrachte Beza zunächst in Orleans und später in Bourges seine Jugendjahre. Hier legte Wolmar den Grundstein für Bezas charakteristische „universelle Bildung“. Er erhielt unter anderem Unterricht in Latein, Altgriechisch, Philosophie, Geschichte und „der Auslegung der Heiligen Schrift“. 33
Die Jahre in Bourges, „der Stadt der toleranten Margareta Herzogin von Alençon“ 34 , einer Insel der reformatorischen Bewegung in Frankreich und „Zufluchtsort für die Protestanten“ 35 „in Zeiten der ersten Welle der Gegenreformation“ 36 , prägten den jungen Beza - einerseits durch seine dortige erste Begegnung mit dem „protestant ischen Prediger“ Calvin. 37 Dazu kam die in Bourges herrschende Atmosphäre des offenen Austrags des „Gegensatz(es) zwischen den beiden Konfessionen des Christentums.“ 38 Es wird in der Literatur angegeben, dass hier die entscheidende Hinwendung Bezas zur protestantischen Konfession erfolgte. 39 Seine Intelligenz und Begabung halfen ihm bei seinem Studium der Rechtswissenschaft, dass er 1535 in Orleans aufnahm und bereits 1539 erfolgreich abschloss.
30 Ebd., S. XXX.
31 Vgl. ebd., S. XXXV.
32 Vgl. ebd., S. XXXI, XXXII.
33 Vgl. ebd., S. XXX, XXXII.
34 Ebd., S. XXX.
35 Ebd., S. XXXII.
36 Ebd., S. XXX.
37 Vgl. ebd., S. XXXII.
38 Ebd., S. XXXII.
39 Vgl. ebd., S. XXX, XXXII.
Arbeit zitieren:
Matthias Naggert, 2005, Frühbürgerliche Interessendurchsetzung im 'starken Staat' oder in der Ständeversammlung - Motive, Merkmale und demokratischer Gehalt der politischen Theorie der Calvinistischen Monarchomachen am Beispiel von 'De iure magistratum' von Theodor Beza, München, GRIN Verlag GmbH
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