Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät II
HS Juden, Christen und Muslime. Toleranz und Intoleranz in
Frankreich – von der Aufklärung bis in die Gegenwart
SoSe 2005, 7. Semester
Toleranz und Intoleranz - Christentum in Frankreich
in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
von: Juliane Mascow
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Was ist Toleranz? 3
3 Geschichtlicher Überblick 5
3.1 Die Katholiken 5
3.1.1 Die allgemeine Situation nach der Trennung von Kirche und Staat
3.1.2 Der Konservatismus der katholischen Kirche
3.1.3 Soziale, demokratische Bewegungen
3.1.4 Der Einfluss der katholischen Kirche in der Gesellschaft 11
3.2 Die Protestanten 12
4 Christentum und Toleranz in Frankreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts 14
4.1 Toleranz unter den Katholiken 14
4.2 Toleranz unter den Protestanten 16
4.3 Toleranz in der nicht-religiösen Bevölkerung 16
5 Literatur 18
1 Einleitung
Toleranz, vor allem religiöse Toleranz, ist in unserer heutigen Welt, in der durch die Globalisierung die Kulturen und Religionen immer stärker zusammenrücken, eines der aktuellsten und wichtigsten Themen. Durch internationalen Handel und sich ständig verbessernde Informationstechnologien scheinen die Grenzen zwischen den Ländern dieser Erde an Bedeutung zu verlieren. Dennoch gibt es immer wieder Gruppen, die sich abzugrenzen suchen gegen den Rest der Welt. Um dieses Ziel zu verfolgen, schrecken sie selbst vor Gewaltmaßnahmen nicht zurück, wie beispielsweise die Anschläge in New York, Madrid und jüngst in London zeigen. Hieraus wird ersichtlich, wie wichtig Dialog und Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Religionsgemeinschaften sind, um solch destruktive und verheerende Auswüchse zu verhindern.
Doch schon in der Geschichte spielte die Frage nach Toleranz und Intoleranz immer wieder eine wichtige Rolle. Besonders in Frankreich wurde die Forderung nach Toleranz, z.B. in Zeiten der Hugenottenverfolgung, nicht immer erfüllt. In der vorliegenden Arbeit über das Christentum in Frankreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts soll zunächst einmal der Begriff der Toleranz definiert werden. Daran an schließt sich ein geschichtlicher Überblick über die Zeit von der Jahrhundertwende bis 1940. Abschließend wird untersucht, ob und inwieweit Toleranz innerhalb der christlichen Gemeinschaft sowie Toleranz der allgemeinen Bevölkerung gegenüber den Christen geübt wurde.
2 Was ist Toleranz?
Der Begriff Toleranz rührt vom lateinischen Wort Tolerantia her, was so viel wie Duldung bedeutet. Der Begriff Duldung impliziert schon, dass es sich um etwas handelt, das man eigentlich ablehnt. Die Encarta Enzyklopädie definiert Toleranz als „das Geltenlassen anderer Weltanschauungen, Religionen, Lebensentwürfe und Überzeugungen.“1 Etwas weiter geht folgende Definition: „Toleranz ist die Duldung von Personen, Handlungen oder Meinungen, die aus moralischen oder anderen Gründen abgelehnt werden; sie wird meist öffentlich von Individuen oder Gruppen entweder praktiziert oder gefordert und argumentativ begründet.“2 Beide Definitionen laufen meiner Meinung nach jedoch auf eine eher passive Haltung hinaus. Etwas, das mit den eigenen Überzeugungen unvereinbar ist, muss aus bestimmten Gründen notwendigerweise hingenommen werden, etwa um der Wahrung des Friedens willen. Das muss jedoch nicht heißen, dass man dieses Andere auch wirklich als gleichwertig akzeptiert und respektiert in seiner Andersartigkeit. Häufig läuft es nur auf eine gewisse Gleichgültigkeit hinaus. Mensching trifft in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen formaler und inhaltlicher Toleranz. „Formale Toleranz ist das bloße Unangetastetlassen fremder Glaubensüberzeugungen.“ 3 Inhaltliche Toleranz „bedeutet darüber hinaus die positive Anerkennung fremder Religion als echter und berechtigter religiöser Möglichkeit der Begegnung mit dem Heiligen.“4 Diese Form der Toleranz bedeutet jedoch inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Andersartigen und setzt voraus, dass man dem Anderen nicht gleichgültig gegenübertritt.
Als Intoleranz bezeichnet man meist schlichtweg das Nicht-Geltenlassen anderer Religionen oder Meinungen. Sie trat in der Geschichte bis heute immer wieder auf und rief erbitterten Hass und Verfolgung hervor. Kreuzzüge, die Inquisition, Religionskriege und Judenpogrome sind Beispiele aus der Vergangenheit, heute sind es Terroranschläge und Gewaltakte an Ausländern. Intoleranz entsteht aus Angst vor dem Fremden und Unbekannten, durch das Individuen oder Gruppen ihre Identität bedroht sehen: „Intoleranz ist […] das Symptom einer Identitätskrise, die durch die radikale Ablehnung des fremden Anderen bewältigt werden soll.“5 In der Geschichte war häufige Ursache von Intoleranz ein staatliches Interesse, die Religion als Legitimierung der Herrschaft als von Gott gegeben auszunutzen.
Echte Toleranz kann folglich nur erreicht werden, wenn man sich in einen Dialog mit dem Anderen einlässt und sich mit ihm auseinandersetzt. Sie bedeutet, den Anderen zu respektieren und seinen Glauben als andere Form der Gotteserfahrung zu akzeptieren. Dazu allerdings ist eine gefestigte eigene Position nötig, die diejenige des Anderen aushält, ohne sich selbst dadurch in Frage gestellt und bedroht zu sehen. Echte Toleranz ist daher nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit gegenüber dem Fremden, da dadurch ja keinerlei Notwendigkeit für Toleranz mehr bestünde, noch mit Nivellierung aller Religionen. 1 Toleranz kann allerdings nicht mehr gewährt werden gegenüber Intoleranz, die dazu führt, dass Andere Schaden erleiden, wie es beispielsweise bei Terroranschlägen der Fall ist. Es wird nun zu klären sein, ob echte Toleranz in Frankreich innerhalb des Christentums und gegenüber dem Christentum in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgelegen hat.
3 Geschichtlicher Überblick
3.1 Die Katholiken
3.1.1 Die allgemeine Situation nach der Trennung von Kirche und Staat
[...]
1"Toleranz."Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
2 Zitiert von Härle in Ch. Schwöbel/D. von Tippelskirch, S. 78
3 Mensching, S. 43
4 Ebd.
5 Schwöbel in Ch. Schwöbel/D. von Tippelskirch, S. 14
1 Vgl. Seligman S. 38ff., Zulehner/Polak, S. 103, beide in Ch. Schwöbel/D. von Tippelskirch
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Juliane Mascow, 2005, Toleranz und Intoleranz - Christentum in Frankreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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