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Diese Arbeit behandelt das Buch „Vereinte Nationen und Weltordnung. Zivilisierung der internationalen Politik?“ von den Politikwissenschaftlern Prof. Dr. Volker Rittberger, Martin Mogler und Bernhard Zangl. Die mir vorliegende Ausgabe ist 1997 im Verlag Leske + Budrich in Opladen erschienen.
Die Autoren wollen unter Berücksichtigung von vier Gesichtspunkten analysieren, welchen Beitrag die Vereinten Nationen zur Zivilisierung der internationalen Politik leisten 1 . Dabei soll zum einen eine allen anderen Aufgaben übergeordnete Funktion der VN herauskristallisiert werden, die das Autorenteam in der Zivilisierung der internationalen Beziehungen sieht. Zum zweiten sollen die Rolle und Aktivitäten der VN hinsichtlich der (1) Sachbereiche internationaler Politik, (2) verschiedenen VN-Akteure und (3) unterschiedlichen Rollen internationaler Organisationen und ihrer Organe differenziert werden. 2 Zum dritten sollen die Reformvorschläge für die VN im Hinblick auf die von Rittberger et al. vermutete Hauptfunktion überprüft werden. Schließlich müsse man noch eine „historische Perspektive“ 3 einnehmen, d.h. es soll das Besondere der heutigen Weltordnung herausgearbeitet werden.
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Im zweiten Kapitel ihres Buches gehen die Autoren zunächst auf die Definition und die Entwicklung der Zivilisierung in der Geschichte ein. Dabei zeige Zivilisierung den Wandel in der Art und Weise, wie soziale Konflikte ausgetragen werden und gehe einher mit der Monopolisierung der Mittel physischer Gewalt. 4 Dieser Prozess setze innerhalb eines bestimmten Gebietes ein, in dem die sozialen Akteure immer mehr voneinander abhängig seien. Die entstehenden Konkurrenzen zwischen „Machtzentren“ 5 führten dazu, dass schließlich eine einzige siegreiche Einheit übrig bleibe, die eine private Monopolgewalt besäße; privat deswegen, weil die Gewalt bei einem einzelnen Herrscher o.ä. liege. Rittberger et al. beziehen sich hier auf Elias, der diesen Prozess etwa in die Zeit der Bil- 1 Vgl.RITTBERGER, Volker et al.: Vereinte Nationen und Weltordnung. Zivilisierung der internationalen
Politik?, Opladen 1997, S. 11
2 Vgl. ebd., S. 12
3 Ebd., S. 13
4 Vgl. ebd., S. 16
5 Ebd.
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dung von Territorialstaaten einordnet. Mit der industriellen Revolution und der Herausbildung des demokratischen Verfassungsstaates im 19. Jahrhundert ginge nun dieses private Monopol „in ein ‚öffentliches Monopol’ der Gesellschaft als ganzes über“ 6 . Die Gesellschaft lerne, Konflikte in regelgeleiteten Formen auszutragen, was im Ergebnis zunächst bedeutete, dass die direkte Gewalt zwischen Herrschenden und Beherrschten und zwischen den Bürgern solcher „zivilisierten“ Gesellschaften sich verringerte. 7 Rittberger et al. weisen nun darauf hin, dass Elias nicht glaubte, mit der Entstehung von losen souveränen Staaten, die innerhalb ihres Gebietes das Monopol der physischen Gewalt besäßen, sei der Zivilisierungsprozess beendet. Die zunehmenden zwischenstaatlichen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert schienen eher Vorboten dafür zu sein, dass sich der Zivilisierungsprozess auch auf die internationale Ebene ausweiten würde, bis es ein globales Monopol der Mittel physischer Gewalt gäbe. 8 Doch hier stieße der Prozess, so die Autoren, auf enge Grenzen: Das Ausbleiben der Herausbildung eines überstaatlichen Gewaltmonopols ließe sich zum einen durch ein geringes Maß an globalen Beziehungen und „kultureller Homogenität“ und zum anderen „durch den Verzicht auf militärische Ausscheidungskämpfe“ 9 , die im nuklearen Zeitalter zwangsläufig das Auslöschen der Menschheit zur Folge gehabt hätten, erklären.
Die Autoren verweisen nun auf die auch von Elias erkannte Alternativmöglichkeit zur Zivilisierung der internationalen Politik, nämlich die Bildung einer freiwilligen Konföderation von Staaten mit effektiven Organen zur zwischenstaatlichen Konfliktlösung und Sanktionierung von Friedensstörern. Schließlich ließen sich aus den drei Mechanismen der Zivilisierung drei Rollen der VN definieren, die diese im Prozess einnehmen könnte: (1) Die VN seien Instrument einer oder mehrerer eng miteinander zusammenarbeitenden Hegemonialmächte, die über ein „privates“ Gewaltmonopol verfügten und dieses innerhalb der internationalen Beziehungen wie auch immer geartet einbringen könnten. (2) Die VN stellten eine überstaatliche Autorität mit welt(bundes)staatlichen Aufgaben dar, die auf ein zwischen den VN und den Mitgliedstaaten verteiltes „öffentliches“ Gewaltmonopol beruhe. (3) Die VN bildeten ein globales Verhandlungssystem, durch das die Selbstkoordinati-
6 Ebd.,S. 17
7 Vgl. ebd., S. 18
8 Vgl. ebd.
9 Ebd., S. 20
2
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Pierre Schubje, 2001, Literaturbericht: Volker Rittberger/Martin Mogler, München, GRIN Verlag GmbH
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