Inhaltsangabe:
Seite :
1. Einleitung:
1.1. Geschichtlicher Hintergrund von Henry V. 1
1.2. Hintergrund des Stücks Henry V 1
1.3. Zum Begriff „Patriotismus“ 2
2. Patriotismus in Henry V
2.1. Einleitend 3
2.2. Funktion des Chorus 4-5
2.3. Darstellung des Königs 6-12
2.4. Die Engländer 13-14
2.5. Die Franzosen 14-16
3. Schlussbetrachtung
17-18
4. Literaturverzeichnis
4.1. Quellen 19
4.2. Sekundärliteratur 19
II
1. Einleitung
1.1. Geschichtlicher Hintergrund von König Henry V.
Heinrich V. wird als Sohn und Nachfolger von König Henry IV. 1387 in England geboren. Das Land ist zu der Zeit von Unruhen und Widerstand gegen den König geprägt. Henry IV. hatte sich den Thron unrechtmäßig angeeignet, indem er Richard II. gewaltsam stürzte. Prinz Hal besteigt als Henry V. nach dem Tod seines Vaters 1413 den Thron und wird über Nacht von einem Taugenichts zu einem fähigen und bewunderten Herrscher. Dieses Bild ist besonders durch die ruhmreiche Schlacht in Agincourt gegen Frankreich 1415 geprägt. Nach dieser nimmt er die Tochter des französischen Königs zur Frau und erreicht eine Einheit von Frankreich und England. Als loyaler und gerechter Herrscher gelingt es ihm, den außenpolitischen Einfluss der englischen Krone zu stärken und das Volk zu besänftigen und zufrieden zu stellen. Mit seinem Tod 1422 ändert sich auch die entspannte Atmosphäre und die Loyalität gegenüber dem Königshaus wieder. 1
1.2. Hintergrund des Stücks Henry V
Henry V ist das letzte Stück in Shakespeares Tetralogie. Die vorangegangenen Historien führen zu “this figure of perfection“ 2 , zu Henry V. Zur Regierungszeit seines Vaters in Shakespeares zwei Teilen von Henry IV taucht der spätere König Henry V als Prinz Hal bereits auf. Er treibt sich herum und macht seinem Vater keine Ehre. Er trinkt viel und ist mit zwielichtigen Freunden wie Falstaff auf Diebeszügen. Hal interessiert sich nicht für Politik und für die Interessen seines Vaters. Das ist der Grund, warum dieser sich oft wünscht einen Sohn wie Hotspur, der Sohn des Earl von Northumberland, zu haben, der sich im Gegensatz zu seinem eigenen als mutiger und tapferer Krieger erweist. Auch wenn Hal sich im Laufe der Stücke an einigen Stellen durch Anständigkeit (er lässt Gefangenen frei) und Mut auszeichnet (er kämpft schließlich doch gegen Hotspur und siegt), fällt er immer wieder in seine alten Gewohnheiten zurück. Die endgültige Wandlung in einen anständigen Menschen zeigt sich erst mit seiner Krönung zum König und in seiner Regierungszeit. 3
1 Fryde, Natalie: Die englischen Könige im Mittelalter. Beck Verlag, München, 2004.
2 Fisher, Jeffery: Cliffs Notes on Shakespeare`s Henry V. Wiley Publishing, New York, 1981. S. 8.
3 Doyle, John: Shakespeare für Dummies. MITP-Verlag, Bonn, 2000. S.229.
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1.3. Zum Begriff „Patriotismus“
Der Begriff „Patriotismus“ leitet sich vom lateinischen Wort patria für Vaterland ab.
Er bezeichnet ein Gefühl der tiefen und verinnerlichten Verbundenheit mit seinem Heimatland. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist meist durch gemeinsame Abstammung geprägt, aber auch ethnische, politische oder kulturelle Zugehörigkeit kann dieses Empfinden hervorrufen.
Gut auf den Punkt gebracht wurde dies im Jahre 1782 in Johann Moritz Gerickes Definition des Begriffs Patriotismus: „Derjenige starke innere Trieb, der das Beste des Staates zum Augenmerk hat, und seine Wohlfahrt auf alle mögliche Art zu befördern sucht.“
Patriotisches Gefühl drückt der Wortbedeutung nach ausschließlich die Liebe zum Vaterland aus und impliziert keine Abwertung anderer Nationen, wie dies bei anderen Begriffen der Fall ist.
„Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet.“ (Johannes Rau; ehemaliger Bundespräsident).
Bei der Betrachtung von William Shakespeares Stück Henry V lege ich mir bewusst diese Definition zu Grunde, da der Begriff Patriotismus heutzutage allzu oft mit Nationalismus gleichgesetzt wird. Bei letzterem werden andere Länder als rangniedriger angesehen und behandelt.
Es soll im Laufe der Arbeit herausgearbeitet werden, ob Henry V ein patriotisches Stück und König Henry V. dort als patriotischer Mensch dargestellt wird. Wenn ja, wo wird dies deutlich? Bleibt Henry V bei genauer Betrachtung der ideale, mutige Herrscher, der aufrichtig gegenüber seinem Vaterland ist oder wirkt dieses Bild an einigen Stellen unglaubwürdig? Wie werden die Franzosen im Hinblick auf den gesetzten Schwerpunkt dargestellt?
Wird Henry V., nach der gegebenen Definition, patriotisch oder nationalistisch gezeigt und verdirbt in diesem Fall „der Patriotismus (…) die Geschichte.“? (Johann Wolfgang von Goethe). 4
4 Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/patriotismus (02.01.2006)
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2. Patriotismus in Henry V
2.1. Einleitend…
Shakespeare schrieb die Historie Henry V knapp 200 Jahre nach dessen Regierungszeit. Zu seiner Zeit regierte in England Königin Elisabeth, die „mit Attentatsversuchen, mit Verschwörungen, um sie abzusetzen, und mit Drohungen anderer Länder, besonders Spaniens, konfrontiert“ 5 war. Das politische und historische Selbstverständnis von Shakespeare und seinen Zeitgenossen war nachhaltig durch den so genannten Tudor-Mythos geprägt. „Er bezeichnet das Bewusstsein, von einem Herrscherhaus regiert zu werden, das seine Legitimation direkt von Gott übertragen bekommen hatte.“ 6 “Die Historien verdanken ihre Entstehung einem genau umreißbaren historischen Phänomen der Zeit zwischen 1580 und 1605, nämlich dem intensiven Nationalismus, der sich in den späten Regierungsjahren Elisabeths in England bei allen Schichten zeigt und der sich unter anderem in einem Interesse für die eigene Geschichte niederschlägt.“ 7 Die Erinnerung an das ehrenvolle Sich-Messen mit Frankreich war noch lebendig und für das aufkommende Nationalgefühl von Bedeutung. Die Welt, die in Shakespeares Historien dargestellt wird, insbesondere im Hinblick auf die Stellung des Königs, war ihm und seinem Publikum demnach vertraut und glaubhaft. „Alte Wahrheiten waren kein Ballast, sondern hatten einen unmittelbaren Wert für die Gegenwart. Sie übernahmen (…) eine Vorbildfunktion.“ 8 Shakespeare sah die Geschichte nicht primär unter dem Aspekt der Einmaligkeit der Ereignisse, sondern unter dem der Gegenwartsnähe und Wiederholbarkeit.
Die verbreitete Meinung zu dem hier behandelten Stück Henry V ist die, dass es Shakespeare gelungen ist “the official portrait of an Achillean conqueror.“ 9 zu schreiben. Henry V ist auch die einzige seiner Historien, die die englische Bevölkerung als vereint und das Land ohne gravierende innenpolitische Probleme zeigt, weshalb es oft als Shakespeares patriotischstes Werk betitelt wird.
5 Doyle, John: Shakespeare für Dummies. S. 43.
6 Zschirnt, Christiane: Shakespeare ABC. Reclam Verlag Leipzig, 2000. S. 216.
7 Suerbaum, Ulrich: Der Shakespeare-Führer. Reclam-Verlag Stuttgart, 2001. S. 180.
8 Zschirnt, Christiane: Shakespeare ABC. S. 76.
9 Quennell, Peter: Shakespeare. The poet and his background. C. Tinling & Co. Ltd. Liverpool,
London and Prescot, 1963. S. 211.
3
2.2. Funktion des Chorus`
Zu Beginn des Stücks versetzt der Prolog die Zuschauer einleitend in das Geschehen der Schlacht von Agincourt. Er entschuldigt sich demütig für den Versuch, es zu wagen, ein so großes, patriotisches Ereignis auf der Bühne darstellen zu wollen, welcher nie angemessen gelingen kann (“But pardon, gentles all, The flat unraised spirits that hath dar`d On this unworthy scaffold to bring forth So great an object:“, Prolog Z. 8-11) 10 . Der Chorus, der auch den Prolog und Epilog spricht, leitet in Henry V jeden Akt ein. Er erinnert die Zuschauer an ihre Beteiligung am Gelingen der Inszenierung (“Piece out our imperfections with your thoughts“ Prolog, Z. 23) und macht aus Henry durch seine „selektive Berichterstattung einen heroischen, in der vollen Gnade Gottes wandelnden, patriotischen Heldenkönig“. 11 „trivial-patriotische Atmosphäre“ 12 , durch die dort Er erzeugt fast eine
durchgehend herrschende „patriotische Schönfärberei und (…) ungetrübte Hochstimmung“. 13
Dadurch, dass sich der Chorus fast ausschließlich auf den englischen König bezieht, erscheint dieser gleichfalls hervorgehoben und wird bereits am Anfang als ein übermenschlicher Herrscher gepriesen (“Then should the warlike Harry, like himself, Assume the port of Mars;“, Prolog Z. 5/6). Da der Chor von dem König mit der Kurzform „Harry“ spricht, kann man eine gewisse Volksnähe hier bereits erahnen. Diese formlose Bezeichnung könnte aber ebenfalls bedeuten, dass der Chorus mit dem König sehr verbunden ist, was die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen erhöhen würde. In allen Passagen des Chors findet man kein kritisches Wort, aber viele glorifizierende Beschreibungen. Unter anderem betitelt er Henry als “mirror of all Christian kings“ (II,Prolog,6) und “star of England“ (Epilog,6). Es finden sich auch Anreden an das Publikum; “your England” (III, Chorus, 19). Dies erzeugt mehr Mitgefühl, da sich das Publikum angesprochen und somit wiederum als aktiven Teil des Stücks und der Geschichte sieht.
10 Shakespeare, William: King Henry V, König Heinrich V Englisch /Deutsch. Reclam Stuttgart, 2003
11 Baumann, Uwe: Shakespeare und seine Zeit.Klett-Verlag, Stuttgart, 2001. S. 62.
12 Suerbaum, Ulrich: Der Shakespeare-Führer. S. 222.
13 Suerbaum, Ulrich: Der Shakespeare-Führer. S. 222.
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Arbeit zitieren:
Andrea Tuschka, 2006, Patriotismus in Shakespeares Historie Henry V, München, GRIN Verlag GmbH
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