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Gliederung:
I. Einleitung
II. Die Freudsche Traumlehre
A ) Sinn und Funktion des Traumes
B ) Die Anwendung der Psychoanalyse auf den Traum
C ) Manifester Trauminhalt und latenter Traumge-danke
D ) Kategorien von Träumen und die Traumarbeit
E ) Die Traumenstellung
F ) Die Traumzensur
G ) Die Traumsymbolik und infantile Sexualwünsche
H ) Die Wunscherfüllung
I.) Kritikpunkte an der Traumlehre
III. Zusammenfassende Betrachtung
IV. Quellennachweis
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I. Einleitung
Bereits in den frühen Hochkulturen und im Altertum haben sich die Gelehrten mit dem Traum auseinandergesetzt und beschäftigt. Die Inhalte wurden damals als Botschaften und Zeichen von Verstorbenen, Gottheiten oder Dämonen gedeutet, als Phänomene göttlichen Ursprungs mit prophetischer Funktion, sogar als Erfahrung des Übersinnlichen. Ob Platon, schon in der Antike, die Offenbarungsträume von den physiologischen Begierdeträumen unterschied oder Aristoteles den Traum im wesentlichen als psychologisches und physiologisches Phänomen sah oder das Werk der Traumauslegung von Artemidoros von Daldis, das eine feste Zuordnung von Traummotiven (Symbolen) und deren spekulativen Bedeutung aufzeigte, alle diese Erkenntnisse, Erfahrungen und Beobachtungen dienten als Vorlage der Forschung von Traum- und Zukunftsdeutung bis in die Renaissance und den Barock. Der Rationalismus dagegen sah den Traum als Ausdruck dunkler und verwirrter Seelenleben, die Romantik als Offenbarung der Wirklichkeit des Unbewussten (vgl. Erich Fromm, 1980, S. 84 ff). Der Beginn der eigentlichen „Wissenschaft vom Traum“ waren die Studien von Sigmund Freud, die er in seinem Buch Die Traumdeutung (1900) veröffentlichte, und die in der Psychologie bahnbrechend waren. Er selbst sah es als sein wichtigstes Werk an, die Traumdeutung als „... Via regia zur Kenntnis des Unbewussten im Seelenleben“ (Sigmund Freud, 1972, S. 577).
II. Die Freudsche Traumlehre
A) Sinn und Funktion des Traumes
Jeder Mensch träumt meist drei bis sechs Mal pro Nacht in Phasen von fünf bis 40 Minuten, auch wenn er sich oft nicht daran erinnert. Etwa eine Stunde nach dem einschlafen ist die Ruhepause beendet, die Augäpfel wandern ruckartig hin und her. Die Wissenschaft spricht hier von „Rapid Eye Movement“ und bezeichnet diese Schlafphase, in welcher wir besonders lebhaft träumen, als REM- Schlaf. Die moderne Traumforschung fand
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heraus, dass in Träumen zwar die visuellen Eindrücke dominieren, die akkustischen Eindrücke und andere Körperempfindungen aber auch häufig vorkommen. Träume basieren auf Informationsverarbeitungsprozessen des Gehirns im Schlaf. Durch Reize und Erlebnisse des Tages wird der Trauminhalt bestimmt. Die Verzerrung der Traumvorstellungen gegenüber der Realität basiert auf Veränderungen der Hirntätigkeiten während des Schlafs.
Auch wenn Freud nicht die Mittel der modernen Traumforschung zur Verfügung hatte, schaffte er es zu einem großen Teil, Sinn und Funktion des Traumes zu entschlüsseln. Seiner Meinung nach ist die eigentliche Funktion des Traumes, „den Schlaf zu behüten“ (Hans J. Eysenck, 1985, S 128). Zusätzlich stellt der Traum eine Wunscherfüllung dar. Da der Traum während des Schlafens als glaubhaft und wirklich empfunden wird, hebt er den unerfüllten Wunsch, den man im Tageserleben erfahren hat, auf und gewährleistet so den Schlaf, welchen Freud als einen „Zustand des Unbewussten“ (Hans J. Eysenck, 1985, S. 128) auffasst. Der Traum bewahrt den Schlaf vor Unterbrechungen, mit Ausnahme von Angstträumen, die bekanntlich das Gegenteil bewirken (vgl. Kapitel II-H). Wie schon genannt übernimmt der Traum als „Hüter des Schlafes“ auch eine gesunderhaltende Funktion. Der Mensch benötigt einen Mindestvollzug vitaler Grundbedürfnisse zum Leben. Der Traum schafft, statt realer Erfüllung, zumindest eine bildhaft-phantasierte Befriedigung und schwächt somit das Verlangen, dass den Schlaf störte (vgl. Siegfried Elhardt, 2001, S. 15 f). Der Sinn und die Funktion des Traumes ist also kurz gesagt die Beseitigung des schlafstörenden, seelischen Reizes durch eine Wunscherfüllung.
B) Die Anwendung der Psychoanalyse auf den Traum
Freud entschliesst sich, die Psychoanalyse, die er schon bei der Lösung von Phobien und Wahnideen erfolgreich eingesetzt hat, auf den Traum zu übertragen. Die aus der Psychotherapie stammende Vorgehensweise, die Freud nun zur Interpretation von Träumen verwendet, wird als „Methode der freien Assoziation“ bezeichnet. Bei diesem Verfahren soll der Analysant
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alles mitteilen, was ihm zu einer bestimmten Sache oder Idee einfällt, im Falle eines Kranken folglich zu seiner Angstvorstellung, um sich dann „von dieser Einfallskette dahin tragen zu lassen“ (Siegfried Elhardt, 2001, S. 17). Dabei soll er sich „ganz vom Unbewußten führen lassen und vor allem die kontrollierende Abwehr des Bewußtseins... ausschalten“ (Siegfried Elhardt, 2001, S. 17). Denn oftmals sind es die ungewollten, vom Analysanten als wertlos und unsinnig angesehenen Tatsachen, verdrängte Erinnerungen und Assoziationen, die dann die Lösung des Problems ergeben. Zur Verdeutlichung dieser Methode, der psychoanalytischen Untersuchung in ihrem Zusammenhang mit der Anwendung auf Träume, verwendet Freud, als Beispiel einen eigenen Traum. Gleich nach dem erwachen schreibt er den Inhalt auf, der wie folgt lautet:
„Eine Gesellschaft, Tisch oder Table d’hôte... Es wird Spinat gegessen... Frau E.L. sitzt neben mir, wendet sich ganz mir zu und legt vertraulich die Hand auf mein Knie. Ich entferne die Hand abwehrend. Sie sagt dann: Sie haben immer so schöne Augen gehabt... Ich sehe dann undeutlich etwas wie zwei Augen als Zeichnung oder wie die Kontur eines Brillenglases...“ (Sigmund Freud, 1999, S. 41).
Zunächst erscheint es Freud verwunderlich, dass in seinem Traum die Frau E.L. erscheint, da er schon seit langer Zeit weder etwas von ihr gehört noch gesehen hat. Es hat nie eine engere Bindung zwischen beiden gegeben, nie wollte er eine solche. Den Zusammenhang mit Gesellschaft, Tisch oder Table d’hôte erklärt sich Freud mit einer Kutschenfahrt, die er am Tag zuvor unternommen hat, wo er den Taxameter mit einer Gasthaustafel verglich. An eben so einer saß Freud mit seiner Frau vor kurzer Zeit. Damals hat sich Freud über die mangelnde Aufmerksamkeit seiner Gemahlin ihm gegenüber geärgert. Dazu steht das Verhalten der Frau E.L. im Gegensatz, die sich ihm ganz zuwendet. Die Hand auf dem Knie Freuds ist eine Wiederholung einer reellen Begebenheit, zwischen ihm und seiner Frau. In diesem Traum jedoch hat die Dame E.L. die Rolle von seiner Frau übernommen. Nun erinnert er sich, dass E.L. die Tochter eines Mannes ist, dem er noch Geld geschuldet hat. Dadurch erklärt sich auch die Bedeutung des Satzes „Sie haben immer so schöne Augen gehabt“. Er leitet sich von der Redewendung „Glauben sie denn, das sei um ihrer schönen Augen willen geschehen?“ ab und meint folglich: „Sie haben alles umsonst gehabt“ (vgl. Sigmund Freud,
Arbeit zitieren:
M.A. Quirin Bauer, 2003, Die Freudsche Traumlehre, München, GRIN Verlag GmbH
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