Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Hauptteil
1. Die Entdeckung oder Erfindung der Jugend
1.1. Jugend in der vorindustriellen Zeit
1.2. Die Entdeckung der Jugend zu Beginn der Industrialisierung
1.3. Das 20. Jahrhundert als „Jahrhundert der Jugend“
2. Historische Einflüsse auf Jugendbiographien
2.1. Begriffsbestimmung Biographie
2.2. Einpassung des Jugendmodells in die europäische
Dienstleistungskultur
2.3. Jugendliche als kulturelle Konstrukteure der Zeit
2.4. Jugendbiographie als Bildungslaufbahn
3. Form und Bildung einer Generation
3.1. Generation - eine Begriffsbestimmung
3.2. Theoretische Ansatzpunkte einer Generation und eines
Generationenwechsels
3.3. Die „68er“
III.) Aktueller Stand und Ausblick
IV.) Literaturverzeichnis
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I.) Einleitung
Die Jugend bietet dem Betrachter mit all ihren verschiedenen Einflüssen und Auswirkungen ein sehr vielfältiges Bild, das konfus und zugleich widersprüchlich ist. Versuche, eine bestimmte Bewegung in der Jugend zu untersuchen, scheitern oft an der Schnelllebigkeit der jugendlichen Welt. Dennoch kann man heute - je nach Auffassung - zur Einschränkung dieser Lebensphase bestimmte Alterswerte oder aber auch Definitionen anhand von qualitativen Eigenschaften vornehmen. Entsprechend dieser zweiten Möglichkeit wird als Beginn der Jugendphase vorwiegend die körperliche Geschlechtsreife gewählt, welche die biologische Voraussetzung der individuellen Entwicklung ist. Das Ende kann nach sozialen, psychologischen, ökonomischen und kulturellen Kategorien bestimmt werden, wie zum Beispiel dem Erreichen von finanzieller und emotionaler Eigenständigkeit. Jedoch ist es am Ende nahezu unmöglich, einen eindeutigen Zeitpunkt festzulegen. Nichtsdestoweniger kann man die Jugend als einen Lebensabschnitt betrachten und somit Konstanten herausarbeiten. In die Jugendzeit fallen zum Beispiel für jeden die Pubertät, das Ende der Schullaufbahn, der Beginn der Berufsausbildung, die Abnabelung von den Eltern und die individuelle Identitätsfindung. Aus diesen Gegebenheiten wird die Jugendzeit nicht nur von dem Jugendlichen, der sie durchlebt, sondern auch von den Erwachsenen als nicht ganz unkompliziert angesehen. „Der Begriff der <
Historisch gesehen ist der Begriff Jugend relativ jung und er wurde erst ab den 1880er Jahren verwendet. Er bezeichnete ursprünglich eine männliche Person aus der Arbeiterklasse. Durch die in der vormodernen, agrarisch strukturierten Gesellschaft wenig ausgeprägten Arbeitsteilung wurden die damalig notwendigen
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Fähigkeiten und Sachverständigkeiten einfach durch das Elternhaus vermittelt. Durch die zunehmende Industrialisierung, und vor allem auch Technisierung reichte dies aber nicht mehr aus und die Fähigkeiten sowie Fertigkeiten sollten vielmehr in der Schule ausgebildet und erworben werden. Dies bedeutet aber dann automatisch eine längere Freistellung der nachwachsenden Generation von der Arbeitswelt. Mit der weiteren Entwicklung „verlieren die traditionellen Erziehungsinstitutionen (Familie, Schule, Arbeitswelt) zunehmend an Bedeutung für die Sozialisation der Jugendlichen, denn in der Informationsgesellschaft sind auch Erwachsene Lernende und die Generationengrenzen werden neu gezogen (vgl. Sigrid Pilz 1996, CD-Rom der Pädagogik). Als Folge der neuen Bildungsexpansion, dem dadurch veränderten elterlichen Erziehungsverhalten, einer eigenen entstehenden kulturellen Eigenständigkeit und dem großen Einfluss einer sich neu entwickelten jugendlich-orientierten Konsum- und Unterhaltungsindustrie kam es zu einer relativ eigenständigen Lebensphase, die sich bis in die Gegenwart zieht.
Die folgende Arbeit nähert sich dem Phänomen Jugend, wie bereits kurz angedeutet, von seiner Entstehung beziehungsweise seiner Entdeckung in der vorindustriellen Zeit, über die Industrialisierung hin zu Bewegungen im 20. Jahrhundert.
Ein weiterer Gegenstand dieser Arbeit sollen die aus der Entwicklungsgeschichte resultierenden Jugendbiographien und Jugendgenerationen sein. Auch hier gilt es, ihre Entstehungsgeschichte aufzuzeigen und anhand von Beispielen, die Eigenschaften und Merkmale darzulegen. Besonderes Interesse werden hierbei neben den strukturellen Eigenschaften, sowohl die Motivationen der sich organisierenden Jugendlichen, als auch die Umsetzung ihrer ideologischen Ziele in den Vereinigungen der aktuellen Generation sein. Zum Abschluss der Arbeit soll ein kurzer Ausblick in die Zukunft auf die weitere Entwicklung von Jugendgenerationen und Jugendbiographien gewagt werden, inwieweit sich solche Konstruktionen überhaupt noch entwickeln, oder sich mehr und mehr auflösen.
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II.) Hauptteil
1. Die Entdeckung oder Erfindung der Jugend
Wenn über die Jugend gesprochen wird, sollte zunächst erst einmal der Begriff näher erläutert werden. Nach dem Soziologie-Lexikon von REINHOLD versteht man traditionell unter Jugend, unter anderem, einen „Strukturwandel der Jugendphase. Innerhalb des Ablaufs der durchschnittlichen Biographie wurde die Jugendphase traditionell als >>Statuspassage<< von der Kindheit in die >>sozial generell und endgültige gedachte Rolle des Erwachsenen<< (Schelsky 1957) verstanden. Dem entsprach ein jugendtheorethisches Konzept, das die Jugendphase zugleich als >>Moratorium<<, als Schonraum zur Selbstfindung und Selbsterprobung (Spranger 1924, Erikson 1974), wie auch als Sozialisationsabschnitt, als Lern- und Vorbereitungszeit auf die Rolle und Aufgaben des Erwachsenen interpretiert“ (Reinhold 1991, S. 286). SANDER und VOLLBRECHT (Sander / Vollbrecht 2000, S. 7) sind der Meinung, dass der Begriff Jugend nicht einheitlich verwendet werden kann. Mit dem Ausdruck können junge Menschen als Personengruppen gemeint sein, die sich in einer bestimmten Zeitspanne der Biographie befinden, die sie als Jugend bezeichnen. Der Begriff kann auch eine historisch entstandene soziale Erscheinung darstellen oder den Möglichkeitsraum der Entwicklung, in dem sich der Jugendliche befindet, der allerdings von der Gesellschaft vorgegeben ist. Sie untergliedern Jugend in vier Kategorien: 1.) als Erziehungsaufgabe, 2.) als gesellschaftliches Problem, 3.) als Reifephase und 4.) als juristischen Terminus. Sie betonen, dass Jugend historisch gesehen, noch ziemlich jung ist und deswegen noch nicht als Naturkonstante angesehen werden darf. „Sogar der historische Rückblick auf das 20. Jahrhundert selbst lässt sowohl geschichtliche Relativität, gesellschaftlicher Bedingtheit, aber auch gewisse Konstituiva eines Gleichaltrigenlebens Heranwachsender erkennen, das wir Jugend nennen“ (Sander / Vollbrecht 2000, S. 7).
VON TROTHA geht einen Schritt weiter und sagt: „Zu den Selbstverständlichkeiten der modernen jugendsoziologischen Forschung gehören gleichermaßen die Aussage, dass Jugend kein universelles Phänomen ist, wie die
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Aussage, dass es „die“ Jugend nicht gibt“ (von Trotha in KZfSS 1982, S. 254). Allerdings können diese beiden Aussagen nicht das theoretische Konstrukt widerspiegeln, das uns die Frage beantwortet, wie und unter welchen Umständen Jugend als eine eigenständige Lebensphase eigentlich entsteht beziehungsweise entstanden ist. Um sich dennoch mit diesem Thema auseinanderzusetzen, wird im Folgendem eine Herangehensweise gewählt, die versucht, „die Frage nach der Entstehung von Jugend unter dem Gesichtspunkt einer Theorie des sozialen Wandels zu beantworten“ (von Trotha in KZfSS 1982, S. 255), nämlich durch den Vergleich von Eigenschaften der vorindustriellen sowie der industriellen Gesellschaft.
1.1. Jugend in der vorindustriellen Zeit
Jugend wird als eine Erfindung des 19. Jahrhunderts beziehungsweise des letzten Drittels dieses Jahrhunderts angesehen. Diese Erfindung hat sich dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterentwickelt bis sie sich zu einer wesentlichen strukturellen Organisationsform der Sozialisation zum Erwachsenen fingiert hat (vgl. von Trotha in KZfSS 1982, S. 256). Dabei lassen sich in der vorindustriellen Gesellschaft Merkmale feststellen, welche für den späteren Vergleich von immenser Bedeutung sind und auf die jetzt im näheren eingegangen werden soll.
Die Jugend wird zu dieser Zeit als eine Art Ökonomie der Abhängigkeit, als eine Ökonomie des Dienstpersonals angesehen. Das soll heißen, dass bei dem Fehlen eines ausreichenden Erbes sowie eines finanziell abgesicherten Arbeitsplatzes die Möglichkeit bestand, dass man zum Beispiel von der Heirat ausgeschlossen wurde und damit nicht das Ziel erreichte, den vollendeten Erwachsenenstatus zu besitzen. Um diesem Schicksal entgegenzulenken, war es also unumgänglich gleich ins Arbeitsleben einzusteigen und sich finanziell abzusichern, was allerdings widersprüchlich zu der Definition von Jugend generell ist, aber für diese Zeit typisch war. Ein weiters Merkmal der vorindustriellen Gesellschaft war die ausgesprochen kurze Lebenserwartung. Die Jugend ist im Ganzen ein relativ weit ausdehnbares Konstrukt, welches aber durch den eben genannten Gesichtspunkt stark eingeschränkt wurde. Dadurch war die Ausbildung sowie die Arbeit selbst altersunabhängig und die Alterstrennung ohne
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Strukturen, da sich keine phasenspezifische Entwicklungen, wie zum Beispiel sexueller, personaler und sozialer Art herausbilden konnten. Jugend war somit kein geschlossener Raum. Mittelalterliche Jugendvereinigungen hatten eher einen Charakter von interessenbezogener Organisation mit einem Novizenstatus als Jugendbrauchtum. Die Jugend wurde als eine außerfamiliäre Organisationsform angesehen, in der es keine Geschlechtertrennung bis dato gab und sie kennzeichnete sich außerdem damit aus, eine nicht unerhebliche Anwesenheit von Gewalt als Mittel der Selbsthilfe zu besitzen (vgl. von Trotha in KZfSS 1982, S. 257 f).
Diese Gesichtspunkte äußerten sich natürlich auch in dem Familienleben des Jugendlichen. Besaßen die Familien in der Vorzeit noch enorm viele Aufgaben, so mussten sie viele dieser im Laufe der Zeit an übergeordnete Sozialgebilde abtreten. Diese Pflichtentlastung begünstigte jedoch einerseits den Prozess der Emanzipation in der Familie, mit der Überwindung des Patriarchats, andererseits die Überwindung von ständischen Schranken zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen (Sieder in Mitterauer / Sieder 1980, S. 127 f). Mit zunehmendem Alter bekam der Jugendliche mehr und mehr Aufgaben und Pflichten auferlegt, die so gestaltet waren, dass sie den Erfordernissen und Anliegen der Familie und der Gesellschaft entsprachen. Somit begann schon in der Kindheit ein Sozialisationsprozess, denn nur mit der Mithilfe des Kindes konnte das oberste Ziel - die Versorgung - gesichert werden. Wie bereits oben erwähnt, war also der frühe Einstieg in die Arbeitswelt der Hauptbereich, über den sie sozialisiert wurden und über den sie Grundeinstellungen wie Werte, Normen und Verhaltensregeln erlernten. Der Jugendliche wächst sozusagen in seine Rolle hinein, die meist von vornherein vorbestimmt war, wobei er sich dadurch in großer Abhängigkeit von seiner Familie beziehungsweise seinem Arbeitsplatz befand und wenig Möglichkeiten besaß, außerhalb alternative Wertemuster und Orientierungen kennen zu lernen. Die Primärgruppe Familie übernahm dabei nur eine vermittelnde Sozialisationsfunktion (vgl. Sieder in Mitterauer / Sieder 1980, S. 123). An diesem Punkt kann man eine Unterscheidung zwischen bäuerlichen Hausgenossenschafften und Handwerkerfamilien machen, die sich im alltäglichen Leben für den Jugendlichen unterscheiden. In den bäuerlichen Familien der vorindustriellen Zeit, konnte sich der Jugendliche durch seine Arbeitskraft und den zu verrichtenden Arbeiten integrieren. Besondere Sozialisationstechniken
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Arbeit zitieren:
M.A. Quirin Bauer, 2005, Jugendbiographien und Jugendgenerationen im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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