Gliederung
I ) Einleitung
II ) Hauptteil
1.) Arbeits und Erwerbslosigkeit
1.1) Verständniserläuterungen
1.1.1) Definition der Arbeit
1.1.2) Definition der Nicht-Arbeit
1.1.3) Definition der Arbeitslosigkeit
1.1.4) Statistik
1.2) Gewicht und Ablauf der Arbeitslosigkeit
1.3) Ursachen der Arbeitslosigkeit und ihre Auswirkungen
1.3.1) Psychische Folgen der Arbeitslosigkeit
1.3.2) Veränderte und fehlende Zeitstruktur
1.3.3) Dauer der Arbeitslosigkeit und ihre schädigenden
Folgen
2.) Geschlechtsunterschiede in der Arbeitslosigkeit
2.1) Arbeitslose Frauen
2.2) Die Belastung der Frau durch die Arbeitslosigkeit
2.3) Die Frau in der Familie
2.4.) Fazit
3.) Die Marienthalstudie
3.1) Einführung in die Marienthalstudie
3.2) Die vier Haltungstypen
3.2.1) Ungebrochene Haltungstypen
3.2.2) Resignierte Haltungstypen
3.2.3) Verzweifelte Haltungstypen
3.2.4) Apathische Haltungstypen
3.2.5) Resümee
3.3) Ausgang
III ) Überlegungen zur Überwindung von Arbeitslosigkeit
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I.) Einleitung
Der moderne Mensch lebt im besten Fall nach einem festgelegten Lebensplan, der es ihm ermöglicht, sein Leben nach bestimmten Vorstellungen zu richten. Normalerweise sieht dieser Plan, nach einer schulischen Ausbildung, folgend das Berufsleben und abschließend den Ruhestand vor. In allen Lebenssituationen verfolgt der Mensch also ein Modell, mit dem er seine alltäglichen Situationen planen kann und auf welches er sich beziehen kann. „So strukturiert etwa das Konzept der ‚(beruflichen) Karriere’ immer noch als dominantes Leitbild die Lebenspläne, zumindest bei jenen Menschen, die bestimmte Ansprüche an Arbeit und Beruf stellen“ (Stengel 2004, S. 264). Jedoch droht dieses Kartenhaus aus festgelegten Plänen einzustürzen, da durch mehrere Faktoren ein hundert Prozent gesichertes Leben heutzutage nicht mehr möglich ist. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem, dass ein Ausbildungsplatz heute nicht mehr als sicher gilt, eine dauerhafte feste Anstellung bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation als Glücksfall an zu sehen ist und dass auch der Ruhestand durch die in die Diskussion geratenen Renten nicht mehr als sehr anstrebenswert gilt. Folglich gehören also zur Betrachtung von Arbeit auch Überlegungen zur Nicht-Arbeit. „Darunter verstehen wir in Bezug auf die gesamte Lebenszeit des Menschen die Ausbildung als die Zeit vor dem Eintritt in einen Beruf, die Zeit nach dem Berufsaustritt, die Rente oder Pensionierung, und die arbeitsfreien Zeiten während der Berufstätigkeit: Freizeit, Urlaub, Freistellungszeiten und Zeiten der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit“ (Stengel 2004, S. 264). Letzteres, die unfreiwillige Arbeitslosigkeit, soll Thema dieser Hausarbeit sein.
Arbeitslosigkeit ist ein komplexes individuelles und gesellschaftliches Phänomen, das in allen industrialisierten Ländern eine große Zahl von Menschen direkt und eine noch weit größere Zahl von Menschen indirekt (zum Beispiel Familienangehörige) betrifft. Bei der Beschäftigung mit dem Phänomen Arbeitslosigkeit muss man den psychologischen Folgewirkungen besondere Beachtung schenken, denn sie ist ein Ereignis, das für die Betroffenen zwar nicht notwendigerweise, aber leider ziemlich oft mit
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immensen psychischen und in der Folge auch physischen Belastungen verbunden ist. Allerdings findet man Arbeitslosigkeit nicht nur auf der individuellen Ebene, sondern sie verursacht auch gesellschaftliche Reaktionen, wie zum Beispiel die Ausgrenzung und Abwertung von Arbeitslosen, was leider die Realität in der Gesellschaft darstellt. Durch diese Gegebenheiten der psychologischen Arbeitslosenforschung lässt sich zeigen, warum die Gesellschaft als Ganzes gefordert ist, um die von der Arbeitslosigkeit Betroffenen zu unterstützen und zu helfen. Auch in der Unterstützung Arbeitsloser in Form von Interventionsmaßnahmen und Strategien zur Überwindung sind die Erkenntnisse über psychologische Prozesse in der Arbeitslosigkeit von großem Interesse.
Das Thema Arbeitslosigkeit ist aktueller denn je. Die monatliche Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen mit derzeit 5,176 Millionen (Statistisches Bundesamt Deutschland 2005, Registrierte Arbeitslose, Zugriffsdatum 07.05.2005) hat einen Punkt erreicht, der zunehmend Missstimmung in der Gesellschaft verursacht. Zusätzlich bringen zahlreiche Massenentlassungen und Unternehmungsschließungen die Menschen in Angst und Unruhe.
Der Aufbau dieser Arbeit stützt sich generell auf die oben genannten Punkte und Erkenntnisse. Ausgehend von der Bedeutung, die Arbeit für Menschen unseres Kulturkreises hat, wird gezeigt, welche Folgen zu erwarten sind und welche eintreten können, wenn dieser zentrale biographische Punkt unseres alltäglichen Lebens zusammenbrechen würde. Dies wird zunächst für das Individuum diskutiert, darauf aufbauend werden dann die Auswirkungen und Reaktionsweisen des sozialen Umfeldes und letztendlich der Gesellschaft beschrieben. Das heißt, nach einem allgemeinen Überblick über das Phänomen Arbeitslosigkeit, mit verschiedenen Theorien, psychischen Folgen für Betroffene, sowohl negative wie auch positive Auswirkungen, wird danach speziell auf die Rolle der Frau in der Erwerbslosigkeit eingegangen und ob sich hierbei markante Unterschiede zu der Situation bei Männern ergeben. In Folge wird noch auf die Marienthalstudie eingegangen und abschließend werden einige Überlegungen für Strategien zur Überwindung von Arbeitslosigkeit ausgeführt.
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II.) Hauptteil
1.) Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit
Um die Bedeutung von Arbeit für die Persönlichkeit des Individuums verstehen zu wollen ist es sinnvoll, Reaktionen und Auswirkungen zu untersuchen, die hervortreten, wenn Arbeit fehlt. Allerdings muss man immer berücksichtigen, dass wenn von Arbeitslosigkeit die Rede ist, in den meisten Fällen die Erwerbslosigkeit gemeint ist.
In der derzeitigen Situation, in der sich unsere Gesellschaft befindet, kann sich so gut wie niemand mehr sicher sein, dass er seine jetzige Arbeit behält. Genauso kann man sich nicht sicher sein, dass wenn man seine alte bisherige Arbeit verliert, eine neue Arbeit erhält. Aus dieser Unsicherheit kann Angst resultieren, die die Menschen zerstört. Offiziell sind in Deutschland derzeit über 5,176 Millionen Menschen ohne Arbeit. Allerdings sind bei dieser Zahl diejenigen nicht mitgerechnet, die zum Beispiel an einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme teilnehmen, die sich umschulen lassen oder sich fortbilden, die auf Grund der langen Arbeitslosigkeit in den vorzeitigen Ruhestand gegangen sind, die Kurzarbeit leisten oder die, die ganz einfach bei der Bundesanstalt für Arbeit nicht gemeldet sind. Für das Statistische Bundesamt Deutschland zählen alle Nichtbeschäftigten als arbeits- bzw. erwerbslos, „die sich nach eigenen Angaben um eine Arbeitsstelle bemühen, unabhängig davon, ob sie beim Arbeitsamt registriert sind oder nicht. Die von der Bundesanstalt für Arbeit gemeldete Zahl der Arbeitslosen umfasst dagegen nur die bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitsuchenden“ (Statistisches Bundesamt Deutschland 2005, Erwerbstätige, Zugriffsdatum: 07.05.2005). Maria Jahoda fasst alle gebräuchlichen Definitionen zusammen und beschreibt Erwerbslosigkeit ganz allgemein und umfassend wie folgt: „man kann all jene als erwerbslos betrachten, die keine Stelle haben, aber gerne eine hätten, oder die für die Zeit, in der sie keine Stelle haben, auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, um überleben zu können“ (Jahoda 1983, S. 32).
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Nahezu jeder Arbeitnehmer kämpft heutzutage mit der Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Daraus folgen weitere Besorgnisse, wie zum Beispiel die Angst vor der Armut, dem sozialen Abstieg, dem Verlust der Selbstachtung, aber auch vor dem Fall in den finanziellen Ruin. Durch das Arbeitslosengeld wird zwar versucht, den Arbeitslosen davor zu bewahren und ihn wirtschaftlich auf einer Stufe zu halten, doch ist es nicht zu übersehen, dass die Arbeitslosigkeit für die meisten, die damit konfrontiert sind, nur sehr schwer zu erdulden ist. Für viele Menschen – so scheint es – ist es das wichtigste im Leben, einen gesicherten Arbeitsplatz zu haben. Jedoch scheint die drohende Arbeitslosigkeit im Alter noch schlimmer zu sein, da die bereits angeeignete Berufserfahrung, die man über Jahre übernommen hat, in Frage gestellt wird und man sich neben der Scham auch nutzlos fühlt. Unternehmen, Betriebe und Einrichtungen suchen heutzutage großteils nur noch junges und dynamisches Personal, das flexibel ist und eine gute, aktuelle Ausbildung absolviert hat. Suspekterweise sind ältere Menschen, mit langjähriger Berufserfahrung und einem hohen Standard von Fachwissen für derartige Berufe nicht mehr gefragt.
Über Arbeitslosigkeit und deren Auswirkungen und Folgen ist oft diskutiert worden. Laut Mohr (vgl. Mohr in Zimbardo / Gerrig 1999, S.737f) besteht Geschlossenheit darüber, dass Arbeitslosigkeit bei den meisten Menschen zu einer Verschlechterung ihrer seelischen Gesundheit führt, von der sie sich nach dem Wiedereintritt in ein Arbeitsverhältnis wieder erholen. Die Autorin will damit sagen, dass bei Arbeitslosen oft höhere Ängste bestehen, die sich in Form von geringer Lebenszufriedenheit, großer Konzentrationsschwäche, Depressionen und Selbstzweifel äußern. Am ausgeprägtesten treten diese Effekte bei Menschen auf, die im mittleren Lebensalter sind, die sich sehr an ihre Aufgabe gebunden fühlen, die schon längere Zeit arbeitslos sind und die aus anderen zusätzlichen Gründen verletzbar sind. Jedoch muss man immer die Gegebenheit im Auge behalten, dass die Arbeitslosigkeit für verschiedene Gruppierungen auch verschiedene Befunde hervorbringt. Das heißt, „daß Arbeitslosigkeit nicht alle in gleicher Weise trifft und daß nicht alle Betroffenen in gleicher Weise damit umgehen“ (Mohr in Zimbardo / Gerrig 1999, S. 738).
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Die Art und das Ausmaß der Erfahrungen, die gemacht werden, wenn Menschen arbeitslos werden, sind also vielfältig, variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, auf die im Folgenden ersten Teil der Arbeit eingegangen wird.
1.1) Verständniserläuterungen
1.1.1) Definition der Arbeit
Unter dem Begriff Arbeit versteht man im Allgemeinen: „Zweckgerichtete, planvolle und organisierte Tätigkeit, die an materiellen (zum Beispiel Herstellung von Produktionsgütern) oder immateriellen Zielen (zum Beispiel Erreichen eines wissenschaftlichen Fortschritts) orientiert ist und zur Deckung des eigenen Bedarfs oder zum eigenen Gewinn bzw. dem anderen dient. Arbeit kann zum einen dem individuellen Fortkommen, zum anderem dem Erreichen bestimmter allgemeiner wirtschaftlicher Ziele dienen“ (Fröhlich 1998, S. 66). Maria Jahoda beschreibt Erwerbsarbeit folgendermaßen: „Erwerbsarbeit ist zum einen das Mittel durch das die meisten Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen; zum anderen zwingt sie bestimmte Kategorien der Erfahrung auf. Sie gibt dem Tag eine Zeitstruktur, sie erweitert die sozialen Beziehungen über Familie und Nachbarschaft hinaus und bindet die Menschen in die Ziele und Leistungen der Gesellschaft ein …, sie weist einen sozialen Status zu und klärt die persönliche Identität“ (Jahoda 1983, S. 136).
1.1.2) Definition der Nicht-Arbeit
Von Nicht-Arbeit ist die Rede, wenn man „das Leben jenseits der beruflichen Arbeit“ (Stengel 2004, S. 265) betrachtet. Allerdings muss man hier zwei wichtige Richtungen unterscheiden:
1.) Wenn Nicht-Arbeit nicht beständig ist, sondern nur in einem gewissen Intervall stattfindet, wie zum Beispiel bei Schichtarbeitern, so kann man auch von Freizeit reden. Bei dieser Art von Nicht-Arbeit wird auch von der freiwilligen Nicht-Arbeit gesprochen. Diese kann man auch noch im Ruhestand vorfinden.
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Arbeit zitieren:
M.A. Quirin Bauer, 2004, Arbeits- und Erwerbslosigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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