Inhalt
Einleitung 3
1. Neue Lerntechniken als Antwort auf veränderte Lernvoraussetzungen
(Jan-Bernd Stahmann) 4
1.1 Veränderte Kindheit: Die Neuen Medien 4
1.2 Sprachliche und literarische Bildung unter den Bedingungen der
Mediengesellschaft 9
1.3 Handlungs- und Produktionsorientierung 11
1.3.1 Definition 11
1.3.2 Vorgeschichte, Einflüsse, Funktionen 12
1.3.3 Methodische Varianten 15
1.3.4 Kritik 17
2. Szenisches Spiel (Karl Niemann) 18
2.1 Formen des szenischen Spiels 19
2.1.1 Wahrnehmungsübungen 19
2.1.2 Vorstellungsübungen 20
2.1.3 Körper- und Bewegungsübungen 21
2.1.4 Sprechübungen 22
2.1.5 Rollenschreiben 24
2.1.6 Rollengespräche 26
2.1.7 Standbilder 29
2.1.8 Szenische Improvisation 31
2.2 Planung und Durchführung 32
2.2.1 Räumlichkeiten 32
2.2.2 Zeitliche Strukturierung 33
2.2.3 Themenauswahl 33
2.2.4 Teilnehmer 33
2.2.5 Spielleiterrolle 34
Literatur 35
2
Einleitung
In der heutigen Mediengesellschaft gewinnen die so genannten „Neuen Medien“ 1 zunehmend an Bedeutung und durchdringen unseren Alltag. So haben E-Mails, Videoclips und Talkshows einen festen Platz in unserem Leben, insbesondere in dem der Heranwachsenden, eingenommen. Ihr Aufstieg sollte aber differenziert betrachtet werden: Einerseits unterstützt und schafft die neue Medienkultur Bildungsmöglichkeiten, andererseits sehen viele Medienwissenschaftler und Medienkritiker, sowie Pädagogen und Soziologen die Gefahr „[…] sprachlicher, intellektueller, sozialer, emotionaler Abstumpfung […]“ 2 und warnen in diesem Zusammenhang vor dem „Verschwinden der Kindheit“ 3 und dem „Ende der Erziehung“ 4 .
Im ersten Teil unserer Hausarbeit möchten wir auf den gesteigerten Medienkonsum und die damit verbundenen Konsequenzen für die Bildungsprozesse eingehen. Dabei soll deutlich werden, weshalb vor allem der traditionelle Schulunterricht mit den veränderten Lernvoraussetzungen zu “kämpfen“ hat. Vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf die Lernfelder und Hauptaufgaben des Deutschunterrichts generell, sollen Alternativen zum traditionellen Unterricht, nämlich die handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtverfahren, aufgezeigt werden. Mit ihrer Konzentration auf die Selbsttätigkeit des Schülers 5 , das ganzheitliche Tun und den produktiven Umgang mit Literatur sind sie „[…] auch eine Antwort auf die veränderten Sozialisationsbedingungen in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Wirklichkeit“ 6 und schlagen zugleich „[…] eine wichtige Brücke zwischen Literatur- und Medienunterricht“ 7 .
In einem gesonderten Kapitel möchten wir schließlich das „szenische Spiel“ als eine Variante des handlungs- und produktionsorientierten Ansatzes vorstellen. Dabei soll das szenische Spiel anhand seiner Merkmale definiert, von anderen Spielarten abgegrenzt und seine verschiedenen Formen berücksichtigt werden.
1 Im Folgenden sind mit dem Begriff „Neue Medien“ bzw. „Digitale Medien“ jene Medien gemeint, „die Multimedialität - also die Integration unterschiedlicher Medien in einer computergestützten Präsentation -Hyperstruktur - also einen nicht-linearen Text - sowie Interaktion und Simulation ermöglichen“ (Aufenanger, 1999, S. 62, zitiert nach: Gudjons, 2003, S. 365).
2 Beisbart/Marenbach, 2003, S. 281.
3 Postman, Neil, 1987: Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt: Fischer.
4 Postman, Neil, 1997: Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung. 2. Auflage. München: dtv.
5 Die Begriffe „Schüler“ und „Lehrer“ werden zu Gunsten eines flüssigeren Leseflusses stets in der maskulinen Form verwendet, die feminine ist jedoch stets darin eingeschlossen.
6 Spinner, 2003, S. 253.
7 Ebd., S. 257.
3
Neben der Frage was das szenische Spiel im Deutschunterricht leisten kann, möchten wir eine Antwort auf die Frage geben, wie Schüler zur Spielfähigkeit geführt werden können ohne dabei das Moment der Schülerorientierung zu verlieren. Denn erst forschendes und erfahrungsbezogenes Lernen kann die Spontaneität, Kreativität, Körperlichkeit und Sprache fördern, so dass der Schüler im Laufe der Zeit „[…] über ein Repertoire an spielerischen Sprach- und Verhaltensmustern verfügt“ 8 . In diesem Zusammenhang sollen ebenso praktische Tipps im Umgang mit dieser Lernform gegeben werden.
1. Neue Lerntechniken als Antwort auf veränderte Lernvoraussetzungen
1.1 Veränderte Kindheit: Die Neuen Medien
Seit den 80er-Jahren reißt die öffentliche Diskussion unter dem Thema „Kindheit im Wandel“ bzw. „Veränderte Kindheit“ nicht ab. Sie ist als Reaktion auf die veränderten Bedingungen im Erfahrungsraum der kindlichen Lebenswelt infolge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse zu verstehen. Zwar können die Interpretationen der Befunde sozialwissenschaftlicher (empirischer) Kindheitsforschung in kulturoptimistische und kulturpessimistische unterschieden werden, dennoch überwiegen vor allem Letztere. Nicht selten findet man in der Fachliteratur Schlagwörter, wie „Konsumkindheit“ und „Medienkinder“. Diese kulturpessimistischen Schlagzeilen sind nicht von ungefähr und verweisen insbesondere auf die Auswirkungen durch die Verbreitung und Nutzung der Neuen Medien. Einen Zusammenhang zwischen den Neuen Medien und der von Lehrern beobachteten Verhaltensveränderung (größere Unruhe, Unkonzentriertheit, unsoziales Verhalten, Gewaltbereitschaft) der Kinder herzustellen, scheint angesichts der zeitlichen Nähe nicht schwer zu fallen, treten beide Phänomene doch erst seit Mitte der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts auf. 9
Die medialen Erfahrungen heutiger Kinder sind in ihrer Vielfalt und Intensität eine ganz andere als die derer in den 60er-Jahren. Galten bis dato das Radio und die Schallplatte neben den Printmedien als die meist genutzten Medien, so steht dem Nutzer von heute eine ganze Palette auditiver, visueller, elektronischer und AV-Medien zur Verfügung. Dieser Modernisierungsschub hat natürlich nicht vor den Kinder- und Jugendzimmern Halt gemacht. Vor allem das Massenmedium Fernsehen liegt in der Gunst der Sprösslinge ganz weit oben.
8 Thurn, 1992, S. 7.
9 Vgl. Fölling-Albers, 2001, S. 10-18.
4
So besitzt bereits jedes dritte Kind im Alter von 9 bis 10 Jahren einen eigenen Fernseher und nutzt diesen gut eineinhalb Stunden jeden Tag. Die Sehdauer bei den Vorschulkindern beträgt (bereits) Besorgnis erregende 60 Minuten pro Tag! Abgesehen von den Sehzeiten und der Sehdauer sind die Fernsehvorlieben der Kinder nahezu identisch. Spannung und Unterhaltung stehen im Vordergrund, weshalb oftmals Erwachsenensendungen (Action- und Horrorfilm, Krimi, Serie etc.) (heimlich) angeschaut werden. „Das Lernenwollen mit Hilfe des Fernsehers durch Informationssendungen spielt [dagegen] eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.“ 10 Neben dem Fernsehen sind die auditiven Medien (Radio, Kassette, CD usw.) bei dieser Altersgruppe besonders beliebt. „Musikhören gilt als ein wesentliches Element der Jugendkultur.“ 11 So hören über 80% der 13- bis 14-Jährigen täglich mindestens 20 Minuten Musik. Nicht weiter verwunderlich scheint die Tatsache, dass zum Ende des vorigen Jahrhunderts bereits über 88% der 12- bis 19-Jährigen einen CD-Player besaßen. Darüber hinaus hatten 57% einen eigenen Kassettenrecorder, 48% ein Radiogerät und 43% einen Walkman.
In den 90er-Jahren gelang schließlich dem Personal Computer (PC) der Durchbruch. 1999 besaßen schon 50% der 12 bis 19-Jährigen einen eigenen PC und benutzen diesen im Schnitt 94 Minuten pro Tag. Auffällig ist, dass bereits 3% der 6- bis 7-Jährigen Erfahrungen mit dem Computer gesammelt haben. Wie schon beim Fernsehen zu beobachten, sind es zumeist Unterhaltung und Spaß, die die Kinder und Jugendlichen motivieren den PC zu benutzen. So spielen viele am PC Computerspiele, zum Teil über vernetzte Rechner (Netzwerk) gegen/mit ihren Freunden. 47%, darunter vor allem Mädchen, geben indes an, den Computer für schulische Zwecke anzustellen. Von den Nutzungsmotiven einmal abgesehen, bleibt jedoch festzuhalten: ‚Die Computerisierung der Gesellschaft hat bei den Kindern nicht erst begonnen, im Grunde ist sie bereits so gut wie abgeschlossen.‘ 12 In diesem Zusammenhang sei noch das Internet zu erwähnen. Eine Studie aus dem Jahre 1999 belegt, dass (lediglich) 4% der 6- bis 13-Jährigen regelmäßig das Internet nutzen, wobei der Anteil ab dem 12. Lebensjahr deutlich ansteigt (15%). Die Gesamtheit aller relevanten Medien im Detail aufzuführen würde den Umfang dieser Arbeit sprengen. Trotzdem sei aber auf die anderen bei Kindern und Jugendlichen beliebten Medien, wie das Videogerät, Videospielekonsole und das Handy mit all seinen vielfältigen Funktionen (SMS, WAP, Fotografie) hingewiesen. 13
10 Föllings-Albers, 2001, S. 35.
11 Ebd., S. 36.
12 LBS-Kinderbarometer NRW, 1999, S. 35, zitiert nach: Fölling-Albers, 2001, S. 37.
13 Vgl. Fölling-Albers, 2001, S. 34-46.
5
Unbestritten ist, dass die Medialisierung unseres Alltags immer komplexer und rasanter wird. Nun besteht aber Dissens über die Auswirkungen der Neuen Medien auf die Verhaltensweisen bzw. Einstellungen und letztlich das Lernverhalten der Kinder und Jugendlichen: Es herrscht erhebliche Verunsicherung. Kulturoptimistische Interpretationen der Befunde gehen soweit, dass sie vor allem den Informationsgewinn und den „Erwerb effektiver Handlungsstrategien (z. B. durch Computerspiele)“ 14 als einen Verdienst der Neuen Medien ansehen. Dem gegenüber stehen zum einen die Aussagen der Kinder und Jugendlichen über ihre Nutzungsmotive (s. o.), wonach für 71% der Befragten der Spaßfaktor im Mittelpunkt steht. Zum anderen formiert sich eine Gruppe kulturpessimistisch eingestellter Sozialwissenschaftlicher, die ein „Leben aus der zweiten Hand“ 15 , ja ein „Verlust an originalen Lebenserfahrungen“ 16 beklagt und zugleich vor den unkontrollierten Erziehungswirkungen der Medien warnt. Das Kernproblem besteht für sie in der problematischen Unterscheidung zwischen „authentischer Primärerfahrung und medialer Sekundärerfahrung“ 17 .
„Das Bild der Welt und unsere Wahrnehmung werden wesentlich durch die Medien ‹gemacht›. Sie habenz. B. als Massenmedien - neben ihrer Unterhaltungs- vor allem eine Orientierungsfunktion.“ 18 „Zu fragen ist nicht mehr, ob die Medien die Realität ‚objektiv’zeigen, sondern vielmehr“ 19 : ‚Wie konstruieren Massenmedien Realität?‘ 20
Die Grenzen sind fließend, sodass eine doppelte Realität der Massenmedien vorzufinden ist. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man eine Exkursion zum Kloster Mariensee unternimmt, oder aber sich anhand eines Filmes im Fernsehen über dasselbe informiert. Letzteres könnte lediglich die historischen Besonderheiten andeuten und einen Gesamteindruck vermitteln, dem „[…]didaktische[n] Prinzip von Konkretheit und Anschaulichkeit […]“ 21 jedoch niemals gerecht werden. Ferner geht es darum, ob die Medien nur eine bestimmte Sichtweise auf einen Sachverhalt wiedergeben oder ob Multiperspektive gegeben ist. Ebenso wirft man den Neuen Medien vor, dass sie zum „Schwinden der Sinne“ beitragen würden. So habe die Überbeanspruchung des Sehens und Hörens bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Tast-, Geruchs- und Geschmackssinns fatale Folgen für die Entwicklung und Lernfähigkeit der Kinder, weil sich der traditionelle Schulunterricht vor allem auf das Hören und Sehen konzentriere.
14 Fölling-Albers, 2001, S. 14.
15 Ebd., S. 37.
16 Ebd.
17 Beisbart/Marenbach, 2003, S. 123.
18 Gudjons, 2003, S. 364.
19 Beisbart/Marenbach, 2003, S. 123.
20 Luhmann, 1996, S, 20, zitiert nach: Beisbart/Marenbach, 2003, S. 123.
21 Ebd.
6
Aber auch die qualitative Neuausrichtung der Medien birgt große Gefahren für den Unterricht: Mit ihren schnellen Bildfolgen erschweren vor allem die Jugendsender „MTV“ und „VIVA“ die bewusste Bildverarbeitung auf Grund der oft fehlenden Halbsekunde und gewöhnen ihre Zuschauer an den raschen Bildwechsel. Gegenüber den abwechslungsreichen Angeboten der Neuen Medien erscheint der traditionelle Unterricht den Schülern zudem oftmals reizarm und monoton.
Nicht zuletzt werden die Lehrer zunehmend auch mit motorischen Schwächen ihrer Schüler z. B. beim rückwärts gehen, Bälle fangen und Schaukeln konfrontiert. So verhindert stundenlanges Sitzen vor dem Fernseher und Computer gezielte Bewegungen und befriedigt durch Scheinbewegungen. Die daraus resultierende eingeschränkte Bewegungsfreiheit hat besonders für den Unterricht negative Folgen, da dieser Bewegungserfahrungen voraussetzt. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit führt schließlich auch zu Folgeproblemen im Bereich des kognitiven Lernens (Kulturtechniken: Schreiben, Lesen, Rechnen) und zur Schwächung des räumlichen Vorstellungsvermögens.
Die zunehmende Medialisierung menschlicher Lebensvollzüge hat für den Schulunterricht und besonders für den Literaturunterricht noch viel schwerwiegendere Folgen als die bisher skizzierten. So wird oftmals gegen die Neuen Medien argumentiert, dass ihr Überangebot und Überkonsum den Schülern jegliche Fantasie raube. Seit den historischen Experimenten von Dr. Roger Sperry mit Affen (später Split-Brain-Patienten: Epileptiker) wissen wir jedoch, wie wichtig gerade Fantasie für das Lernen und den weiteren beruflichen Werdegang ist: Beide Gehirnhälften des menschlichen Großhirns (Neocortex) haben einen eigenen Ablauf bewusster Gedanken und besitzen ihr eigenes Gedächtnis. So ist die linke Gehirnhälfte sprachlich dominiert, d. h. hier wird die Sprache aufgenommen und produziert. Des Weiteren ist diese Gehirnhälfte für die Informationsverarbeitung in einer logischen und sequentiellen Art und Weise, aber auch für mathematische und analytische Überlegungen, wie das Sammeln von Zahlen, Zeitmessung und die Bewertung von Sachverhalten zuständig. Das rechte Gehirnzentrum, welche unsere visuellen Wahrnehmungsfunktionen beherbergt, denkt dagegen in Bildern und kann Dimensionen, Muster und Gesamteindrücke besser unterscheiden. Hier werden kreative Kräfte und Fähigkeiten entwickelt und schöpferisch gedacht. Analoges Denken, Fantasie, Rhythmus, Musikalität, unsere Träume, Ideen und Gefühle haben hier ihren Sitz. Im Gegensatz zur linken Hemisphäre kann sie mit völlig unbekannten Informationen umgehen, obwohl für diese noch kein internes Programm vorhanden ist. 22
22 Vgl. Vester, 2004, S. 53-77.
7
Die Entdeckung über die unterschiedlichen Arbeitsweisen und speziellen Aufgaben der Gehirnhälften führte zu einem Umbruch, der bis heute andauert, sodass die traditionellen Auffassungen von Gedächtnis- und Hirnfunktionen, sowie Kommunikationsstrukturen immer wieder auf fast revolutionäre Weise revidiert werden müssen. Deswegen bedürfen auch die bestehenden konventionellen Lerntechniken einer Reform. Die linke Gehirnhälfte wurde in der Bildungsarbeit, aber auch insgesamt in der Gesellschaft, stark überbewertet, weil sie für kognitives Lernen, analytisches Denken, verbale Fähigkeiten, Reduktionismus und sequentielles Denken zuständig ist. Gerade weil in der linken Hemisphäre wesentliche, für die Schulbildung relevante Funktionen liegen, erscheint diese Gehirnhälfte als die wichtigere. Dadurch hat sich eine Mentalität und Ideologie unserer Kultur entwickelt, die die Funktionen und Arbeitsweisen der linken Hemisphäre trainiert und weiterentwickelt. Besonders in der Schule und im Beruf ist dieser Trend zu verzeichnen. Vor allem bei vielen Akademikern, Ingenieuren, Juristen, Wirtschaftlern und Naturwissenschaftlern ist eine eindeutige Linkshirndominanz festzustellen. Unsere Welt ist aber so komplex und vernetzt geworden, dass sie sich nicht mehr nur linear begreifen lässt: Die „linkshirnigen“ Fertigkeiten und Arbeitsweisen reichen nicht mehr aus. Heute brauchen wir mehr denn je die integrativen, kompensatorischen Fähigkeiten, wie das Kreative, Bildhafte, ganzheitlich sinnstiftende Denken und Lernen. So sind Menschen, die beide Hemisphären gleichermaßen beanspruchen, in ihren Fähigkeiten und Entscheidungen oftmals ausgewogener, als solche, bei denen eine Hälfte dominiert. Gute Ideen sind beispielsweise immer auf eine fließende Zusammenarbeit beider Gehirnhälften angewiesen. Somit ist Harmonie wesentlich und kann dadurch erreicht werden, dass man die benachbarte rechte Hälfte mit Hilfe künstlerischer Aktivitäten, wie Malen oder Musizieren fördert. Erwachsene, die sich die Fähigkeit der harmonischen Verschränkung der Hemisphären erhalten oder angeeignet haben, bestechen durch kreative Fähigkeiten und enorme geistige Kapazitäten. Und genau diese Eigenschaften sind es, die in unserer Gegenwart und Zukunft eine immer größere Bedeutung spielen. 23
Dennoch sei zweierlei angemerkt: Zum einen eröffnet die neue Medienkultur auch neue Bildungsmöglichkeiten, und zum anderen darf und kann man das veränderte Verhalten der Kinder nicht nur auf den Konsum der Neuen Medien zurückführen. Schließlich haben auch die Veränderungen in der familialen Lebenswelt im Rahmen der nicht endenden Modernisierungsprozesse, sowie neue institutionalisierte Förder- und Freizeitangebote eine veränderte Kindheit zur Folge.
23 Vgl. Vester, 2004, S. 27ff.
8
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Jan-Bernd Stahmann, Karl Niemann, 2005, Handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsverfahren: Das szenische Spiel, München, GRIN Verlag GmbH
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