Inhalt
Einleitung (Jan-Bernd Stahmann) 3
1. Sozialpädagogik (Karl Niemann) 4
1.1 Was ist Sozialpädagogik 4
1.2 Definition „Sozialpädagogik“ 5
1.3 Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit 7
1.4 Geschichte der Sozialpädagogik/Sozialarbeit 7
1.5 Methodik/Methodenfrage 8
1.5.1 Distanz-Modell 9
1.5.2 Subordinationsmodell 9
1.5.3 Integriertes Modell 10
2. Heilpädagogik (Jan-Bernd Stahmann) 10
2.1 Was ist Heilpädagogik 10
2.2 Geschichte der Heilpädagogik 13
2.2.1 Geschichte der heilpädagogischen Praxis 13
2.2.2 Heilpädagogische Richtungen 16
3. Zusammenfassung: Zum Verhältnis von Sozialpädagogik und
Heilp ädagogik (Karl Niemann/Jan-Bernd Stahmann) 20
3.1 Entwicklungslinien ins 20. Jahrhundert: Spezialisierung der sozialen und
p ädagogischen Nothilfe 20
3.2 Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Sozialpädagogik und
Heilp ädagogik 22
Literaturverzeichnis 25
2
Einleitung
Die Pädagogik bzw. Erziehungswissenschaft ist als 200-jährige Wissenschaft im Vergleich zu anderen Disziplinen noch recht jung. 1 Dennoch ist ihr Gesamtbereich (bereits jetzt) so vielfältig und gleichsam unübersichtlich, dass es schwer fällt sich in diesem Dickicht unterschiedlichster und oftmals exotischer „[…] Bereiche, Unterdisziplinen, Fachrichtungen und Praxisfelder der Forschung […]“ 2 zurechtzufinden, und auf der Suche nach einer systematischen Ordnung den Überblick zu behalten. Mit seinen Arbeiten aus den Jahren 1989 und 1999 hat Dieter Lenzen den Pluralismus der Erziehungswissenschaft in einer Strukturskizze festgehalten. Sie gliedert die Pädagogik in die drei Ebenen „Subdisziplin“, „Fachrichtungen“ und „Praxisfelder“. Auf der ersten Ebene befinden sich Teildisziplinen, wie z. B. Allgemeine/Systematische Pädagogik sowie Sozial-, Schul-, Sonder-, Erwachsenen-, und Wirtschaftspädagogik, die sich jeweils in Arbeitsbereiche ausdifferenzieren. In der Kategorie „Fachrichtungen“ sind beispielsweise Ausländer-, Freizeit-, Kultur-, Medien-, Museums-, Verkehrs- und Umweltpädagogik angesiedelt. Die Praxisfelder unterteilen sich wiederum in Friedens-, Gesundheits- und Sexualerziehung sowie in Management Education und Schule. Angemerkt sei, dass sich die Pädagogik auch anderen pädagogischen Konzepten und Lehren öffnet. Ebenso unterhält sie enge Beziehungen zu zahlreichen Nachbarwissenschaften (Philosophie, Psychologie etc.), wodurch sich im Laufe der Zeit vernetzte Disziplinen, wie beispielsweise die Pädagogische Psychologie, herausgebildet haben und nun interdisziplinär mit der Erziehungswissenschaft zusammen arbeiten.
Die systematische Gliederung der Pädagogik zeigt die Fülle der pädagogischen Teilgebiete und wirft gleichzeitig die Frage auf, was die unterschiedlichen Teilgebiete voneinander abgrenzt und dennoch unter dem gemeinsamen Dach der Erziehungswissenschaft als „professionelle Lebensbegleitung […] auf dem Weg zur Wissenschaft des Lebenslaufs und der Humanontogenese“ 3 zusammenhält. 4
1 Beide Termini, „Erziehungswissenschaft und „Pädagogik“, werden in der Regel als identische Begriffe angesehen und verwendet. Dennoch sei auf die unterschiedliche Gewichtung beider Begriffe hinsichtlich des Wissenschaftscharakters und der Erziehungspraxis hingewiesen.
2 Gudjons, 2003, S. 19.
3 Lenzen, 1997, o. S., zitiert nach: Gudjons, 2003, S. 26.
4 Vgl. Gudjons, 2003, S. 21-24.
3
In der vorliegenden Arbeit möchten wir zwei spezielle Pädagogiken, nämlich die Sozial- und Heilpädagogik, anhand der Kriterien „Ziele“, „Zielgruppe“, „Methoden“, „Rahmenbedingungen“ etc. sowie im Hinblick auf das Verhältnis beider Bereiche zur Regelpädagogik voneinander abgrenzen. Im Anschluss an die separate Vorstellung beider Subdisziplinen der Erziehungswissenschaft sollen die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen Sozial- und Heilpädagogik, in einer Zusammenfassung festgehalten werden.
1. Sozialpädagogik
1.1 Was ist Sozialpädagogik?
In der heutigen Gesellschaft finden wir viele Anwendungsgebiete, die etwas mit Sozialpädagogik zu tun haben. Auch findet man viel Literatur über sie und dennoch scheint es nicht möglich zu sein, genauestens zu schildern, was sie ist und was sie will. Ihr Aufgabenbereich ist so vielfältig, dass eine konkrete Definition utopisch wirkt. 5 Der Autor Franz Hamburger formuliert dieses Problem gleich im ersten Satz seines Buches „Einführung in die Sozialpädagogik“ und bringt es somit auf den Punkt:
„Die Sozialpädagogik hat es schwer mit sich selbst und kann die Frage, was sie sei, nicht
beantworten.“ 6
Hamburger vertritt die Meinung Mollenhauers und sieht die Sozialpädagogik zwar in der Praxis begründet, hat allerdings Probleme ihr eine entsprechende Theorie zu geben, da sie keine wissenschaftliche und professionelle Grundlage habe. Weiterhin geht es bei der Sozialpädagogik um die verschiedenen sozialen Probleme innerhalb der Gesellschaft, was das Problem der theoretischen Untermauerung dieser wissenschaftlichen Disziplin noch weiter verstärkt. Auch Hamburger stellt sich deshalb die Frage, was der Begriff der Sozialpädagogik nun bedeutet und versucht sie mit Hilfe des Beispiels der Geschlechterungleichheit aufzulösen. 7
Wie auch bei anderen wissenschaftlichen Disziplinen und Berufsfeldern sind auch bei der Sozialpädagogik die Männer viel häufiger in den theoretischen und die Frauen in den praktischen Bereichen zu finden. Doch um diesen Fakt geht es Hamburger in seinen
5 Vgl. Hamburger, 2003, S. 11.
6 Ebd.
7 Vgl. ebd., S. 11f.
4
Ausführungen nur sekundär. Für ihn ist es wichtig herauszufinden, warum so eine Ungleichheit zustande gekommen ist. Er sieht diese als ein soziales Problem an, da hier eine offensichtliche Ungerechtigkeit herrscht. Mit diesem Beispiel zeigt Hamburger ein Problem der Sozialpädagogik auf, erläutert aber sogleich deren Aufgabenbereich und klärt so die Anfangsfrage was unter ihr zu verstehen ist. Somit hat sie die Aufgaben, verschiedene Situationen zu klären, diese zu bewerten und versuchen sie gegebenenfalls zu lösen bzw. Lösungsvorschläge zu machen. Häufig entstehen solche Problemsituationen bei der Auseinandersetzung der Individuen mit der Gesellschaft. Sozialpädagogik kann deshalb wie Erziehung allgemein als ein lebenslanger Sozialisationsprozess angesehen werden. Hamburger sieht darin eine erste Unterteilungsmöglichkeit: 8
„Als praktisches Handeln bezieht sich Sozialpädagogik auf die Auseinandersetzung bestimmter Personen in einer bestimmten Situation […] als Theorie bezieht sich Sozialpädagogik auf diesen Institutionalisierungsprozess des praktischen Handelns und hat zugleich die ihm zugrunde liegenden Unterscheidungen von Differenz und Ungleichheit, Anerkanntem und Zurückgewiesenem zu
analysieren.“ 9
1.2 Definition „Sozialpädagogik“
Der Leiter des Instituts für Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Wohlfahrtswissenschaften an der technischen Universität Dresden, Lothar Böhnisch, hat den Begriff der Sozialpädagogik so gut formuliert, dass seine Definition ohne Bedenken übernommen werden kann: 10
„Sozialpädagogik ist nicht nur eine sozial- und erziehungswissenschaftliche Disziplin im allgemeinen Sinne, sondern gleichzeitig auch eine Theorie besonderer Praxisinstitutionen - vor allem der Jugendhilfe und Sozialarbeit. Als erziehungswissenschaftliche Disziplin beschäftigt sich die Sozialpädagogik mit jenen sozialstrukturell und institutionell bedingten Konflikten, welche im
Verlauf der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen auftreten.“ 11
Mit den in seiner Ausführung angesprochenen Konflikten im Verlauf der Sozialisation der Jugendlichen und Kinder meint Böhnisch speziell die, welche in der Schule, Familie und auch im Gemeinwesen auftreten können. Die sozialpädagogische Arbeit sieht nach dieser Sichtweise demnach folgende Aufgaben bereiche vor sich:
8 Vgl. Hamburger, 2003, S. 12f.
9 Ebd., S. 13f.
10 Vgl. http://www.tu-dresden.de/erzw/php/mitarbeiter_detail.php?detail=16
11 Böhnisch, 1979, S. 22, zitiert nach: Hamburger, 2003, S. 14.
5
• Sie muss sich die Verbindung zwischen der Gesellschaft und dem Individuum genauestens beobachten,
• sie muss diese Verbindung immer kritisch betrachten und die in ihr enthaltenen Konflikte im Auge behalten,
• sie muss gegen diese Konflikte gezielt vorgehen und Problemvorschläge zu deren Bewältigung entwickeln können. 12
Böhnisch setzt durch seine Definition von Sozialpädagogik das Individuum in eine Art „Vordergrundposition“ und stellt es so in das Zentrum der Gesellschaft sowie anderer Gemeinschaften, sprich Schule, Freunde, Familie. Zusätzlich grenzt er die Sozialpädagogik von anderen pädagogischen Disziplinen ab, die sich spezifisch mit Kulturaneignungsprozessen beschäftigen (Berufsausbildung, Schule, Weiterbildung). 13 Durch die Definition hat Böhnisch eine weitere wichtige Aufgabe der Sozialpädagogik hervorgehoben:
„Das jeweilige Mischungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle in den jeweiligen Handlungssituationen und Institutionen zu reflektieren und zu analysieren, [ist] zu einer theoretischen und praktischen
Aufgabe [geworden].“ 14
Aufgrund der Konflikte zwischen der Gesellschaft und den hier besonders angesprochenen Kindern und Jugendlichen ist ein, wie Hamburger es nennt, „Dazwischentreten“ in der Form von sozialpädagogischen Institutionen sinnvoll. In diesen können Konflikte jeglicher Art dann problematisiert und so verhindert bzw. bereits präventiv angegangen werden. Hamburger nennt für solch eine Institution die Errichtung von Kindertagesstätten als Beispiel. Der Nachteil an solchen sozialpädagogischen Institutionen liegt allerdings darin, dass sie sowohl den Bedürfnissen und Interessen der Individuen nachgehen und diesen ihre Hilfe anbieten und zur Verfügung stellen, andererseits allerdings auch auf die Wünsche der Gesellschaft eingehen müssen, da diese sie bezahlt und aufgebaut hat. Geht man nochmals auf die Formulierung Hamburgers zurück, kann man sagen die sozialpädagogischen Institute haben ein „doppeltes Mandat“. 15
12 Vgl. Hamburger, 2003, S. 14.
13 Vgl. ebd., S. 15.
14 Ebd., S. 17.
15 Vgl. ebd., S. 16.
6
1.3 Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit
Betrachtet man nochmals die Definition von Böhnisch (siehe Zitat Seite 5), kann man erkennen, dass er die Sozialpädagogik als erziehungs- und sozialwissenschaftliche Disziplin ansieht. Doch dies ist kein Einzelfall. In der Geschichte (siehe Punkt 1.4, Seite 7f.) der Sozialpädagogik sind ihre Aufgabenfelder oftmals auf verschiedenste Art und Weise ausgelegt und verstanden worden. Während im 19. Jahrhundert konkret auf soziale Probleme, verursacht durch Massenelend und Massenarmut, ausgegangen
wurde, meinte der Begriff der Sozialpädagogik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts „alles, was Erziehung, aber nicht Schule und Familie ist“ 16 .
Heute jedoch hat die Sozialpädagogik einen viel weiteren Begriff. Mittlerweile bezieht sie sich auch auf die Bereiche Familie und Schule, da sich die Erziehung dort oftmals mit sozialpädagogischen Aufgabenfeldern überschneidet und diese beiden Bereiche längst nicht mehr ohne sie auskommen können. Eine genau institutionelle Zuordnung kann für die sozialpädagogischen Bereiche somit nicht mehr getätigt werden. Schaut man sich in unserer heutigen Gesellschaft um, wird man schnell sehen, dass selbst die Konzentration der Sozialpädagogik auf Kinder und Jugendliche nicht mehr zutrifft. Ihre Arbeit umfasst die verschiedensten Einrichtungen. Von Behindertenwerken, über die Erwachsenenbildung, bis hin zur Altenarbeit. Im Gegensatz zu der Entwicklung bis hin zu den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, wo Sozialarbeit und Sozialpädagogik noch strikt als zwei verschiedene wissenschaftliche Disziplinen angesehen wurden, ist bis heute eine immer stärker werdende Konvergenz zu verzeichnen: 17
„Sozialarbeit und Sozialpädagogik werden als (weitgehend) identisch angesehen, bisher getrennte Fachbereiche an Fachhochschulen werden zusammengelegt unter der Bezeichnung >>Sozialwesen<<, die Tätigkeit wird als >>Soziale Arbeit<< bezeichnet, die Disziplin als
>>Wissenschaft der Sozialen Arbeit<<.“ 18
1.4 Geschichte der Sozialpädagogik/Sozialarbeit
Die Sozialpädagogik und die Sozialarbeit haben zwei unterschiedliche Geschichten, die sich in der heutigen Zeit immer häufiger überschneiden. Wollte man alle Aspekte beider beleuchten, so könnte man darüber eine eigene Arbeit schreiben. In unserem Fall wird
16 Vgl. Hamburger, 2003, S. 18; Bäumer, 1929, S. 3, zitiert nach: Hamburger, 2003, S. 18.
17 Vgl. Hamburger, 2003, S. 19.
18 Ebd., S. 20.
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Jan-Bernd Stahmann, Karl Niemann, 2004, Sozialpädagogik und Heilpädagogik - eine Unterscheidung, München, GRIN Verlag GmbH
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