Inhaltsverzeichnis
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1 Einleitung
1
2 Einführung in die Thematik der Armut
2
2.1 Armut: Begriff und Definition
2.2 Armutskonzepte und Indikatoren 3
3 Sozioökonomische Lebenslagen von Kindern in Armut
5
3.1 Armutsbetroffenheit von Kindern und Familien
3.2 Einflussfaktoren auf die Lebenslage von Kindern 8
3.3 Lebenssituation von armen Kindern:
Dimensionen Erscheinungsformen der Armut im Kindesalter 10
4 Auswirkungen von Armut auf Kinder
11
4.1 Ebenen der Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern 12
4.2 Auswirkungen und Folgen der Armut in zentralen Lebensbereichen 13
4.2.1 Teilhabe am Konsum
4.2.2 Wohnen 14
4.2.3 Erziehung 17
4.2.4 Psychische Belastungen und Intelligenzentwicklung 18
4.2.5 Bildung 19
4.2.6 Freizeit, Sozialbeziehungen, Isolation 20
4.2.7 Gesundheit 22
5 Schlussbetrachtung
23
1 Einleitung
Armut ist, hinsichtlich der Betroffenheit, in unserer Gesellschaft ein zentrales Thema. Finanzielle Knappheit, Arbeitslosigkeit und Armut verdichten sich in vielen Familien zu massiven Problemlagen und die unter diesen Bedingungen erschwerte Gestaltung des Alltags gehört bei einem beträchtlichen Anteil der Kinder und Jugendlichen zur alltäglichen Lebens-und Erfahrungswelt. Zu dieser Lebenswelt gehört vor allem die Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche Mangel und Entbehrungen in vielseitigen Bereichen ihres Lebens erfahren müssen. Darüber hinaus erleben viele von diesen Kindern Ausgrenzung in Kindergarten oder Schule bis hin zu Stigmatisierung und Diskriminierung. Eltern, Familie, Pädagogen und nicht zuletzt die Gesellschaft verlangt von ihnen in unsichtbarer Weise, dass die Kinder unter diesen erschwerten Bedingungen leben, sich entwickeln und mit ihnen umgehen lernen, je unauffälliger, desto besser. Dennoch sind die erschwerten Bedingungen von Familien in Armutslagen als gesundheitliche und psychosoziale Entwicklungsrisiken für die Kinder zu sehen, die wiederum je nach persönlichen Risiko- und Schutzfaktoren versuchen, diese Bedingungen und die damit verknüpften Erfahrungen zu verarbeiten oder zu kompensieren. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche die Mangelerfahrungen unterschiedlich gut auffangen können und es aufgrund dessen zu unterschiedlichen Auswirkungen der Armut kommen kann.
Zur Einführung in das Thema der Armut bei Kindern und Jugendlichen möchte ich im ersten Teil meiner Arbeit die Formen von Armut und Unterversorgung skizzieren und daraufhin die Armutsbetroffenheit, also dass Ausmaß der (Einkommens-) Armut unter Kindern beschreiben. Im Hauptteil der Arbeit möchte ich sowohl die Lebenswelt bzw. Lebenslagen eines Kindes in Armut beschreiben, als auch die Auswirkungen der Erfahrungen die Kinder in Armutslagen machen, erläutern und die Folgen in den unterschiedlichen Bereichen der kindlichen Entwicklung verdeutlichen.
Besonders ist mir in meiner Ausarbeitung daran gelegen, die Lebenssituation und Lebenswelt von Kindern in Armutslagen, sowohl in ihren materiellen Einschränkungen, als auch an der Teilhabe in zentralen Lebensbereichen zu verdeutlichen, um selbst in der Erkennung dieses sich immer weiter ausbreitenden Phänomens mehr Wissen zu erlangen und im Umgang mit betroffenen Kindern sensibler zu werden.
2 Einführung in die Thematik der Armut
2.1 Armut: Begriff und Definition
Bereits seit Jahren werden Armuts- und Unterversorgungslagen in Deutschland wissenschaftlich erforscht. Ein unlösbares Problem besteht in der langjährigen Forschungstradition darin, den Begriff Armut theoretisch zu erfassen und zu definieren. Diese Schwierigkeit ergibt sich aus der Vielschichtigkeit von Armuts- und Unterversorgungslagen, so dass eine absolute, allgemeingültige Definition von Armut nicht existieren kann. Vielmehr wird innerhalb einer empirischen Untersuchung der Begriff Armut, je nach Standpunkt und Forschungsinteresse, neu normiert und konzipiert.
Wie bereits erwähnt kann Armut in unterschiedlicher Intensität und in unterschiedlichen Facetten auftreten. Dementsprechend vielseitig sind sowohl die Armutsbegriffe, als auch die Armutskonzepte innerhalb der Armutsforschung. In den westlichen Industrieländern geht es jedoch weniger um die absolute Armut, in dem Sinne, dass das physische Überleben eines Menschen bedroht ist, sondern eher um die Frage eines menschenwürdigen Lebens. Aufgrund dessen ist die Armut in Deutschland weniger als absolute Armut, sondern vielmehr als relative Armut, also im Vergleich und gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, so wie den durchschnittlichen Lebensweisen zu sehen. Darüber hinaus muss die Armut umfassend und in ihrer Mehrdimensionalität gesehen und bestimmt werden. Das bedeutet, dass die Armut nicht nur aufgrund monetärer Ressourcen, sondern unter Berücksichtigung der Beeinträchtigung weiterer Lebensbereiche, wie Arbeit, Gesundheit, Bildung, Wohnen..., zu erfassen ist. Des weiteren sind auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen von grosser Bedeutung, die die Verfügbarkeit von Handlungsspielräumen bestimmen, ermöglichen oder einschränken. 1
Eine mögliche Begriffsbestimmung in diesem Sinne wäre die Definition des EU Rates von 1984, die davon ausgeht, dass Personen, Familien und Gruppen als arm gelten,
,,die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist.“ 2
1 Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): Kinder und Jugendliche in Armut: Umfang, Auswirkungen und
Konsequenzen. Opladen: Westdeutscher Verlag 1998, S.52ff
2 Zit. in: Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: Lebenslagen in Deutschland: Der erste Armuts- und
Reichtumsbericht der Bundesregierung. Bonn: Eigenverlag 2001, S.7
In diesem weit gefassten Armutsverständnis wird sowohl die Relativität, als auch die Mehrdimensionalität eines angemessenen Armutsverständnisses sehr deutlich. Die Armut muss demnach im Zusammenhang und in Relation zu gesellschaftlichen Standards bzw. als die Ungleichheit von Lebensbedingungen und infolgedessen, als eine Ausgrenzung aus dem gesellschaftlich akzeptierten Bereich verstanden werden.
Aus diesen Gründen reichen auch in der Forschung zur Messung und Bekämpfung von Armut eindimensionale und einseitig orientierte oder lineare Konzepte nicht aus. Aus der Vielseitigkeit der Armutslagen ergibt sich auch der Facettenreichtum der Armutskonzepte.
2.2 Armutskonzepte und Indikatoren
Innerhalb des Verständnisses einer relativen Armut wird zwischen dem Ressourcenansatz und dem Lebenslagenansatz unterschieden, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen.
Der Ressourcenansatz
Lange Zeit dominierte in der Armutsforschung der Ressourcenansatz, der sich an der finanziellen Ausstattung, einer Person bzw. einer Familie orientiert. Unter Verwendung dieses Ansatzes wird als Bemessungsgrundlage der Armut meistens das verfügbare Einkommen berücksichtigt. Innerhalb dessen wird der Sozialhilfebezug oder ein unterdurchschnittliches Einkommen als Indikator herangezogen. Hier werden die Sozialhilfegrenze und die relative Einkommensarmutsgrenze (Einkommensarmut) als Armutsschwellen betrachtet. 3
Allerdings wird der Sozialhilfebezug eher als Armutsbedrohung denn als Armut gewertet. Der Sozialhilfebezug stellt eine Form der ,,bekämpften Armut“ dar, ist also gedacht, um Armut in unserem Staat zu verhindern. Aufgrund dessen wehrt man sich dagegen, Sozialhilfeempfänger direkt als Arme zu bezeichnen. Dennoch stellt die Zahl derer, die Sozialhilfe beziehen, einen Maßstab dafür dar, wie viele Menschen auf staatliche, finanzielle Hilfen angewiesen sind, um ihre physische Existenz und ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Teilhabe zu sichern. Demnach befinden sie sich in einer vergleichbar sozio-ökonomisch benachteiligten Lage. Darüber hinaus muss der Indikator des Sozialhilfebezuges durch die ,,verdeckte Armut“ ergänzt werden. Das Verständnis der ,,verdeckten Armut“ umfasst alle Personen, die aufgrund ihres geringen Einkommens anspruchsberechtigt sind und demnach unter dem soziokulturellen Existenzminimum leben, diesen Anspruch jedoch meist aus Scham oder
3 Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): a.a.O., S.53
Unwissen, nicht geltend machen. Man geht davon aus, dass die Anzahl der Personen, die in verdeckter Armut leben, die Zahl der Sozialhilfeempfänger deutlich übersteigt. Um die Einkommensarmut zu bemessen orientiert man sich in der Regel an dem verfügbaren, gewichteten durchschnittlichen Haushaltseinkommen, wobei die Grenze zur Armut bei 50% liegt. Das bedeutet, dass Personen, denen weniger als 50% des gewichteten, durchschnittlichen Haushaltseinkommens zur Verfügung haben, statistisch als in Armut lebend gelten. 4
Der Lebenslagenansatz
Die Messung des Einkommens ist ein sehr wichtiges Kriterium, wenn es darum geht Armut festzustellen. Darüber hinaus wird die sozio-ökonomische Lage jedoch, neben dem verfügbaren Einkommen, auch von weiteren Faktoren, wie Bildung, schulische oder berufliche Ausbildung, Arbeit und Erwerbsstatus, soziale Kontakte, Wohnen, Wohnumfeld/ Wohnungsausstattung, Gesundheit und subjektives Wohlbefinden mitbestimmt. Diese Dimensionen werden in dem Lebenslagenansatz aufgenommen, der somit das Phänomen der Armut wesentlich differenzierter betrachtet. 5
Der Begriff Lebenslage wurde vor allem durch Gerhard Weisser geprägt. Er definierte, in der Annahme, dass Menschen in unterschiedlichen Lebensalgen auch unterschiedliche Handlungsspielräume zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung haben, 1956 den Begriff Lebenslage als den ,,Spielraum, den einem Menschen die äußeren Umstände nachhaltig für Befriedigung der Interessen bieten, die den Sinn seines Lebens bestimmen“. 6 In dem multidimensionalen Lebenslagenverständnis von Armut sind somit die Handlungsspielräume eines Individuums als zentral anzusehen, die sich sowohl aus materiellen, als auch aus nicht materiellen Ressourcen ergeben. Darüber hinaus werden Ressourcen und Handlungsspielräume jedoch auch von weiteren objektiven Kriterien und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie Arbeits- und Wohnungsmarkt oder auch Bildungs- und Ausbildungszugänge mitbestimmt. Des weiteren werden hier subjektive Nutzungs-/ und Handlungskompetenzen berücksichtigt, die vor allem durch die Dauer der Armutssituation beeinflusst werden.
Es ist deutlich geworden, dass sich der Spielraum, der die Lebenslage bestimmt, nicht nur auf das Einkommen bezieht. Der Lebenslagenansatz versucht objektive Lebensbedingungen in allen Lebensbereichen mit subjektiven Bewertungen, wie Zufriedenheit oder Wohlbefinden,
4 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Elfter Kinder- und Jugendbericht: Bericht über
die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland.
Berlin: Eigenverlag 2002, S.139
5 Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): a.a.O., S.53
6 Weisser zit. nach: Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): a.a.O., S.54
zu verbinden und daraus Erkenntnisse auf die Lebensqualität von Menschen, sowie sozialstrukturelle Verteilungen von Lebenslagen zu erlangen. 7 Es ergeben sich innerhalb dieses Forschungsansatzes Schwierigkeiten in der Messung und Gewichtung der jeweiligen Lebenslagenfaktoren. Aufgrund dessen kann dieses Konzept noch nicht als vollständig entwickelt gelten und einheitlich angewandt werden, sondern eher als eine bestimmte Sichtweise auf das komplexe Phänomen der Armut gewertet werden. 8
Dimensionen, Indikatoren & Unterversorgung
3 Sozioökonomische Lebenslagen von Kindern
3.1 Armutsbetroffenheit von Kindern und Familien
In den letzten Jahren konnte man in der Armutsforschung eine Veränderung der Strukturen von Armutsgefährdeten und Armutsbetroffenen verzeichnen. Die Altersarmut ging zurück, während die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen (und ihren Familien) dramatisch zunahm. Kinder und Jugendliche sind mittlerweile überproportional von Armut betroffen, so dass man zunehmend von einer Infantilisierung der Armut spricht. Im Zuge dessen kann man beobachten, dass nicht nur kinderreiche Familien, sondern Familien generell, darunter vor allem die Ein-Eltern-Familien, einem wesentlich erhöhtem Armutsrisiko unterliegen. 10 Seit kurzem erst stehen die Lebensverhältnisse von Kindern und
7 Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): a.a.O., S.54 ff
8 BMFSFJ: Elfter Kinder- und Jugendbericht: a.a.O., S.143
9 Klocke A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): a.a.O., S.67
10 BMAS: Lebenslagen in Deutschland: a.a.O., S.27
Arbeit zitieren:
Claudia Lüttig, 2003, Bedeutung von Armut im Kindesalter, München, GRIN Verlag GmbH
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