Inhalt
Einleitung 2 Biografie Boswells 3 Entdeckung der Boswell-Manuskripte 4 Tagebuchliteratur 6 Boswell in Preußen: Friedrich II. der Große 12 Resümee 19 Bibliographie 21
Einleitung
James Boswell, ein junger Schotte von Rang, war sein Leben lang an den bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit interessiert. Er hatte es sich zum Ziel gemacht, die Leute, die er bewunderte, kennen zu lernen. Er erlangte eine Art persönlichen Ruhm durch diese Bekanntschaften, wie er selbst in seinem Tagebuch einmal schreibt. Er wollte dadurch bedeutender werden. Bemerkenswert sind der Eifer und Elan, mit denen er im Allgemeinen sein Ziel umzusetzen wusste. Boswell zählte zu seinen Bekanntschaften Namen wie Rousseau und Voltaire und hatte eine enge Beziehung zu Samuel Johnson, dem wohl größten englischen Schriftsteller der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts. Diese Freundschaft verschaffte Boswell letztlich eine eigene Berühmtheit: zunächst durch die Veröffentlichung der Berichte über seine Reise mit Johnson und schließlich die Biographie Samuel Johnsons, durch die Boswell über sein Leben hinaus berühmt wurde. Eine der für Boswell wichtigsten Bekanntschaften machte er jedoch nie: Friedrich II. von Preußen, der Große. Dieser hatte alles, was ihn als Persönlichkeit in Boswells Augen begehrenswert machte. Erstens war er adelig, von höchstem Rang und Status. Weiter war Friedrich II. ein bedeutender Herrscher und Kriegsführer, der sich schon früh einen Namen gemacht hatte. Und schließlich hatte er eine Eigenschaft, die für Boswell unwiderstehlich war: Friedrich der Große war der Philosoph von Sanssouci, von Kunst begeistert
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und an Wissenschaft interessiert. Boswell litt sehr an der Niederlage, diesen bedeutenden Mann nie gesprochen zu haben.
Im Folgenden sollen, neben einer Biographie Boswells, der Entdeckung seiner Aufzeichnungen und einem kurzen Abriss über das europäische Tagebuch im Allgemeinen, Boswells vergebliche Bemühungen, Friedrich II. während seines Aufenthalts in Preußen zu sprechen und das Bild, dass sich der junge Schotte von dem großen Monarchen machte, anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen dargestellt werden.
Biographie Boswells
James Boswell, geboren 1740 in Edinburgh, ist der älteste Sohn von Alexander Boswell, Laird of Auchinleck. Im Alter von 19 Jahren beginnt er ein Jura Studium an der Universität von Glasgow, bricht dies jedoch bald aus Rastlosigkeit und mangelndem Interesse ab und flüchtet nach London. Noch im selben Jahr kehrt er auf Geheiß seines Vaters nach Schottland zurück und bis 1762 studiert er Jura in Edinburgh. 1762 bis 1763 geht Boswell nach London, in der Hoffnung Foot Guards Officer zu werden. Dort macht er unter anderen die Bekanntschaften Johnsons, Goldsmiths und Wilkes. Von dort aus geht er nach Utrecht um sein Studium zu beenden. 1764 macht sich Boswell zu seiner Grand Tour auf. Er besucht unter anderem Deutschland, Frankreich und Italien, macht die Bekanntschaft vieler Leute von Rang und Namen, trifft R ousseau und Voltaire. 1765 lernt Boswell auf Korsika Pasquale Paoli kennen. Auf seinem Rückweg über Paris hört er 1766 vom Tod seiner Mutter und kehrt ohne Umwege nach Schottland zurück. Wieder in Schottland beginnt er eine Karriere als Jurist. 1769 heiratet Boswell und läßt sich in Edinburgh nieder. Seine Frau gebärt ihm fünf Kinder, darunter 1775 seinen ersten Sohn, Alexander. 1782 wird James Boswell aufgrund des Todes seines Vaters Laird of Auchinleck. Von 1772 bis 1784 reist er häufig nach London um Johnson zu besuchen. Mit diesem bereist er die Highlands und verschiedene Inseln. 1768 wurde bereits Boswells Tour to Corsica veröffentlicht und von 1777 bis 1783 schreibt Boswell regelmäßig für das London Magazine unter dem Titel The Hypochondriack.
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1784 stirbt Samuel Johnson, Boswell spielt mit dem Gedanken, eine Biographie über seinen Freund zu schreiben. 1785 veröffentlicht er seinen Reisebericht über eine gemeinsame Reise mit Johnson zu den Hebriden. 1786 gibt er die Juristerei ganz auf und zieht er mit der Familie nach London. In den folgenden Jahren veröffentlicht er Reiseberichte und beginnt die Arbeit an Johnsons Biographie. Boswells Frau stirbt bevor 1791 die Biographie Life of Samuel Johnson, LL.D. veröffentlicht wird, die ihm den lang ersehnten Ruhm 1 bringt. 1795 stirbt Boswell in London und wird auf Auchinleck beerdigt.
Entdeckung der Boswell-Manuskripte
Boswells Große Reise: Deutschland und Schweiz erschien erstmals 1953 unter dem Originaltitel Boswell on the Grand Tour: Germany and Switzerland 2 Boswell selbst hatte, 1764 (und wurde von Frederick A. Pottle veröffentlicht). mit Ausnahme zweier Reiseberichte, Journal of a Tour to Corsica (1768) und Journal of a Tour to the Hebrides with Dr Samuel Johnson (1785), von seinen 3 Nach Boswells privaten Aufzeichnungen und Tagebüchern nichts veröffentlicht. Tod ist der Großteil seiner Manuskripte und Briefe in Vergessenheit geraten und erst sehr viel später in Etappen, dank vieler glücklicher Zufälle und dem persönlichen Einsatz einzelner Sammler, wiederentdeckt worden. Die ersten Boswell-Manuskripte wurden erst vierzig Jahre nach dessen Tod gefunden: Ein Engländer namens Major Stone kauft in einem Laden in Bologne etwas, dass die Besitzerin in Papier verpackt. Zu Major Stones nicht gelinder Überraschung stellt sich heraus, dass dieses “Packpapier” nichts anderes als Originalbriefe, insgesamt siebenundneunzig, von dem Verfasser der berühmten Johnson Biographie an dessen Studienfreund Temple sind. 1856 werden sie veröffentlicht und bieten siebzig Jahre lang die einzige biographische
1 John Wain. The Journals of James Boswell 1762-1795. London: Yale University Press, 1991.
xxxi-xxxiii.
2 Peter Martin. A life of James Boswell. London: Yale University Press, 2000. 557.
3 John Wain. The Journals of James Boswell 1762-1795. London: Yale University Press, 1991.
xxxii.
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Information über Boswell, auch wenn die Briefe diverse Anspielungen auf ein 4 Tagebuch enthalten.
Ein Teil dieser persönlichen Aufzeichnungen, im Original Journals genannt, werden von Boswells Urenkelin gefunden, als diese den Iren Lord Talbot heiratet und von Auchinleck nach Irland zieht. Sie erkennt den Wert der Manuskripte und sucht sich 1911 einen Verleger, Sir John Murray. Dieser jedoch weist das Angebot ab, woraufhin die Talbots die Manuskripte abtippen und dabei skandalöse und anstößige Einzelheiten aussparen. Sir Murray lässt sich jedoch nicht erweichen. Erst eine Generation später hört der Amerikaner Colonel Ralph Isham von den Journals und macht dem sechsten Lord Talbot, Sohn von Boswells Urenkelin, ein Angebot. Dieser stimmt dem Verkauf unter der Bedingung zu, dass alles, was die Nachkommen Boswells oder andere genannte Personen beleidigen könnte oder generell anstößig erscheinen könnte, herausgenommen würde. Lady Talbot zensiert daraufhin die Journals, indem sie alles, was in der getippten Fassung fehlt, im Original mit Tinte und Farbe schwärzt. Isham jedoch, als er die Originale im Dezember 1927 für den Gesamtpreis von 20 000 Pfund erhält, wendet sich an den Englischen Verleger Geoffrey Scott, untersucht mit ihm die Manuskripte unter starkem Licht und ist 5 schließlich in der Lage, den Großteil der Schwärzungen zu entziffern. Zu ihrer großen Überraschung findet Lady Talbot 1930 weitere Manuskripte: in einem Karton der nicht wie angenommen Croquet-Bälle enthält, finden sich weitere Aufzeichnungen Boswells. Isham, der es sich zum Ziel gemacht hat, alle Manuskripte Boswells zu sammeln und als eine Gesamtkollektion in Yale zu deponieren, erwirbt trotz finanzieller Schwierigkeiten auch diese Originale für 6 den Preis von 4000 Pfund von den Talbots.
1936 wird ein weiterer Fund bekannt: Ein Teil der Boswell Journals, zusammen mit Briefen, wird 1928 von Claude Colleer Abbott von der Universität von Aberdeen gefunden. Abbott war auf der Suche nach Material über den schottischen Dichter James Beattie und wußte, dass Sir William Forbes, ein Freund und Ratgeber Boswells, damals über das Leben dieses Dichters
4 Peter Martin. A life of James Boswell. London: Yale University Press, 2000. 4.
5 ibid. xxi-xxiv.
6 ibid. xxv.
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geschrieben hatte. Er suchte Baron Clinten of Maxstock and Saye, den Ururenkel von Forbes, auf dessen Landsitz Fettercain auf. Statt der erwarteten Informationen über James Beattie fand Abbott einen Pulk von Boswell 7 Manuskripten.
Ein erneuter “glücklicher” Zufall bringt wieder Aufzeichnungen von Boswell zutage. Aufgrund der Lebensmittelknappheit während des Krieges wird Lord Talbot 1939 ersucht, die Dachböden seiner Gutsgebäude zu räumen, um diese als Kornspeicher nutzen zu können. In einer der hintersten Ecken finden sich zwei große Packkisten. Die eine enthält Papiere von Boswell, die andere betrifft seinen Sohn Alexander. Unter den Papieren sind auch wichtige Briefe von und an Boswells Freund Temple aus der Zeit seiner Reise durch Europa. 8 Am 28. Juni 1949, Wiederum ist es Isham, der die Manuskripte erwirbt. mittlerweile hoch verschuldet, verkauft Isham schließlich seine gesamte Boswell-Kollektion für $ 450 000 an die Yale University, wo Professor Frederick A. Pottle, der nach Scotts Tod dessen Posten übernommen hatte, von 1950 bis 9 1989 den Nachlass Boswells veröffentlicht.
Tagebuchliteratur
Die Geschichte des Journals geht zurück bis zur Antike. Die ältesten Formen sind Tagesberichte über Götter oder Könige und Logbücher der Schiffahrt, die Begebenheiten in chronologischer Form aufzeichneten. Diese Form der Chronik erlangte am Ausgang der Antike mehr und mehr Subjektivität, bis sich im Mittelalter zunehmend “Seelengeschichten” und “Konfessionen” hervortaten. “[S]eit der Renaissance wurden [schließlich] Ephemerides, Diaria, Journals, Diaries, Dnevniki, Tagebücher zu immer genaueren Spiegelungen der intimen, 10 unteilbaren, souveränen Individualität.”
7 ibid.xxiv.
8 ibid. xxv-xxvi.
9 ibid. 12.
10 Gustav René Hocke. Europäische Tagebuchliteratur aus vier Jahrhunderten. Frankfurt a. M.:
Fischer, 1991. 16.
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Arbeit zitieren:
M.A. Kerstin Jütting, 2002, Tagebuchliteratur: James Boswell in Preußen, München, GRIN Verlag GmbH
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