Inhalt
1.) Einleitung: S. 3 4
2.) Religion, Geschichte, Elegie: S. 4 6
3.) Die Götter Griechenlands: S. 6 12
4.) Brod und Wein: S. 13 18
5.) Zusammenfassung / Vergleich: S. 18 19
6.) Literaturangaben: 20
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1.) Einleitung.
Ein Vergleich zwischen der gewaltigen, bedeutenden Elegie „Brod und Wein“ Hölderlins sowie dem Gedicht „Die Götter Griechenlands“ von Friedrich Schiller ist nicht nur ein Vergleich zweier der bekanntesten deutschen Dichter, sondern zugleich der ihrer vielleicht bedeutendsten Werke. Die epochemachenden Werke, anzusiedeln um das Jahr 1800, entstanden in einer nicht nur für die europäische Geschichte unendlich wichtigen Zeit, diese Zeit ist mindestens ebenso bedeutend und einflussreich für die Literatur und Philosophie unseres Kontinents. Schillers „Götter Griechenlands“, erschienen 1788 im Teutschen Merkur (in der ersten Fassung), warf man antichristliche Tendenzen und Lästerei vor, obgleich Schiller selbst der Meinung war, dass sein Gedicht wohl das Beste sei, was ich neuerdings hervorgebracht habe. Unter dem Eindruck zahlreicher Kritik bearbeitete er es schließlich, kürzte es von 25 Strophen herunter auf 16 und arbeitete es stellenweise um. Für diese Seminararbeit soll die erste Fassung vom März 1788 herhalten. Hölderlins Elegie „Brod und Wein“, entstanden 1800/1801, ist als poetische Rezeption des Schiller - Gedichts zu sehen. Der erste Unterschied wird schon im Aufbau seiner klassischen Elegie sichtbar. Neun Strophen, zu unterteilen in jeweils drei Abschnitte zu jeweils drei Strophen nehmen sich nicht nur weitaus kürzer und klarer aus, bei Hölderlin ist die Gliederung, wie wir später noch sehen werden, anders als bei Schiller von grundlegender Bedeutung für den Gehalt seiner Elegie. Um die Seminararbeit auch dem Seminarplan folgen zu lassen, ergibt sich die Gliederung der Arbeit aus den kurzen Vorbemerkungen. Zunächst soll mittels Erläuterung der Grundlagen, also den Voraussetzungen -dem Nährboden der beiden Dichtungen- die Grundlage zu einer Interpretation des Gedichts „Die Götter Griechenlands“, dann der Elegie „Brod und Wein“ gegeben werden. Beginnen werde ich mit Schiller. Inwieweit ist er beeinflusst von der Antike? Worauf beziehen sich die Vorwürfe, nach
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denen Schiller ein Gedicht mit antichristlichen Tendenzen schrieb? Weiterhin wird zu klären sein, was den Aufbau der beiden Dichtungen ausmacht, worin genau der Unterschied zwischen Schillers Gedicht mit elegischem Charakter und der von Hölderlin gewählten klassischen Form der Elegie besteht. Nach der Interpretation soll dann der direkte Vergleich der beiden Dichter und ihrer hier angesprochenen Werke folgen, um abschließend den Platz der beiden im literarhistorischen Gesamtkontext festzustellen. Die Interpretation „Der Götter Griechenlands“ und „Brod und Wein“ steht im Vordergrund. Ganz am Ende der Arbeit wird die verwendete Literatur gezeigt, bei der ich vielmehr auf ein breiteres Spektrum als auf den wirklich neuesten Forschungsstand Wert gelegt habe.
2.) Religion, Geschichte, Elegie.
Der Vergleich zwischen Antike und Moderne ist nicht neu. Bereits vor der deutschen Aufklärung beschäftigten sich Moliére und Racine mit einer Rückwendung zur Antike. Grund dafür war ein Empfinden der Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation. So schwappte der französische Einfluss unter Gottsched auf dem Gebiet der Literatur nach Deutschland. Der Einfluss der Franzosen im historischen Kontext um das Jahr 1800 herum dürfte hinreichend bekannt sein. „Wenn man davon ausgeht, dass Schillers Gedicht ein Jahr vor dem Ausbruch der französischen Revolution geschrieben wurde und sich der Dichter immer als >>ein Seismograph für die politischen und geschichtlichen Strömungen seiner Zeit<< erwiesen hat, so wird man (...) auch die für Schillers Gegenwart bestürzende Aktualität des Gedichts erkennen.“ 1 Klopstock und Winckelmann nahmen sich die griechische Antike zum Vorbild, Goethe und Schiller schließlich begründeten den klassischen deutschen Griechenlandmythos.
1 Wolfgang Frühwald: Die Auseinandersetzung um Schillers Gedicht (...); S. 261.
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Das Gedankengut der Aufklärung und der Fortschrittsglaube des ausgehenden 18. Jahrhunderts bildeten die Voraussetzungen für die Kantsche Geschichtsphilosophie. Dessen Schriften Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen beeinflussten Schiller stark, sehr gut zu sehen in seinem Aufsatz Über naive und sentimentalische Dichtung. Friedrich Schiller erscheint hier mit seinen „Göttern Griechenlands“ als Dichter der Aufklärung, der eben klagend auf die entgötterte Welt zeigt. Im Zuge der Reformation waren die Götterbilder entfernt worden, aus den Kirchen, vielleicht aber nicht aus den Herzen der Menschen. Der Klage über die entgötterte Welt folgte die Forderung nach einer neuen Mythologie. Die Erinnerung an die vergangene Zeit verknüpft Schiller zugleich mit der Hoffnung auf eine neue, die da noch kommen wird.
Die Hoffnung auf eine neue Zeit, auf einen vielleicht kommenden Gott, ist auch bei Hölderlin im christlichen Glauben, in dessen christlichen Wurzeln zu suchen. Der Titel der Elegie „Brod und Wein“ sollte ursprünglich lauten: „Der Weingott“. Hölderlin stellt die Götternacht dem Göttertag voran. Er kombiniert in seiner Dichtung Christentum mit Griechentum, schuf so eine Verbindung von Kunst und Religion.
Während „Die Götter Griechenlands“ „nur“ elegischen Charakters sind, bedient Hölderlin sich der klassischen Form der Elegie. Die Formulierung eines Gedankens, einen Toten oder etwas Vergangenes, auch Gegangenes betreffend, die vergangene Einheit also bildet die Vorraussetzung zur Trauer. „Der Inhalt der dichterischen Klage kann also niemals ein äußerer, jederzeit nur ein innerer idealistischer Gegenstand sein (...). In dieser Reduktion des Beschränkten auf ein Unendliches besteht eigentlich die poetische Behandlung. Hölderlins Elegienbegriff wird auf den Schillers reduziert.“ 2 Die Wiederherstellung der vergangenen Einheit, die elegische Poesie Hölderlins, ist philosophisch bewegt. Liebe und Tod, Einheit und Trennung. Die französische Revolution wird in Hölderlins Ästhetik und seiner Geschichtsphilosophie reflektiert. Die Elegie besteht also aus zwei
2 Stephan Wackwitz: Trauer und Utopie um 1800; S. 5.
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Positionen: der vergangenen Wirklichkeit - sie wird auf das Ideal reduziert-, und der gegenwärtigen Wirklichkeit. „Indem die Vergangenheit im Raum der Gegenwart erscheint, stellt sich die elegische Trauer her. Schillers Gattungsbegriff lässt sich zunächst auch ohne weiteres auf Hölderlins Elegien anwenden.“ 3 Die untergegangenen Götter und Helden der Antike stellen eine untergegangene Wirklichkeit dar, „die tragische Vereinigung der Antike mit der Gegenwart - der dramatische Akt der Revolution - wird zur Geburtsstunde der Zukunft.“ 4 Die beiden Dichter, die sich 1799 kennen lernten (Hölderlin empfand den elf Jahre älteren Schiller als Vorbild) zeigten sich also durch die Zeichen der Zeit beeinflusst, die französische Revolution, die Philosophie Hegels, Schlegels, Novalis´, die Aufklärung und ihrer Folgen. Die Verarbeitung dieser Einflüsse soll sich jetzt in den Interpretationen zeigen.
3.) Die Götter Griechenlands.
Schiller verfasste das Gedicht „Die Götter Griechenlands“ im März 1788 als Beitrag für Wielands Zeitschrift Der Teutsche Merkur, es entstand also während Schillers Weimarer Zeit, während seines Geschichtsstudiums. Schiller wendet sich hier der griechischen Antike zu. Das Erscheinen des Gedichts löste heftige Reaktionen aus, man warf ihm antichristliche Tendenzen vor. Warum? „Exakt die Hälfte des Gedichts, also 100 Verse, benötigt Schiller, um das alte Griechenland in leuchtenden Farben zu malen. Dann erfolgt der radikale Bruch: Mit dem Erscheinen und der Herrschaft des christlichen Gottes wird die Welt zerstört.“ 5 Zum Aufbau der hier zu interpretierenden ersten Fassung: Sie besteht aus 25 Strophen zu je 8 Versen. Man findet in allen Strophen einen doppelten Kreuzreim, hier ein Beispiel aus der zweiten Strophe: Hülle / wand; Lebensfülle / empfand. Jeweils nach der Hälfte der Strophe deutet Schiller eine Zäsur an: es geht jeweils A / B; A / B, dann C / D; C / D. Dieses
4 E b d . :
5 Norbert Öllers:
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Stefan Oberläuter, 2005, Brot und Wein / Die Götter Griechenlands - ein Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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