I. Einleitung 1
II. Krieg und Öl: US-Erdölstrategie von Roosevelt bis Truman 2
III. Years of Decision: Der Nahe Osten als Spielball um die Vorherrschaft der Großmächte 6
IV. Years of Trial and Hope: Stabilisierung des amerikanischen Erdölimperiums in Nahost 1 3
V. Folgewirkungen der Erdölpolitik Trumans im Nahen Osten 2 5
VI. Fazit 2 9
Anhang: Literatur
I. Einleitung
Eine Fülle von wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sich mit den Ursachen des Kalten Krieges. Die meisten konzentrieren sich auf die Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA im Europa der Nachkriegszeit, das Aufeinandertreffen der beiden Großmächte im Nahen Osten 1 - unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs - wird außer Acht gelassen.
Diese Einschätzung stellt Bruce R. Kuniholm seiner 1980 veröffentlichen Monographie „The Origins of the Cold War in the Near East“ voran, gleichzeitig betont er: „[The] Great Power relations in the Near East cast significant light on the origins of Cold War [...].“ 2 Der Nahe Osten wurde zum ersten Schauplatz der Konfrontation zwischen den ehemaligen Alliierten, früher als in Europa kam hier die amerikanische Containment-Strategie zur Anwendung.
Gründe für die zentrale Bedeutung der Region waren die strategische Lage als Puffer zwischen den sowjetischen Einflusssphären in Osteuropa und Fernost, im besonderen aber der ökonomische Wert der beträchtlichen Erdölvorkommen der Golfregion. Der Zweite Weltkrieg hatte die Bedeutung der strategischen Ressource Erdöl nachdrücklich unterstrichen, Erdöl war die wichtigste Energie- und Treibstoffquelle. „After World War II oil use icreased dramatically everywhere, but new [oil] discoveries in the United States did not keep pace. [...] The Middle East was clearly the major production area of the future, even though it was far away from the consumer countries, vulnerable to attack from the Soviet Union, and internally unstable. U.S. foreign policy therefore faced a whole new set of political issues.“ 3
Im folgenden soll untersucht werden, welche Rolle das Erdöl des Nahen Ostens für die Außenpolitik der Truman-Administration in den Jahren des beginnenden Kalten Krieges einnahm.
Inwieweit haben ökonomische Interessen und das Ziel, die Verfügungsgewalt über ein möglichst großes Potenzial an Erdölreserven zu erlangen, eine Konfrontation zwischen USA und Sowjetunion intensiviert oder sogar erst entfacht?
1 Mit dem Sammelbegriff „Naher Osten“ ist in dieser Arbeit die Region vom östlichen Mittelmeer bis zum
Golf von Persien gemeint: Bahrein, Irak, Iran, Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Saudi Arabien,
Syrien.
2 Kuniholm (1980), xxi. Vgl. dazu Mejcher: „Die Geschichte über die Entstehung des Kalten Krieges und
über die Teilung der Welt wird erst dann ausführlich geschrieben werden können, wenn die
Interdependenzen zwischen den regionalen Krisenfeldern im globalen Maßstab gründlich erforscht und
sorgfältiger, als bisher geschehen, gewichtet werden.“ Mejcher (1990), 23.
3 Encyclopedia of U.S. Foreign Relations 3 (1997), 111.
1
Trug die Außenpolitik der USA sogar imperialistische Züge, mit dem Gedanken, die ökonomische, politische und militärische Hegemonie über den Nahen Osten zu gewinnen?
Gegenstand der Darstellung sind Kontinuitäten und Wandel amerikanischer Politik gegenüber den erdölproduzierenden Ländern am Persischen Golf, die Symbiose zwischen staatlichen und privaten Ölinteressen, die ambivalente Haltung gegenüber Großbritannien sowie die Konfrontation mit der Sowjetunion in Nahost.
II. Krieg und Öl: US-Erdölstrategie von Roosevelt bis Truman
1. Etappen amerikanischer Erdölpolitik für den Nahen Osten
Das Vordringen amerikanischer Ölkonzerne in den Nahen Osten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte in drei Etappen: Am Ende des Ersten und Zweiten Weltkrieges jeweils auf Initiative des Staates aufgrund von Verknappungserscheinungen auf dem eigenen Kontinent und in der Zwischenetappe der 30er Jahre durch Engagement privater Konzerne, die rein kommerziellen Interessen folgten. 4
Diese drei Etappen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Umfangs und der Qualität der amerikanischen Bemühungen um eine Beteiligung an der nahöstlichen Ölproduktion. Die bedeutendste Etappe stellt die Entwicklung einer staatlichen Erdölstrategie im Zuge des Zweiten Weltkrieges dar. 5
1.1. Determinanten amerikanischer Erdölpolitik im Weltkrieg
Schon in Friedenszeiten war Erdöl die Ressource, von der die überlegene Stellung der Wirtschaftsmacht USA in der Welt und der der Wohlstand der amerikanischen Gesellschaft zu einem großen Teil abhing. 6 Die USA förderten schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges mehr Öl als die gesamte restliche Welt. 7
4 Fields (1975), 10f.
5 In der Zwischenkriegszeit wurden zwar die Grundlagen für das Engagement amerikanischer
Ölgesellschaften im Nahen Osten gelegt (Erwerb möglichst großer Konzessionsgebiete, besonders im Irak
und Saudi Arabien), im Vergleich zu späteren Jahren waren diese Aktivitäten aber eher bescheiden. Für diese
Jahre gilt nach Campbell: „As a government and as a nation [...] the United states as a nation took no stand
and had no policy.“ Campbell (1960), 29.
6 Von 1920 bis 1941 wuchs die Bevölkerung der USA von 106 auf 133 Millionen Menschen, gleichzeitig
stieg der pro Kopf Verbrauch eines jeden Amerikaners von 4,3 Barrel (1920) auf 11,2 Barrel (1941) pro Jahr.
Ein Grund für den steigenden Ölverbrauch der USA in der Zwischenkriegszeit stellte der stetig wachsende
2
Der Zweite Weltkrieg unterstrich die Bedeutung der Ressource Erdöl erst recht. Ein bis dahin nicht gekannter Einsatz von motorisierten Truppenverbänden, Panzern und Flugzeugen machte Erdöl zur unersetzlichen Treibstoffquelle. 8 „An seinen Höhepunkten erreichte der Benzinverbrauch im Zweiten Weltkrieg das Hundertfache von jenem im Ersten Weltkrieg. Die typische amerikanische Division setzte im Ersten Weltkrieg 4000 PS ein; im Zweiten Weltkrieg waren es dagegen 187 000 PS.“ 9 Öl machte etwa die Hälfte der während des Kriegs aus den USA verschifften Tonnage aus. 10 Die Erdölproduktion der Westmächte beruhte fast allein auf Ressourcen der USA. 11 „Als die Vereinigten Staaten von Amerika [...] in den Krieg eintraten, war in Washington jedermann binnen kurzer Zeit klar, dass in diesem Weltkrieg nur derjenige siegen würde, der einen unbegrenzten und ungehinderten Zugang zum Erdöl behielt.“ 12 Die Verfügbarkeit über große Mengen an Erdölreserven wurde für die Kriegs- und Nachkriegsplanung zum Interesse der nationalen Sicherheit. Langfristig mussten die Erdölreserven der USA, so die Planung, groß genug sein, um für diesen und für jeden weiteren Krieg gerüstet zu sein. 13 Harold L. Ickes - im Dezember 1942 zum Petroleum-Verwalter für den Krieg ernannt - brachte diese Strategie in der Formel: „To oil another war“ 14 , zugespitzt zum Ausdruck.
1.2. Der Nahe Osten als neuer Schwerpunkt
Als Grundlage der Formulierung einer konkreten Erdölpolitik mussten zunächst umfangreiche Studien über sämtliche vorhandenen und vermuteten Welterdölreserven angestellt werden. Im Februar 1942, nur wenige Monate nach dem Kriegseintritt der USA, setzte der amerikanische Kongress einen Untersuchungsausschuss ein, der alle Phasen der Kriegsproduktion und des Nachschubs - insbesondere der Erdölfrage - auf seine
Bedarf an Treibstoff dar. Die Anzahl der Motor betriebenen Fahrzeuge nahm von 7,6 Millionen (1919) auf
34,47 Millionen (1941) zu. Painter (1986), 9.
7 1938: 60 Prozent der Welterdölprodkution. Anderson (1981), 37.
8 Vgl. Painter (1986), 11. Fields (1975), 36. Painter (1993), 165.
9 Yergin (1991), 487.
10 Yergin (1991), 487.
11 „Die Vereinigten Staaten sollten fast neunzig Prozent des Ölbedarfs der Alliierten im Zweiten Weltkrieg
produzieren.“ Yergin (1991), 502. Die Menge der bekannten Erdölreserven auf dem Gebiet der USA waren
von 6,7 Milliarden Barrel im Jahr 1919 auf 19,5 Milliarden Barrel im Jahr 1941 gestiegen, was 46 Prozent
der weltweit bekannten Reserven entsprach. Dagegen waren Ölförderung der USA jedoch im gleichen
Zeitraum von 3,7 Millionen Barrel pro Jahr auf 1,4 Milliarden pro Jahr angewachsen (1941: 63 Prozent der
weltweiten Produktion). Painter (1986), 9.
12 Mejcher (1990), 65.
13 Mejcher (1990), 67.
14 Zitiert nach: Mejcher (1990), 67.
3
Wirtschaftlichkeit prüfen sollte. Der Vorsitzende diese Ausschusse war der spätere Präsident Truman. 15
In einer 65 Tage (ab dem 26. Juli 1943) dauerden Inspektionsreise wurden die wichtigsten Operations- und Nachschubbasen in der Welt aufgesucht - im Nahen Osten besuchte man unter anderem Kairo, Jerusalem, Abadan und Basra. 16
Die Studie sollte drei Aspekte der Erdölfrage klären: „1. Die Auswirkungen des Krieges auf die Ölversorgung der Vereinigten Staaten und der Welt. 2. Die Zunkunft der Vereinigten Staaten in der Welterdölwirtschaft. 3. Die Formulierung einer nationalen Politik für Erdöl und Erdölverwaltung.“ 17
Im Abschlussbereicht präsentierte der Ausschuss seine wichtigsten Einschätzungen am 17. Februar 1944 vor dem Senat. Demnach standen einem Ölverbrauch der USA in Höhe von 1,63 Milliarden Barrel im Jahr 1943, nachgewiesene Reserven im eigenen Land von 20,08 Milliarden Barrel gegenüber. 18
Vor diesem Hintergrund wurde Erschöpfung der amerikanischen Reserven, bei kontinuierlicher Fördermenge, innerhalb von 14 Jahren vorausgesagt, während die Reserven des Nahen Ostens noch für 161 Jahre reichen sollten. 19 Andere Untersuchungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Eine Studie der Joint Chiefs of Staff im Mai 1943 bezifferte die Rohölreserve in den USA auf 20 Milliarden Barrel, zum Vergleich wurden die Rohölvorkommen im gesamten Nahen Osten auf 56 Milliarden Barrel geschätzt. 20 Die jährliche Rohölförderung in den USA betrug 1943, laut Joint Chiefs of Staff, 1,5 Milliarden Barrel. Dagegen war das nahöstliche Erdölpotenzial mit einer Förderrate von 127 Millionen Barrel wenig erschlossen.
Aufgrund der starken Beanspruchung heimischer Erdölreserven im Krieg erscheint die Formulierung einer auwärtigen Erdölstrategie, mit dem Ziel der Verlagerung des Schwerpunktes von Reserven der Heimat und der Karibik hin zu den Reserven des Nahen Ostens, fast zwangsläufig. „Das ‚unterentwickelte‘ nahöstliche Erdölpotenzial [rückte] in die Planung der langfristigen auswärtigen Erdölpolitik der USA“ 21 . 22 Als staatliches Instrument zur Koordination einer langfristigen auswärtigen Ölpolitik wurde die Petroleum Reserve Corporation (PRC) gegründet.
15 Vgl. Mejcher (1990), 68f.
16 Truman Report, 3.
17 Truman Report, 4.
18 Truman Report, 4f.
19 Mejcher (1990), 83. Vgl. Truman Report, 5.
20 Anderson (1981), 38.
21 Mejcher (1990), 72.
22 Eine eher militärische Betrachtung zugrunde legend erklärt Campbell, die Abkommandierung von US-
Truppen und Ingenieuren in den Nahen Osten, um die Nachschub-Versorgung der Sowjetunion zu sichern,
habe den Impuls für das amerikanische Interesse an der Region gegeben. Campbell (1960), 31.
4
2. Amerikanische Erdölpolitik während des Zweiten Weltkriegs: Saudi Arabien
Saudi Arabien rückte erst spät in den Fokus westlicher Ölgesellschaften. Im Jahr 1933 vergab der saudische König Ibn Saud die einzige Ölkonzession an die „Standard Oil of California“ (Socal). Die „Texas Oil Company“ (Texaco) schloss sich 1936 an, zusammen bildeten sie die „California Arabian Standard Oil Company“ (Casoc, seit 1944 in Aramco umbenannt). 23 Ölvorkommen in wirtschaftlichen Mengen wurden in Saudi-Arabien 1938 entdeckt 24 .
Der Zweite Weltkrieg stürzte Saudi Arabien allerdings in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, da die Zahl der Pilgerfahrten nach Mekka - Haupteinnahmequelle Saudi Arabiens - im Krieg drastisch zurück ging. 25 In dieser Situation wendete sich Ibn Saud an Casoc und verlangte von der Gesellschaft Vorschusszahlungen zukünftiger Tantiemen aus dem Ölgeschäft in Höhe von sechs Millionen Dollar jährlich. 26
Washington lehnte Wirtschaftshilfe für Saudi Arabien ab und verwies an die Zuständigkeit Großbritanniens. Roosevelt teilte den Briten mit: „Take care of the King of Saudi Arabia [since] this is a little far afield for us!“ 27
Zwei Jahre später hatte Roosevelt seine Meinung geändert. Das generelle Umdenken in der Erdölfrage - zuvor beschrieben -, ließ für die amerikanische Außenpolitk nicht länger zu, Saudi Arabien zu ignorieren. 28 Die Erdölvorkommen des Nahen Ostens sollte nicht allein privaten Ölgesellschaften oder den Briten überlassen, sondern von nun an ebenso durch die US-Regierung entwickelt werden.
Als die Präsidenten von Socal, Texaco und dem Gemeinschaftsunternehmen Casoc im Februar 1943 nach Washington kamen, um die Regierung um Finanzhilfe zu bitten, wies sie Roosevelt nicht ab. Die Vertreter der Ölgesellschaften argumentierten, nur durch amerikanisches Lend-Lease für Saudi Arabien, könnten die Briten in ihre Schranken gewiesen und eine „Fortführung rein amerikanischer Unternehmungen nach dem Krieg“ 29 sicher gestellt werden. 30 Im Gegenzug für staatliche Auslandshilfe sollte die US-Regierung „eine Art Sonderzugang oder Option auf das saudische Öl“ 31 erhalten. W.S.S. Rodgers, Chairman der Texas Oil Company, warnte vor „rapidly increasing British economic
23 Anderson (1981), 25-28.
24 Anderson (1981), 28.
25 Vgl. Louis (1984), 178f. Anderson (1981), 29. Anderson (DH 1979), 415.
26 Anderson (1981), 30. Anderson (DH 1979), 415.
27 Memorandum, Roosevelt an Jones, 18.7.1941. FRUS III 1941, 643.
28 Anderson (1981), 33-34.
29 Anderson (1981), 46-48.
30 Vgl. Yergin (1991), 503.
31 Yergin (1991), 503.
5
influence in Saudi Arabia, because of the bearing it [...] [might] have on the continuation of purely American enterprise there after the war“ 32 .
Roosevelt beschloss am 18. Februar 1943, ein halbes Jahr nachdem er erklärt hatte, „Saudi Arabien liege bisschen zu weit weg“, ein Lend-Lease Programm für Saudi Arabien. 33 Nach eigener Aussage Roosevelts vom 18. Februar 1943 galt Saudi-Arabien in Zukunft sogar als lebenswichtig für die Verteidigung der USA. 34
Die britischen Subventionen an Ibn Saud, zuvor noch als willkommene Entlastung empfunden, trugen nun zu den zunehmenden Irritationen zwischen den USA und Großbritannien in Nahost bei. 35 Nach Louis stellt die Entwicklung in Saudi Arabien einen Mikrokosmos des Konkurrenzkampfs zwischen den USA und Großbritannien dar. 36
III. Years of Decision: Der Nahe Osten als Spielball um die Vorherrschaft der Großmächte
1. Schlüsselstellung des Nahen Ostens für die Truman-Administration
Die Roosevelt-Administration stellte die Bedeutung des Nahen Ostens fest, ihre Nahostpolitik hatte aber kaum konkrete Maßnahmen hervor gebracht (Ausnahme bildeten das Lend-Lease Programm für Saudi-Arabiens und vage Versprechen, die arabischen Staaten in der Palästinafrage zu konsultieren).
Kuniholm sieht im Übergang von Roosevelt zu Truman eine Zäsur in der amerikanischen Nahostpolitik, die er mit den Worten „from policy to commitment“ 37 bezeichnet. Die von der Roosevelt-Administration formulierten Vorgaben eines „positive encouragement“ 38 im Nahen Osten, sollten unter Truman in die Praxis umgesetzt werden. Das Neue der Nahostpolitik unter Truman waren kaum inhaltliche Gesichtspunkte, sondern die Art der konkreten Umsetzung.
32 Zitiert nach: Anderson (1979), 417.
33 Bei einem Mittagessen soll Harold Ickes, als Befürworter von staatlich gelenkter Ölpolitik, Roosevelt
überzeugt haben, Saudi Arabien finanziell zu unterstützen. Anderson (1981), 48. „Es waren die Argumente
Ickes und anderer Regierungsmitglieder und nicht die Petition der Ölbosse“, die Roosevelt zum Lend-Lease
zustimmen ließen. Yergin (1991), 503. Vgl. Anderson (1981), 49.
34 F. D. Roosevelt an Stettinius, 18.2.1943. FRUS IV 1943, 859.
35 Großbritannien befürchetete ein „economic take-over“oder „economic exploitation“ des gesamten Nahen
Ostens durch die USA. Jenen Verdächtigungen der Briten standen Sorgen amerikanischer Unternehmen, die
Briten könnten ihnen bestehende Ölkonzessionen „stehlen“, gegenüber. Louis (1984), 179-180, 184.
36 „Saudi Arabia could be regarded as a microcosm in which the economic and political aims of the United
States vied with those of the British Empire.“ Louis (1984), 183.
37 Kuniholm (1980), 383.
38 Kuniholm (1980), 383.
6
Neben der von Roosevelt erkannten wirtschaftlichen Bedeutung der nahöstlichen Erdölvorkommen, trat nun die sicherheits-politische Bedeutung des Nahen Ostens in der Eindämmungsstrategie gegenüber der Sowjetunion. 39
Um die politisch-militärische Dimension einer zukünftigen Nahostpolitik zu analysieren, ließ Truman vom State-War-Navy Coordinating Committee (SWNCC) schon 1945 einen Untersuchungsausschuss für die Region einrichten. Sein Lagebericht vom 25. Juli 1945 sollte wegweisend für die weitere Politik Trumans sein.
Die Rede war von einer an Rohstoffen reichen, aber sozial unterentwickelten Region, die infolge der imperialen Schwäche Großbritanniens, der lauernden Sowjetunion anheim zu fallen drohte.
Die Forderungen an eine amerikanische Außenpolitik lauteten: „The evolution of this area, because of its resources and geographical position, must be guided by nations following the path of Western democratic civilization rather than by Eastern dictatorships. [...] As a world power the United States cannot longer fail to take careful and constant account of the Near and Middle East and to play a part in the area which will protect our national interests.“ 40
1.1. Die geostrategische Lage des Nahen Ostens
Im Sicherheitskordon von Skandinavien über Europa und den Nahen Osten nach Südostasien bis zum Fernen Osten stellte die Erdölregion eine strategisch herausragendes Zwischenglied dar. 41 Vom Nahen Osten her waren die Ölfelder im Kaukasus und bei Emba - das Rückgrat der sowjetischen Industrie - verwundbar. Der Nahe Osten war damit eine Zone, in der es nicht nur um Verteidigung des westlichen Ölimperiums, sondern um ein militärisches Aufmarschgebiet für einen Angriff gegen die Sowjetunion im Falle eines Krieges ging. 42
39 Painter (1986), 1. Vgl. Bryson (1981), 178.
40 SWNCC 165, 25 July 1945. Enclosure: Memorandum by the Acting Chairman. FRUS VIII 1945, 45-48.
41 Mejcher (1990), 365. Talks on the Middle East, FRUS V 1947, 566.
42 Mejcher (1990), 365. Talks on the Middle East, FRUS V 1947, 566f.
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Arbeit zitieren:
Jörg Hackhausen, 2001, Free Flow of Oil - Leitlinien der Nahostpolitik unter Truman, München, GRIN Verlag GmbH
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